Der Karateverein - Erziehungscamp für Kinder?
Schaut man sich die Gesellschaft heute an, so scheint es, dass die Welt des Konsums beständig ansteigt. Jedenfalls kann man heute für jedes Problem eine bezahlte Möglichkeit finden oder etwa nicht? In einer Zeit der Spaßgesellschaft scheint es heute einfacher den je zu sein, persönliche Verantwortung an andere abzuschieben und die dadurch gewonne Zeit zum eigenen Vergnügen zu nuten.
Für Eltern scheint es heute noch einfacher zu sein, die eigene persönliche Erziehungsverantwortung an andere übertragen. In Zeiten von G8 befinden sich die Schüler von morgens um 08:00 bis am Nachmittag um 16:30 oder gar 17:00 Uhr in der Schule. Um die Erziehung sollen sich in diesem Fall die Lehrer kümmern. Man selbst hat ja keine Zeit, da man sich selbst auf der Arbeit befindet und dort Verantwortung trägt. So kann doch wenigstens der Lehrer (oder im Kindergarten die dortigen Verantwortlichen) auf das eigene Kind aufpassen. Und am Abend möchte man sich alleine oder mit dem Partner entspannen. Zeit für Erziehung des eigenen Nachwuches bleibt kaum. Statt dessen wird den Kindern in populären anti-autoritären Erziehung alles erlaubt, Grenzen nicht aufgezeigt. Sollen dies doch die Verantwortlichen Lehrer und Erzieher übernehmen.
Stellt man fest, dass dies nicht ausreicht, hören einige Eltern von dem Mythos, dass Disziplin und Werte wie Höflichkeit, Zielstrebigkeit, Respekt und Toleranz (sowie einiges mehr) in den Karateschulen gelehrt werden soll. Heureka! DAS ist es. Ich schicke mein Kind in eines dieser komischen Kampfsportschulen, die werden schon wissen, wie man meinem Kind Disziplin und das ganze andere Zeugs einbleuen muss. Und ich muss mich nicht darum kümmern!
Dies jedenfalls scheinen ab und an einige Eltern zu denken, wenn sie Ihre Gören in die Vereine stecken und sich auf Ihre Nachfrage nach Ihrem Zögling wundern, wenn Trainer nicht immer freudig erregt reagieren, dass der Nachwuchs im Verein ist. Teilweise reagieren Eltern auch entsetzt, wenn der Trainer sich über das potentielle negative Verhalten des Kindes äußert.
Doch die Schuldigen sind schnell gefunden. Da es selbstverständlich nicht der eigene hochgelobte Nachwuchs sein kann, muss es am Verein oder noch besser am Trainer liegen. Denn sonst hätten die schon die richtigen Mittel für die Erziehung gefunden, oder etwa nicht?
Verkannt wird dabei, dass Erziehung nicht das Anliegen eines Karatevereins ist, wenngleich auch Werte vermittelt werden. Wie jedoch soll ein Trainer in den drei Stunden die er in der Woche mit den Kindern hat, jedes einzelne Kind erziehen? Vor allem ist die Erziehung nicht die Aufgabe des Trainers. Befindet sich das Kind doch in einer Karateschule in der die waffenlose Kunst unterrichtet wird.
Die Erziehung soll und muss bei den Eltern liegen. Sie sind verantwortlich für die Entwicklung, Ausbildung und vor allem die Erziehung Ihrer Kinder. Nicht die Karate-Trainer! Ob dies jedoch in der Konsum- und Spaßgesellschaft verstanden wird, bleibt abzuwarten.
Letztlich bleibt eines festzuhalten. Die Erziehung liegt bei den Eltern, Karate wird sich nur zu einem kleinen Teil auf die Erziehung des Individums auswirken und zwar gerade soweit, wie der Einzelne es zulassen wird.
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