Einblicke als Karateka im Boxen
(Korrektur einzelner Text-Teile - 23.01.2009)
Manchesmal hilft einem der Kommisar Zufall um neue Einblicke und/oder Ansichten über die eigene Kampfkunst zu bekommen, wenn der Ausübende einer Kampfkunst dazu bereit erklärt, über den Tellerrand hinaus zu schauen.
Eine solche zufällige Möglichkeit bot sich vor kurzem dem Autor dieses Blogges, als er zufällig Teilnehmer eines "Tellerrand"-Trainings wurde.
So war in einem ortsansässigen Karate-Dôjô ein Boxer eingeladen, der die Möglichkeit bot, Einblicke in das "Technik-Angebot" eines Boxers zu bekommen. Neben diversen Schlagkombinationen zeigte der erfahrene Boxer auch typische Ausweichbewegungen wie beispielsweise das "pendeln" und die sogenannten "Meidbewegungen".
Eine der Ausweichbewegungen, die er der Gruppe zeigte, war eine 90°-Bewegung mit der sich der Verteidiger aus der Angriffslinie des Angreifers bewegte. Die Ausführung der Bewegung erinnterte doch stark an die typischen Standard-Ausweichbewegungen, die im Jiu-Jitsu oder aber auch im Aikido geübt werden, im Karate überraschenderweise seltenst geübt werden.
Noch erstaunlicher war die Tatsache, dass ein hochrangiger Karateka der nicht nur regional sondern auch national einen sehr guten Ruf als Karateka besitzt, solche Ausweichbewegungen nicht kennt bzw. nicht kannte.
Die Frage ist, warum sind solche Bewegungen unbekannt? Eine Antwort wäre, dass diese Bewegungen nicht bekannt sind weil sie nicht oder nie gelehrt wurden. Nachdenklich stimmt allerdings die Tatsache, dass gerade diese Bewegungsform in anderen Künsten zu den Grundbewegungen gehören und als Basis angesehen wird, die hier gezeigte weiche kreisrunde Variante vielen Karatekas jedoch unbekannt ist.
Die gezeigten Schlag-Kombinationen zeigen im Vergleich zu den typischen Karate-Techniken (z.B. Nagashi-Uke Jodan, Gyaku Tsuki Chudan) deutlich Ähnlichkeiten auf. Teilweise wurden Kombinationen gezeigt die im (westlichen?) Shôtôkan-ryû nie genutzt werden (so z.B. eine Kombination aus Ura-Tsuki Chudan rechts, Ura-Tsuki Chudan links mit einem folgenden Ura Tsuki Jodan rechts -> direkt zum Kinn). Eine solche Kombination kann häufig in den öffentlich übertragenen Kämpfen im Fernsehen beobachtet werden.
Kaum ersichtlich ist für den Laien die Fußarbeit des Boxers. So erläuterte uns der Trainer, dass gute Boxer sich im Kampf auf den Fußballen bewegen. Hüpfen auf denselbigen ist hingegen weder sinnvoll noch effektiv.
Ein deutlicher Unterschied zwischen dem Boxen war jedoch ersichtlich. Bei Techniken (die dem Karateka unter Kake-Tsuki bekannt ist) bewegte sich der Boxer auf den Fussballen und drehte sich beim Schlag auf den Fussballen zum Gegner ein. Besonders die Bewegung des Fußballens ist für den Karateka eine mehr als untypische Bewegung, wird doch gelehrt, dass (fast) alle Drehbewegungen auf der Ferse zu erfolgen haben.
Insgesamt ist festzuhalten, dass das viele der gezeigten Boxtechniken ebenso im Karate enthalten sind und auch ähnlich angewendet werden bzw. angewendet werden können. Zu beachten ist, dass sich die Ausführung teilweise erheblich unterscheiden. Letztlich kann sich der Blick über den Tellerrand lohnen.
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