Tellerrand-Training: Jûdô
Am 11. Juli bestand für den interessierten Kampfkünstler die Möglichkeit, einen Blick über den Tellerrand zu riskieren und bei Tom Herold (7. Dan) Einblicke in die tradionelle Kunst des Jûdô zu bekommen.
Tom Herold, Schüler von Frank Thile (9. Dan), gilt in den Kreisen der traditionellen Kampfkünsten als der Fachmann für die von J. Kano gelehrten Kunst. So beschäftigt er sich neben der im Kodokan ursprünglich gelehrten Technikvielfalt ebenso mit historischen Fragen und realistischen Anwendungsmöglichkeiten um so noch tiefer in die Materie des "Kodokan Jûdô" einzudringen.
In den verschiedenen Texten und Beiträgen legt Tom auf die Differenzierung zwischen dem heute gelehrten "Sportjudo", nach Lehrmeinung des Deutschen Judobundes, und seinem "Jûdô" wert. Ebenso wie im Karate und anderen vom Wettkampf beeinflussten Kampfkünsten ist eine Reduktion von wirksamen, zu weniger wirksamen "Sport-"Techniken festzustellen. Weiter ist festzustellen, dass effiziente und effektive Techniken aus Gründen der "Gefährlichkeit" aus den Lehrplänen bzw. der Lehrmethodik mehr und mehr verschwinden, bzw. nur jene Techniken trainiert werden, die auf Turnieren erfolgversprechend (weil punkterelevant) sind.
Auf dem vom MTV Urberach ausgerichteten Lehrgang sollte jedoch der Weg zurück zu den Wurzeln gefunden werden, bei dem die Technik über die Kraft siegen wird.
Das Tom Herold unkonventionellere Trainingsmethodiken nutzt, konnten die "fachfremden" Teilnehmer bereits im Aufwärmtraining beobachten. Statt dem üblichen strecken und dehnen griff Tom tief in seine Wissenstrickkiste. So nutzte er die verschiedenen Möglichkeiten der Feldenkrais- und Yoga-Übungen um die Teilnehmer innerhalb kürzester Zeit auf eine gesunde Art und Weise zum Schwitzen zu bringen.
Der erste Teil des Lehrgangs befasste sich mit grundlegenden Bewegungen am Boden, wie beispielsweise dem "Krebs". Diese Form dient dazu, sich im Bodenkampf "leichtfüßig" bewegen zu können bzw. um sich aus einer drohenden Festlegetechnik schnellstmöglichst zu befreien. Im weiteren Verlauf des "Bodenkampftrainings" wurde diese Bewegung weiter vertieft und mit anderen Festhaltetechniken und deren Befreiungsmöglichkeiten geübt.
Der zweite Teil befasste sich mit den verschiedensten Formen von Würfen, laienhaft ausgedrückt mit Hüft- und Handwürfen. Hier wurde besonders auf den Wurfeingang, dem natürlichen Bewegungsfluss sowie die Körperhaltung beim Wurf eingegangen.
Bereits zu diesem Zeitpunkt konnte der interessierte Karateka Ähnlichkeiten zu bestehenden Kata des Shôtôkan-ryû entdecken. So sind beispielsweise mögliche Würfe in den Kata der Heian Sandan oder auch der Bassai Sho erkennbar.
Am Nachmittag wechselte das Programm noch einmal zum Boden. Dieses mal erläuterte der Referent Tom Herold wie man am Partner in die verschiedensten Festlegetechniken einsteigen kann und welche Anwendungsmöglichkeiten sich daraus ergeben.
Die darauffolgende Zeit hatten die Teilnehmer die Möglichkeit die hier gezeigten Techniken mit den unterschiedlichen Partnern intensivst zu trainieren und so zu vertiefen, bevor Stephan Yamamoto einen kleinen Abstecher in die Welt des Karate wagte.
Fazit:
Für einen "fachfremden" Karateka war der vom MTV Urberach ausgerichtete Lehrgang mit Tom Herold und dessen Sensei Frank Thiele mehr als ein Blick über den Tellerrand. Er macht Lust auf mehr.
Die einzige Bedauerlichkeit für den Autor lag darin, dass er a) nur Zeit für den Trainingssamstag mitbringen konnte und b) es viel zu viele Dinge gab um diese ausreichend vertiefen zu können. Dennoch, beim nächsten Lehrgang im Süden der Republik sehen wir uns wieder!