Wo bleibt das Bunkai? Schaut man in die vielfältigen, gut recherchierten Karate-Fachbücher, so ist feststellbar, dass es auf Okinawa keine "Dreiteilung" des Karatetraining in Kihon, Kata und Kumite gab. Vielmehr bestand das Training aus Kata und deren Bunkai. Selbst das heute bekannte "Bahnenlaufen" war so, (scheinbar) nicht üblich. Betrachtet man die aufgestellte These "Jede Kata ist ein eigenständiges Kampfsystem", welches ich erstmalig im regluären Mittwochstraining bei Hanskarl Rotzinger (DJKB-Instructor) hörte und man heute auf Seite 34 des DKV-Magazins (Ausgabe: 02/2010) nachlesen kann, so scheint es eher nachvollziehbar zu sein, warum früher das erlernen einer Kata mehrere Jahre in Anspruch nehmen konnte. Denn wenn eine Kata ein Kampfsystem ist, so gilt beim Erlernen, dass der Schüler das komplette Verständnis erwirbt. Doch was ist das "komplette Verständnis". Ist eine wirkliche Auskunft darüber möglich? Aus heutiger Sicht vermutlich weniger. Fehlt doch häufig - gerade bei jüngeren Karateka (zu denen auch ich mich zähle) das tiefere Verständnis um die Anwendung. Betrachten wir doch einmal die erste Kata die den Schülern heute beigebracht wird, die Kata Heian Shôdan. Die offizielle (?) Lehrmeinung sagt doch aus, dass in dieser Grundkata in erster Linie Abwehrtechniken wie Age Uke, Shuto Uke und Gedan Barai gelehrt werden, während als Angriffstechniken in erster Linie der Oi-Tsuki bzw. an jener einen Stelle der Tetsui geübt wird. Aus dieser Sichtweise betrachtet, eine recht "langweilige" Kata, die in einem realen Kampf kaum praktikabel erscheint. Denn wer würde in einem Kampf a) tief stehen wollen und b) solche stilisierten und steifen Techniken anwenden wollen? Manch fortgeschrittener Karateka, der die Kata lehrt, findet noch wenige weitere Anwendungen. So verstehen manche den Age-Uke auch als Angriff in Form eines "Empi" zum Kopf des Gegners. Spätestens nach dieser Erläuterung endet häufig das "eingehendere/tiefere" Studium der Kata. Denn was sollte diese Kata mehr hergeben? Vorhandene Würfe, Würge- oder Greiftechniken werden kaum gelehrt. Aber warum? Sind diese Techniken zu kompliziert oder weiß der Dozent über diese Dinge nicht Bescheid? Lassen wir unsere Augen über Youtube gleiten und betrachten die uns heute gezeigten Anwendungen. Auffällig ist, dass 1) viele Versionen der Bunkai von westlichen Karateka gezeigt werden bzw. von japanischen Karateka, die Shôtôkan-ryû nach Version der JKA zeigen. Hier liegt das Augenmerk auf 2) Angriffe, die aus einer größeren Distanz kommen. 3) Abwehrtechniken aus der Nahdistanz (Infight) sieht man im Shôtôkan-ryû seltener. Gerade Angriffe im Nahbereich scheinen doch die häufigsten Angriffe zu sein. Angreifer die zupacken, reißen, würgen oder ähnliches tun. Welche Abwehrtechniken stecken aber für genau diese Angriffe in den Kata? Dazu findet man auf youtube und häufig auch in den diversen Dôjôs kaum eine passende Antwort. Statt dessen wird Distanzüberwindung zum Gegner geübt. Also gerade das, was im Kumite-Shiai notwendig aber in einer SV-Situation eher weniger notwendig ist. Und wie im letzten Satz zwischen den Zeilen angedeutet, werden Techniken des Kumite-Shiai verstärkt trainiert, Kihon als notwendiges Übel und Kata (fast) als überflüssiges Beiwerk betrachtet. Ganz zu schweigen vom Bunkai. Dass gerade hier entsprechende Bewegungsprinzipien gelehrt werden, wird verkannt. Schade. Quelle (DKV-Magazin 02/2010)
www.chronik-karate.de/material/2010_02_DKV-Magazin.pdf
Stand: 04.04.2010
Die Wichtigkeit des Stils Es ist einige Jahre her, als ich in Konstanz den Gasshuku des DJKB besuchte. Damals lud Ochi Hideo Karateka aus einer anderen Stilrichtung, Gôjû-ryû ein, konnte man in den Einheiten bemerken, dass viele kein Verständnis für die Techniken des Gôjû-ryû hatten. Ich möchte soweit gehen, dass viele (auch ich) das Training für Zeitverschwendung erachteten. Lernte man doch bislang immer, dass am Ende der Technik angespannt werden müsste. Und nun, beim Gôjû-ryû sollten wir alles entspannt machen? Was kann das für ein Training sein, bei dem man am Ende nicht einmal geschwitzt hatte. Heute hat sich mein Bild über Karate-Stilrichtungen gewandelt. Mehr denn je denke ich an die geschriebenen Worte Funakoshi Gichins, der sagte: "Es gibt nur ein Karate" und damit das Denken in Stilrichtungen ablehnte. Wieso aber, denken wir (gerade im Shôtôkan-ryû) so sehr in eben jene Stilrichtungen und wagen (teilweise) nicht, über den Tellerrand hinauszuschauen? Wäre es nicht wichtiger, wenn man Karate als Selbstverteidigungskunst übt, dass man in der Kategorie der Funktionalität (i.S. der funktionierenden anwendbaren Technik) denkt, anstatt in Äußerlichkeiten? Harada Mitsusuke (Schüler unter Funakoshi Gichin & Yoshitaka sowie Egami) äußert sich zu einer ähnlichen Frage (ob ihn denn Schüler aus anderen Stilrichtungen besucht hätten) wie folgt: "Yes they come along and of course, there are differences, but the important thing is to accept that and if they can accept an attack and can manage, there is no need for change. For example, there may be a difference in a defence such as age uke, from the way we practise and someone from another style training with us. But, if they can accept a jodan attack from one of my students and can successfully block, then there is no need to change what they are doing. It is like a car, is the model of the car more important or the real running performance the important factor? But most of Karate’s people are more concerned with what style they do (relating to the model of the car as opposed to the performance of it), this is absolutely nonsense" Wenn wir uns vor Augen halten, dass die Wichtigkeit der Kampfkunst die zivile Selbstverteidigung ist und somit als Grundlage einzig und alleine die Effektivität und die Effizienz ist, wie wichtig ist dann ab einer bestimmten "Stufe" (= Dan) noch die Stilrichtung? Sollte evtl. die Stilrichtung dann evtl. eine "Art" Heimat darstellen, in der man die Grundlagen erlernt hat und von der man nun ausgeht, neue Wege, Anwendungen und Prinzipien zu entdecken. Wenn dies unter Stil verstanden wird, wäre dies dann ein möglicher(?) Weg?
Quelle: (27.03.2010)
www.karatedoshotokai.com/viewArticle.php
Dr. Eckart von Hirschhausen - Gute Nacht Geschichte Ist es Ihnen auch schon so ergangen? Sie lernen einen Menschen kennen und bereits wenige Sekunden später haben Sie schon Ihr erstes - meist endgültiges - Urteil gefällt. So ähnlich erging es auch Dr. Eckart von Hirschhausen. Doch sehen Sie selbst:
Gedanken - Teil II Die Gedanken an der persönlichen Weiterentwicklung lassen mich nicht los. In meinem letzten Beitrag versuchte ich meine losen Gedanken niederzuschreiben. Und heute, beim nochmaligen lesen, stelle ich fest, dass vieles missverständlich verstanden werden könnte. Wie genau soll man beschreiben, wie das eigene Karate aussehen soll, wenn man es selbst nicht weiß? Betrachte ich Karate als Kampfkunst, so sehe ich darin mehr, als das von mir viel zitierte Sportkarate. Und gerade dieses Wissen um das vorhanden sein von mehr als "Distanzüberwindung" und der von vielen als "überflüssig" betrachteten Kata ist es, was mich momentan umtreibt. Doch wie erkenne ich, wie Kata anzuwenden bzw. zu "lesen" ist? Wie erkenne ich die im Karate versteckte zerstörerische Kraft, die in den letzten Jahren mehr und mehr in Vergessenheit geraten ist? Was mich derzeit fasziniert ist die Kampfkunstübergreifende Verbindung zwischen Karate, Jûdô und Iaidô, wenngleich ich die letzten beiden Künste nicht wirklich ausübe. Doch der geringe Einblick der mir bisher vergönnt ist, zeigt mir, dass es offensichtlich viele Prinzipien gibt, die in jeder der drei Künste zu finden ist. Ja ich möchte sogar behaupten, die in allen Künsten zu finden sind. Ich muss zugeben, ich beneide (i.S. das möchte ich auch können und wissen) jene, die dieses Wissen und Können haben. Die das tiefere innere Verständnis für die Künste nutzen um Techniken effektiv und effizient anzuwenden. Heute hatte ich die Gelegenheit in einem Forum mehr über das - sagen wir mal - Gravitationszentrum und der Destabilisierung der Kraftlinien zu lesen. Dinge von denen ich dachte, dass ich darüber etwas wisse. Doch statt dessen stelle ich fest, dass ein von mir sehr hoch geschätzter Jûdôka diese Dinge "neu" ausprobierte und die von ihm bisher ausgeführten Techniken noch wirksamer wurden als diese ohnehin schon waren. Das interessante an dieser Tatsache ist, dass dieses Know-How dieses mal von einem Karateka kam, während ich zu einem anderen Zeitpunkt, der Wissenstransfer vom Jûdô zum Karate ging. Letztlich bedeutet dies doch, dass ich für das Verständnis meines Karates noch weiter forschen muss, damit ich meine persönliche Effizienz erreiche und um ein Karate zu betreiben, bzw. betreiben zu können, das im Ernstfall wirkt!
Gedanken Häufig wird von vielen Trainern der 1. Dan als "die Stufe des Suchenden" bezeichnet. Eine Aussage, die zwar gut gemeint ist, aber dennoch so in der Kampfkunst Karate nicht existent ist. Wie aus diversen Quellen zu lesen ist. Gibt es solche Abstufen schlicht und ergreifend nicht. Jedenfalls ist den Historikern oder auch anderen ernsthaft Interessierten Karatekas keine schriftliche Quelle bekannt, wo exakt dies niedergeschrieben steht. Dennoch habe ich immer wieder den Eindruck, dass ich mich gerade auf der Suche nach meinem persönlichen und richtigen Weg befinde. Wohin soll mein Karate gehen. Angeregt durch einen Beitrag (1) auf Karate-news und dem heutigen Training beim regionalen Dan-Shakai zwischen den regional ansässigen Dôjô sind mir verschiedene Gedanken durch den Kopf gegangen. Wie soll bspw. mein Karate "aussehen"? Bzw. genauer beschrieben, was soll es beinhalten? Welche Trainingsformen? Durch die letzten Wochen und Monate bin ich zu verschiedenen Überlegungen gekommen. Nur "hartes" Karate kann nicht richtig sein. Aber ein reines "weiches" Karate auch nicht. Aber um etwas Klarheit in die beiden Sätze zu bringen. Was ist hart und was weich. Nun unter hart verstehe ich Karate, bei dem grds. nur "geholzt" wird. Man sich also die "Knochen" grün und blau schlägt ohne Rücksicht auf Verluste. Ein Training in dem bis zum geht nicht mehr am Makiwara trainiert wird und zum Schluss die Knöchel blutig sind. Ein reines weiches Training kann ich mir aber auch (noch?) nicht vorstellen. Nur lockere aber vor allem lasche Techniken. Also Techniken, die einem beim ersten Widerstand (theoretisch) zusammenbrechen lässt, weil man nicht gewohnt ist über eine gewisse "Härte" zu verfügen. Wie soll also mein Training aussehen? Derzeit glaube ich, dass ein Training sowohl weiche Elemente aber auch harte Elemente beinhalten kann. Weich i.S. von der Aufnahme von Techniken (Uke-Waza), Durchführung von Würfen (Nage-Waza) oder auch im Bodenrandori (welches im Karate kaum trainiert wird). Sozusagen eine weiche Flexibilität um auf den Gegner einzugehen. Aber auch "weiche" Schläge i.S. von "Tsuki keage" (dieser Begriff ist nun falsch, ohne Frage, aber ich möchte damit etwas zur Geltung bringen nämlich...), daß heißt peitschenartige Faustschläge. Hartes Training könnte bspw. Dinge beinhalten wie Trainingselemente aus dem Kyokushin-Karate. Oder aber Dinge, die bspw. im Thai-Boxen geübt werden. Also ein fließender Übergang von weich in hart. Von Locker- und Einfachheit. Von einer dynamischen Flexibilität/Härte. Ein Karate, welches ebenso großen Wert auf Kata, Kata-Bunkai legt, wie auch auf den kämpferischen Aspekt, der nicht im Rahmen des Wettkampfs, sondern gedanklich an der Straße orientiert ist. Also genauer gesagt, Jissen-Kumite. Karate welches ebenso den Hiza-geri als auch den Empi einsetzt. Bei dem gegriffen und geworfen werden kann. Welches sowohl die "Fern-Distanz" als auch den "Infight" lehrt. Ebenso wichtig erscheinen mir Dinge wie Atemi-Waza/Kyushu. Denn wie Karate nur eine "weite Distanz" beinhalten, wenn ein Kampf meist nicht aus einer Distanz von 2m beginnt? Also ein Karate, welches "komplett" und umfangreich ist und sich nicht nur auf einzelne Dinge des Wettkampfs beschränkt und somit kastriert gelehrt wird. Auch wenn ich momentan noch nicht weiß, wohin mich mein Karate-Durst führt und welches mein Karate sein wird, so weiß ich jedoch gewiss, dass Karate in dem als wichtigster Kern die "sportliche" Distanzüberwindung gelehrt wird, kaum noch meinem Interesse entspricht. Denn ich frage mich - wie so häufig in der Vergangenheit - warum ich eine Distanz zum Angreifer überwinden soll, wenn er mich angreift (wenn ich nicht gerade einen "Präventivschlag" ausüben möchte). Heute habe ich noch etwas gelernt. Der deutliche Unterschied im kämpferischen Denken/Handeln. In einem Handeln nach Regeln und meinem Denken in Karate als SV. Während der Partner in einem spielerischen Kampf an Regeln dachte, war meine Hand schon im Bereich der Disqualifikation (gedan). Eine interessante Erfahrung. Ebenso wie die Tatsache, dass auch jener Partner (ebenso wie ich früher) in 1-2-Kombinationen dachte und handelte. Lockerheit, Entspanntheit aber auch und vor allem kontinuierliche (kämpferische) Bewegungen ohne Stopp. Ein Karate, jenseits der genormten Konventionen des heutigen regulierten Wettkampfs... - Jissen Kumite? (1) www.karate-news.de/smfalt/index.php *Diese hier niedergeschriebenen Gedanken sind nicht fixiert, sondern sollten als dynamisch betrachtet werden. Gedanken und Empfindungen können sich im Laufe der Zeit verändern und unterliegen einem Wandel.
Erfahrungen auf einem SV-Lehrgang Das Karate nicht gleich SV ist, ja das musste man in letzter Zeit öfters lesen. Damit dieser Missstand nun behoben wird und Karate endlich wieder das wird, was es sein sollte, wird in einem großen Karateverband entsprechende Fortbildungen angeboten die mit dem Zertifikat "SV-Lehrer" abschließen. Einer der SV-Beauftragten weilte vor kurzem in heimatlichen Gefilden und so bot es sich an, einen "normalen" SV-Lehrgang zu besuchen um so neues zu lernen. Vorab etwas zum Referenten des Lehrgangs. Der Referent ist Ausbilder bei der Polizei und hält den 5. Dan im Karate. Menschlich gesehen hat der Autor den Referenten als äußerst positiv gesehen, dem die Teilnehmer am Herzen liegt und mit Spaß und Freude sein Wissen weitergeben möchte. Der Tageslehrgang fand unter einem bekannten Trainer statt, der insgesamt 4 Einheiten á 1,5 Stunden (jeweils 2 Einheiten für Einsteiger sowie für Fortgeschrittene) anbot. In der "Einsteiger-Einheit" sollten die Teilnehmer Grundlagen erlernen um sich bspw. gegen "fassen wollende" Angreifer zu wehren. Schon bei der Vorführung der Abwehrtechnik fiel auf, dass die Bewegungen aus dem WT (Wing Tsun/Wing Chun, etc.) entnommen waren. Die komplette Körperhaltung entsprach den typischen Bewegungen aus der chinesischen Kampfkunst. Auch bei den späteren Techniken konnte man als Basis deutlich weniger Karate-Techniken ausmachen, als vielmehr die Bewegungen des Kung-Fu-Stiles. Infolge dessen waren die Bewegungen für manch' einen Karateka weniger einfach auszuführen, da man sich zuerst an die "neuen Grundlagen" einer anderen Kampfkunst gewöhnen musste. Der Referent zeigte auf, wo und in welcher Kata einzelne Bewegungen zu finden sind, jedoch konnte man fast immer erkennen, dass die Basis beim Referenten nicht (mehr) im (Gôjû-Ryû/Shôtôkan-ryû) Karate lag, sondern im WT. Als Beispiel sei hier das typisches Merkmal des WT genannt, bei der die Faust vertikal verwendet wird und im Karate als Tate-Tsuki bekannt ist. Auch die Beinarbeit unterscheidet sich deutlich von der des "typischen" Shôtôkan-ryû-Karateka. Was jedoch verwunderlich ist, dass, wenngleich es auch viele ähnliche Techniken in anderen Kampfkünsten gibt, als Basis nicht die bisherigen erlernten Bewegungsformen genutzt werden um aufzuzeigen, wie Karatetechniken in einer SV-Situation anzuwenden sind. Vielmehr wird auf einem "Karate-Lehrgang" zu 80% Techniken aus einer anderen Kampfkunst gezeigt. Aus diesem Grund ist es auch nicht verwunderlich, dass sich auf diesem Lehrgang auch Kampfkünstler aus dem WT einfanden um vom Referenten zu lernen. Worüber man sich jedoch wundern kann, ist die Tatsache, dass auch auf einem solchen Lehrgang weder Wurftechniken, Hebel- und Würge- bzw. Würgebefreiungstechniken gezeigt werden! Statt dessen wird auf Basis vom WT unterrichtet. Fazit:
Der Referent ist fachlich durchaus qualifiziert, jedoch zeigt er zu 80-90% Techniken aus dem WT, kaum Anwendungen aus Kata und deren Prinzipien, die zur SV nutzbar sind. Für einen Blick über den Tellerrand ist das Seminar durchaus empfehlenswert. Für Teilnehmer die SV auf Basis des Karate suchen jedoch nur bedingt empfehlenswert.
Unterschiede vs. Gemeinsamkeiten Irgendwie, ja irgendwie komme ich nicht umhin, mich in den Foren der (Kampfkunst-) Welt herumzutreiben. Und es ist immer wieder erstaunlich, wie sehr in Stilen und Unterschieden gedacht wird. So versuchte ein User den Vergleich zwischen Karate und Bruce Lee anzustellen und wollte wissen: "[...] ob ihr euch als Karateka überhaupt mit ihm vergleichen könnt [...]" Über die Unterschiede von Kampfkünsten findet man in jenen Foren seitenlange Fäden in denen häufig von jungen, ja fast schon fanatischen Anhängern einer Kampfkunst darüber philosophiert wird, warum Kampfkunst A besser sei als B. Alleine dies wäre schon schwierig, da ein objektiver Vergleich so gut wie unmöglich ist. Aber Personen und Menschen miteinander zu vergleichen ist unweit schwerer. Wieso wird in diesen Sphären der "Unterscheidungen" gedacht? Gerade im Karate findet dies im besonderen Maß statt. Gôju-Ryû, Uechi-ryû, Wado-ryû und natürlich das Shôtôkan-ryû wird miteinander verglichen. Gerade direkte werden weiche runde Bewegungen gegenüber gestellt. Viele Shôtôkan-ryû-Karateka meinen, dass der betriebene Stil ausschließlich harte, direkte und weite Techniken habe und verschmähen deswegen häufig den Blick über den Tellerrand. Die Frage die sich stellt, ist doch jene, ob es in einem Stil nur harte und direkte Techniken geben darf oder gar geben kann. Beachtet man die Aussagen von Funkakoshi Gichin, so wird der Gedanke an den Stil "Shôtôkan" ad absurdum geführt, äußerte sich doch Funkakoshi zu Stilen dahingehen, dass es nur "ein Karate" gäbe. Eine Differenzierung in viele unterschiedliche Richtung machte er nicht. Ist es da nicht nur sinnvoll, ja sogar notwendig auch über den eigenen Horizont des Stiles hinaus zu schauen? Bedenkt man auch der Tatsache, dass die Asiaten häufig im "Ying-Yang"-Prinzip denken. Also hart UND weich. Anspannung UND Entspannung, langsam UND schnell. Bei der ausschließlichen Betrachtung des Shôtôkan-Stiles scheint es mir, als ob die Komponenten der Weichheit und der Entspannung vergessen werden. Auch habe ich den Eindruck, dass viele meinen, dass durch die Wahl der Stilrichtung ein Blick über den Tellerrand nicht notwendig, ja sogar überflüssig sei. Denn "man habe ja alles, was man brauche". Dieser Gedanke, den der junge Bursche den Karatekas in Bezug auf die Unterschiede zwischen Wing Chung respektive Bruce Lee und Karate unterstellte: "ach das ist doch etwas ganz anderes" brauchen wir nicht einmal bei der "Unterscheidung" zwischen Stilrichtungen wie Kung Fu, Escrima, Kobudo, etc. machen, diese findet doch tatsächlich schon innerhalb des Karate statt. Die Frage ist doch, wieso? Ist dies überhaupt notwendig? Das soll, kann, darf und vor allem MUSS bezweifelt werden. Wenn es früher letztlich nur zwei "relevante" Stile gab, also das Shorin- und Shorei-ryû, dann ist doch vielmehr zu fragen, was sind unsere Gemeinsamkeiten! Vor allem, wenn man bedenkt, dass viele Kampfkünste im Zusammenhang mit Waffen stehen (vgl. hierzu die verschiedenen gelehrten Stockkata im historischen Shôtôkan-Dôjô). Ein weiterer Grund für die Suche nach den "Gemeinsamkeiten" beruht doch auch darauf, dass der Mensch nun einmal nur zwei Arme und zwei Beine hat. Warum also nach Unterschieden suchen, die einen im Kampf einschränken könnten, wenn Gemeinsamkeiten den Horizont erweitern und befreien könn(t)en?
Pause Liebe Leser, aufgrund positiver beruflicher Entwicklung, werde ich in den nächsten Wochen weniger Zeit haben, meine Erfahrungen, neuerliches Wissen und vor allem Gedanken hier nieder zu schreiben. Auch wenn ich nun, für einige Zeit etwas kürzer treten und ich mit viel Freude und Enthusiasmus meiner neuen beruflichen Aufgaben entgegenschaue, werde ich von Zeit zu Zeit einige Zeilen niederschreiben oder aber andere inspirierende Texte bzw. Video-Clips verlinken/veröffentlichen. Ich hoffe, dass Ihr zwischenzeitlich neue Erfahrungen sammeln könnt und Euch dieser Blog einen kleinen Blick über den Tellerrand bringen konnte. Euch allen wünsche ich ein wunderschönes Jahr, viele neue Inspirationen. .
Heian Shodan Bunkai? Die Kata Heian Shodan ist eine der ersten Kata die im Shôtôkan-ryû unterrichtet wird. Sie gehört zu den "Basis" Kata und wurde aus der Kanku (Kushanku) entwickelt. Als eine der ersten Grundkata enthält diese, oberflächlich betrachtet, "Abwehrbewegungen" wie beispielsweise den Gedan Barai, Age Uke und Shuto Uke und die Angriffs-"technik" Oi-Tsuki. An dieser Stelle soll aber nicht auf die einzelnen Techniken der Kata eingegangen werden, sondern vielmehr einmal der Blick über den Tellerrand werfen. Vor einigen Tagen stellte ein User folgenden Clip in einem Karate-Forum vor. Schauen Sie sich mal diesen Clip an und vergleichen Sie einmal die hier flüssigen Bewegungen des hier gezeigten Kung-Fu mit der Kata Heian Shodan. Zuerst einmal die Heian Shodan aus dem Shôtôkan-ryû Karate: Quelle: youtube - 01.01.2010 Nun die Bewegungen des vorgestellten Kung-Fu-Clips: Quelle: youtube - 01.01.2010 Was meinen Sie (für sich), gibt es nicht verblüffende Ähnlichkeiten? Lassen Sie sich inspirieren, vielleicht, ja vielleicht entdecken Sie ja etwas neues für sich.
Heian Shodan