Bassai Dai vs. Matsumura Passai Die Kata "Bassai Dai" wird häufig als eine der ersten Sentei Kata in der Strömung des "Shôtôkan-ryû" gelehrt und wird, so die Meinung vieler, mit "die Festung erstürmen" übersetzt. Laut Lehrmeinung (die durch die JKA verbreitet wurde) ist diese Kata geprägt durch starke und harte Techniken. Heute wird die Kata i.d.R. wie folgt vorgeführt: Shôtôkan-ryû - Bassai Dai Entgegen der Lehrmeinung im Shôtôkan-ryû Karate wird der Name der Kata "Bassai Dai" im Shito-ryû Karate nicht mit erstürmen, sondern vielmehr mit "erschleichen" übersetzt. Damit ist gemeint, dass die Festung leise eingenommen wird. Entsprechend wird die Kata auch ausgeführt: Shito-ryû - Bassai Dai Eine noch viel interessantere Version der Bassai Dai zeigt Yuchoku Higa. Genauer gesagt, zeigt er die Matsumura Bassai. Bei der Betrachtung und Gegenüberstellung der "modernen" Bassai Dai und jener alten Form, die (wenn mich nicht alles täuscht) aus Okinawa kommt, fällt auf, dass sich die "Haltungen" deutlich unterscheiden. Der Oberkörper ist nicht gerade sondern vielmehr häufig gebeugt. Ähnlich, als würde ein Iaidoka die Klinge zum finalen Schlag ausführen. Doch betrachten Sie selbst die Kata (die leider hier nicht eingebettet werden kann und somit leider nur verlinkt ist): Matsumura Passai Es fällt auf, dass die Kata von Matsumura ggü. der heutigen, modernen Form mehr Techniken und Richtungswechsel enthält. Doch das ist nicht das wichtigste oder entscheidende. Interessant ist doch die Tatsache, dass die Grundzüge der "alten" Kata auch heute noch in der Kata zu finden sind. Die Behauptungen, dass die Meister nicht alles weiter erzählten könnte somit stimmen (woran ich persönlich keine Zweifel habe). Die Frage die sich an dieser Stelle (wieder einmal) stellt ist die, ob man diese Unterschiede ignorieren darf. Warum wurden Kata früher anders als heute ausgeführt? Hat sich durch die Veränderung etwas in der Effizienz und Effektivität verändert?
Quelle: youtube
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Weihnachtsgruß Liebe Leser, das Jahr 2009 neigt sich langsam dem Ende entgegen. Ein Jahr in dem ich viele interessante und neue Eindrücke gewinnen konnte und sich (bei mir) ein Karate-Weg jenseits des Wettkampfsports immer mehr aufzeigt. Es gibt noch viel zu lernen und zu erforschen und in Schriftform festzuhalten. Sicherlich wird der Weg nicht immer einfach und klar sein und vielleicht verrenne ich mich auch einmal in einer Sackgasse. Dennoch erscheint es mir wichtig, viele Aussagen in der deutschen Karate-Szene zu hinterfragen und entsprechende Fachliteratur, die es zweifelsfrei gibt, zu Rate zu ziehen. Vermutlich werde ich mit dem Beginn des neuen Jahres - aufgrund beruflicher Veränderungen - weniger Zeit haben, um mich intensiv mit der Geschichte, der Entwicklung und dem heutigen Karate auseinander zu setzen. Doch ich bin überzeugt, dass irgendwann durchaus wieder die Zeit kommen wird, in der Ihr von meinen neuen Gedankengängen aber auch Feststellungen lesen könnte. Übrigens, solltet Ihr Hinweise auf gute Fachliteratur haben, so freue ich mich, wenn Ihr mir diese Informationen zugänglich machen könntet. Ich wünsche Euch ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr. Euer Dirk
Karate als Selbstverteidigung Die Überschrift dieses Beitrags ist an und für sich schon paradox, denn für was anderes als Selbstverteidigung wurde Karate ursprünglich entwickelt. Doch in der heutigen Zeit, so scheint es, ist dieses Wissen um die Wurzeln des Karate soweit in Vergessenheit geraten. Denn wie sonst kommt es nun dazu, dass ein großer Sportfachverband nun damit wirbt, dass man sich als "SV-Lehrer" ausbilden lassen kann? Hierzu entwickelte der "anerkannte" Sportfachverband ein Konzept, welches "hohen Ansprüchen einer solchen Thematik" genügen soll. Nachdem das Konzept entwickelt und vorgestellt wurde, ist sich der Verband sicher, "eine Lücke in seinem Angebot geschlossen" habe. Inhalte des neuen Konzepts sollen dabei folgende Inhalte umfassen: P r a x i s ( c a . 70%) Auf dem ersten Blick eine schöne Idee. Auf dem zweiten verwundert es doch jene Karateka, die Karate schon immer als Selbstverteidigungs-Kampfkunst sahen. Die Aussage, dass nun eine "Lücke im Angebot" geschlossen wurde, zeigt doch deutlich, dass Karate in den vergangenen Jahren mehr als Wettkampfsport als etwas anderes gesehen wurde. Dementsprechend gestaltete sich in vielen Dôjôs das Training. Doch nun ein plötzlicher Sinneswandel? Dabei stellt sich schon die Frage, ob - wenn man von Karate und Selbstverteidigung spricht - dies nicht schon immer der Kern und der Wettkampf eine Ausprägung ist. Doch das Wissen um das "Goshin Jutsu" wurde offensichtlich verdrängt, abgelehnt und/oder vergessen oder sind die Verantwortlichen für solche Fragen gar inkompetent? Schaut man sich die Inhalte näher an, so ist zu fragen, ob das (tägliche) Karatetraining nicht nur Praxis sondern auch Fitness lehrt bzw. lehren sollte? Ebenso wie Anatomische Kenntnisse? Warum wird zur Prüfung zum 1. Dan nicht verlangt, dass ein 1. Hilfe Kurs absolviert werden muss? Und wenn Karate unterrichtet wird, gehörend da nicht ebenso die Rechtsgrundlagen dazu? Warum wird, wenn Karate eine Kunst zu Selbstverteidigung ist, gerade die Themengebiete der Selbstbehauptung und der Psychologie unterschlagen? Diese Dinge sollten ebenso, wie ein Oi-Tsuki als Grundlagen verstanden werden und nicht nur und ausschließlich auf sogenannten SV-Lehrgängen oder ähnlich gelagerten Seminaren - wie hier die Fortbildung zum zertifizierten "SV-Lehrer" gelehrt werden. Eine Vernachlässigung dieser Themen durch Vereinstrainer grenzt in der heutigen Zeit an Fahrlässigkeit. Doch warum wird dieses Wissen nicht gelehrt? Die Antwort darauf kann doch nur lauten, weil viele Trainer nicht über die notwendigen Kenntnisse verfügen und zum großen Teil (noch immer) glauben, dass das geübte und gezeigte Wettkampfkarate zur Selbstverteidigung taugt. Die Aussage des Sportverbands, dass man nun eine Lücke im Angebot geschlossen habe, offenbart doch die Ignoranz sowie die Inkompetenz ggü. dem notwenigen Wissen um die Kampfkunst Karate. Es scheint so zu sein, als ob man nun, ganz plötzlich feststellt, das sich Karate auch zur Selbstverteidigung eigne. Das muss eine faszinierende Erkenntnis sein... Oder liegt der Hund woanders begraben? Schaut man sich die Ausschreibung an, so kann man feststellen, dass der Kurs mit einer späteren Lizenzvergabe einhergeht, so dass sich der Teilnehmer später als "lizenzierter SV-Lehrer" verkaufen darf. Dass der Weg dorthin vier Seminare umfasst und jedes einzelne (so jedenfalls ist es aus der Beschreibung herauszulesen) 450 Euro kostet, lassen einen noch andere Motive vermuten. Zusammenfassend möchte man ketzerisch sagen, dass der "anerkannte Sportfachverband" nun Seminare anbietet um Dinge zu lehren, die bereits seit Jahren Teil des Trainingsbetriebs und des Curriculums sein müssten. Für dieses Seminar mit scheinbar "neuem" Wissen - welches so oder so von den Trainern gelehrt werden müsste - wird eine fürstliche Gebühr erhoben, damit der zukünftige "zertifizierte SV-Lehrer" ein weiteres Dokument in den Händen hält, was ihn als vermeintlichen Experten qualifiziert. Gleichzeitig zeigt es sich, dass gerade durch den Fokus auf den Wettkampfsport gerade die wichtigen Inhalte der Selbstverteidigung nicht gelehrt werden. Erschreckend, wenn man bedenkt, dass viele Menschen mit den Kampfkünsten beginnen, um zu lernen, wie man sich selbst verteidigt.
Selbstbehauptung
Psychologie
Pädagogik
Methodik
Fitness
Anatomie, Erste Hilfe
Rechtsgrundlagen
Berufsgruppenausbildung
Logistik, Planung
Management
Karate - anerkannter Gesundheitssport? Würde man jedes Werbeversprechen der Marketing-Strategen glauben, so wären viele der angepriesenen Produkte von einer solch hohen Qualität, dass andere konkurrierende Produkte schon längst vom Markt hätten genommen werden müssen, da die Mitbewerber chancenlos sein müssten. Im Karate wird häufig von einem Verband damit geworben, dass Karate durch die "World Health Organization" (WHO) als "Gesundheitssport" anerkannt sei. Dementsprechend organisiert dieser Verband mit Krankenkassen entsprechende Kurse, die zum positiven Gesundheitsempfinden der Teilnehmer beitragen und gleichzeitig die Mitgliederzahl in jenem Verband erhöhen soll. Das alleine wäre nicht kritikwürdig. Doch schaut man hinter die Fassade, so erscheinen doch deutliche Risse erkennbar zu sein. Nach (dem derzeitigen Stand) der Anfrage äußerte sich bislang weder die WHO, noch ein Weltverband des Karatesports zur "Anerkennung" des Karates als Gesundheitssports. In den mir vorliegenden Schreiben (, welches durch den Karate-Weltverband an eine spanische Universität gerichtet ist,) kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht festgestellt werden, ob es sich tatsächlich um eine Anerkennung der WHO handelt, da dieses Schreiben auf spanisch verfasst ist (und ich leider über keine Spanisch-Kenntnisse verfüge). In einem Schreiben des nationalen Karateverbands liest sich die Überschrift schon ganz anders, dort steht, dass "Karate als therapeutische Disziplin durch die WHO unterstützt" wird. (2) Von "Anerkennung als Gesundheitssport" ist somit keine Rede! Oder etwa doch? Doch was ist eine Therapie? Eine Therapie wird doch dann veranlasst, wenn es sich um eine Maßnahme handelt die zur Heilung eines Kranken dient. Wikipedia schreibt dazu folgendes: Die Therapie (griechisch θεραπεία therapeia „das Dienen, die Bedienung, die Dienstleistung, die Pflege der Kranken) bezeichnet in der Medizin die Maßnahmen zur Behandlung von Krankheiten und Verletzungen. Ziel des Therapeuten ist die Heilung, die Beseitigung oder Linderung der Symptome und die Wiederherstellung der körperlichen oder psychischen Funktion. Verschiedene Möglichkeiten zur Behandlung einer Krankheit werden oft als Therapieoptionen bezeichnet. Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Therapie (Stand: 12.11.2009) Was ist also unter einer "Karate-Therapie" zu verstehen? Anhand der mir vorliegenden Unterlagen kann dies momentan nicht abschließend geklärt werden, da darüber keine Informationen vorliegen. An dieser Stelle muss Karate, wenn es um eine Therapieform geht, als ein "temporärer" Vorgang angesehen werden, da das Ziel die Gesundung eines Menschen sein muss. Es geht also nicht, wie im Begriff des "Gesundheitssports" unterstellt werden kann, darum, dass ein langfristiges und präventives Training vor gesunheitlichen Schäden schützen soll, sondern viel eher darum, dass mit Hilfe durch eine Therapie eine Krankheit behandelt werden soll um eine Genesung herbeizuführen. Aber gerade eine präventive Maßnahme unter einem langfristigen Zeithorizont wird durch die Bevölkerung unter dem Aspekt "Gesundheitssport" verstanden. Gesundheitssport wird aus medizinischer Sicht wie folgt definiert: Unter Gesundheitssport wird alle Form von Sport zusammengefasst, bei dem der Erhalt, die Verbesserung und Prävention der Gesundheit als primäres Ziel verstanden wird. Sport wird demnach instrumentalisiert und besonders in der Prävention und Rehabilitation angewandt. Sport ist für Gesundheit elementar und stellt neben der Akutbehandlung, der Rehabilitation und der Pflege die vierte Säule im Gesundheitswesen dar. Quelle: http://www.dr-gumpert.de/html/gesundheit.html (Stand: 12.11.2009) Im ersten Moment kann man zwischen beiden Begrifflichkeiten eine gemeinsame Schnittmenge finden, jedoch spielt für mich u.a. der zeitliche Horizont eine wesentliche Rolle. Während die Therapie zu einem bestimmten Zeitpunkt endet, erfordern präventive Maßnahmen im Gesundheitsbereich eine längerfristige und nachhaltige Zeitachse. Unter dem "ganzheitlichen" Aspekt des häufig propagierten "Gesundheitssport" sind somit auch Fragen zu funktionalen und biomechanischen Bewegungen zu klären. Gerade an dieser Stelle kommen wir an einen wesentlichen Punkt in der heutigen Karate-Landschaft. Wird gerade für Personen ab 30 Jahren ein entsprechendes Trainingsangebot gemacht? Werden die Techniken nach funktionalen und biomechanischen Bewegungen ausgeführt? Kann man somit, wenn man in die heutige Form des Karate-Trainings schaut von einem Gesundheitssport Karate sprechen? Ich bezweifle es. Daraus ergeben sich für mich folgende und weitere Fragen, die durch eine "Karate-Therapie" aufgeworfen werden: 1) Was beinhaltet die "Karate Therapie"? Karate, das steht unzweifelhaft fest, kann durchaus eine Sportart sein, welche einen ganzheitlichen und präventiven Charakter hat, allerdings nur dann, wenn das Training in den Dôjôs entsprechend gestaltet wird. Dazu gehört, dass im Karate auf funktionale Bewegungen geachtet wird, bei der die vorhandene Muskelatur unterstützt wird und eine Kräftigung erfährt. .
2) Wie wurde diese entwickelt?
3) Mit was und unter welchen Gesichtspunkten wurde die Karate-Therapie verglichen?
4) Wie wurde die Therapie getestet also unter welchen "Bedingungen"?
5) Sind die Ergebnisse auf den Breitensport, die Vereine und Dôjôs übertragbar?
6) Wurde diese Untersuchung unter den gleichen Trainingsbedingungen wie in den Dôjôs durchgeführt oder unter optimalen "Laborbedingungen"?
7) Welcher Zeithorizont wird einer solchen Therapie unterstellt?
Neue Bloggestaltung Nach langer Zeit und vielen Themen, möchte ich bei der Veröffentlichung meiner Beiträge neue Wege gehen und eine neue Blogaufteilung vornehmen. So werde ich die Themengebiete Wirtschaft & Politik zukünftig in meinem Blog Vogel-Perspektive veröffentlichen, so wie ich es bei "Ethik" schon angefangen habe. ebenso werde ich (vermutlich) auch "Alltagsthemen" auf diesen Blog verlegen. Dieser Blog wird sich künftig in erster Linie mit Themen der Kampfkunst im Allgemeinen und Karate im Besonderen befassen. Dies bedeutet, dass ich langfristig alle nicht Kampfkunst/Karate relevanten Themen auf den Blog Vogelperspektive verlagern werde. Übrigens liebe Leser, ich freue mich über konstruktive Gedanken, die Denkanstöße liefern. Von daher nutzt, wenn möglich durchaus auch die Kommentarfunktion. Vielen Dank Dirk
Missverständnis? Es scheint ein weit verbreiteter Irrtum zu sein, dass Karateka, die sich intensiver mit Geschichte, Traditionen aber auch und vor allem mit Goshin-jitsu sowie der funktionellen Anwendbarkeit des Karate beschäftigen, grds. gegen jegliche Form des Wettkampfes sind. Dabei wird der Wettkampf häufig per se nicht abgelehnt. Die jedoch häufig vertretene Meinung, dass die für den Wettkampf (an-)trainierten Techniken grds. auch für die Selbstverteidigung taugen, ernsthaft bezweifelt. Im ersten Moment könnte man zu der Annahme geraten, dass doch gerade Wettkämpfer über besondere Fähigkeiten in der Selbstverteidigung verfügen. Werden doch gerade für den Wettkampf und somit der damit verbundenen Auseinandersetzung zwischen zwei Kontrahenten speziell jene Techniken trainiert, die im reglementierten Shiai (jap. Wettkampf) zum Erfolg führen, bzw. führen können. Dem einher geht häufig die Meinung, dass im Wettkampf das ganze Spektrum des Karate angewendet wird. Dies ist jedoch ein Trugschluss. Im Wettkampftraining werden zwar Schnelligkeit, Athletik, Dynamik und andere Aspekte trainiert, jedoch sind in der wirklichen SV häufig andere Elemente notwendig, die zum Erfolg führen. Betrachten wir einmal das heutige Wettkampfgeschehen (durchaus auch verbandsübergreifend). Wesentliche Kriterien des Kumite-Shiai sind saubere, schnelle Techniken und je nach Verband auch die „mutmaßliche“ Wirkung auf den Gegner. Wäre mit dieser Technik der Gegner möglicherweise außer Gefecht gesetzt worden? Ein Kriterium im traditionellen Wettkampf ist das (hier falsch verstandene) „Kime“. Bei der weiteren Betrachtung wird ebenfalls deutlich, dass sich die im Kumite-Shiai angewendeten Techniken auf einige wenige genutzten reduzieren (dies trifft gleichfalls für das Jiyu-Ippon-Kumite als auch das Jiyu-Sanbon-Kumite zu). So sieht man häufig Techniken wie: Kizami-Tsuki, Gyaku-Tsuki, Mae-geri, Mawashi-geri oder auch Ashi barai in der Anwendung. Techniken wie bspw. Ura-mawashi-geri, Ushiro geri werden deutlich seltener im Wettkampf (des traditionellen Sportkarate) genutzt. Doch was ist mit den anderen Techniken? Haito-Uchi, Hiza-geri, Empi, Shuto oder anderen funktionalen und vor allem gefährlichen Techniken des Karate? Warum werden diese weniger intensiv geübt? Sicherlich zum einen, da viele dieser Techniken (Angriff auf die Augen, den Genitalbereich u.a.) gefährlich sind und zum anderen, da diese im Kumite-Shiai zur unweigerlichen Disqualifikation führen würden. In der realen Situation hätten diese (im Shiai verbotenen Techniken) eine brachiale Wirkung. Auch die Verwendung von Waffen im Training wird häufig nur in wenigen Dôjôs trainiert. Ganz zu schweigen von der Simulation von realen Angriffen oder Rollenspielen, wie sich Konflikte zu Gewalt hochspielen können. Ebenfalls scheint Bunkai, Atemi-Waza, Nage Waza oder auch andere Trainingsformen in wettkampforientierten Dôjôs deutlich weniger Beachtung geschenkt zu werden als die reine Übungsform für die Tatami. Auch hier stellt sich die Frage nach dem „Warum“! Ein weiterer Aspekt welcher beim Karate übersehen wird, ist die Tatsache, dass Karate eine lebensbegleitende Kampfkunst sein soll. Lebensbegleitend sollte dabei nicht nur in einer Lebensspanne vom 10. bis zum 30. Lebensjahr zu sehen. Was wäre denn mit jenen Karatekas, die diese Altersschwelle überschritten haben? Gerade jene Karatekas die nicht mehr die körperlichen Voraussetzungen für das Kumite-Shiai haben würden bei einer rein sportlich orientierten Betrachtung das nachsehen haben. Karate wäre gerade für sie nicht mehr geeignet, da sie eine etwas geringere Dynamik aufweisen könnten. Die eigentliche Problematik für die älteren Karateka liegt aber in der notwendigen Regenerationsphase des Körpers um an solchen Turnieren gegen jüngere zu bestehen. Betrachtet man auf youtube jedoch Clips von einigen älteren Karatemeistern, so fällt auf, dass gerade diese alten Meister sich durchaus schnell bewegen und die Kombination aus harten und weichen Techniken beherrschen. Sie sind im „Fluss“. Bei näherem Augenschein wird offensichtlich, dass hier die Ökonomie in der Bewegung, für weiche runde aber dennoch schnelle Bewegungen, sowie die Biomechanik eine gänzlich andere Rolle spielt als für den Wettkämpfer. Für diese Karatekas kann ein wettkampforientiertes Training gerade auch aus gesundheitlichen Aspekten nicht wirklich eine Option sein. Vielmehr müssen auf funktionale (i.S. von gesunden) und ökonomische Bewegungen geachtet werden, die gleichfalls effektiv und effizient sind, ja vielleicht sogar, effizienter und effektiver sind als die bislang falsch ausgeführten Bewegungen im Sportkarate. Dennoch darf der Wettkampf nicht überbewertet und im alleinigen Mittelpunkt des Trainings gestellt werden. Auch wenn im Training für den Wettkampf viele unterschiedliche motorische Fähigkeiten entwickelt werden, so darf man die Bewegungs- und Anwendungsprinzipien der Kata nicht vernachlässigen. Ebenso wenig wie die in den Kata enthaltenen Techniken, sind es nun Würfe, Schlag-, Tritt-, Hebel- oder Würgetechniken. Die Gefahr die die Kritiker (in den Augen des Autors zu Recht) sehen, ist die Tatsache, dass durch eine Fokussierung auf das Kumite-Shiai die wesentlichen Prinzipien vernachlässigt werden und so das Karate weiter „beschränkt“ wird. Karate würde auf einem solchen Weg zu einer weiteren Form des „Kickboxens“ werden. Ketzerisch könnte man behaupten, dass eine solche Entwicklung in einem großen Verband zu erkennen ist.
-Wettkampf vs. Tradition?-
Karate kann, darf und soll durchaus die Möglichkeit für junge Menschen bieten, sich sportlich vergleichen zu können. Dies wird i.d.R. gerade auch von den Wettkampfkritikern so gesehen. Wettkämpfe sind durchaus attraktiv und vor allem auch lehr- und hilfreich. Hier besteht die Möglichkeit, in einem reglementierten Kampf sich seinem Adrenalin zu stellen und der Teilnehmer lernt, mit diesem umzugehen.
Warum teilen? Eine bekannte Weisheit sagt, dass wenn man Wissen teilt, es mehr wird. Aus diesem Gesichtspunkt heraus ist es somit erforderlich, sein erworbenes Wissen anderen mitzuteilen, ganz in der Hoffnung, dass durch den Dialog ein Mehrwert geschaffen wird. Dies gilt dabei nicht nur für die Ökonomie und die Politik, nein, auch für die Kampfkünste. Jedenfalls sollte es so sein. Zwar schuf der DKV eine entsprechende Institution um dieses Ziel, mehr Wissen zu generieren, zu erreichen, doch beim gemeinen Karateka ist davon nicht wirklich viel zu bemerken. Ungefragt werden falsche Phrasen übernommen und an die Schüler weitergetragen ohne dass sich der Einzelne mit den Aussagen beschäftigt hat. Aber gerade das hinterfragen von Wissen, das prüfen und der Versuch der Falsifikation sind doch wesentliche Kernpunkte um festzustellen, ob eine Kunst so erhalten bleiben kann, modernisiert oder gar zurück entwickelt werden muss. Viele der heutigen Karateka sehen die Effizienz der Kampfkunst Karate im Wettkampf. Hier, so eine der vielfältigen Meinungen, würde die Tradition bewahrt werden oder gar das Verständnis besonders in die Tiefe gehen. Grund sei, dass Athleten häufiger trainierten und deshalb einen besonders tiefen Einblick in die Materie bekommen würden. Ebenso wird der Wert der Kata angezweifelt. Kata gilt nicht mehr als "Lexikon der Kampfkunst" sondern immer mehr als lästiges Überbleibsel mit einer zweifelhaften Bedeutung. Zweifelhaft deswegen, weil das Verständnis für die Kata, sowohl als Bewegungsschule als auch (möglicher) Leitfaden für das Bunkai, fehlt. Kata, sei "überflüssig". Man brauche sie, die Kata, nicht. Das hinter jeder Kata Bewegungsprinzipien stehen aber auch Techniken für den Nah- und Bodenkampf enthalten sind, wird jedoch geflissentlich übersehen. Auch die Zusammenhänge zwischen dem Schwertkampf (Jigen-ryû) und Karate wird nicht erkannt. Finden sich nun Kampfkünstler, die aus der vielfältigen Zahl an Missinterpretationen und falschem Verständnis logische und sinnvolle Erklärungen abgeben, so werden diese beleidigt oder denunziert. Ziel des Denunzianten ist es dabei, den faktisch "Wissenden" mundtot zu machen. Doch die Frage ist, warum? Ist es falscher Stolz? Oder die Erkenntnis, dass man jahrelang an falsche, ggf. unfunktionales Wissen glaubte und nun feststellen muss, dass dieses Wissen in sich zusammenfällt? Das bedauerliche ist jedoch, dass jene Menschen nicht bereit sind, altes und fehlerhaftes oder gar falsches Wissen abzulegen, sondern der Versuch, dieses falsche Wissen zu rechtfertigen. Wobei diese, nicht in Form von faktischen Quellen, wie bspw. literarischen Quellen untermauert werden, sondern vielmehr mit Aussagen wie: "Das haben wir schon immer so gemacht" belegt werden sollen. Weisen nun die Fachleute mit Hilfe von unterschiedlichen gut recherchierten Quellen auf Irrtümer der selbst ernannten Experten hin, so wird dieses Wissen weiterhin abgelehnt. Irgendwann erkennen die Experten, dass die eigene Kampfkunst Schwächen hat. Doch statt sich den Rat in der eigenen Kunst mit Hilfe von faktischen Wissen wie Büchern zu holen, greifen diese auf andere Kampfkünste zurück. Grund: Die eigene Kunst scheint mangelhaft und nicht komplett durchdacht zu sein. Welch fataler Irrtum, liegt es doch weniger an der Kunst, als am faktisch fehlenden Know-How des Experten. Aber warum sollte denn ein Fachmann sein Wissen auch teilen, wenn er doch für sein mühsam erworbenes Wissen, beleidigt und diskreditiert wird? Würden Sie jemanden helfen wollen, der sich Ihrer Hilfe vehement verweigert?
5. Tag des Karate
Der Begriff „Kara-te“, so wie wir diesen heute kennen, wurde erst im Jahre 1936 reformiert und in eine moderne Schreibweise gebracht. „Am 25. Oktober 1936 fand die so genannte “Versammlung der Karate-Meister” statt.“ (1) Bei diesem Treffen einigten sich die anwesenden Meister, das bereits 1929 gewählte Schriftzeichen für Kara (=Himmel, Leere 空)zukünftig zu verwenden und somit den Begriff „Karate (Tōdî) 唐手 in Karate 空手“ (2) zu ändern. Seit dieser formellen Änderung hat sich Karate weltweit verbreitet. So geht man heute von ca. 50 Millionen aktiven Karateka aus, die unabhängig von Landesgrenzen, Sprache, Religion, Kultur oder anderen Unterschieden in rund 150 Länder dieser Erde, diese Kunst betreiben. Nun, gute 7 Jahrzehnte später, am 29. März 2005 entschied „das Parlament der Präfektur Okinawa mit der Resolution bezüglich des Karate“ (3), zukünftig den 25. Oktober zum Tag des Karate zu ernennen, in der Hoffnung, dass „das traditionelle Karate von Okinawa in Zukunft mehr und mehr […] zu[m] Weltfrieden und zum Wohlergehen aller Menschen beiträgt." (4) Quelle (1-4): S. Takamiyagi et al.: Okinawa Karate Kobudō Jiten (Lexikon des okinawanischen Karate und Kobudō), Tōkyō 2008
ryukyu-bugei.com/blog/ Stand: 25.10.2009
Die Frau, das benachteiligte Geschlecht? Schlägt man die Blätter der Boulevard-Zeitungen oder auch jener recht seriöser Zeitungen zum Thema "Gleichberechtigung" auf, so wird der Leser sehr häufig darüber informiert, dass die Frauen in unserer Gesellschaft, das benachteiligte Geschlecht sind. Frauen, so liest man häufig, bekommen weniger Geld bei gleicher Arbeit, hätten schlechtere Aufstiegschancen oder aber, sie würden auf eine andere Art und Weise diskriminiert werden. Bei kaum einen Thema ist man sich häufig so einig, wie hier, ja Frauen werden benachteiligt. Sowohl beruflich als auch privat. Kein Thema ist mehr Dauerbrenner in den Medien und in der Politik wie dieses. Um Abhilfe zu schaffen, wurden bereits vor Jahren, ja fast Jahrzehnten, in staatlichen Einrichtungen Frauenbeauftragte eingestellt, an Hochschulen Mentoring-Programme für Studentinnen initiiert oder andere Frauengruppen gegründet, um die Rechte des weiblichen Geschlechts und somit die Gleichberechtigung zu stärken. Und auch die Politik hatte damals die Zeichen der Zeit erkannt und entsprechende Ministerien eingerichtet. Zwischenzeitlich wurde mit dem "Allgemeinen Gleichstellungsgesetz" ein Gesetz verabschiedet, das neue Probleme schafft anstatt Dinge zu lösen oder gar zu vereinfachen. Und wie sieht es heute aus? Gibt es für junge männliche Akademiker auch Mentoring-Programme an den Hochschulen? Eher kaum. Auch keine Männerbeauftragten. Und sollte es noch eine Bastion geben, in der man(n) unter sich ist, so kann man versichert sein, dass bald darüber diskutiert wird, dass das Verhalten, die Vereinigung oder was auch immer, diskriminierend wäre. Fakten spielen dabei im ersten Moment keine Rolle. In der Focus-Ausgabe Nr. 38 vom 14.09.2009 wurde der Frage nachgegangen, ob "... die Gleichberechtigung noch gerecht..." sei. Und man stellte erstaunliches fest. Denn das Pendel der Gerechtigkeit schlägt immer mehr zum Nachteil der Männer aus... Mehr zu diesem oder anderen vergleichbaren Texten findet man hier: Weitere Links:
-Focus-Titel - Im Zweifel gegen den Mann-
www.focus.de/magazin/videos/focus-titel-im-zweifel-gegen-den-mann_vid_12735.html
www.focus.de/panorama/boulevard/gesellschaft-das-geschwaechte-geschlecht_aid_338196.html
www.focus.de/kultur/leben/zeitgeist-das-privilegierte-geschlecht_aid_196481.html
www.bmfsfj.de/bmfsfj/generator/BMFSFJ/root.html (Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend)
Karate-Lehre In der wissenschaftlichen Forschung gilt das Prinzip der Falsifikation (1), in der eine Theorie als solange als gültig anerkannt wird, bis diese Theorie, These oder Aussage faktisch widerlegt wird. Sobald die Widerlegung einer Theorie erfolgreich war/ist, gilt die bisherige Theorie(n) als falsch und wird i.d.R. durch die neue Erkenntnis ersetzt. Die Kampfkunst Karate wurde nachweislich durch die „Japanese Karate Association“ nachhaltig weltweit verbreitet. Aufgrund der durch die JKA initiierten „Instructor-Class“ sollte das Wissen gebündelt werden um so eine besondere Qualität zu erhalten. Bekanntermaßen sandte die JKA kurz nach der Gründung der Organisation ihre Fachleute in alle Welt aus um in den verschiedenen Ländern Karate nach der Version der JKA zu unterrichten. Die Problematik bei der Vermittlung des Wissens war die Übersetzung des japanischen in die jeweilige Landessprache. An dieser Stelle muss erwähnt werden, dass die Erläuterungen der diversen Japaner schwierig zu verstehen waren, da entweder die Japaner fast nur japanisch und kaum die Landessprache sprachen oder gar über ein ausreichend gutes Englisch verfügten. Auf der anderen Seite war es selbstredend genau andersrum. Es wird somit klar, dass es bis heute noch verschiedenste Verständnisprobleme gibt, da die Erklärungen aus den 50ern und 60ern sich bis heute falsch in den Köpfen der Karatekas tummeln. Als Beispiel kann hier das im Karate häufig verwendet Wort „Kime“ verwendet werden. Im Training oder auch auf Lehrgängen wird „Kime“ häufig mit „Anspannung“ gleichgesetzt. Jedoch hat der Begriff „Kime“ nichts damit zu tun. Vielmehr kommt „Kime“ von „Kimeru“ (極める) (2) und bedeutet vielmehr sich zu „entscheiden“. „Kime“ hat also weniger mit Anspannung zu tun, als vielmehr mit einer Entscheidung. Und zwar mit der Entscheidung angreifen oder warten zu wollen. Wie kommt es aber nun, dass im deutschen Karate häufig nicht von „Entscheidung“ sondern Anspannung gesprochen wird? Hier kann es fast nur eine Antwort geben. Eine ursprüngliche falsche Übersetzung führte zu dem heutigen Irrglauben, dass am Ende der Technik eine maximale Anspannung erreicht werden muss. Durch das falsche Verständnis einiger Karatekas aus den 50er und 60er Jahren (die es nicht besser wussten) hat sich dieses falsche Verständnis bis heute gehalten und wird durch Lehrgänge weiter potenziert. Damit es nicht falsch verstanden wird, am Ende der Ausführung einer Technik, ist durchaus eine kurze Spannung in der Muskelatur vorhanden. Jedoch darf diese "(An-)Spannung nicht übertrieben werden. Nicht desto trotz hat die kurze Kontraktion der Muskelatur mit Kime nichts zu tun. Die Problematik scheint jedoch an einem anderen Punkt zu liegen. Und zwar an der Resistenz mancher Karatekas, bisheriges (faktisch falsches) Wissen durch korrektes (richtiges) Wissen zu ersetzen. Besonders ärgerlich wird es dann, wenn das falsche Wissen aufgrund eines falschen Traditionsverständnisses beibehalten wird und wider besseres Wissens dennoch weiter falsche Dinge gelehrt werden.*
Warum wird das faktisch „korrigierte“ Wissen nun nicht gelehrt? Ist es Faulheit oder Unwissenheit? Unwissenheit kann es heute (fast) nicht mehr sein, da die Quellen heute doch verfügbar sind. Vielmehr scheint es so zu sein, dass es Karatekas gibt, die sich nicht mit den Hintergründen und mit dem fachspezifischen Wissen auseinander setzen wollen. Kostet dies zuviel Arbeit? Oder ist hier die Angst, sich selbst hinterfragen zu müssen? Ja, vielleicht sein eigenes „mühsam“ erworbenes Wissen korrigieren und eingestehen zu müssen, dass das bisherige Wissen falsch war. Wäre dies eine Schande, dies zuzugeben? Wohl kaum. Denn wie heißt es? Fehler sind immer zu verzeihen, wenn diese auch zugegeben werden. Nicht zu verzeihen, sind jene Fehler (jenes falsche Wissen), das verschleiert oder noch schlimmer, (wider besseren Wissens) weiter falsch gelehrt wird. * EDIT vom 04.10.2009
-Tradiertes Wissen vs. Fakten-
(2) www.docoja.com/kan/kantxtd13-6.html
Korrektur zum besseren Verständnis