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Tulpenkatastrophe 1637
19 October 2007

Die Tulpenkatastrophe von 1637

Um 1637 war Holland nicht eine Handelsmacht unter vielen, sondern die Handelsmacht der damaligen Welt. Die Holländische Handelsflotten, dreimal so groß wie die anderer Nationen, beherrschten die Weltmeere. Im Zuge dieses wirtschaftlichen Aufschwungs war ausreichend Kapital im Umlauf so daß die Zeit wieder einmal reif war, den sozialen Aufstieg, der, damals wie heute durch ein ´Symbol` ausgedrückt werden konnte.

Jahrelang war die Tulpe nichts anderes als ein Farbfleck in den Bürgerhäusern, doch plötzlich begann die bürgerliche Oberschicht Ihre Villen im Meer farbiger Tulpen zu ertränken. Man fuhr mit Tulpen geschmückten Kutschen durch Amsterdam – und es gehörte zum guten Ton Tulpen zu sammeln. Speziell jene, die der Nachbar noch nicht hatte. Tulpen wurden zum Statussymbol, wie heute eine Sammlung alter Bilder oder moderner Kunst.

Die Tulpenhysterie dauerte einige Jahre. Während die Gärten von Tulpen prangten, begannen die Preise zu steigen. Die Nachfrage ging weiter und weiter und erreichte Ausmaße, die der heimische Boden nicht mehr befriedigen konnte. Stetig zogen die Preise weiter an und bald witterten emsig- raffinierte Geldleute ihre Chance. Sie legten ihr Geld in Zwiebeln an. So erreichte der Amsterdamer Markt große Umsätze, die wiederum weitere Spieler aller Art anlockte. Was früher Rom oder Alexandria, heute New York oder Paris, das bedeutete zu dieser Zeit den Menschen Amsterdam. Der Preis für die Tulpenzwiebeln explodierte. Für eine einzige, ausgefallene Tulpe wurde der Preis eines Landguts bezahlt. Nun warfen sich Leute auf den Terminhandel mit Tulpen um reich zu werden, das heißt: sie verkauften kostbare Exemplare, die oft nur in der Phantasie existierten – auf Zeit – indem sie blos die Differenz zwischen dem vereinbarten und dem am Verfallstage notierten Preis entrichteten.

Der große Tulpenkrach, der sich 1637 aus diesen Windgeschäften entwickelte, ist der erste Börsenkrach der modernen Welt. Das alte Amsterdam wurde, wie heute das Neue Amsterdam, gemeint ist New York, zur hohen Schule des Hausse und Baissespiels. Frei mußte der Handel sein, frei, bis in die Hölle. Lautete der höchste Glaubenssatz.

Dann aber kam im Spätherbst 1637 der Nadelstich, mit einem fatalen Knall, der den künstlich aufgeblasenen Ballon zum platzen brachte. Ein Kunde mußte feststellen das alle ihm präsentierten 350 Sorten schon auf dem Markt waren und damit den Reiz der Rarität verloren hatten. Plötzlich erkannten auch die Spekulanten die Tulpeninflation. Am Ende kam wie es kommen mußte. Ein Spekulant schrie Feuer und alle wollten nur noch verkaufen. Der Spekulant, gestern noch Millionär, war nur noch ein Habenichts.

Dieses unvernünftige Spiel mit dem an sich Wertlosen ist geradezu ein Symtom und ein treffendes Beispiel für das Ende großer wirtschaftlicher Erfolge. Es ist die letzte Phase des Bullenmarktes, denn Geld fließt hier in Strömen. Dieser immense Zustrom von frischen Kapital mußte das Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage zerstören, denn alle Welt wollte an dem verdienen und bezahlte die unglaublichsten Preise. Noch bevor die Kassen endgültig leer waren kaufte man auf Kredit. Die Blume war längst keine Blume mehr, sondern nur noch ein Spekulationsobjekt. So ist es Ironie des Schicksals, dass eine zarte Blume – die Tulpe, das klassische Symbol für Boom und Krach geworden ist.

Damals lockte man die kleinen, durch die steigenden Preise verblendeten Sparer in halsbrecherische Abenteuer. Die Preise stiegen nicht aufgrund eines reellen Wertzuwachses, sondern aufgrund einer skrupellosen Propaganda. Nicht einen Augenblick dachten die Spekulanten, das die Produktion den Verbrauch übersteigt. Das Angebot war größer als die Nachfrage – der Preis fiel in die Hölle, und all jene mit ihm, die auf ihm geritten waren. Frei nach E.Fridells – Kulturgeschichte der Neuzeit.

Spica dazu:

Seither ist die Tulpe Symbol für den Crash. Weitere schwarze Börsentage - mit roten Zahlen folgten. Eine Zusammenstellung dieser interessanten Zeiten mit astrologischen Zusammenhängen, die spica untersuchte folgt, ist jedoch nur für "Freunde" lesbar.

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Geschrieben von Spica um 15:08 | in:
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