Erklärung & Story

Von Mayla

Hallöchen!

Schön, dass du dich hierher verirrt hast. Was du hier lesen kannst, ist die Geschichte von Audrey und Connor, zwei Menschen in einer Clique, die die besten Freunde sind. Enstanden ist die Idee für diese Geschichte aus einem Rollenspiel, in dem ich mal mitgewirkt habe. Leider konnte ich die Charaktere in der Form nicht weiterspielen, weshalb ich mich damit begnügen muss, sie jetzt noch in dieser Geschichte leben zu lassen.

Wenn du also gern wissen möchtest, wie sich das ganze Geschehen in der Clique entwickelt, dann bist du herzlich dazu eingeladen, dich öfters hier aufzuhalten und ein wenig zu lesen, zu schmökern und dich von mir in die Geschichte entführen zu lassen. Von Zeit zu Zeit werde ich immer mal wieder einen Teil online stellen, also verfolge aufmerksam, was sich hier so tut.

Kommentare und sonstige Anmerkungen sind natürlich gern gesehen, sofern sie nicht beleidigend sind - Kritik ist hingegen erlaubt und natürlich auch gern gesehen - ich will ja, dass du Spaß am Lesen dieses Kreativblogs hast ;)

In diesem Sinne..
Viel Spaß beim Lesen!

Liebe Grüße,
Mayla

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Zwar kennen sich Connor und Audrey erst knapp 2 Jahre, doch für ihn war von vorneherein klar, dass sie das Mädchen seiner Träume ist. Auf Anhieb verstehen sie sich gut, was nicht zuletzt dadurch kommt, dass sie zusammen in einer kleinen Wohnung am Whitney Dare College leben. Ohne Connor könnte es sich die Psychologie Studentin auf jeden Fall nicht aushalten, da er einfach immer ein offenes Ohr für sie hat und ihr hilft, wann immer er kann.
In der Clique, in der die beiden sind, haben die Freunde die üblichen Probleme: Stress untereinander, bröckelnde Beziehungen und Probleme mit dem Unterrichtsstoff. Doch sind sie stets füreinander da und so endet natürlich im Endeffekt alles wieder gut.

Durch Catherine, die neu auf das College kommt und sich schnell in den Freundeskreis findet, ändert sich aber einiges: Zwar ist sie ein ruhiges, sensibles Mädchen, doch sollte man sich davon nicht täuschen lassen. Mit der Zeit verliebt sie sich in Connor und bringt ihn dazu, weniger mit Audrey zu machen. Catherine ist Audrey jedoch von vornherein nicht gerade so sympathisch, wie sie auf die anderen wirkt, so kommt es zu einem großen Streit zwischen Connor und ihr. Dieser ist hin und her gerissen, weiß nicht, für wen er was fühlen soll und nimmt so Abstand von allem.
Wütend über den Verlust ihres besten Freundes unternimmt sie viel mit Kevin und die beiden kommen sich näher und näher. Erst, als Audrey so gut wie mit Kevin, der in ihrem Philosophie Vorlesungen neben ihr sitzt, zusammen kommt, erkennt sie, zu wem sie wirklich gehört.

1. Kapitel, Teil 1

Von Mayla

(Ich Erzähler in diesem Kapitel ist Audrey)

Nochmals drehte ich mich im Bett um. Die Sonnenstrahlen, die durch die Jalousien schienen, kitzelten mich an der Nase und zauberten mir auch sogleich ein kleines Lächeln auf die Lippen. Herzhaft gähnte ich und ließ dem ein Strecken folgen, ehe ich mich auf den Rücken drehte und dann aufsetzte. Mit einem leisen Seufzen schlug ich schließlich die Bettdecke beiseite und stand dann auf. Mit einer Hand angelte ich nach einem T-Shirt, dass über der Lehne des Stuhles hing, der vor meinem Schreibtisch stand, während ich mit der anderen das Zopfgummi löste, welches meine Haare zusammen hielt. Meinen Kopf schüttelte ich kurz, ehe ich das Shirt überzog und in das an mein Zimmer angrenzende Bad ging.
Mit einem ersten Blick in den Spiegel, stellte ich fest, dass ich ausnahmsweise mal ausgeschlafen aussah. Keine Augenringe, keine unnatürlich blasse Haut. Das kam, wenn man sich auch mal einen Freitagabend entspannte, anstatt feiern zu gehen – obwohl ich eigentlich gern unter Leuten war. Gestern hatte ich mich allerdings einfach nur bequem auf dem Sofa breit gemacht und ein paar Filme gesehen. Ganz alleine. Manchmal brauchte man eben wirklich seine Ruhe vor allem und jedem. Doch das war nun unwesentlich. Es war Samstagmorgen, ein neuer Tag fing an und ich hatte nicht vor, diesen mit Grübeleien zu beginnen.
Ich drehte den Wasserhahn auf und schöpfte mir dann Wasser ins Gesicht, um es mir anschließend mit einem Handtuch wieder trocken zu wischen. Verschwenderisch, wie ich war, ließ ich das Wasser laufen, zog währenddessen das Shirt, was ich eben angezogen hatte, wieder aus, warf es einfach hin und griff mir ein Top, welches auf dem kleinen Schrank neben dem Waschbecken war. Nun stand ich hier, in Hotpants und Top und grinste mich selbst im Spiegel an. Dann führte ich mein morgendliches Ritual weiter fort, wusch mich an Hals, Ohren und unter den Armen. Schnell noch ein wenig Creme aufgelegt, die Haare gekämmt und dann konnte es auch schon losgehen. Das Wasser wieder abgedreht und das Licht ausgeschaltet, dann verließ ich auch das Bad, öffnete die Tür, welche an das Wohnzimmer grenzte und stand nur wenige Augenblicke später in der Küche, wo Connor sich grade an der Kaffeemaschine zu schaffen machte.
„Guten Morgen, Con.“, begrüßte ich ihn mit einem Lächeln und schwang mein Hinterteil auf die Arbeitsplatte. Mit den Händen stützte ich mich ab und schaute meinen Mitbewohner an.
„Guten Morgen Aud. Gut geschlafen?“, kam es auch sogleich von ihm, wie so oft ein charmantes Grinsen im Gesicht. Er betätigte den Knopf der Maschine und wandte sich mir endgültig ganz zu.
Meine Miene hellte sich noch mehr auf und ein Grinsen zierte nun auch mein Gesicht. „Selbstverständlich! Die Sonne hat mich heute aus meinem Bett gelockt.“ Eine Strähne meines dunkelbraunen Haares, die mir halb im Gesicht hing, strich ich mit einer Hand wieder dahin zurück, wo sie sitzen sollte. Dann entdeckte ich den Brotkorb, in dem einige, kleine Milchbrötchen lagen, griff mir eines und biss kurz davon ab. „Und du?“, fragte ich ihn kauend.
„Ja, auch gut geschlafen. Nur wurde ich von meinem Wecker geweckt. Du weißt ja… Tennis steht an.“ Er zuckte ein wenig die Schultern und ließ seinen Blick schweifen, blieb mit ihm am Fenster hängen, verweilte dort kurz, ehe Connor schließlich wieder zu mir sah.
Es folgten ein Nicken von mir und ein neuerlicher Biss in das Milchbrötchen, welches ich ergattert hatte. Ich baumelte ein wenig mit meinen Beinen und schaute ihn an. „Muss ja auch mal sein. Du hast ja nicht umsonst diese tolle Figur, nicht wahr?“ Ich zog ihn gern ein wenig damit auf, selbst wenn er zugegebenermaßen wirklich einen tollen Körperbau hatte. Vielleicht ein bisschen zu dünn, aber ich mochte meinen besten Freund so, wie er war.
Beinahe schon ironisch zog er eine Augenbraue hoch. „Haha, sehr witzig Audrey.“ Er drehte sich wieder um, griff in den Schrank und holte eine Tasse raus. Aus meinem Mund kam ein leises Lachen, ehe ich mich wieder von der Arbeitsplatte schwang und weiter mein Milchbrötchen verspeiste. Ebenso wie Con nahm ich mir eine Tasse aus dem Schrank und stellte mich dann – in der Erwartung, auch etwas Kaffee abzubekommen – neben Con und schaute ihn von der Seite an.
Kaum, dass er sich eingegossen hatte, hielt ich ihm auch schon meinen Becher hin und schaute ihn mit einem kleinen Schmollmund an. Natürlich ließ er es sich nicht nehmen, mir etwas von dem koffeinhaltigen Zeugs einzuschütten. In genau diesem Moment kam dann auch schon Drake aus seinem Zimmer geschlichen. „Rieche ich da Kaffee?“, ertönte es hinter uns und keine Sekunde später stand mein zweiter Mitbewohner auch schon mit einer Tasse bewaffnet hinter Con und mir. Ohne große Worte schüttete er auch Drake Kaffee ein und ging dann an uns vorbei, um sich am Küchentisch nieder zu lassen.
„Dir auch einen guten Morgen, liebster Mitbewohner.“, begrüßte ich ihn nur, ging dann auch rüber an den Tisch und ließ mich Connor gegenüber auf den Stuhl fallen. Wie nicht anders zu erwarten folgte Drake uns auf den Fersen und so saßen wir zu dritt am Tisch und tranken Kaffe. Ich mochte es, wenn ein Tag so anfing – vor allem, wenn man so wie ich das Glück hatte, zwei so attraktive Mitbewohner zu haben. Verwunderlich nur, dass ich für beide nur freundschaftliche Gefühle hegte. Innerlich tat ich das mit einem Achselzucken ab, schließlich konnten zwischen Männern und Frauen auch nur einfache Freundschaften herrschen.
„Was steht heute an?“, fragte Drake, ehe er sich einen großen Schluck von dem Kaffee gönnte. Fragend ließ er erst den Blick zu Connor wandern, dann zu mir.
Überlegend strich ich mir mit dem Zeigefinger übers Kinn. „Gute Frage. Wie wär’s mal mit Hausputz?“ Wenn man als Frau mit zwei Typen zusammenlebte, dann musste man das auch schon mal ansprechen. Die beiden Herren kamen nämlich nur selten von alleine darauf, dass sie mal aufräumen könnten. Zwar räumten sie meistens den Krempel weg, den sie gerade benutzt hatten, dennoch lag hier noch allerlei rum. Nicht, dass ich einer dieser Ordnungsheinis war, ich nahm es damit auch nicht unbedingt genau, aber hin und wieder überkam es mich dann mal und ich musste einfach aufräumen. „Ich für meinen Teil werde zumindest aufräumen. Während du…“ Mein Blick blieb an Drake hängen, „…wohl eher auswärts richtig frühstücken gehst und Con sich auf dem Tennisplatz herum treibt.“, führte ich meine Ausführungen fort und schaute gleichgültig in meine Kaffeetasse, ehe ich dann einen Schluck davon trank.
Drake grinste. „Weißte was? Klingt nach einem verdammt guten Plan.“ Schnell hatte er sich noch den Rest seines Kaffees runtergekippt und war dann aufgestanden.  Seine Tasse blieb auf dem Tisch stehen und ich schaute er sie und dann ihn an. „Bin später wieder da. Stellt mir nichts an und lass das Haus stehen, Drey.“
Fast schon vorwurfsvoll war der Blick, den er von mir abbekam. „Ich  doch immer, kennst mich doch.“, meinte ich und grinste schelmisch. Drake drückte mir einen kurzen Kuss auf die Wange, verschwand in seinem Zimmer, um nicht eine Minute später die Wohnung zu verlassen.
„Da waren es nur noch zwei…“, murmelte ich, während ich meine Beine übereinander schlug und mich bequem zurücklehnte, um meinen Kaffee zu genießen. Connor hingegen tat es nun Drake gleich und stand ebenfalls auf, nur mit dem kleinen Unterschied, dass er seine Tasse an das Spülbecken stellte.
„Jetzt nur noch einer. Ich muss gleich los, treff mich vorher noch mit wem.“, meinte er und drückte kurz meine Schulter. „Wir sehen uns dann später.“ Und so hörte ich, wie er seine Zimmertür hinter sich schloss, allerdings nicht sofort wieder raus kam. Ein leises Seufzen war von mir zu hören, ehe auch ich den Tisch verließ und meinen Kaffee mit ins Zimmer schleppte, wo ich die Jalousie hochzog und mich auf den kleinen Balkon setzte, um ein wenig die Sonne zu genießen.
Entweder kam es mir nur so vor, oder es war tatsächlich so, dass Connor in letzter Zeit einfach nicht mehr so häufig alleine mit mir sein wollte. Doch vielleicht bildete ich mir das auch nur ein, immerhin sprach er ganz normal mit mir und auch sonst war eigentlich alles wie immer. Ich sollte vielleicht das ein oder andere Mal nicht unbedingt gleich den Teufel an die Wand malen.
So schloss ich die Augen und genoss es einfach, alleine hier zu sitzen. Am Campus war wie immer einiges los am Samstagmorgen, weil sich einige Sportteams trafen, um zu trainieren. Da war ich nur froh, dass es mich nicht betraf. Man konnte zwar nicht behaupten, dass ich Sport nicht ausstehen konnte, aber ich bevorzugte eher so Sachen wie Tanzen oder Laufen und nichts mit Bällen. Lag wohl daran, dass ich in der Zehn mal einen Basketball auf die Nase bekommen und seitdem eine leichte Ballphobie aufgebaut hätte. Das Einzige, was hin und wieder Spaß machte, war Volleyball – aber das wohl auch eher nur bei schönem Wetter am Strand. Alles andere war entweder zu  brutal oder gefährlich oder sonst irgendwas. Doch schadete es mir nicht, dass ich nicht so sportfanatisch war, wie manche von meinen Freunden: Meine Figur war vollkommen in Ordnung, ich war schlank, aber nicht dürr, so wie  es Catherine war und wohl fühlen tat ich mich auch.
Vor allem jetzt, wo ich hier ganz einfach und knapp bekleidet auf dem Balkon saß und den Rest meines Frühstücks – wenn man es denn so nennen konnte – verspeiste, fühlte ich mich einfach wunderbar. Niemand da, der mich störte oder beschäftigte, sondern einfach nur ich. Die Jungs hatten sich inzwischen wohl auch daran gewöhnt, wenn ich am Wochenende morgens so herumlief und starren taten sie inzwischen auch nicht mehr. Ich sah ganz annehmbar aus, aber ich hasste es einfach, wenn man Frauen auf ihr Aussehen reduzierte. Immerhin gehörte ich zu der Sorte, die auch noch was im Kopf hatten. Ein schönes Äußeres war eben nicht alles. Was sollte man mit einem schönen Körper, wenn in ihm keine schöne Seele wohnte? Nen dummes Blondchen konnte doch wirklich jeder sein, auch wenn das wieder eins der unzähligen Klischees war, die die Menschheit nun einmal so hatte. Hach, was man nicht alles bei einem Psychologiestudium lernte…
Nur ließ ich mich mal wieder ablenken. Eigentlich sollte ich aufräumen, auch wenn es nicht gerade  zu meinen liebsten Hobbys zählte, doch irgendwer musste es ja machen. Da die Jungs sich aus dem Staub gemacht hatten, blieb ja wohl nur ich dafür übrig. So erhob ich mich, lief durch mein Zimmer, um schließlich in der Küche anzufangen. Abwaschen, die Arbeitsflächen abwischen, den Tisch putzen und schließlich das Geschirr abzutrocknen und einzuräumen.
Im Wohnraum blieb ich zuerst einmal unschlüssig stehen, da ich gar nicht so recht wusste, wo ich eigentlich anfangen sollte. Am besten erstmal die Wäsche, die hier so herumflog beseitigen. Doch das war recht schnell erledigt, so räumte ich dann den restlichen Kram, der da so war weg, blieb dann aber am großen Tisch stehen, auf dem sich Papierberge stapelten. Wie zum Teufel sollte ich denn da sagen, wem was gehörte? Ich nahm einige Blätter in die Hand, schaute sie kurz durch und kam zu dem Entschluss, dass das meiste von Connor und mir war, da es sich um Psychologie und Medizin handelte. Also schnell alles zu einem großen Stapel gemacht, einen Zettel dran und im Regal abgelegt.
So schwer war aufräumen doch gar nicht. Nur war es mir irgendwie ein wenig zu still hier. Ich machte die Anlage, die im Wohnzimmer war an, drehte etwas lauter auf und fegte dann mit beschwingten Schritten den Wohnbereich. Danach wischte ich noch den Boden und war so in der Musik versunken, dass ich gar nicht mitbekommen hatte, dass es geklopft hatte. Erst, als ein paar laute, energische Schläge gegen die Tür donnerten, ging ich zur Tür, jedoch nicht ohne vorher die Musik ein wenig leiser zu machen.
„Wird ja auch mal Zeit.“, begrüßte mich meine beste Freundin Hailey, einen fast schon bösen Ausdruck im Gesicht und schob mich ein wenig unsanft zur Seite, stürmte so regelrecht die Wohnung. Ein wenig irritiert schaute ich hinter ihr her, wie sie sich auf dem Sofa niederließ, auf dem ich eben die Klamotten entfernt hatte und die Kissen aufgeschüttelt hatte. Ein kleines Kopfschütteln meinerseits, dann schloss ich die Haustür und ging ebenfalls ins Wohnzimmer, ließ mich neben Hales aufs Sofa plumpsen.
„Was ist denn los, Süße?“, wollte ich wissen und schaute sie fragend an. Ich konnte mir schon denken, dass es was mit Jonathan sein würde, doch vielleicht war er diesmal doch unschuldig – selbst wenn ich das nicht annahm.
Hailey seufzte. „Ach, ich weiß auch nicht, Jon benimmt sich in letzter Zeit komisch.“ Bang, der hatte gesessen. Einhundert Punkte für mich und die Ortung des potenziellen Bösen. Mitfühlend legte ich ihr eine Hand auf die Schulter.
„Ich weiß ja nicht, was für dich komisch ist und wie du ‚letzten Zeit’ definierst, aber ich bin mir fast sicher, dass er wie immer ein ziemlich großes Arschloch ist.“, erwiderte ich nur und grinste ein wenig. „Überhaupt Versteh' ich nicht, wie er einem Mädchen so lange treu sein kann.“ Nicht, dass er es nicht konnte. Wenn er wollte, dann konnte er es sicherlich, doch wunderte es mich immer wieder aufs Neue, da er mich vor nicht mal einem Jahr wegen einer anderen verlassen hatte. Vielleicht war das, was wir geführt hatten, keine Beziehung gewesen, sondern eher eine etwas weitläufigere Affäre, dennoch hatte ich ihn schon ziemlich gemocht. Ja, vielleicht waren es auch nur die Musik und der Sex gewesen, die uns verbunden hatte. In der gleichen Band spielten wir immer noch, nur mit dem Unterschied, dass er nun – hoffentlich – nur seine Freundin vögelte.
„Jetzt fang nicht damit an!“, ermahnte mich Hailey und grinste nun doch schon wieder ein wenig. „Ich meine einfach, dass er nicht mehr so viel Zeit mit mir verbringt, wie es anfangs der Fall war. So vor 3 Monaten, wo wir noch nicht lange zusammen waren.“ Sie seufzte  ein wenig und schaute mich fragend an.
„Mhm…“ Ich musste erst überlegen, was nun am taktisch klügsten wäre. Wenn ich ihr erzählte, dass es normal war, wenn man sich nach ein paar Monaten nicht mehr täglich und immer sieht, dann würde sie das vielleicht so auffassen, dass ihre Beziehung wie jede andere gewöhnlich war – und das war sie ja in ihren Augen nicht.
Wenn ich ihr allerdings erzählen würde, dass er einfach mal wieder anderen Mädchen nachsah, dann würde ich sie beunruhigen – zumal ich nicht mal den geringsten Beweis hatte, der diese Annahme unterstützen könnte.
Also musste ich mir etwas ausdenken, was sie befriedigte. „Er wird wahrscheinlich wieder mehr Zeit mit seinen Hobbys verbringen, nachdem ihr euch so viel gesehen habt. Seh’s doch mal positiv: So hast du auch mal wieder mehr Zeit für mich.“, meinte ich nun und hatte ein schelmisches Grinsen aufgelegt.
Hales sah mich ergeben an. „Okay, okay, du hast sicherlich Recht. Ich wollte nur von dir hören, dass er sich nicht eine andere sucht.“ Sie drückte mir einen Kuss auf die Wange und sprang dann auf einmal auf. „Dann lass uns doch etwas machen.“
Fragend schaute ich zu ihr hoch, wunderte mich mal wieder, wo dieser Sinneswandel herkam. Wie schaffte sie es bloß, immer gleich von traurig auf superglücklich umzuspringen? Das würde mir immer ein Rätsel bleiben. Aber bei manchen Menschen war es nun einmal so, dass verdrängen das Grundprinzip war, mit dem sie im Leben weiter kommen. Mit dem Harken, dass es sie früher oder später einholen würde und dann doppelt schmerzhaft wäre.
„Ich bin grad mitten am aufräumen…“, setzte ich an, doch als Hailey mir diesen Blick zuwarf, besinnte ich mich auf etwas anderes. „…aber die Jungs können ihre Zimmer womöglich noch selbst aufräumen.“ So stand nun auch ich auf und zupfte an den Klamotten, die ich anhatte. „Ich zieh mir eben was anderes an, dann können wir raus hier. Vielleicht ne Runde in die  Stadt.“ Ich wartete erst gar nicht darauf, was meine beste Freundin mir antworten würde, sondern verließ das Wohnzimmer und ging schnurstracks in mein Zimmer, wo ich mich erst entkleidete, um dann eine kurze Jeans, sowie ein schwarzes Tanktop und Flip-Flops anzuziehen. Meine Handtasche, die auf meinem Schreibtisch lag, nahm ich im Herausgehen noch und stellte mich dann direkt an die Haustür, öffnete diese und grinste Hales an. „Bitte nach dir.“
„Merci madame.“, erwiderte sie ebenso grinsend und ging dann an mir vorbei nach draußen. Ich schloss die Tür hinter mir und lief dann ein paar Meter, um auf meine beste Freundin aufzuschließen, die schon einen kleinen Vorsprung gehabt hatte. „Worauf hast du Lust?“, fragte ich sie dann.
„Auf ein Eis.“ Hailey lächelte. Mensch, sie war aber auch einfach zu befriedigen, in eine Eisdiele gehen war ja nicht grade schlimm und anstrengend erst recht nicht. So nickte ich ein wenig und harkte mich bei ihr ein. Zusammen schlenderten wir dann in die Stadt.

1. Kapitel, Teil 2

Von Mayla

„Oh, schau mal, dieses Top muss ich haben!“, kam es von Hailey, als ich mit ihr auf dem Weg in die Eisdiele war. Sofort blieb ich stehen, beäugte das knappe Oberteil, was sie haben wollte und schüttelte dann den Kopf.
„Wenn es unbedingt sein muss, dann probier' es halt an.“, erwiderte ich einfach nur und ging auch schon auf den Eingang zu, während meine beste Freundin noch immer vor dem Schaufenster stand. Ich hatte schon den Türgriff in der Hand, wartete darauf, dass sie reagierte, doch kam von ihr nichts. „Willst du Wurzeln schlagen oder lieber dein Geld ausgeben?“
Hales schaute mich an und zuckte die Schultern. „Geld ausgeben natürlich.“ Endlich setzte auch sie sich in Bewegung und zusammen betraten wir das Geschäft. Hier drinnen war es angenehm kühl und während wir so die Regale absuchten, hatte meine Freundin auch schon wieder mehrere Sachen – darunter auch eine Jeans – angesammelt und verschwand so letztendlich in der Umkleidekabine.
Ich stellte mich davor und wartete geduldig, bis sie immer mal wieder herauskam und mir das vorführte, was sie anprobiert hatte. Zugegeben sah sie eigentlich in allem, was sie anzog, gut aus. Mir wurde sofort klar, dass sie wohl keines der Tops hier lassen konnte, weshalb ich mich auch nicht wunderte, als sie, nachdem alles anprobiert war, tatsächlich mit allem zur Kasse ging.
‚Typisch Frau’, ging es mir durch den Kopf, allerdings sagte ich nichts, ging nur folgsam hinter Hales her und wartete, bis sie bezahlt hatte und mit zwei vollen Tüten der Verkäuferin noch einen guten Tag wünschte und dann das Geschäft wieder verließ. „Es geht doch nichts über ein paar neue Klamotten.“, sagte sie fröhlich und stupste mich mit dem Ellbogen an. „Vielleicht solltest du auch mal wieder losziehen und etwas kaufen.“
Ich nickte langsam. „Gar keine schlechte Idee. Vielleicht kann ich ja Con mitschleppen. Irgendwer muss ja schließlich die Tüten tragen.“, entgegnete ich mit einem Grinsen und schaute sie dann an. „Doch kommen wir nun zum Eis.“ Zielstrebig ging ich ein paar Meter, bis ich schließlich vor dem Café stand, in dem wir für gewöhnlich waren. Draußen in der Sonne setzte ich mich an einen der kleinen, runden Tische, meine bessere Hälfte ließ sich mir gegenüber nieder und stellte ihre Taschen unter den Tisch.
„Ja, das macht den Morgen doch gleich noch ein wenig schöner.“, meinte sie, schlug die Karte auf und blätterte ein wenig darin rum. Ich tat es ihr gleich und entschied mich ziemlich schnell für einen Erdbeerbecher. Als auch Hailey die Karte hinlegte, winkte ich den Kellner heran und bestellte einen Erdbeerbecher für mich und ein Bananen Split für sie. Mit einem Nicken entfernte sich der Kellner und fast gleichzeitig ließen wir uns tiefer in die Stühle sinken und seufzten.
Diesem Seufzen folgte ein Lachanfall und die Leute schauten uns schon seltsam an. „War ja wieder klar. Warum sind wir eigentlich keine Zwillinge?“, meinte Hailey und schaute mich fragend an. Eigentlich eine berechtigte Frage, auf die ich allerdings keine Antwort hatte.
„Na, weil wir eben verschiedene Eltern haben. Wenn man sich so gut versteht, wie wir, dann übernimmt man einfach gewisse Verhaltensweise von dem anderen. Das…“ Doch ich hielt inne. Warum kam ich hier gleich schon wieder mit diesem Psychokram um die Ecke? Nicht mal in meiner Freizeit konnte ich aufhören, alles zu analysieren und auf solche Fragen psychologisch bedingte Antworten zu geben. „Tut mir Leid, ich wollte dich damit nicht nerven.“
Hailey winkte ab. „Kein Problem, ich kenn' das Problem, wenn das Studium einfach so über einen kommt und einen einnimmt. Ist ja bei mir mit den Französischen Worten nicht anders.“
Ich lachte kurz auf. „Stimmt auch wieder. Aber ich find’s nicht schlimm, wenn das das machst.“ Hales war einfach begabt, was Sprachen anging, da konnte sie es auch ruhig ausleben. Sie könnte ich mir sogar ein paar Monate in Frankreich vorstellen, wo sie die Leute mit ihren Kenntnissen beeindrucken konnte. Schließlich hatten die Länder immer gewisse Vorurteile anderen Ländern gegenüber.
„Gut, ma petite belle, sonst hättest du es mich ja auch schon wissen lassen.“, meinte sie grinsend und holte ihre Sonnenbrille aus der Tasche, da die Sonne hier doch schon ein wenig brannte, und setzte sie sich auf.
Ein wenig perplex schaute ich sie an. „Selbstverständlich, du kennst mich doch.“ Meine Augen schirmte ich einfach mit einer Hand ab, ich hatte keine Lust, mir meine Brille aufzusetzen. Ich schaute mich ein wenig um, sah viele Leute, die ich vom Sehen aus dem College kannte, entdeckte schließlich sogar Kevin, der nur zwei Tische von uns entfernt saß und sich angeregt mit – Moment mal – Roxanne unterhielt. Hätte ja nicht gedacht, dass er sich mit so einem auffälligen Mädchen traf. Noch mehr verwunderte es mich allerdings, dass Roxi so viel mit ihm sprach. Ich kannte sie zwar schon zwei Jahre, aber sie ging eigentlich selten aus sich heraus.
„Hales, schau mal, Roxanne sitzt da drüben.“, meinte ich dann und nickte mit dem Kinn in die gemeinte Richtung. Verwundert schauten wir beide nun rüber und Roxi fühlte sich scheinbar beobachtet, denn sie wandte ihren Kopf in unsere Richtung und grinste, als sie uns sah. Scheinbar entschuldigte sie sich bei Kevin, denn sie stand keine Sekunde später auf und ging auch schon auf uns zu.
„Hey Mädels!“, begrüßte sie uns und darauf folgte dann das übliche Küsschen auf die Wange. Trotz des Altersunterschiedes von drei Jahren verstanden wir uns gut mit ihr und ich freute mich immer, sie zu sehen. „Was treibt euch hierher?“
„Die Frage könnten wir dir auch stellen!“, kam Hailey mir zuvor, da ich gerade erst den Mund geöffnet hatte, wo sie schon fertig mit reden war. Fragend schaute ich nun die auffällige, rothaarige an und stützte mein Kinn auf die Hand.
„Augenscheinlich treff ich mich mit Kevin. Ziemlich netter Typ. Er sagt, er kennt dich Aud.“, sagte sie an mich gerichtet. Ich zuckte ein wenig die Schultern. Warum sprachen sie denn bitte über mich…? Egal, darüber konnte ich mir immer noch Gedanken machen, wenn ich es bis dahin nicht raus gefunden hatte.
„Was heißt kennen? Wir haben den gleichen Philosophiekurs, mehr nicht. Wusste ja gar nicht, dass du ihn kennst.“, fügte ich dann noch hinzu, in der Hoffnung, dass sie etwas dazu sagen würde.
„Du weißt so vieles nicht, meine Liebe. Ich werd dann mal wieder, sehen wir uns später? Könnten ja mit allen etwas unternehmen.“, sagte sie und schaute diesmal Hailey an. Diese nickte und lächelte dann. „Klar, ich meld' mich heute Abend mal, wenn das genehm ist.“
„Wunderbar! Bis später.“ Und schon hatte sie uns den Rücken gekehrt, war an den Tisch gegangen, hatte irgendwas zu Kevin gesagt und war dann auch mit ihm aus dem Café verschwunden. Immer noch ein wenig ungläubig schaute ich ihnen hinterher und schüttelte dann den Kopf, ehe ich meine beste Freundin ansah.
„Kannst du dir das erklären?“, wollte ich von ihr wissen.
„Nein, ich habe keinen blassen Schimmer.“, entgegnete sie und schaute den Kellner an, der grad unser Eis brachte. „Ich meine… Sie redet doch sonst nicht so viel und eigentlich hab ich sie noch nie mit einem außerhalb der Schulzeit zusammen gesehen, vor allem nicht mit so einem Schnuckel.“ Automatisch nahm sie den Löffel und fing auch sogleich an, ihr Eis zu essen.
Ich für meinen Teil musste erst mal ihren Gedankengängen folgen und mir überlegen, was genau sie mir mit dem Schnuckel deutlich machen wollte. Wahrscheinlich spielte sie mal wieder darauf an, dass ich schon lange keinen Freund mehr gehabt hatte. Nur was sollte ich mit so einem, wenn er sich doch scheinbar für die geheimnisvolle, rothaarige interessierte? „Irgendwie wirkte sie in seiner Gegenwart verändert. Meinst du, da läuft was?“ Ich schob mir einen Löffel Eis in den Mund und schaute interessiert zu meinem Gegenüber.
„Nein, ich glaube nicht. Erstens ist er viel zu jung für Roxi und zweitens haben sie weder verliebt Händchen gehalten, noch rumgeknutscht, sondern sich einfach nur unterhalten.“, argumentierte die  Blondine und aß zufrieden mit ihrer beobachterischen Gabe weiterhin ihr Eis.
Auch das ließ ich mir nochmals durch den Kopf gehen und musste feststellen, dass es tatsächlich so war. Außerdem hätte unsere Freundin doch sonst etwas bezüglich eines Freundes gesagt, zumindest nahm ich das an. „Du wirst wohl Recht damit haben. Aber seltsam ist es dennoch…“, murmelte ich und löffelte beinahe gedankenverloren mein Eis. So etwas musste man einfach nicht verstehen. Manche Menschen waren eben auf einer Wellenlänge und vielleicht fand man einmal im Leben jemanden, dem man alles erzählen kann,  dem man bedingungslos vertraut und es könnte sogar ein Vertreter des anderen Geschlechts sein, das hatte ich ja bei Connor festgestellt. Es gab also auch die Möglichkeit, als Frau nur mit einem Mann befreundet zu sein – auch wenn die Psychologie da teilweise anderer Meinung war.
Hailey sagte gar nichts mehr dazu, wahrscheinlich überlegte sie selbst wegen irgendwas. War mir auch recht, so konnten wir dann auch schweigend das Eis genießen. Man musste ja auch nicht immer und nur reden, manchmal reichte es auch, wenn man einfach bei einem Menschen dabei saß, wusste, das jemand da war, wenn man denn mal reden wollte.
Nachdem Hailey ihr Eis aufgegessen hatte, kramte sie in ihrer Handtasche rum, beförderte ein Zigarettenschachtel zu Tage und steckte sich auch sogleich eine an. Ich war gerade dabei, meine letzten Erdbeeren zu verspeisen und warf ihr einen kurzen Blick zu. Ich kannte es gar nicht anders von ihr, deshalb störte  es mich auch nicht so, wenn sie rauchte. Wenn ich mal unterwegs war an Wochenende, dann tat ich es auch ab und an, aber nicht so gewohnheitsmäßig wie sie.
„Wo geht’s gleich noch hin?“, fragte ich Hales deshalb, um die Stille zu unterbrechen.
Diese hob die Schultern ein wenig hoch und sah mich an. „Keine Ahnung, ich wollte mich später mit John treffen.“, erwiderte sie und lächelte ein wenig. „Wir können ja durch die Stadt zurück, du lieferst mich bei mir ab und räumst dann weiter auf.“
Nickend nahm ich ihren Vorschlag zur Kenntnis und winkte nun so wie am Anfang den Kellner herbei. Ich drückte ihm einfach Geld in die Hand und erhob mich dann mit einem „Stimmt so.“ Ich wartete nur darauf, dass Hales was sagte, da ich für sie einfach mitbezahlt hatte, doch scheinbar nahm sie es diesmal einfach so hin, was wohl nicht zuletzt daran lag, dass sie eben für die Klamotten, die sie erstanden hatte, genug Geld ausgegeben hatte. So stand auch sie auf, rückte ihre Sonnenbrille zurecht, schulterte ihre Handtasche und spazierte dann in die Richtung, aus der wir gekommen waren.

1. Kapitel, Teil 3

Von Mayla

Wieder zu Hause schmiss ich mich erstmal aufs Sofa. Irgendwie fehlte mir nach dem leckeren Eis einfach der Elan, auf zustehen und wieder sauber zu machen, zumal ich eigentlich nur noch mein Zimmer hatte, welches in Ordnung gebracht werden musste. Aber das konnte auch noch warten. So lümmelte ich einfach hier rum, in der Hoffnung, dass irgendwer kommen würde, um mich von meiner Langeweile zu befreien. Eine Langeweile, die eigentlich keine richtige war. Zwar war Samstag und somit Wochenende, aber ich hatte grade nach dem Stadtbummel überhaupt keine Lust, mich zu bewegen. Ich nahm deshalb eine der drei Fernbedienungen, die auf dem Wohnzimmertisch lag und schaltete die Anlage ein und hörte – wie ich es so gern tat – laut Musik und summte die Melodien mit, da ich meistens die Texte nicht konnte.
Die Zeit wollte auch nicht so recht vergehen, denn keine fünf Minuten später schaute ich schon auf die Uhr und atmete tief aus. Warum war denn auch keiner zu Hause? Warum hatte ich keinen Freund? Warum war die Banane krumm? Alles nur Mist, den ich mir da grad zusammen dachte. Vielleicht sollte ich mich wirklich bewegen, sonst würde ich womöglich jetzt grade in diesem Moment noch vollkommen verrückt werden. Was war denn bloß los mit mir?
Ich konnte es mir nicht erklären. Vielleicht gab es darauf ja auch gar keine Antwort, vielleicht würde ich es selbst irgendwann herausfinden. Fürs Erste musste ich nun aber etwas gegen diese Unlust unternehmen. Also die Musik noch ein bisschen lauter, wieder in die Sachen geschlüpft, die ich anhatte, bevor ich draußen gewesen war und dann ab ans aufräumen.
In meinem Zimmer aufzuräumen dauerte immer länger, weil ich oft Sachen fand, die ich schon länger nicht mehr gesehen hatte. Ganz klar, dass ich dann erstmal in Erinnerungen schwelgen musste… Doch bisher hatte ich bei den ganzen Klamotten, die ich entweder in die Wäschetonne oder meinen Kleiderschrank sortiert hatte, nichts gefunden, von einem T-Shirt, was mir gar nicht gehörte, mal abgesehen.
Mein Kram vom College stapelte sich langsam aber sicher immer höher und ich sah ein, dass es mal wieder Zeit wurde, das alles in die dafür vorgesehenen Ordner zu heften, bevor noch irgendwas wichtiges verloren ging. Außerdem ärgerte es mich ein wenig, dass ich noch nicht mal mehr meinen kleinen Liebling unter dem ganzen Papier sah. Gemeint dabei mein Laptop, der sich irgendwo auf dem Schreibtisch befand und den ich bestimmt schon nen paar Tage nicht mehr angerührt hatte. Schließlich nahm ich erstmal den einen Berg und meine drei Ordner und ließ mich damit auf dem Bett nieder.
Alles, was ich für Psychologie brauchte, wanderte in den weißen Ordner, was ich für Philosophie brachte landete im weißen Ordner und der Rest, der sich so ansammelte in einen blauen Ordner, der nochmals unterteilt war. Alleine das nahm schon eine halbe Stunde in Anspruch. Wenn ich nicht so faul wäre, dann könnte das auch alles schneller erledigt sein. Wenn ich nun aber vor allem daran dachte, dass im Wohnzimmer im Regal auch noch so ein Stapel mit Sachen von Con und mir warteten, da wollte ich schon gar nicht  mehr wissen, wie lange wir da alleine brauchten, um zu entscheiden, wem was gehörte. Gut, das ganze medizinische Zeug war wohl von ihm, doch Psychologie studierten wir beide, da könnte das schwieriger werden, wobei man den Großteil wohl in der Handschrift auseinander halten konnte.
Das ließ ich mir aber lieber für ein anderes Mal. Lieber räumte ich nun weiter den Schreibtisch auf. Alles, was ich nicht mehr brauchte, das landete im Mülleimer, der neben dem Tisch stand und alles, was auf den Schreibtisch gehörte, fand seinen Platz wieder und recht schnell sah man auch mal wieder was von dem Holz und der Unterlage, die auf diesem lag. Mein Laptop stand nun wieder frei von allem möglichen auf dem Tisch und zufrieden nickte ich. Dann wäre mein Zimmer nun fast geschafft, nur noch einmal fegen, wischen konnte ich mir eigentlich sparen, ich hatte keine Lust, nun für das bisschen nochmals einen neuen Eimer mit Putzwasser fertig zu machen, zumal wischen überhaupt nicht zu meinen Leidenschaften gehörte.
Im Takt der Musik, die aus dem Wohnzimmer dröhnte, fegte ich, ließ auch den Balkon beim Fegen nicht aus und war froh, als ich nur noch das Bad zu putzen hatte. Doch wenn Connor vom Sport da war, dann ging er meistens duschen und auch Drake, wenn er später wieder da war, würde unter die Dusche springen und ich hätte da auch große Lust zu. Doch sollte ich vielleicht zuerst wenigstens noch die Wäsche, dich sich in der Tonne befand waschen. Als ich sie hochhob und in den kleinen Abstellraum brachte, war sie schon wieder ganz schön schwer gewesen. Vielleicht sollte ich auch hin und wieder unter der Woche waschen. So voll wie die war, nahm ich nämlich an, dass ich gleich zweimal waschen konnte, vor allem, weil die Jungs viele weiße T-Shirts hatten.
So teilte ich die Wäschen in hell und dunkel, stopfte dann zuerst die hellen Sachen in die Maschine und wusch alles bei 40 Grad. Die dunklen Sachen verschwanden vorerst wieder im Wäschekorb, ebenso die Sachen, die ich grade trug.
Nur in Unterwäsche lief ich durch die Wohnung, zurück ins Bad, wo ich dann auch die auszog, die Tür hinter mir schloss und das warme Wasser aufdrehte. Man musste immer einen Moment warten, bis man auch wirklich warmes Wasser hatte, doch daran gewöhnte man sich eigentlich recht schnell, so lange man überhaupt ordentlich duschen konnte.
Als ich mich unter die Dusche stellte, entspannte sich mein Körper vollends, vor allem, wo mein Rücken ein wenig geschmerzt hatte vom Putzen. Doch Wasser war irgendwie ein Mittel gegen alles und so fühlte ich mich nach wenigen Minuten unter dem Strahl gleich wieder erheblich besser. Meine Haare schäumte ich ordentlich mit Shampoo ein und während das einwirkte, seifte ich den Rest meines Körpers ein und stellte mich etwas anders hin, damit sich nicht sofort wieder alles abwusch.
Nach viel zu kurzen zehn Minuten stieg ich schließlich aus der Dusche, wickelte mich in ein Handtuch ein und öffnete erstmal das kleine Fenster im Bad, damit der Spiegel nicht mehr so beschlagen sein wird, wenn der nächste ins Bad kam.
In meinem Zimmer trocknete ich mich ab, wickelte mir dann das Handtuch als Turban auf den Kopf, damit meine Haare nicht meine Klamotten nass machen würden. Dann cremte ich mich von oben bis unten ein, ließ das Ganze einen Moment lang einwirken, ehe ich mir dann erst Unterwäsche und schließlich ein luftiges Sommerkleid in einem knalligen orange überzog. Wenn das Wetter schon so gut war, dann konnte ich doch auch meine Laune durch helle, kräftige Farben noch zusätzlich etwas verbessern, wie ich fand.
Das Handtuch nahm ich nun auch wieder ab, ging ins Bad und trocknete meine Haare noch ein bisschen, hängte das Handtuch schließlich an den Griff außerhalb der Dusche, damit es trocknen konnte. Der Spiegel war inzwischen wieder vollkommen klar und so fing ich an, meine Haare zu kämmen. Mir fiel auf, dass ich vielleicht mal wieder ein paar Strähnchen vertragen konnte, da die hellbraunen Strähnen in meinem dunkelbraunen Haar schon wieder etwas verblasst waren. Bei Gelegenheit würde ich das mal wieder machen lassen, aber nicht heute. Jetzt könnte ich mich eigentlich ein wenig setzen und etwas lesen.
Deshalb schnappte ich mir ein Buch, machte es mir auf dem Sofa bequem und las da weiter, wo ich das letzte Mal aufgehört hatte. Ich hatte eigentlich so selten Zeit, mal ein Buch in die Hand zu nehmen, was nicht mit dem College zu tun hatte, deshalb war ich grad doch froh, dass ich alleine zu Hause war und niemand mich stören würde.
Doch hatte ich die  Rechnung ohne Connor gemacht. Kaum, dass ich ein paar Minuten gelesen hatte, kam er zur Tür rein und schmiss seine Sportasche auf den Boden neben der Tür. Dann ging er rüber zur Anlage und drehte die Musik leiser. Ich wollte grade protestieren, da schaute er mich schon entschuldigend an. „Man hört die Musik schon, wenn man ins Wohngebäude reinkommt.“
Ich seufzte. „Schon gut, es geht ja auch so.“, meinte ich und klappte das Buch zu und brachte es in mein Zimmer zurück. Man konnte weder lesen, noch seine Musik so laut hören, wie man wollte. Welche Ironie. Kaum, dass man dachte, man hätte Zeit und Ruhe zum Lesen, da kam schon Mitbewohner Nummer eins zur Tür herein. Nur sprach er dann nicht mal mit einem, sondern verschwand gleich im Bad, stellte das Wasser an und duschte sich. Wenn Connor einmal im Bad war, dann war er da auch. Vor allem in Hinblick auf seine Haare war er ziemlich eitel – noch viel schlimmer, als manche Frau. Manchmal könnte ich ihm einen Haaraltar schenken, damit er ihnen huldigen konnte… Doch für solche Spielereien hatte ich ihn dann doch wieder zu lieb. So setzte ich mich nun ohne Buch aufs Sofa und schloss die Augen, um einfach nur die Musik zu hören. Wie so viele Lieder, die ich gern hörte, handelte es von vergangener Liebe. Von den Folgen und nicht Folgen, von Ängsten und Sehnsüchten. Wunderbar, um nachzudenken, auch wenn man eigentlich gar nichts nachzudenken hatte. Doch wenn keine andere Beschäftigung grade interessant gut zu sein schien, musste das eben ausreichen.
Im Bad hörte man, wie Connor das Wasser laufen hatte. Ich beschloss, die Musik doch wieder etwas lauter zu machen. Also schwang ich mich aus dem Sofa und drehte die Lautstärke direkt  an der Anlage hoch. Zwar nicht so laut wie gewöhnlich, aber auf jeden Fall etwas anderes als Zimmerlautstärke. Und gerade, als ich mich wieder aufs Sofa hatte fallen lassen, ging auch schon wieder die Haustür auf und Drake kam nach Hause zurück.
„He, machen wir ne Party?“, fragte er grinsend und schmiss seine Jacke auf Connors Sporttasche und schlenderte auf mich zu, um sich neben mich aufs Sofa zu setzen. Er legte den Arm um mich und drückte mich an sich, ich schaute ihn nur kurz von unten an und lehnte mich an seine Schulter. „Was ist los, Honey? Langeweile?“
Ich wollte zuerst Nicken, schüttelte dann aber doch den Kopf. Warum auch immer, Drake wusste einfach, wie er mit mir umgehen musste, wenn ich so auf dem Sofa saß wie gerade, als er rein gekommen war. „Irgendwie nicht. Unglaubliche Unlust trifft es wohl eher.“, erwiderte ich und schlang meinen Arm um seine Taille. Er tätschelte mir kurz den Kopf und lachte dann.
„So etwas gibt es bei dir? Bin schwer beeindruckt.“
Ich lachte trocken auf. „Zu witzig, Drake. Du kannst mir ja eine Beschäftigungstherapie vorschlagen.“
Mit seiner freien Hand kratzte er sich unterm Kinn und schaute auf mich herab. „Sport hilft immer. Macht den Kopf frei und wenn man es richtig macht, fühlt man sich danach wunderbar erschöpft.“
Ich verdrehte die Augen. „Genau nach meinem Geschmack. Und das, wo ich doch Sport so sehr liebe.“ Deutlich war der ironische Unterton in meiner Stimme raus zu hören und ich nahm meinen Arm von ihm, er anschließend auch und hielt mich eine Armeslänge von sich weg.
„Manchmal muss man seinen inneren Schweinehund überwinden. Vielleicht wird es dir Spaß machen. Vielleicht gehst du einfach mal irgendwo in einen Verein und probierst was aus.“, erklärte er und drückte mir aufmunternd die Schultern.
Wie Recht er doch hatte. „Du hast doch sicherlich nichts Besseres zu tun, als mir zu helfen, oder?“ Ich lächelte ihn zuckersüß an und legte eine Hand auf seinen Arm. Ergeben sah er mich an, hob beschwichtigend die Arme vor sich.
„Aber nein, wie sollte ich auch?“, meinte er grinsend und stand auch so gleich auf. Ich tat es ihm gleich  und blieb vor ihm stehen, einen fragenden und gleichzeitig fröhlichen Ausdruck im Gesicht.
„Gehen wir jetzt?“, wollte ich wissen und verschränkte die Arme vor der Brust, weil ich eigentlich gar nicht vorgehabt hatte, jetzt mit Drake um die Häuser zu ziehen und herauszufinden,  was ich an sportlichen Aktivitäten angehen könnte.
„Klar, wann denn sonst? Meinst du, wir bleiben hier und starren Löcher in die Luft? Nichts ist besser gegen die Unlust, etwas  zu entdecken, auf das man Lust hat.“, erwiderte er und grinste nun noch mehr.
„Da wüsste ich aber auch noch was anderes gegen Unlust.“, meinte ich und zwinkerte ihm verschwörerisch zu. Er konnte sich sicherlich vorstellen, was ich damit sagen wollte, schließlich waren er und ich uns nicht unähnlich.
„Wenn du meinst… dann schlag ich vor, machen wir das unterwegs. Aber nun sind wir im Auftrag des Sportes unterwegs! Also… auf, auf meine Hübsche, so etwas findet sich nicht von alleine.“ Er klang fast schon wie ein Motivationslehrer, innerlich sowie äußerlich musste ich grinsen und fühlte mich gleich schon ein bisschen besser.
„Also gut, ich zieh mir eben was anderes an und dann gehen wir.“, sagte ich und war auch schon auf den Weg in mein Zimmer. Ich machte mir nicht einmal die Mühe, die Tür hinter mir zu schließen, stellte mich jedoch neben die Tür und zog mir eine kurze Sporthose und ein Top an, schlüpfte in ein paar der Sneakers, die in dem kleinen Schrank waren und stand dann  auch schon aufbruchsbereit an der Tür.
Connor kam grad aus dem Bad, schaute Drake, aber vor allem mich seltsam an und schüttelte dann nur den Kopf und verschwand in seinem Zimmer. Was war denn nun schon wieder, hatte ich ihm irgendwas getan?
„Wir gehen raus. Bis später, Con.“, rief ich ihm hinterher, schaute zu meinem anderen Mitbewohner und lächelte ihn ein wenig schwach an. Dann öffnete ich die Tür und trat nach draußen, während Drake hinter mir her kam. „Sportplatz?“, wollte ich dann noch von ihm wissen.
„Sportplatz.“, bestätigte er meine Aussage, legte eine Hand auf meinen Rücken und drückte mich sachte in die Richtung, in die wir zu gehen hatten.

1. Kapitel, Teil 4

Von Mayla

Am Sportplatz angekommen schüttelte ich nur ein wenig den Kopf. „Ich habe eine Abneigung gegen Bälle, dass solltest du doch langsam wissen.“, meinte ich und presste die Lippen zusammen. Ich saß Fußballspieler, Hockeyspieler und natürlich Footballspieler. Auf einem anderen Feld konnte man noch ein paar Rugbyspieler erhaschen, aber sonst sah ich auf den ersten Blick nichts. Das war ja wohl nicht das, was für mich passend wäre. In diesem Moment hätte ich mehr als alles andere auf der Welt lieber einen auf Cheerleader gemacht, anstatt mich mit irgendeiner bösen Ballsportart anzufreunden – und das, wo ich diese dürren Tussis, die da mit ihren Pongpongs herum hüpften wirklich schrecklich fand. 
„Warum probierst du nicht was, bevor du gleich so ablehnend darauf reagierst? Aber warte mal ab, wir gehen einmal hier auf dem Gelände rum, vielleicht finden wir ein paar Cheerleaderhäschen, denen du dich anschließen kannst.“, meinte er, nun schon fast ein fieses Grinsen auf seinen Lippen. Lässig, wie er eben war, schlenderte er weiter um den Sportplatz herum, während ich noch mit offenem Mund dasteht und Worte suchte, die ich ihm entgegen werfen konnte. Allerdings hatte er es mal wieder geschafft, mich sprachlos zu machen. Mit einem vernichtenden Blick auf Drake gerichtet, stapfte ich hinter ihm her und verschränkte die Arme vor der Brust.
„Auf jeden Fall. Willst ne Kostprobe?“ Ohne eine Antwort zu erwarten, fing ich einfach an. „Wer ist der beste?“ Ich tat so, als ob ich diese seltsamen Puscheldinger hatte und hielt meine Hände erwartungsvoll aneinander und bewegte sie leicht. Drake war indessen stehen geblieben und schaute mich ungläubig an, jedoch ließ ich mich davon nicht beirren. Leicht ging ich in die Hocke, bereit dafür, in die Luft zu springen. „Drake!“, schrie ich beinahe schon, sprang in die Luft und riss dabei meine Arme mit nach oben. Mein Mitbewohner kam nicht umhin, lauthals mit dem Lachen anzufangen und ich kicherte ein wenig. „Nun sag… Kannst du dir mich als so eine vorstellen?“
„Auf jeden Fall, Süße.“ Lachen tat er inzwischen nicht mehr, aber ein Grinsen war noch immer geblieben. Langsam ging er auf mich zu, blieb vor mir stehen und schaute mich von oben bis unten an. „Ne, im Ernst nicht. Du bist nicht dürr, deine Figur kann sich sehen lassen. Blond bist du auch nicht und ich nehme nicht an, dass du dir die Haare färben willst. Wenn man aber mal davon absieht, dann könntest du trotzdem so nen hüpfender Cheerleader werden, denn bewegen kannst du dich wohl.“, schloss er schließlich seine Rede und klopfte mir auf den Rücken. „Nichts für ungut, Aud. Ich habe nur analysiert.“
„Dabei bin ich doch fürs analysieren zuständig, Mister.“ Ich piekste ihn mit meinem Zeigefinger in die Brust. „Aber danke, dass ich zu diesem Haufen kichernder Girlies passe, baut mich unglaublich auf.“, fügte ich ironisch hinzu und ging dann an ihm vorbei, weiter den Sportplatz runter.
Manchmal konnte er einfach zu charmant sein. Dennoch mochte ich Drake gerade wegen seiner Art, mit anderen Menschen umzugehen. Es war so locker und ungezwungen, außerdem vergaß man mit ihm schnell alle Sorgen, weil er sich einfach darauf verstand, abzulenken und aufzubauen. Manchmal glaubte ich sogar, dass aus ihm und mir irgendwann mal mehr werden könnte, doch glaubte ich auch, dass ich nicht unbedingt der Typ Frau war, der für ihn dauerhaft interessant sein könnte. Auf Affären stieg ich nicht so gern ein, vor allem nicht, wenn es sich um einen meiner engsten Freunde handelte.
Gut, genug gegrübelt. Mein Blick wanderte über den Sportplatz – oder eher die Sportplätze, es gab davon hier am College mehr als nur einen, da alle hier sportverrückt waren – doch sah ich nichts, was jetzt etwas wäre, das mich ansprach. Dann sah ich zu Drake, warf ihm einen fragenden Blick zu. „Vielleicht wäre Schwimmen, Klettern oder irgendwas mit Tanzen eher was für mich.“, meinte ich und fügte ein „Vergiss sofort die Cheerleadernummer!“ an, sonst käme er womöglich noch wirklich damit.
„Okay, okay, vielleicht hast du Recht. Dann schlag ich vor, dass wir zu den Hallen gehen, da wird wohl eher so etwas zu finden sein.“ Frauen waren aber auch wirklich kompliziert, zumindest konnte man das wohl deutlich aus seinem Tonfall hören. Dennoch schlug er die Richtung ein, in der wir am schnellsten die Hallen erreichen würden.
Hinter den Hallen befand sich dann auch der Bereich, in dem sich die Schwimmer befanden, doch als ich diese sah, wurde mir schnell klar, dass ich nicht annährend so gut war wie sie. So schnell war ich noch nie 100 Meter geschwommen, mal davon abgesehen, dass ich überhaupt noch nie so weit geschwommen war. Ich schüttelte also nur den Kopf, während Drake mit den Schultern zuckte und dann die Tür zur Halle aufmachte.
Drinnen sah es auch nicht besser aus. Badminton und Tischtennis gespielt, sowie geturnt wurde hier. Ich seufzte demotiviert und war auch schon dabei,  umzudrehen, weil mir hiervon nichts zusagte, doch Drake hatte scheinbar eine Idee.
„Gehen wir mal in den hinteren Raum, für gewöhnlich trifft man da einige Tänzer an.“, meinte er und ging auch schon voraus. Ich folgte ihm und tatsächlich hörte ich auch schon Musik, kaum das er die Tür geöffnet hatte. Das war doch schon mal ein Anfang, mit Musik fühlte ich mich gleich wohler, was wohl auch der Grund war, weshalb ich Drummerin in einer Band war. Ich leises Lächeln schlich sich in mein Gesicht, als ich die Leute hier tanzen sah, auch wenn es nicht unbedingt die Musik war, die ich hörte.
Weiterhin zielstrebig ging mein Begleiter auf ein braunhaariges Mädchen zu, das gerade dabei war, mit den anderen Übungen nach dem Tanzen zu machen. Unschlüssig blieb ich erstmal an der Tür stehen, während Drake dem Mädchen umarmte und sie anlächelte. Als er mit ihr redete, schaute sie ziemlich ernst und ich fragte mich, was er ihr wohl gerade erzählte. Doch auf einmal fing ich sie an zu lachen, nickte kurz und kam dann auch schon auf mich zu, gefolgt von Drake.
„Du willst also tanzen, mh? Dann bist du hier natürlich genau richtig. Hast du schon Erfahrung damit?“, brach gleich darauf ein kleiner Redeschwall auf mich ein und ich stand einfach da, lächelte und schüttelte ein wenig den Kopf.
„In einer Gruppe getanzt habe ich noch nie, aber ich würde es wirklich gern mal ausprobieren.“, erwiderte ich also und hoffte, ich hatte mich nun mit meinen Null Vorkenntnissen nicht unbeliebt gemacht.
Doch wider Erwarten lächelte die Braunhaarige. „Gut! Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg. Ich schlage vor, du kommst einfach zur nächsten Stunde, Mittwochabend, 19 Uhr, genau hier. Es sei denn, du bestehst drauf, vorher noch Einzeltraining zu erhalten.“, meinte sie und wandte sich dann an Drake, ohne wirklich auf eine Antwort von mir zu warten. „Warum tanzt du eigentlich noch nicht? Ich bin sicher, du könntest das auch ohne Probleme.“
Abwehrend hob er die Hände. „Äh, ich fürchte, du überschätzt mich, mit dem, was ich an Sport treibe, bin ich voll und ganz zufrieden, sowie ausgelastet.“ Kurz schaute er mich an und grinste dann. „Wenn sie so gut tanzt, wie sie an ihren Drumms ist, dann habe ich keine Bedenken, sie in deine Hände zu geben.“
„Mensch, Drake, ein wenig auf dem Schlagzeug herum zuschlagen ist keine wirkliche Kunst.“, meinte ich einfach und hielt dann der Braunhaarigen meine Hand hin. „Ich bin übrigens Audrey.“, stellte ich mich einfach der Höflichkeit halber vor. Sie nahm meine Hand und schüttelte sie kurz.
„Ich bin Jessica, aber alle sagen nur Jess zu mir.  Ich bin mir sicher, wir werden uns gut verstehen und hoffe, dass Drakes Vermutung richtig ist.“ Kurz lachte ich, ehe ich ihre hand dann losließ und Jessica ein letztes Mal anlächelte.
„Mittwoch bin ich dann da. Danke, dass ich’s versuchen darf.“, meinte ich und schaute dann zu Drake. „Wir sollten dann aber auch los, Mitbewohner Nummer 3 langweilt sich sonst womöglich noch. Ich wünsch dir noch nen schönen Tag.“
„Dankeschön. Ich freu mich! Bis dann.“, verabschiedete sie sich von mir, umarmte Drake dann und winkte schließlich noch, als wir den Raum verließen.
Ich atmete tief aus und schaute ihn an. „Wen du alles kennst… Kaum zu glauben, dass es auch noch für mich als Frau Vorteile hat, das mein Mitbewohner so ein Frauenheld ist.“, meinte ich grinsend und schüttelte den Kopf.
„Tja, ich glaube… du bist mir was schuldig.“, meinte er leicht herausfordernd und nahm mich an die Hand. „Wenn mir war einfällt, was du für mich tun kannst, dann lass ich es dich wissen, Audrey.“
Ich nickte. „Oh, tu dir keinen Zwang an. Aber jetzt… gehen wir erstmal zurück, ich krieg so langsam Hunger.“, sagte ich dann, zog Drake den Weg, den wir hierher gegangen waren, wieder hinter mir zurück.
„Essen klingt gut.“, kam es noch von ihm und daraufhin folgte nur ein erneutes Kopfschütteln von mir. Typisch Männer, egal wann, sie konnten immer etwas zu essen vertragen…

1. Kapitel, Teil 5

Von Mayla

Wieder in der Wohnung angekommen, war es nun Connor, der auf dem Sofa saß, dabei aber keineswegs gelangweilt aussah, sondern einen Stapel Blätter in der Hand hielt und las – oder vielmehr lernte. Und das an einem Samstag. Wenigstens tat er was für sein Studium, was man von mir und Drake nicht gerade sagen konnte. Wir waren immerhin unterwegs gewesen, um mir noch eine weitere Freizeitbeschäftigung oder auch Beschäftigungstherapie zu suchen. Aber immerhin waren wir diesbezüglich auch fündig geworden.
„Na, mal wieder fleißig?“, fragte ich ihn, während ich schon wieder unterwegs in mein Zimmer war, um mich umzuziehen. Allzu sportlich wollte ich hier bestimmt nicht rumlaufen. Kurz schaute der Angesprochene von seinem Material hoch, warf mir einen unzudeutenden Blick zu und nickte.
„Irgendwer muss es ja tun.“, war seine trockene Erwiderung und ich verdrehte nur ein wenig genervt die Augen. Gab es für ihn je etwas anderes als lernen? Ich hätte ihn gern grade dabei gehabt, doch da war er ja auch anderweitig beschäftigt gewesen.
„Stimmt auch wieder.“ Ich war dabei, mich zu entscheiden, was ich anziehen sollte. Einfacher wäre es gewesen, einfach das Kleid anzuziehen, was ich eben getragen hatte, doch irgendwie war mir mehr danach, etwas anzuziehen, was nicht so luftig war und eigentlich auch gar nicht so mein Stil war. Kurzerhand zog ich also wieder meine Heimkluft an, stieg in die Hotpants und trug dazu ein viel zu langes T-Shirt, das ich an der Hüfte zusammen knotete. So fühlte ich mich gleich viel besser.
Da ich Connor unmöglich alleine auf dem Sofa vergammeln lassen konnte, entschloss ich mich kurzerhand dazu, ihm ein wenig Gesellschaft zu leisten. So ließ ich  mich neben ihm nieder, schaute über seine Schulter in die Unterlagen und stellte fest, dass er da irgendwelches Fachchinesisch lernte. „Hast du nicht vielmehr Lust, deine beste Freundin ein wenig zu beschäftigen?“
Connor lächelte mich an. „Selbstverständlich hätte ich das, wenn ich nicht noch einiges zu lernen hätte.“, gab er zurück und vertiefte sich wieder in die Arbeit. Wenn er erstmal angefangen hatte, dann war es kein leichtes, ihn wieder davon abzubringen. Ich zog eine Schnute und stand auf, ging in den Kochbereich und öffnete den Kühlschrank. Heraus holte ich Toast, etwas Käse, den Salatkopf und Majonäse, um mir ein Sandwich zu machen. Toast hingelegt, Majonäse darauf verteilt, dann den Käse drauf. Salat abgezupft, kurz abgewaschen und dann drauf gelegt. Die eine Hälfte des Toastes auf die andere gelegt und fertig war das kleine Essen für zwischendurch.
Schnell hatte ich alles wieder im Kühlschrank verstaut und setzte mich dann an den Küchentisch, um unseren Bücherwurm nicht vom Arbeiten abzulenken. Im Gegensatz zu mir hatte er ein Stipendium, für das er gute Noten haben musste, damit er auch weiterhin an der Schule bleiben konnte. Ich hingegen hatte Eltern, die mir den Aufenthalt finanzierten, gute Noten brauchte ich trotzdem und irgendwie schaffte ich es auch, ganz gut zu sein, auch wenn Con natürlich um Längen besser war als ich. Hin und wieder musste er mir auch mal was erklären, weil er einfach ziemlich klug war und fachlich ganz schön viel drauf hatte. Manchmal beneidete ich ihn darum, aber wenn ich  mir vor Augen führte, wie viel er dafür tun musste, war ich froh so, wie es war.
Nur irgendwie wollte ich, dass Connor nun seine Aufmerksamkeit mir zuwandte, da ich den guten Drake für den Moment genug strapaziert hatte. Wie ich das allerdings anstellen sollte, wusste ich  noch gar nicht so genau, aber Frauen hatten da immer so einige Dinge, die sie einsetzten konnten. Nur würde das in seinem Fall wohl auch nichts bringen, da er nicht auf mich stand. Zumindest nahm ich einfach mal an, dass es so war. Ich wollte fast schon aufgeben, da sagte ich mir, dass es besser wäre, wenn ich einfach spontan handeln würde. Also stand ich auf, fand meinen Platz neben Connor auf dem Sofa wieder und nahm ihm seinen Stapel Papier aus der Hand, was er nicht einmal verhindern konnte, da er so vertieft war, dass er erst realisierte, als ich bereits alles in der Hand hätte.
„Hey, was soll das Aud? Es tut mir ja Leid, aber ich habe zu tun.“, meinte er zu mir und ich grinste ihn ein wenig an.
„Es ist mir bekannt, dass du zu tun hast, aber es ist Samstag und du solltest vielleicht mal dein Wochenende genießen. Rausgehen, Leute treffen und Spaß haben. Ich glaube kaum, dass das Erlernen von medizinischen Fachbegriffen spaßig ist.“, erörterte ich und tippte ihm an die Schulter. „Also schlage ich einen Deal vor. Wenn du mir versprichst, dass du dich heute Abend mit mir und noch ein paar anderen vergnügst, dann kannst du deine Blätter wieder haben. Ganz einfach.“
Kopfschüttelnd sah er mich an. „Ich weiß nicht, was das bringen soll.“ Er wollte nach den Blättern greifen, doch hielt ich sie weiter von ihm weg. Manchmal musste man auch konsequent sein und genau das hatte ich nun vor.
„Ach komm, es wird dir nicht wehtun. Es sind unsere Freunde, die Familie, die wir haben, solange wir hier leben. Nimm dir doch Zeit für sie und uns.“ Bittend schaute ich ihn an und hoffte, dass ich endlich Erfolg haben würde.
Und tatsächlich gab er endlich auf. „In Ordnung. Aber bis dahin…“ Wieder wollte er nach den Blättern greifen und diesmal hielt ich sie ihm hin. „…kann ich ja noch ein wenig lernen, nicht wahr? Ist ja noch nicht Abend, sondern erst Nachmittag.“, meinte er lächelnd und ich erwiderte sein Lächeln sofort.
„Auf jeden Fall kannst du das. Ich sag dir dann später, wann und wo wir uns treffen.“ Mit diesen Worten war ich auch schon wieder aufgestanden und in mein Zimmer verschwunden, um erstmal ein paar SMS zu verschicken. Eigentlich war es normal für unsere Clique, dass wir uns einen Abend am Wochenende alle zusammen trafen, doch manchmal taten wir das auch nicht, weil mal nicht alle Zeit hatten. So schrieb ich erst Hailey, dann Sanaya und zum Schluss noch Roxi, dass wir uns heute Abend treffen wollten und ob eine von ihnen wusste, was wir tun konnten. Da ich nun etwas zu tun hatte, wuselte ich durch die Wohnung und suchte Drake, den ich dann zum Glück auch in seinem Zimmer fand. In der Tür blieb ich stehen und er schaute zu mir herauf, einen fragenden Blick in den Augen.
„Haste heute Abend schon was vor?“, fing ich also gleich an, um nicht lange um den heißen Brei herumreden zu müssen.
„Nein, bisher noch nichts. Aber ich nehme an, dass ich mit eben dieser Antwort ab sofort heute Abend etwas vorhabe, nicht wahr?“ Er legte das Buch zur Seite, welches er bis grade noch gelesen hatte und schaute mich weiterhin an.
„So sieht’s aus. Ich hol grad Vorschläge ein, was wir machen könnten. Irgendeine Idee?“ Wie ich ihn kannte, wollte er einfach raus und feiern. War eigentlich auch in meinem Sinne.
„Wir könnten Billard spielen gehen. Oder Dart. Vielleicht auch beides zusammen.“, sagte er und nahm sein Buch wieder in die Hand, um doch weiter zu lesen, da seine Tat vollbracht war.
„Gut, danke, ich werde das berücksichtigen.“ Ich schloss wieder die Tür zu seinem Zimmer und ging wieder in mein eigenes, wo ich bereits Antwort von Sanaya erhalten hatte. Wenn es nach ihr ging, konnten sie gern was zusammen machen, am besten würden sie sich so um 20 Uhr am Eingang der Wohngebäude treffen. Gerade, als ich antworten wollte, kam dann auch die Antwort von Roxi, die einwilligte, sofern sie Kevin mitbringen konnte. Ich nahm an, dass keiner etwas dagegen hatte und antwortete erst ihr und dann Sanaya, dass wir uns trafen und sie Jake Bescheid sagen sollte. Hailey brauchte wie immer ewig, um zu reagieren. So steckte ich das Handy einfach in die Tasche und verbrachte die Zeit, die ich noch hatte damit, im Bad vor dem Spiegel zu stehen und mich darüber zu ärgern, dass meine Haare nicht so saßen, wie sie eigentlich  sollten. Doch lange sollte ich mich nicht damit aufhalten, da mein Handy plötzlich laut gab und Hailey mich anrief.
„Ja bitte?“, ging ich an mein Mobiltelefon.
„Hey Aud! Wie sieht’s aus mit heute Abend? Schon Vorschläge?“
„Billard und Dart.“
„Mhm… hört sich doch annehmbar an. Wo treffen wir uns?“, harkte sie nach.
„Um 20 Uhr vor den Wohngebäuden. Roxi bringt Kevin mit.“, sagte ich so wie nebenbei bemerkt.
„Soso… da bin ich ja mal gespannt, was da mit dem läuft. Wir reden später, Jon und ich waren grad beschäftigt.“, meinte sie und kicherte ein wenig. „Bis dann.“
„Ja, Ciao.“ Ich legte auf und grinste. Das waren wohl die Vorteile, wenn man einen Freund hatte. Hin und wieder war man da eben anderweitig beschäftigt. Und auch ich konnte mich nun anderweitig beschäftigen, allerdings eher mit meinen Haaren. Eigentlich war ich nicht eitel, aber wenn ich wegging, dann sah ich nun einmal gerne gut aus. Welche Frau tat das nicht? Am einfachsten wäre es, wenn ich mir die Haare auf Wickler drehen würde, dann konnten sie doch so chaotisch aussehen, wie sie wollten, wenigstens sähe es dann so aus, als ob es absichtlich so sein sollte. Ja, keine schlechte Idee, Locken hatte ich schon lange nicht mehr gehabt.
Also machte ich mir meine Haare nass und fing dann an, alles aufzuwickeln. Nach einer guten Viertelstunde war ich dann auch schon fertig und am besten wäre es, wenn ich mich auf den Balkon in die Sonne setzen würde, da die Haare so am schnellsten trockneten. Gedacht, getan: Mit Einer Limo, einem Radio und einem Buch hatte ich mich auch schon draußen auf den Stuhl niedergelassen, die Musik angemacht und das Buch aufgeschlagen. Irgendwie musste man ja auch noch ein wenig sinnvoll die Zeit bis zum Abend rumkriegen. Später konnte ich noch etwas essen, mich dann schminken und zuletzt umziehen. Zwei oder drei Stündchen hatte ich bis dahin auf jeden Fall noch  Zeit – die ich jetzt zum entspannen benutzte.

1. Kapitel, Teil 6

Von Mayla

Um kurz vor sechs rief ich den Lieferservice an und bestellte mir eine Pizza Salami mit extra viel Käse. Die Jungs waren schon am essen und hatten natürlich nicht daran gedacht, dass ich auch noch da gewesen war. Wirklich nett, da hörte man mich einmal nicht und schon wurde man außer Acht gelassen. Da sah man ja mal wieder, wie unglaublich sensibel die Homo sapiens der männlichen Gattung waren. Aber ich konnte mich auch selbst versorgen, schließlich lebten wir hier nicht in der Steinzeit, in der die Männer das Essen erst erbeuten und erlegen mussten. Hier ließ ich einfach den süßen Pizzalieferer vorfahren und alles war in bester Ordnung.
Die halbe Stunde, die das nun brauchte, bis ich mein Essen verspeisen würde, nutzte ich damit, mir eine Gurkenmaske zu machen, damit ich mich entspannte und niemanden unbeabsichtigt anfuhr, anzickte oder angriff. Im Kühlschrank fand ich glücklicherweise noch Quark, den ich mit Honig und etwas Öl vermengte, damit meine Haut mal wieder etwas Feuchtigkeit abbekam. Leider hatten wir keine Gurke mehr im Haus, deshalb musste es wohl ohne die gehen – oder ich könnte einen der Jungs in den Supermarkt schicken. Nein, ich wollte sie grad gar nicht ansprechen, es würde so gehen.
Im Bad wunderte ich mich darüber, dass meine Haare noch eingewickelt waren, ließ es dann allerdings auch erstmal so, trug  mir dann das Zeug dünn auf und begutachtete mein Werk im Spiegel. Ich sah wirklich lächerlich aus, aber was tat man als Frau nicht alles so für ein schönes Äußeres? Sicherlich gab es auch einige Männer, die sich mit so etwas herumschlugen, doch waren die entweder schwul oder scheiße. Deshalb brauchte ich mir darum keinen Kopf machen, sondern eher über die unzähligen Frauen nachdenken, die sich das antaten – mich natürlich eingeschlossen. Sicher, wir hatten alle das gleiche Ziel: Gut aussehen, um vielleicht auch mal einen Freund zu finden. Oder auch für den Freund gut auszusehen, wenn man mit ihm zusammen war. Wer sagte, dass er das nur für sich tat, dem konnte man das nicht wirklich glauben. Sich eine Maske aufs Gesicht knallen war vielleicht im ersten Moment, um sich wohl zu fühlen – auch wenn ich mich eher weniger wohl damit fühlte, es aber das Gesicht kühlte und so entspannte – aber dann, was dabei herauskam, das Resultat, das war ja wohl nur dazu da, dass man bei anderen nicht ins Gerede kam. Nicht mehr und nicht weniger.
Oh Gott, ich hatte wirklich Langeweile. Nun philosophierte ich hier schon über Gurkenmasken, vor allem dann, wenn ich meinem Fall natürlich ausgerechnet die Gurken fehlten. Bei manch anderer Frau wäre das längst in einen hysterischen Anfall ausgeartet, doch ich machte mir nichts daraus. Seufzend verließ ich das Bad, beachtete die beiden Jungs, die gemütlich am Tisch saßen und aßen einfach gar nicht und ging geradewegs an ihnen vorbei in mein Zimmer. Doch hörte ich, wie sich lachten, auch wenn es sich schon verdächtig nach einem Kichern anhörte.
Ein erneutes Seufzen kam über meine Lippen, ehe ich mich dann vertrauensvoll an meinen Schrank wendete, der mir hoffentlich bei der Frage der Kleiderwahl helfen konnte.
Nicht, dass ich ihn wörtlich ansprach – selbst wenn ich das manchmal wirklich tat – ich öffnete ihn und schaute hinein, räumte ein paar Teile hin und her, bis ich schließlich das in der Hand hielt, was ich später anziehen würde: Ein schwarzes Tank Top, eine knielange Jeans und dazu noch eine schwarze Jacke zum überziehen, wenn es später etwas kühler würde. Schlicht und einfach, aber das war nun einmal ich. Aufgepeppt würde das ganze mit Buttons und Ketten werden. Doch die bewahrte ich in der Schublade meines Schreibtisches auf, selbst wenn da langsam der Platz knapp wurde. In den letzten zwei Jahren hier hatte ich so viele Buttons angesammelt, dass ich mich damit von oben bis unten schmücken konnte. Doch das war schon ganz gut so, ich stand unheimlich auf diese Dinger, vor allem, wenn da so schlaue Dinge draufgedruckt waren, wie zum Bleistift „Ich bin ein Button.“ oder „Ja, ich bin weiblich.“. Wirklich ausdrucksstark. Dinge, die so niemand gewusst hätte.
Okay, genug von der Schwärmerei, ich sollte mir lieber die Maske abwaschen gehen, sobald die Zeit dafür wäre, dann mich umziehen und anschließend hoffentlich die Pizza essen. In der Zwischenzeit saß ich hier einfach auf dem Bett rum und wartete und wartete und wartete.
Ein paar Minuten später konnte dann die Maske runter und fühlte mich auch gleich schon erheblich besser. Mit erfrischter Haut und einiger Zeit für sich war doch alles wieder in beste Ordnung. So zog ich das, was ich anhatte aus vorsichtig aus, damit ich nicht das Handtuch, welches noch immer auf meinem Kopf war, mit hinunter riss, um dann in die Jeans zu steigen. Ich konnte es aber einfach nicht sein lassen, in den Spiegel zu sehen. Ich drehte mich nach links, betrachtete kritisch meine Seite und drückte das zusammen, was zu viel war. Gut, ich hatte weibliche Rundungen, aber ein bisschen fester könnte das doch schon alles werden. Doch dazu hatte ich ja ab demnächst hoffentlich das Tanzen. Irgendwie versank ich grad schon wieder in Gedanken, das Klingeln nahm ich jedoch wahr und ging auch so, wie ich grade war an die Tür. Ich öffnete diese und davor stand doch tatsächlich schon der Lieferer und hielt meine Pizza in der Hand. Wie die Zeit doch verging…
„Hey, deine Pizza. Lass es dir schmecken.“, meinte er, nachdem er mich eingehend angesehen hatte und sich ein Grinsen nicht verkneifen konnte.
„Ohja, das werde ich.“ Ich nahm ihm die Pizza aus der Hand und drückte ihm einen Schein in die Hand. „Rest ist für dich.“ Warum auch immer, aber heute hatte ich es irgendwie damit, den Leuten, die mich bedienten, Trinkgeld zu geben. Und das, wo ich sowieso schon nur halb angezogen hier herumstand und dem Typen noch einen netten Ausblick bot. Manchmal hatte ich es aber auch wirklich raus. Nur halb bekleidet und dann noch mit diesem Handtuch auf dem Kopf. So konnte ja wirklich nur ich versuchen Jungs anzugraben. Ein Hoch auf Audrey.  
„Schönen Abend noch.“, sagte ich mit einem kurz angebundenen Lächeln im Gesicht und schloss dann einfach die Tür. Männer hatten bei mir heute ausgedient, das stand fest. Soviel hochsensible Intelligenz ertrug ich einfach nicht. Auch die Gesichtsausdrücke meiner Mitbewohner bestärkten mich in diesem Denken.
„Was denn? Nun sagt nicht ihr habt noch nie ein Mädchen, geschweige denn mich, nur wenig bekleidet gesehen?“, fuhr ich sie an und da war es dann auch mit meiner eben gewonnen Ruhe wieder vorbei. „Verdammt!“
Ich ging also besser wieder in mein Zimmer und aß dort. Da war ich alleine, niemand war da, niemand würde reinkommen. Wenn ich mich wieder entspannte, dann würde alles gut werden. Manche Dinge musste man sich eben systematisch einreden, damit sie Erfolg haben konnten. Das gehörte wohl jetzt dazu, weil ich keine Ahnung hatte, was bloß los war mit meinen Gefühlen heute.
Langsam verspeiste ich meine Pizza und als ich fertig war, hatte ich das starke Verlangen, eine Zigarette zu rauchen. Nur zu blöd, dass ich ein Gelegenheitsraucher war ich nicht darauf eingestellt war, dass sich genau jetzt eine Gelegenheit zum Rauchen ergeben würde, dementsprechend war ich nicht mit Zigaretten ausgestattet. Wenn doch wenigstens Hailey da wäre, doch die Vergnügte sich sicherlich mit ihrem Freund.
Lenkte ich mich nun einfach ab. Schließlich hatte ich vorgehabt, mich zu stylen. So zog ich also das Top an und pinnte in die linke Ecke drei Buttons mit pink-schwarzen Kontrastfarben. An dem Aufschlag der rechten Hosentasche tat ich das gleiche. Noch die schwarze, lange Kette mit den Perlen um den Hals gehängt und die passenden Ohrringe ins Ohr gesteckt, da war das Outfit wenigstens schon komplett. So angezogen fühlte ich mich auch gleich schon etwas besser und sah mich nun in der Lage, wieder an den Jungs vorbei ins Bad zu gehen.
Doch hatte ich diese Rechnung ohne Drake gemacht. Er besetzte grad das Bad, hatte aber zum Glück nicht abgeschlossen, sodass ich mich ungehindert vor den Spiegel stellen konnte, während er unter der Dusche stand. Zuerst kam nun der Turban von meinem Kopf, dann der Fön in meine Hand, um die Mistbiester noch ein wenig mehr zu trocknen, falls das überhaupt nötig war, immerhin hatte ich das einige Stunden drinnen gehabt. Wie sich jedoch herausstellte waren meine Haare immer noch ein wenig nass als ich die Lockenwickler rausholte. Ich fuhr vorsichtig durch meinem Haare, lockerte sie ein wenig und knallte anschließend Haarschaum auf das ganze Gebilde und föhnte dann erneut, diesmal bis alles voll und ganz trocken war.
Als ich fertig damit war, kam auch Drake aus der Dusche und grinste mich an, während er sich ein Handtuch um die Hüfte schlang. „Siehst ja schon ganz gut aus, Locke.“, neckte er mich und nahm seine Klamotten, ging aus dem Bad heraus. Er wusste ebenso wie alle Männer es wissen sollten, dass es nicht ratsam war, eine Frau im Bad zu stören. Gut für ihn, erst hatte ich mich über Drake gefreut und anschließend geärgert. Nun konnte ich wieder zum Freuen übergehen. Vielleicht würde doch noch alles gut gehen. Wenn ich erstmal geschminkt war, dann konnte ich wieder durchatmen und den Abend erst so richtig beginnen lassen. Ich überlegte, ob wir nicht noch Sekt im Kühlschrank hätten, denn ein oder zwei Gläschen davon, bevor wir losgingen waren wohl dann noch drin. Doch erstmal war anpinseln angesagt.
Passend zu den Buttons umrahmte ich meine Augen mit schwarzen Kajal und verpasste meinem Lid einen pink-rosa Anstrich. Danach puderte ich mein Gesicht ab, besserte noch ein wenig mit Make-up nach und trug dann Rouge auf die Wangenknochen auf. Für die Lippen reichte einfacher Lipgloss und schon war mein Gesicht fertig. An Schmuck hatte ich auch gedacht, nur meine Haare könnten vielleicht noch etwas Haarspray vertragen. So hob ich einzelne Strähnen an, sprühte sie von der Haarwurzel bis zur Haarspitze an und wiederholte das ein paar Mal, so lange, bis ich Husten musste, weil das Haarspray das kleine Bad total eingenebelt hatte. Ich flüchtete beinahe schon aus dem Raum, blieb vor der Tür stehen und ließ diese auch offen stehen, damit da mal Luft rein kam.
Drake bedachte mich mit einem prüfenden Blick, stieß dann aber einen anerkennenden Pfiff aus. „Siehst wirklich hübsch aus, Locke.“
Ich grinste ihn ein wenig verlegen an und zupfte an meinen Haaren. „Danke, du siehst aber auch ganz annehmbar an.“, erwiderte ich fröhlich, hüpfte auf ihn zu und knuffte ihn in die Seite. Weiter hüpfte ich zu Connors Zimmer und klopfte an, ehe ich die Tür öffnete. Dieser stand unerwarteterweise nur in T-Shirt und Boxershorts da und ich hielt mir wenigstens ein bisschen eine Hand vor die Augen und grinste ihn ein wenig an. „Wie weit bist du?“, fragte ich ihn dann, auch wenn ich ursprünglich vorgehabt hatte, noch ein bisschen mit ihm zu plaudern. Aber in Anbetracht der Tatsache, dass er dafür scheinbar keine Zeit hatte, verschob ich das wohl lieber auf später.
„Wenn ich wüsste, welche Hose ich anziehen sollte, dann gleich fertig.“, gab er zurück und lächelte mich an. „Ich komm dann gleich.“
„Okay.“ Ich wollte ihn nicht länger stören und auch nicht in der Auswahl seiner Hose beeinträchtigen, weshalb ich lieber einen Rückzug antrat und mich zu Drake gesellte, der im Wohnzimmer vor dem Spiegel stand und seine Haare zerzauste.
„Wenn das Con sehen würde.“, meinte ich ihm zu und lachte. „Der würde womöglich umfallen.“ Mein bester Freund hasste es, wenn seine Haare nicht so lagen, wie er es wollte. Noch mehr hasste er es, wenn man sie unerlaubterweise anfasste oder sonst wie durcheinander brachte. Das hatte ich schnell gelernt und es bei ihm aufgegeben, obwohl es soviel Spaß machte, anderen durch die Haare zu wuscheln.
„Wenn ich was gesehen hätte?“, mischte sich der Herr persönlich nun ein, der grad in Jeans und T-Shirt aus seinem Zimmer kam und die Tür hinter sich schloss.
„Nur die Methode, mit der ich meine Haare in Form bringe.“, erwiderte Drake und grinste. „Aber du kennst es ja  von mir nicht anders. Deshalb bleibt dir der Schock wohl erspart.“
Ein Nicken, gefolgt von einem Lächeln gab Connor von sich, ehe er dann mich ansah.
Ich wiederum wich seinem Blick aus und machte mich auf in die Küche, wo ich hoffentlich das im Kühlschrank vorfinden würde, auf das ich grade so große Lust hatte. Und tatsächlich fand ich noch eine Flasche Sekt. Schnell hatte ich sie heraus genommen, an meine Brust gedrückt und noch ein Glas aus dem Schrank mitgenommen und mich dann auf dem Sofa platziert. Die Jungs sahen mich seltsam an, wie schon so oft heute, doch auch das überging ich einfach mal großzügig und machte mich daran, die Flasche zu öffnen. Zu meinem Glück schaffte ich es, ohne das irgendwas übersprudelte und so goss ich mir ein Glas ein und trank genüsslich einen Schluck.
„Wer am Genuss des Prickelwassers teilhaben will, der solle sich ein Glas holen und sich zu mir gesellen.“, sagte ich zu den Jungs, während ich mich dann wieder meinem Sektglas widmete und einen weiter Schluck trank. Doch schien keiner von den Herren ernsthaftes Interesse daran zu hegen, sich zu mir zu setzen, also trank ich den Rest des Glases aus und goss es mir sogleich nochmals voll. Wer nicht will, der hat schon.
„Nach deiner kleinen Sektorgie alleine können wir dann ja losgehen.“, meinte Drake, der nun scheinbar mit seinen Haare zufrieden war, sich vollends vom Spiegel abwandte und zu Con sah, der die ganze Zeit in den Spiegel linste. Drake trat einen Schritt zur Seite und Con rückte an seine Stelle, um seine Haare gerade zu ziehen. Zufrieden blickte er in den Spiegel und stand dann scheinbar startklar neben Drake herum. Wunderbar, da war ich als Frau ja mal wieder als letztes fertig, doch das war ja nicht wirklich was Neues. Dennoch hatten wir noch ein wenig Zeit, weshalb ich weiterhin in Ruhe Glas um Glas leerte, während die Beiden einfach nur da standen und mich anschauten. Vielleicht sollte ich das nächste Mal einen Hut vor mir aufstellen, damit könnte man sicherlich noch etwas Geld verdienen.
Doch nach dem 5. Glas war die Flasche dann auch so gut wie leer und ich entschloss, den Rest unterwegs zu trinken. Immerhin trank ich nicht allzu oft und ich bemerkte schon, dass ich nach dieser einer Flasche alleine leicht angeheitert mit den anderen losziehen würde…

1. Kapitel, Teil 7

Von Mayla

Um kurz vor acht standen wir drei schließlich an dem vereinbarten Treffpunkt und warteten auf die anderen. Ich hingegen wartete einfach nur darauf, dass irgendwer was Witziges sagte und ich in einem heillosen Kicheranfall hier stehen würde, während sich die anderen fragen würden, was denn mit mir los sei. Gut, ich wartete nicht wirklich darauf, aber so wie ich Drake kannte, würde es schon früher oder später passieren. So lange übte ich mich mit den anderen in Geduld und stand einfach hier, wie bestellt und nicht abgeholt.
Doch lange ließen die anderen nicht auf sich warten, denn bereits ein paar Minuten später kamen Sanaya und Jake.
„Hallo ihr drei.“, begrüßte San uns und lächelte ein wenig. Ich umarmte sie zuerst, dann Jake, drückte diesem noch einen Kuss auf, ehe er sich dann an Drake wandte und schließlich  auch an Connor, wobei ich bemerkte, dass er bei Sanaya leicht zögerlich ans Werk ging. Ich fragte mich nur, warum das so war, schließlich gehörte sie schon etwas länger dazu, wenn auch nicht ganz so lange. Wahrscheinlich hatte das keinen besonderen Grund und ich redete mir mal wieder nur etwas ein, was gar nicht da war.
„Wo ist der Rest?“, fragte Jake, stand dort, die Hände in den Hosentaschen vergraben und in die Runde sehend.
„Hier!“, erwiderte Hailey, die grade bei Jonathan untergeharkt um die Ecke kam und uns alle fröhlich anstrahlte. „Wir sind ein Teil vom Rest.“, fügte sie dann nach hinzu und begrüßte uns alle der Reihe nach. „Ich dachte schon, wir sind die letzten, waren ein wenig spät dran. Aber wie ich sehe fehlt noch Roxi.“ Wenn Hales einmal anfing zu reden, dann konnte es schon mal vorkommen, dass sie damit gar nicht mehr aufhören wollte. Ich grinste wie ein Honigkuchenpferd und umarmte grad Jonathan, während ich weiterhin auf Hailey sah, in der Erwartung, dass sie irgendwas sagen würde, doch es kam nichts mehr.
„Du meinst wohl vielmehr Roxi in Begleitung von Kevin.“, konterte ich und schaute in die Gesichter meiner Freunde, um eine Reaktion zu sehen.
Die meisten schauten ein wenig ungläubig und warfen mir nur einen fragenden Blick zu, ich zuckte leicht die Schultern. „Sie hat gefragt, ob er mitkommen kann und ich hab dem zugestimmt. Ich glaubte nicht, dass einer von euch was dagegen hat.“ Mein Grinsen verging mir, weil ich nicht darüber nachgedacht hatte, ob vielleicht einer ein Problem damit hatte, doch fast zeitgleich schüttelten die anderen die Köpfe und so grinste ich dann auch wieder.
“Hab ich mir ja gedacht.“, meinte ich fröhlich und drehte mich um, in der Hoffnung, dass Roxi mit ihrem männlichen Begleiter endlich mal dazu stoßen würde. Doch sah ich bisher niemanden, also drehte ich mich letztendlich wieder um. Sie würden schon noch kommen, ein Treffen hatte Roxanne schließlich noch nie verpasst und ich glaubte auch nicht, dass es diesmal so kommen würde – vor allem, da sie mir ja geschrieben hatte, dass sie kommt, wenn sie Kevin mitbringen kann und das hatte ich ihr ja so gesehen erlaubt. „Also warten wir eben noch auf die verlorenen Schäfchen und gehen dann, würde ich sagen.“
Hailey lächelte. „Machen wir, es ist ja schließlich noch früh und wir haben alle Zeit der Welt.“ Dann kam sie auf mich zu, löste sich allerdings nicht von Jon, sondern zog ihn ganz einfach mit zu mir rüber.
„Ich bin ja mal gespannt, ob die sich immer noch so viel zu sagen haben wie vorhin im Café…“, sagte sie zu mir und hielt nun Ausschau. „Da haben sie ja scheinbar wirklich intensive Gespräche geführt. Und ich dachte immer, dass Männer gar nicht so versessen aufs Reden sind.“ Ein Seitenblick traf Jon, der nur grinsend und wortkarg wie so oft da stand und in der Gegend rumschaute. Ich kicherte ein wenig.
„Da hast zu vermutlich falsch gedacht.“, hörte man dann eine weitere männliche Stimme, die ich zuerst nicht zuordnen konnte. Doch als ich sah, wie Roxi mit Kevin endlich eintrafen, nahm ich an, dass es von ihm gekommen war. Zielstrebig ging er auf Hailey zu und drückte ihr die Hand. „Es gibt auch etliche, die gern reden. Ich bin übrigens Kevin.“, fügte er an seine vorhergehenden Worte an und hielt ihr die Hand hin. Ein wenig verwundert nahm sie diese und schüttelte sie kurz.
„Ach, wirklich? Darüber können wir uns dann ja im Laufe des Abends mal eingehender unterhalten.“, meinte sie mit einem breiten Grinsen im Gesicht. „Ich bin Hailey und das ist mein Freund Jonathan.“, stelle sie ihn gleich mit vor, woraufhin sich die beiden auch die Hände schüttelten. „Da vorn das sind Sanaya und Jake.“, übernahm sie das mal für alle und deutete auf das Mädchen mit den langen, schwarzen Haaren und dem Typen, der daneben stand. Wieder ein Händeschütteln, dann stellte Hales die nächsten vor. „Drake und Connor.“ Diesmal zeigte sie auf die beiden Jungs, die da neben mir herum standen. Auch hier folgte ein kurzer Handschlag. „Audrey kennst du ja sicherlich.“
Mit einem Nicken schaute er mich an. Als er dann vor mir stand und mich umarmte, war ich ziemlich verwundert, da ich ja sonst nicht so viel mit ihm zu tun gehabt habe, als das er mich mit dieser Geste begrüßte. Dennoch wollte ich nicht unhöflich wirken, also drückte ich ihn auch kurz, ehe er sich von mir löste.
Irgendwie waren alle grad ein wenig still – von Hailey mal abgesehen – und so musste irgendwer ja auch mal was sagen, damit wir nicht ewig hier stehen blieben.
„Wenn nun alle da sind, kann es ja losgehen, am besten ins Darcy’s.“, schlug ich vor und man hörte zustimmendes Gemurmel. Das Darcy’s war ein gemütliches Café, in dem man abends Billard und Dart spielen konnte. Die Atmosphäre war wirklich angenehm und ich fühlte mich dort immer ganz wohl. Wenn dann die noch die Gesellschaft stimmte, war alles bestens.
So ging unsere Gruppe in die Richtung der Stadt. Nur zu gut, dass es bis dahin nur knapp zehn Minuten waren, da das College doch recht zentral lag, auch wenn das gesamte Gelände ziemlich groß war. Ich hatte nicht wirklich Lust, immer, wenn ich mal in die Stadt wollte, erst lange zu laufen oder mit dem Bus zu fahren. So war mir das ehrlich gesagt lieber.
Auf dem Weg dahin unterhielten sich wieder alle untereinander, ich hatte mich inzwischen bei Drake eingeharkt und auch bei Connor. Die beiden unterhielten sich über mich hinweg über – wie sollte es anders sein – Sport und ich lief einfach immer noch grinsend mit ihnen mit.
Schnell waren wir angekommen und betraten das Lokal. Ohne viele Worte gingen wir in die hintere Ecke und ließen uns an einem großen Tisch nieder, wo bequem acht Leute Platz fanden. Heute waren wir zwar neun, aber das passte auch alles noch wunderbar. Ich saß zwischen Drake und Hailey, mir gegenüber saßen Jake, Sanaya und auch Connor, den ich so über den Tisch ansehen konnte.
Hailey schob grade Jon zur Seite, damit dieser aufstand und uns was zu Trinken bestellte. Erst wollte er nicht aufstehen, dann jedoch kam er dem Wunsch seiner Freundin nach und verschwand auch schon.
„Wie kommt  es, dass du mal wen mitbringst, Roxi?“, fragte Hailey, neugierig wie sie nun einmal war und hoffte auf eine Antwort. Doch Roxi schüttelte ein wenig den Kopf.
„Wie soll es schon kommen? Ich verstehe mich gut mit Kevin, da kann ich ihn doch mal mitbringen, damit ihr seht, mit wem ich noch meine Freizeit verbringe.“
„Na wenn das so ist, dann sollte Connor auch mal Catherine mitbringen.“, warf Sanaya sofort ein und grinste ihn ein wenig an.
„Was… woher weißt du das?“, wollte der Gemeinte sofort wissen. In Gegenwart von San war er wirklich ein wenig seltsam, keine Ahnung warum. Ich hätte nur zu gern gewusst, warum er ausgerechnet Cat mitbringen sollte.
„Ach, ich weiß so einiges, mein Lieber. Tatsache ist doch, dass du in letzter Zeit viel mit ihr machst.“, erwiderte San einfach nur und zuckte die Schultern. Mein Blick wanderte zwischen ihr und Con hin und her, weil ich nicht wusste, was ich davon halten sollte. Ich wusste ja nicht einmal, dass er sich mit ihr traf. Dann wusste ich aber nun wenigstens, zu wem er ging, wenn er meinte, er würde sich noch mit wem treffen. Verwunderlich, dass ich als seine beste Freundin das nicht wusste… 
„Ich gebe ihr Nachhilfe, das ist doch auch schon alles.“, meinte Connor und schaute San fast schon ein wenig ärgerlich an und warf mir nur einen entschuldigenden Blick zu, sagte jedoch nicht. Ich glaube, er hatte bemerkt, dass ich nicht grade begeistert davon war, dass Sanaya mir und allen anderen das gesteckt hatte.
„So nennt man das also heute.“, neckte sie ihn und grinste dann Jake an und begann, mit ihm zu reden. Ich für meinen Teil stand nur auf und schlängelte mich bei den anderen vorbei, bis ich schließlich bei Connor angekommen war.
„Willst du mir es jetzt oder später erklären?“, fragte ich ihn leise, damit es nicht unbedingt jeder mitbekam. Ich war nicht erpicht darauf, hier eine Szene anzufangen, weil ich eventuell eifersüchtig war, dass mein bester Freund sich mit anderen Mädchen traf.
„Aud, es tut mir Leid, dass…“, fing er an, doch ich wollte ihn gar nicht ausreden lassen. Scheinbar war das ein Zeichen dafür, dass er nun mit mir sprechen wollte. Sollte mir nur recht sein. Je eher das von Tisch war, desto besser.
„Wir gehen mal eben raus.“, sagte ich in die Runde und zog Connor am Arm hoch. „Sind gleich wieder da.“ Hailey warf mir einen besorgten Blick zu, ehe sie sich dann wieder ihrem Gespräch mit Jon und Drake widmete, während ich Con bis vor die Tür zog und ein paar Meter stillschweigend mit ihm ging.
„Hör zu…“ Plötzlich blieb ich stehen und hielt meinen besten Freund am Arm fest, damit er es mir gleichtat. „Ich find’s schade, dass du mir scheinbar nicht sagen willst, dass du ihr Nachhilfe gibst.“
„Ich hab doch gesagt, dass es mir Leid tut.“, meinte er ein wenig zerknirscht und fuhr sich über seine Haare, scheinbar nach Worten suchend, weil er wusste, dass mich solch eine Antwort wenig zufrieden stellte. „Ich wollte es nicht an die große Glocke hängen. Es ist ja wirklich nur Nachhilfe.“ Doch mehr fiel ihm für den Moment wohl auch nicht ein.
Ich gab ein frustriertes Seufzen von mir, ließ Connor los und drehte mich von ihm weg. „Dann versteh ich nicht, wo dein Problem ist. Du hättest es mir doch sagen können.“ Fast vorwurfsvoll klang mein Ton nun schon, aber ich war grade auch ein wenig traurig, dass ich mal wieder von nichts wusste.
„Audrey, es tut mir Leid, ich werd dir in Zukunft so etwas erzählen. Aber ich dachte…“ Nur sprach er leider seinen Satz nicht aus und so musste ich mich wieder im zuwenden. Fragend schaute ich ihn an.
„Du dachtest was?“
„Du magst sie nicht und ich dachte, es würde dich verletzten, wenn du wüsstest, dass ich mich mit Cat treffe.“, führte er seinen Satz nun zu Ende und ich schaute ihn perplex an. Woher zum Teufel wusste er, dass ich sie nicht mochte? Meiner Ansicht nach hatte ich das nicht in einem Wort ihm gegenüber erwähnt.
„Da hast du wohl falsch gedacht. Es verletzt mich viel mehr, dass du mir die Tatsache vorenthalten hast. Du kannst doch Nachhilfe geben, wem du willst. Da brauchst du doch gar nicht auf meine Gefühle achten. Vor allem, da es mir rätselhaft ist, woher du wissen kannst, dass ich sie nicht mag.“
„Es tut mir Leid… Ich habe wohl mit Drake über sie geredet. Dabei kam dann raus, dass du sie wohl nicht sonderlich magst.“ Con vergrub seine Hände in den Hosentaschen und schaute mich an, aber irgendwie auch an mir vorbei.
„Na wunderbar. Toll. Vergiss es einfach.“ Ich musste mich dringend beruhigen, denn so aufgebracht wollte ich nicht wieder zu meinen Freunden reingehen. Es war ja keine schlimme Sache, die er sich da geleistet hatte, aber mir ging es generell ums Prinzip. „Ich weiß bescheid und ich hoffe, dass du mir derartiges demnächst erzählst.“
„Du hättest ja auch fragen können, mit wem ich  mich in letzter Zeit so häufig treffe.“, konterte er nur und blickte dann von mir weg.
„Du hättest es mir auch von dir aus erzählen können. Immerhin rede ich mit dir auch über die Dinge, die ich so vorhabe.“ Ich seufzte und schaute ihn an, überlegend, was ich sagen konnte. „Vielleicht reagiere ich auch grad über. Es tut mir Leid, ich wollte dich nicht so anfahren.“
„Es braucht dir nicht Leid tun, du hast doch gar nichts gemacht. Ich bin der Schuldige hier.“
Oh, das war ja wieder so typisch für Con, sich die Schuld für alles zu geben. Ich wollte ihm schon widersprechen, doch nahm an, dass es wirklich sinnlos sein würde. Also ließ ich es.
„In Ordnung.“, erwiderte ich so nur und lächelte ihn ein wenig an. „Jetzt da dies geklärt ist, fühl ich mich gleich besser. Lass und wieder reingehen.“ Zustimmend nickte Connor und ging hinter mir her wieder ins Darcy’s.
So ein Aufstand wegen fast nichts… Manchmal wusste ich nicht, was da in mich fuhr, wenn ich mich verraten fühlte, aber es war wohl ganz normal, dass man in solchen Situationen einfach verärgert reagierte. So einfach würde ich das wohl nicht vergessen können, aber im Moment war da wohl nicht mehr zu machen. Schwamm drüber, jeder tat mal etwas, das ein anderer nicht gut fand und so war es hier eben auch gelaufen. Schließlich war es keine böse Absicht von Connor gewesen, er hatte mich lediglich schützen wollen – auch wenn ich noch nicht ganz erkennen konnte, wovor eigentlich. Ich war immerhin alt genug, um auf mich selbst auf zu passen.
Ohne viele Worte setzte ich mich wieder auf meinen Platz zwischen Drake und meine beste Freundin, die natürlich sofort aufhörten, sich anderweitig zu unterhalten, sondern lediglich mich anblickten. Ich fühlte mich schon ein wenig unwohl, doch ich glaubte kaum, dass mich irgendwer wegen der Sache mit Connor direkt ansprechen würde. Doch da täuschte ich mich wohl etwas.
„Man könnte glatt meinen, dass ihr zusammen seid.“, flüsterte Hailey an meinem Ohr und ich schüttelte energisch den Kopf.
„Du weißt genau, dass wir es nicht sind und auch nie sein würden. Ich bin grad einfach nur ein wenig angepisst, weil er mir scheinbar nicht alles erzählt.“, flüsterte ich etwas genervt zurück und trank dann von dem Bier, was wir scheinbar in meiner Abwesenheit serviert bekommen hatten.
„Wie du meinst…“, erwiderte Hales mit einem Achselzucken und wandte sich an Sanaya, mit der sie grade scheinbar ein angeregtes Gespräch führte. Gut, so hatte ich wenigstens nicht meine beste Freundin im Nacken sitzen, wo mein bester Freund mir doch schon genau vor der Nase saß. Irgendwie war meine ganze gute Laune verflogen und bestimmt zeigte ich das auch nach außen hin. Irgendwas musste ich doch tun, damit das vorbei ginge. Und da hatte ich auch schon eine Idee…
„Wer will Billard spielen?“, fragte ich in die Runde. Zwar konnte ich das nicht sonderlich gut, doch wenn man es nicht öfters übte, dann konnte man sich auch nicht verbessern. Zumindest wäre ich von meinen bösen Gedanken abgelenkt, solange ich den Que in den Händen hielt und nicht untätig herum saß.
„Ich würde spielen.“, meinte Drake gleich und auch Kevin meldete sich zu Wort. Selbst Roxi hatte Lust dazu. Ich strahlte die drei an.
„Dann lasst uns mal keine Zeit verlieren.“, sagte ich noch, ehe ich aufsprang und auf einen der Tische zuging. Daneben standen die Ques, von denen ich mir einen nahm, dann zu dem Tisch ging und Geld einwarf, sodass die Kugel heraus kamen. Während die anderen warteten, baute ich auf dem Tisch alles soweit auf, legte dann die weiße Kugel auf ihre Startposition.
„Wer spielt wie, wann oder mit wem?“, wollte Roxi, die sich an die Kante des Tisches gelehnt hatte. Drake zuckte die Schultern, ebenso wie Kevin. Mein Blick blieb an Roxanne hängen und ich hätte beinahe auch die Schultern gehoben, doch da überlegte ich es mir doch nochmals anders.
„Wir machen zwei Teams, am besten gemischt.“, schlug ich dann vor und wartete, ob das allgemein Anklang fand.
„Du mit Drake und ich mit Kevin?“, meinte Roxi und schaute die Jungs fragend an. Kevin und Drake tauschten einen kurzen Blick, nickten dann schließlich. „Drake und du sind ja so ein eingespieltes Team, da hätte ich mit Kevin gar keine Chance.“, fügte sie dann noch hinzu und grinste. Schnell hatte sie sich neben Drake gestellt und ihn am Arm genommen, dann auf die eine Seite des Tisches gezogen.
„Stimmt doch gar nicht! Als ob ich das könnte…“, verteidigte ich Drake und mich, fand die Idee aber doch ganz annehmbar. Es war ja auch langweilig, wenn man immer mit dem gleichen Spielpartner antrat, da konnte es auch ruhig mal wer anders sein. Und dieses attraktive Kerlchen war da doch mehr als akzeptabel.
„Das sagen sie alle…“, meinte Roxi, theatralisch seufzend und schaute Drake an. „Dann lass uns mal anfangen.“
Schon hatte sie sich direkt an den Tisch gestellt und mit der weißen Kugel auf all die anderen gezielt, gestoßen und getroffen. Die Ganzen und Halben stoben auseinander und verteilten sich in alle Richtungen, jedoch fand keine einzige ihren Weg ins Loch.
„Nach dir.“, sagte Kevin ganz Gentleman zu mir. Ich warf ihm ein kurzes Lächeln zu, bewegte mich auf die andere Seite des Tisches, wo ich bequem eine Kugel einlochen konnte. Triumphierend schaute ich zu Drake. „Ich würde sagen, die ganzen gehören uns.“ Dann zielte ich nochmals auf eine, die in einem nicht so guten Winkel zum Loch lag, hoffte, dass sie rein ging, doch knallte sie gegen eine Ecke und suchte sich ihren Weg zurück auf das Spielfeld.
„Sieht so aus, Löckchen. Doch freu dich nicht zu früh.“, erwiderte er grinsend und machte sich auch gleich schon daran, eine Kugel, die halb farbig und halb weiß war, einzulochen. Da er einfach zu gut war, traf diese und auch die nächste. Doch die dritte Kugel wollte dann einfach nicht mehr ins Loch rein.
„Ich freu mich erst dann, wenn es Grund dazu gibt.“, meinte ich lässig, überblickte den Tisch und fand keine Kugel, die so günstig lag, dass ich sie direkt hätte einlochen können. So ein Mist, dabei war ich nicht gut darin, über  Bande zu spielen. Hoffentlich würde Kevin da war machen können, dass es mir leichter machte zu treffen.
Er fand schnell eine, die nahe der Bande lag, zielte mit der weißen darauf und schnitt die Kugel an, sodass sie in die entgegen gesetzte Richtung rollte, gegen die andere Bande traf, dann jedoch ihren Weg ins Loch fand. Anerkennend schaute ich ihn an und wartete darauf, dass er noch so eine Aktion brachte, um die nächste dahin zu schicken, wo sie hingehörte. Doch klappte es nicht ganz so und die Kugel blieb – zu meinen Glück – nahe am Loch liegen. Blieb nur zu hoffen, dass es auch so bleiben würde.
Roxi schlich beinahe schon um den Tisch herum, betrachtete alle liegenden Kugeln genau und entschied sich schließlich eine zu nehmen, die mitten auf dem Tisch lag. Auch gut, ob sie traf war allerdings eine andere Frage, die man erst nach dem Stoß beantworten konnte.
Doch war ihr Schlag nicht kraftvoll genug und so blieb die Kugel auf dem halben Weg von der Bande ins Loch auf der Strecke. Wie gut, dass sie ebenso wenig gut spielen konnte wie ich, sonst wäre ich womöglich noch vollkommen aufgeschmissen gewesen. „Das war wohl nichts.“, murmelte Roxanne und zuckte die Schultern. „Beim nächsten Mal vielleicht.“
Es ging so weiter, die anderen paar Kugeln wurden auch von den Männern eingelocht und Kevin und ich hatten eine Vorsprung. Als auch die versenkt war, kam es nur noch auf die schwarze an die – oh Wunder – ich zu stoßen hatte. Na wunderbar, noch dazu lag sie Meilen von dem Loch entfernt, in das ich sie befördern sollte. Fragend schaute ich Kevin an, der  mich sofort dahin schob, wo er mich haben wollte.
„Wir machen das zusammen, okay?“
Ich nickte ein wenig. „Wenn du mir sagst, wie, dann gern.“
„Kein Problem.“ Und schon hatte er sich halb hinter und halb neben mich gestellt und meine Arme so positioniert, dass es ein leichtes sein würde, die Kugel so zu treffen. Sofern er mir auch weiterhin helfen würde.
„Und jetzt spielst du auf die linke Seite, schneidest die Kugel nur an, damit sie ins Loch kommt.“, erklärte er mir, was ich tun sollte. Wieder nickte ich.
„Mit Gefühl.“, flüsterte er mir ins Ohr und ich hätte beinahe schon die Kugel getroffen, weil ich nur für eine winzige Sekunde abgelenkt war. Im letzten Moment fing ich mich jedoch und er ließ mich auch los, stand dann da und wartete ebenso wie die anderen, dass ich die Kugel stoßen würde.
Links und mit Gefühl… ich war Linkshänderin, also war links wohl meine Seite, also konnte eigentlich gar nicht so viel schief gehen. Ich atmete tief aus, ehe ich schließlich die weiße Kugel auf die Reise schickte. Zu meinem Glück traf ich die linke Seite, beförderte so die schwarze Kugel gegen die Bande. So weit so gut, nun war es nur noch fraglich, ob die schwarze auch noch ins Schwarze ging – und das tat sie. 
Ich fiel Kevin spontan um den Hals und drückte ihn kurz, als ich jedoch merkte, was ich da eigentlich tat, ließ ich ihn lieber wieder los. Ich war vielleicht für meine spontanen Gefühlsausbrüche bekannt, aber es musste ja auch nicht gleich übertrieben werden.
„Gutes Spiel.“, meinte er dann zu mir, lächelte mich dabei sogar an und ich grinste ein wenig verlegen.
„Danke, ohne dich hätte ich das aber nicht geschafft.“
Ein kurzes Auflachen von Kev folgte. „Das sagst du! Ein bisschen mehr Übung und gezieltes Hingucken, dann kannst du das auch ganz alleine, ohne fremde Hilfe.“
„Wenn du meinst… Tipps vom Profi können jedenfalls niemals…“ Gerade wollte ich den Satz zu Ende führen, da spürte ich eine Hand auf meiner Schulter.
„Sag mal Aud, seid wann bist du so zielgenau?“, fragte Drake mich und grinste frech. Ich verdrehte ein wenig die Augen, stemmte eine Hand in die Hüfte und schaute ihn an.
„Wusstest du nicht, dass ich es immer schon war?“ Eher eine rhetorische Frage, denn ich war es ja nicht. Aber man konnte ja wenigstens einmal so tun, als ob man von etwas eine Ahnung hatte.
Drake machte eine wegwerfende Bewegung. „Selbstverständlich Liebes, du bist einfach ein Multitalent. Und ich dachte immer, du hast es nicht so mit Bällen.“
„Tja, falsch gedacht.“, sagte ich grinsend und überlegte, auf welche Bälle er hier genau anspielen wollte. Wenn ich es mir recht überlegte, dann… Nein, ich sollte solche Überlegungen gar nicht erst anfangen, da käme sowieso nichts bei raus.
Mit einem Schulterzucken drehte Drake sich zu Roxanne, während ich mich an Kevin wandte und ebenfalls die Schultern anhob.
„Gehen wir wieder zu den anderen?“
Er nickte. „Nach dem Sieg trinken wir erstmal einen.“, schlug er vor und lächelte ein wenig. Dann legte er mir eine Hand auf den Rücken und schob mich leicht in die Richtung des Tisches, an dem die anderen saßen. Immer noch herrschte ein reges Treiben, alle unterhielten sich mit irgendwem, teilweise auch quer über den Tisch, sodass man schon mal etwas lauter sprechen musste, damit das, was man sagen wollte auch bei dem anderen ankam.
Ich setzte mich wieder neben Hailey auf die Bank, die mich anschaute und dann ein wenig grinste. „Gewonnen?“
Ebenfalls grinsend nickte ich. „Na hör mal, als ob ich je verlieren würde…“
Hales schüttelte den Kopf. „Du suchst dir eben immer fähige Spielpartner, daran wird es wohl liegen.“ Ein Seitenblick galt Kevin, der inzwischen wieder da saß und bei dem Gespräch zwischen Sanaya und Jake mitmischte. Verwunderlich, wie gut er hier aufgenommen wurde und wie problemlos er sich mit allen unterhalten konnte. Manchmal war es schon ein wenig schwieriger, sich in diese Clique zu integrieren, aber irgendwas an Kevins Art machte es uns schwer, ihn nicht zu mögen. Er war eben beliebt, das merkte man ihm aber nicht an. Er war weder eingebildet, noch abgehoben, sondern eher nett und vor allem aber charmant. Mit Frauen umgehen konnte er auf jeden Fall und unwohl fühlte man sich mit ihm auch nicht.
Jetzt führte ich schon wieder ellenlange innere Monologe, wo doch eigentlich meine beste Freundin eine Antwort von mir erwartete. „Das wird es wohl sein. Ich meine… ist das keine gute Spieltaktik?“
Sie lachte kurz auf. „Die beste, die man haben kann.“, meinte sie und hielt mir ihr Glas hin. Ich stieß mit meinem dagegen. „Auf einen wunderbaren Abend.“, sagte sie dann und trank einen Schluck. „…er wird bestimmt noch besser. Schau mal, wie Kevin dich die ganze Zeit ansieht.“, fügte sie noch hinzu und nickte mit dem Kopf in seine Richtung.
Als ich jedoch zu ihm schaute, da sah er schnell wieder weg und ich schaute Hailey ein wenig ratlos an. „Wir werden sehen.“, sagte ich nur und nippte weiterhin an meinem Bier.

1. Kapitel, Teil 8

Von Mayla

Leicht angetrunken traten wir um kurz nach ein Uhr unseren Heimweg an. Ich hatte mich bei Connor und Kevin eingeharkt, weil mir das Laufen gar nicht mal mehr so einfach war. Bedingt durch den Sekt, den ich geleert hatte, bevor wir losgegangen waren, fand ich nun alles unglaublich lustig, vor allem aber die Dinge, die Drake da erzählte. Wenn ich nichts getrunken hatte, dann lachte ich zwar auch über seine Witze und Kommentare, aber jetzt war scheinbar alles vorbei. Alle paar Meter mussten wir stehen bleiben, weil ich mich fast schon kugelte.
„Huch!“, gab er erstaunt von mir, als ich Connor in einem meiner vielfachen Lachanfälle den Ellbogen in die Seite stieß. „Verzeihung, das war nicht eingeplant.“ Jedoch kicherte ich bei dieser Aussage so, dass man mich wohl gar nicht so wirklich ernst nehmen konnte. Auch Connor belächelte mich nur und tätschelte mir zu allem Überfluss noch den Kopf.
„Kein Problem.“, sagte er zu mir, während er sich ein bisschen hinter mich lehnte und Kevin mit der Hand berührte. „Wie gut, dass wir bald zu Hause sind.“
Ich schaute zwischen den beiden hin und her, betrachtete ihre grinsenden Gesichter und schüttelte ein wenig den Kopf. Irgendwas hatte ich wohl verpasst, auch wenn ich nicht genau  wusste, was es war. „Egal was es ist… Es ist mir egal. Ich kann auch gut alleine laufen.“ Ich laberte nur Mist. Vielleicht wäre es besser, wenn ich alleine lief und mich ein wenig abkühlte, damit ich nicht die ganze Zeit lachen musste. So ließ ich die Arme von den beiden Jungs los, und ging ein paar Schritte voraus. Ganz gerade konnte ich jedoch nicht mehr gehen, doch so schlimm, dass ich von einer Seite des Bürgersteiges auf die andere wankte, war es dann doch noch nicht.
„Wenn das mal gut geht…“, sagte Connor zu Kev, doch bekam ich davon gar nichts mit, da ich mich darauf konzentrierte, auf einer Linie zu laufen, die man auf dem Bordstein erkennen konnte. Ich musste zugeben, dass es wirklich gut klappte, je mehr ich mich darauf konzentrierte. Ich warf einen Blick zurück und grinste.
„Ich kann noch auf einer Linie gehen, seht ihr?“, rief ich den anderen zu, hatte nur leider nicht die Laterne einkalkuliert, die auf einmal vor mir auftauchte und lief so erstmal dagegen. „Oh verdammt!“ Ich hatte die Laterne umarmt und warf ihr einen bösen Blick zu, ehe ich mich dann von ihr abstieß und einfach daran vorbei ging. Wie nicht anders zu erwarten, war das Gelächter hinter mir groß, und auch ich hatte – trotz dem Crash – auch ein Grinsen im Gesicht. Alkohol war eben ein Gebräu, was man nur in Maßen zu sich nehmen sollte. Man sah ja, was dabei rumkam. Wie gut, dass ich hier heute das Paradebeispiel war, irgendwer musste es ja sein.
Con kam auf mich zu und hielt mich am Arm. „Alles okay, Aud?“
„Ja ja, was soll schon sein?“, erwiderte ich, schaute ihn an und lächelte. „Wir sind sofort da. Da wartet mein Bett auf mich.“
„In Ordnung.“ Scheinbar war er wegen meinem Verhalten ein wenig besorgt, aber das war doch gar nicht nötig. Es ging mir wie immer gut, ich hatte mir weder wehgetan noch war sonst irgendwas passiert.
So bogen wir auch schon um die Ecke, wo sich die Wohnheime befanden. Umarmungen und Küsschen wurden ausgetauscht und dann verschwanden wir auch schon mit Gute-Nacht-Wünschen in unsere Wohnungen. Drake war vorgegangen und hatte schon aufgeschlossen – was ich allerdings nicht so ganz mitbekommen hatte – und so wunderte ich mich über die offene Tür und blieb erstmal davor stehen. „Haben wir Säcke vor den Türen oder was ist los?“, wollte ich wissen, kaum dass ich die Wohnung betreten hatte und Connor hinter mir herein kam und die Tür wieder schloss.
„Nein Aud, Drake hat sie für uns aufgelassen, als er eben rein gegangen ist.“, erwiderte Connor und zog mir die Jacke aus, die ich anhatte, hängte sie an den Harken und schaute mich dann ein wenig fragend an. „Kann ich dir noch was helfen?“
Ich schüttelte den Kopf. „Ausziehen und schlafen bekomm ich so grad noch alleine hin.“ Mit diesen Worten verschwand ich dann auch schon im Bad und wusch mir erstmal die Schminke aus dem Gesicht. Anschließend zog ich mich aus, schmiss die Klamotten einfach auf den Boden und schlurfte dann nur in Unterwäsche in mein Zimmer.
„Gute Nacht.“, sagte ich zu den Jungs im Vorbeigehen, hörte jedoch keine Antwort, weil ich augenblicklich eingeschlafen war, als ich mich auf mein Bett geworfen hatte.

2. Kapitel, Teil 1

Von Mayla

(Ich-Erzähler in diesem Kapitel ist Drake)

Neuer Morgen, neues Glück. Das dachte auch ich mir, als ich die Bettdecke zurückschlug und mit einem Blick auf den Wecker feststellen musste, dass ich viel zu früh aus dem Bett gefallen war -  das aber nicht einmal wörtlich gesehen. Irgendwie war ich von alleine wach geworden, weil ich Lärm aus der Küche vernommen hatte. Mit einem Murren war ich aufgestanden und hatte mich in meinem Zimmer umgesehen. Chaos, wo man auch hinsah. Ich sollte das bei Gelegenheit dringend beseitigen. Bei Gelegenheit.
Elf Uhr. Verdammt früh. Noch so früh, dass man den Fernseher anwerfen könnte und sich denken würde: In was für einer Sitcom lebe ich hier? Antwort: In gar keiner. Das war sich da abspielt ist tausend Mal schlimmer. Alles aufgebauscht und so gemacht, dass man sich einfach nur darüber totlachen kann. Als Beispiel nehme man einfach nur diese ganzen dämlichen Talkshows. Ich konnte sie auf Gedeih und Verderben nicht ab. Man sieht Dinge, die man sich nicht einmal in seinen Träumen ausmalen würde. Irgendwelche Leute, die ja ach so viele Sorgen haben. Ein Grund mehr, den Fernseher im Allgemeinen einfach mal auszulassen.
Ich hatte hier in der netten WG sowieso viel besseres Entertainment, wenn ich nur an den gestrigen Abend zurückdenke… Audrey gut angetrunken und Connor mal wieder einen auf fürsorglich gemacht, auch wenn die Kleine es eigentlich ganz gut schaffte, auf sich selbst aufzupassen. Aber um nochmals zum Entertainment zurück zu kommen… Entweder würde Connor jetzt gerade auf dem Sofa sitzen und an einem Sonntag Morgen in einem seiner zig tausend medizinischen Fachbücher versunken sein, oder er würde mit Audrey am Tisch sitzen und sich was zu Essen zwischen die Kiemen schieben. Aud für ihren Teil würde mit einem angebissenen Toast und hängendem Kopf daneben sitzen und lustlos und verkatert in ihrem Kaffee herumrühren und trübsinnig auf den Tisch starren, um innerlich den Sekt, der gestern den Weg in ihren Körper gefunden hatte, zu verfluchen. Ich kannte dieses Bild und es war immer wieder amüsierend und viel besser als in diesen Soaps immer.
Alleine für diesen Anblick lohnte es sich schon, auf zustehen. Also schlenderte ich durchs Wohnzimmer und konnte meine beiden Mitbewohner auch dort ausmachen. Connor auf dem Sofa - wie es mein erster Gedanke gewesen war - und Audrey mit ihrem ‚Frühstück‘ am Küchentisch. Jetzt fehlte eigentlich nur noch Musik, denn die lief immer, wenn Mitbewohnerin eins zu Hause war, doch die befand sich gerade anscheinend nicht in der richtigen Stimmung.
Nachdem ich aus dem Bad kam, ließ ich mich neben Connor aufs Sofa plumpsen, der bei meiner indirekten Störung gar nicht aufblickte und mich auch nicht begrüßte. Das tat er manchmal und ich nahm es ihm gar nicht übel. Wir waren nicht die dicksten Kumpels, aber verstanden uns dennoch ziemlich gut, denn ansonsten wäre ein Zusammenleben unmöglich. Und ich liebte es, ihn ein wenig zu ärgern.
Deshalb zog ich ihm kurzerhand das Buch, welches er in den Händen hielt, weg und warf es achtlos auf den Tisch. Erst jetzt brachte es mir eine Reaktion von Mitbewohner(in) 2 ein. Ja, manchmal war er ein bisschen zu eitel und ein wenig zickig und somit definitiv zu einem Viertel weiblich.
„Ich weiß ja nicht, was Leute wie du in ihrer Freizeit machen, aber ich muss lernen, weil ich immerhin ein Stipendium habe.“, meinte Con leicht gereizt, beute sich vor und holte sich das Buch zurück.
„Schon gut, reg dich ab, Alter. Ich dachte, wir beide könnten Audrey nur ein wenig aufheitern.“, erwiderte ich und zuckte leicht die Schultern, während ich auch schon wieder vom Sofa aufstand.
Connors Blick wanderte einen kurzen Augenblick zu der zusammengesunkenen Gestalt am Küchentisch rüber, ehe er die Augen verdrehte, den Kopf schüttelte und sich sofort wieder in seine Lektüre vertiefte. Spielverderber, würde ich eben alleine zu Audrey herübergehen.
„Na Sweetheart, gut geschlafen?“, erkundigte ich mich höflich, wie ich nun mal war, aber nicht ohne ein Grinse im Gesicht bei Mitbewohnerin Nr. 1 und lehnte mich lässig im Stuhl zurück, in den ich mich, noch während ich sie angesprochen hatte, hatte sinken lassen.
Audrey gab nur einen stöhnenden Laut von sich und führte sich wortlos ihr Toast zum Mund, um ein winziges Stück abzubeißen, welches sie anschließend mit einem tiefen Schluck Kaffee herunterspülte.
Leicht skeptisch hob ich meine Augenbraue. „Ich weiß ja nicht, ob das so gut ist, was du da tust, aber mach mal. Falls du Hilfe bei der Katerbekämpfung brauchst: Ruf mich an, ich geh erstmal raus.“
Audrey nickte nur leicht, was mir zeigte, dass sie zugehört hatte und so stand ich auch schon wieder auf, um aus diesem Haushalt verschwinden zu können. Mit den beiden war gerade überhaupt nichts anzufangen, dann konnten sie mir für den Moment auch erstmal getrost gestohlen bleiben.
Schnell hatte ich mich angezogen, Geld zusammengesucht und mir im Vorbeigehen auch noch eine Sonnenbrille geschnappt, um schließlich ohne ein Wort des Abschieds einfach zur Tür hinaus zu gehen.

2. Kapitel, Teil 2

Von Mayla

Starbucks war in meinen Augen einfach  ideal dafür geeignet, um an einem schönen und vor allem sonnigen Sonntag Morgen einen hervorragenden Kaffee zu trinken und nen saftigen, schokoladenhaltigen Donout zu essen. Richtig schön ungesund und kalorienlastig, so wie ich es gern hatte. Wie gut nur, dass ich in meinen beiden Mitbewohnern keine Leute gefunden hatte, die erpicht darauf waren, Grünzeug in rauen Mengen in ihre Körper einzufahren, sondern die auch gern mal ne Pizza mit extra viel Käse verspeisten oder mit Chips oder Cola einen Film sahen - zumindest war Audrey auf jeden Fall so gestrickt, bei Connor war es doch schon wieder ein wenig etwas anderes. Doch der war sowieso ein Fall für sich.
Nein, ich wollte keineswegs lästern oder irgendwas sagen, dass sich gegen ihn richtete, aber ich fand, dass er sich manchmal ein bisschen weniger in sein Studium hängen sollte - Stipendium hin oder her. Wenn man nur lernte, dann verpasste man die besten Dinge im Leben und dafür lebte man ja nun einmal nicht. Und man lebte ja bekanntlich nur ein Mal. Zumindest sah ich es so. Und deshalb nahm ich die kleinen Sünden auch ohne Probleme hin.
Lässig und mit in den Hosentaschen vergrabenen Händen hatte ich das Campusgelände überquert und war schon auf dem besten Weg zu Starbucks. Hier und da sah ich ein paar Leute, winkte ihnen im Vorbeigehen zu, blieb aber nicht ein einziges Mal stehen, um mit einem von ihnen zu reden. Klar, ich erfreute mich einer gewissen Popularität hier an der Uni, allerdings brauchte ich nicht schon Sonntag vor dem Frühstück ein oberflächliches Gespräch darüber, wie gut das letzte Spiel gelaufen war und wie gut das nächste laufen würde.
Mein Ziel verlor ich deshalb nicht aus den Augen und war nur nach wenigen Minuten angekommen - ohne Unterbrechung und ohne gar nichts. Gemütlich schlenderte ich in die Location und brauchte auch gar nicht lange anstehen, sondern konnte gleich mit meinem Kaffee und den leckeren Donots an einen der Tische verschwinden. Doch kaum hatte ich mich niedergelassen, fiel mein Blick auf ein schwarzhaariges Mädchen, dass nur ein paar Tische von mir entfernt saß. Noch dazu ganz alleine. Und glücklicherweise handelte es sich dabei auch noch um Sanaya. Was für ein Zufall…
Nein, ich glaubte nicht an Schicksal oder Vorherbestimmung, obwohl ich bei ihr gerne daran glauben würde. Eigentlich hatte sie mich unmissverständlich verstehen lassen, dass sie kein Interesse an mir hatte, was mich allerdings nur noch mehr dazu veranlasste, mein Interesse, dass ich an ihr hatte, nicht einfach so unter den Tisch fallen zu lassen, sondern einfach weiter zu kämpfen. Na ja, kämpfen tat ich nicht wirklich (oder brauchte es vielmehr nicht…), sie war immerhin Teil unserer Clique, auch wenn sie noch nicht lange dabei war, da sie erst seit einigen Monaten an der Uni war. Jake hat sie mal angeschleppt gehabt und ich war von der ersten Minute an fasziniert von ihr gewesen, weil sie einfach nicht so ein typisches Girlie-Girl war - auf so etwas stand ich ja überhaupt nicht, auch wen viele Mädels dieser Sorte zu meinen Freunden - oder eher oberflächlichen Freunden - gehörten.
Sanaya war ein wenig wie Audrey, vielleicht auch ein wenig das Gegenteil, aber alles in einem wirklich interessant. Gerade die Tatsache, dass sie nicht allzu viel von sich erzählte und nicht unbedingt die Einfachste war, zogen mich besonders an ihr an. Deshalb konnte ich jetzt auch gar nicht andres, als zu ihr an den Tisch herüber zu gehen und mich zu ihr zu setzen - egal was sie auch sagen würde.   
Recht selbstbewusst und aufrecht wie immer ging ich zu ihr und ließ mich auch sogleich auf den freien Platz ihr gegenüber nieder. Ein Grinsen zierte meine Lippen, als ich sie betrachtete und gleichzeitig meine Tasse und den Teller auf den Tisch stellte.
Kurz sah Sanaya auf, sagte jedoch nichts, sondern wandte sich unvermittelt sofort wieder der Zeitung zu, die sie vor sich auf dem Tisch aufgeschlagen hatte. Ich warf einen kurzen Blick hinein und sah - wie nicht anders zu erwarten - Klamotten. Diese Leidenschaft teilte sie mit Jake (der nebenbei bemerkt ihr bester Freund war) und vertrieb nebenbei noch Klamotten mit ihm im Internet und bei Freunden und bekannte. Da beide einen unverkennbaren Stil hatten, passten sie wunderbar zusammen. Wie gut nur, dass Jake schwul war und ich soweit ich informiert war, niemanden hatte, der mir irgendwie im Weg stehen würde.
„Wo ist denn deine bessere Hälfte?“, erkundigte ich mich mit einem breiten Grinsen im Gesicht bei Sanaya. Das ich Jake meinte, war ja wohl mehr als nur klar.
Ihr Blick hob sich wieder, kurz sah sie mich an, ehe sie anschließend doch wieder in die Zeitung blickte. „Was weiß ich denn? Ich bin ja nicht seine Aufpasserin.“, erwiderte sie gleichgültig und blätterte eine Seite weiter, um die nächsten Kleidungsstücke zu beäugen.
„Hat ja auch keiner gesagt…“, murmelte ich und nahm meinen Donout in die Hand, biss einmal herzhaft hinein. Wie wunderbar, dass Sanaya immer so gesprächig war… Für einen Moment überlegte ich, ob es nicht besser wäre, wenn ich sie hier einfach mit sich alleine sitzen lassen sollte, aber das wollte ich ja gar nicht. Interessiert verweilte mein Blick auf ihr, während ich mein Frühstück verspeiste, natürlich in der Hoffnung, dass sie noch irgendwas sagen würde - aber das tat sie nicht. Wozu sollte sie mir auch den Gefallen tun und mit mir sprechen..? Ich wusste ja, dass sie nach außen hin gern mal so tat, als ob ich Luft für sie wäre. Pah, als ob das wirklich so stimmen würde…
„Und, heute noch was vor?“, fragte ich mit noch halbvollem Mund und schaute sie erwartungsvoll an. Doch die Gefragte zuckte nur ein wenig die Schultern. Fast schon wollte ich meinem ersten Impuls nachgehen und Seufzen, allerdings unterdrückte ich das besser.
„Also nichts geplant..“, stelle ich fest, einfach um etwas zu sagen. San sah mich wieder einmal an und nickte kurz, schlug dann zu meiner Überraschung die Zeitung zu und nippte an ihrem Kaffee.
„Es ist Sonntag, was soll ich da schon groß vor haben?“, fragte sie mich dann und warf den Kopf ein wenig nach hinten, wobei ihre langen, schwarzen Haare mit flogen.
„Weiß ich ja nicht. Hab ja auch noch nichts vor. Zumindest nichts fest Geplantes.“ Von Abendessen und später schlafen mal ganz abgesehen.
„Aha?“
Ich zuckte ein wenig die Schultern. „Bei dem Wetter wird ich wohl  noch ein wenig draußen abhängen.“, erwiderte ich und schlürfte aus meiner Tasse. „Basketball oder so.“
„Aha.“
Einsilbigkeit war nichts gegen Sanaya. Da war es wirklich leichter, dem Goldfisch, den ich nicht hatte, etwas zu entlocken. Und so was war eine Frau… Dagegen war Roxanne noch harmlos, obwohl sie auch eher zu der ruhigeren Sorte gehörte - jedoch auch nicht bei jedem, wie ich nach einer Weile, die ich sie kannte, festgestellt hatte.
„Ja, wird sicher lustig.“ In ihrer Gegenwart wusste ich oftmals nicht, was ich sagen sollte, weil alles, was ich sagte, sie irgendwie doch nicht interessierte. Wo war bloß die Selbstsicherheit hin, wenn man sie mal brauchte?! Bei allen anderen Mädels brauchte ich mir nicht das nächste, was ich sagen wollte, aus den Fingern saugen. Sie waren so begeistert, dass ich eigentlich gar nichts mehr sagen brauchte. Sie schauten mich dann sowieso die ganze Zeit fasziniert an, wenn ich redete und verstanden in ihrer jugendlichen Schwärmerei ja doch nichts. Warum zum Teufel also wollte ich Sanaya haben, wenn ich doch die Auswahl zwischen mindestens einem Dutzend anderer Mädchen hatte? Es war mir schleierhaft.
„Wenn du das sagst…“ Abermals nahm Sanaya einen Schluck aus ihrer Tasse und ließ  mir sogar ein kleines Lächeln zu kommen. Was sollte ich dazu jetzt schon wieder sagen? Da hatte ich es lieber, wenn sie mit ihren sarkastischen Sprüchen kam, auf die konnte ich dann wenigstens etwas erwidern, aber wenn sie so freundlich-gleichgültig mit mir sprach, war es nur schwer, etwas darauf zu sagen. 
Ich lächelte nur etwas hilflos und bis in mein vermeintliches Frühstück hinein, trank dazu einen Schluck Kaffee und hoffte, dass das Leben es doch noch gut mit mir meinte und ich letztenendes doch das bekommen würde, was ich haben wollte - oder viel mehr noch was mir eigentlich zustand. Wobei hier nicht einmal sicher war, was mir eigentlich zustand, aber es stand für mich auch gerade gar nicht zur Diskussion. Wenn ich doch nur eine Taktik hatte, mit der ich Sanaya aus der Reserve locken konnte…
Unvermittelt sammelte mein Gegenüber seine Sachen ein und stand auf. „Ich muss weiter. Man sieht sich.“, verabschiedete sie sich knapp und ich einem wirklich total neutralen Tonfall von mir, dass ich mich beherrschen musste, dass mir die Kinnlade nicht herunterklappte.
„Ja, mach‘s gut.“, erwiderte ich so nur ohne den Hauch eines Lächelns und blickte ihr nach, während sie sich mit dem Tablett in der einen und ihrer Tasche in der anderen Hand ihren Weg durch den Laden bahnte. Herzlichen Glückwunsch Drake, der Jackpott geht heute mal wieder nicht an dich…