1. Kapitel, Teil 4

Von Mayla

Am Sportplatz angekommen schüttelte ich nur ein wenig den Kopf. „Ich habe eine Abneigung gegen Bälle, dass solltest du doch langsam wissen.“, meinte ich und presste die Lippen zusammen. Ich saß Fußballspieler, Hockeyspieler und natürlich Footballspieler. Auf einem anderen Feld konnte man noch ein paar Rugbyspieler erhaschen, aber sonst sah ich auf den ersten Blick nichts. Das war ja wohl nicht das, was für mich passend wäre. In diesem Moment hätte ich mehr als alles andere auf der Welt lieber einen auf Cheerleader gemacht, anstatt mich mit irgendeiner bösen Ballsportart anzufreunden – und das, wo ich diese dürren Tussis, die da mit ihren Pongpongs herum hüpften wirklich schrecklich fand. 
„Warum probierst du nicht was, bevor du gleich so ablehnend darauf reagierst? Aber warte mal ab, wir gehen einmal hier auf dem Gelände rum, vielleicht finden wir ein paar Cheerleaderhäschen, denen du dich anschließen kannst.“, meinte er, nun schon fast ein fieses Grinsen auf seinen Lippen. Lässig, wie er eben war, schlenderte er weiter um den Sportplatz herum, während ich noch mit offenem Mund dasteht und Worte suchte, die ich ihm entgegen werfen konnte. Allerdings hatte er es mal wieder geschafft, mich sprachlos zu machen. Mit einem vernichtenden Blick auf Drake gerichtet, stapfte ich hinter ihm her und verschränkte die Arme vor der Brust.
„Auf jeden Fall. Willst ne Kostprobe?“ Ohne eine Antwort zu erwarten, fing ich einfach an. „Wer ist der beste?“ Ich tat so, als ob ich diese seltsamen Puscheldinger hatte und hielt meine Hände erwartungsvoll aneinander und bewegte sie leicht. Drake war indessen stehen geblieben und schaute mich ungläubig an, jedoch ließ ich mich davon nicht beirren. Leicht ging ich in die Hocke, bereit dafür, in die Luft zu springen. „Drake!“, schrie ich beinahe schon, sprang in die Luft und riss dabei meine Arme mit nach oben. Mein Mitbewohner kam nicht umhin, lauthals mit dem Lachen anzufangen und ich kicherte ein wenig. „Nun sag… Kannst du dir mich als so eine vorstellen?“
„Auf jeden Fall, Süße.“ Lachen tat er inzwischen nicht mehr, aber ein Grinsen war noch immer geblieben. Langsam ging er auf mich zu, blieb vor mir stehen und schaute mich von oben bis unten an. „Ne, im Ernst nicht. Du bist nicht dürr, deine Figur kann sich sehen lassen. Blond bist du auch nicht und ich nehme nicht an, dass du dir die Haare färben willst. Wenn man aber mal davon absieht, dann könntest du trotzdem so nen hüpfender Cheerleader werden, denn bewegen kannst du dich wohl.“, schloss er schließlich seine Rede und klopfte mir auf den Rücken. „Nichts für ungut, Aud. Ich habe nur analysiert.“
„Dabei bin ich doch fürs analysieren zuständig, Mister.“ Ich piekste ihn mit meinem Zeigefinger in die Brust. „Aber danke, dass ich zu diesem Haufen kichernder Girlies passe, baut mich unglaublich auf.“, fügte ich ironisch hinzu und ging dann an ihm vorbei, weiter den Sportplatz runter.
Manchmal konnte er einfach zu charmant sein. Dennoch mochte ich Drake gerade wegen seiner Art, mit anderen Menschen umzugehen. Es war so locker und ungezwungen, außerdem vergaß man mit ihm schnell alle Sorgen, weil er sich einfach darauf verstand, abzulenken und aufzubauen. Manchmal glaubte ich sogar, dass aus ihm und mir irgendwann mal mehr werden könnte, doch glaubte ich auch, dass ich nicht unbedingt der Typ Frau war, der für ihn dauerhaft interessant sein könnte. Auf Affären stieg ich nicht so gern ein, vor allem nicht, wenn es sich um einen meiner engsten Freunde handelte.
Gut, genug gegrübelt. Mein Blick wanderte über den Sportplatz – oder eher die Sportplätze, es gab davon hier am College mehr als nur einen, da alle hier sportverrückt waren – doch sah ich nichts, was jetzt etwas wäre, das mich ansprach. Dann sah ich zu Drake, warf ihm einen fragenden Blick zu. „Vielleicht wäre Schwimmen, Klettern oder irgendwas mit Tanzen eher was für mich.“, meinte ich und fügte ein „Vergiss sofort die Cheerleadernummer!“ an, sonst käme er womöglich noch wirklich damit.
„Okay, okay, vielleicht hast du Recht. Dann schlag ich vor, dass wir zu den Hallen gehen, da wird wohl eher so etwas zu finden sein.“ Frauen waren aber auch wirklich kompliziert, zumindest konnte man das wohl deutlich aus seinem Tonfall hören. Dennoch schlug er die Richtung ein, in der wir am schnellsten die Hallen erreichen würden.
Hinter den Hallen befand sich dann auch der Bereich, in dem sich die Schwimmer befanden, doch als ich diese sah, wurde mir schnell klar, dass ich nicht annährend so gut war wie sie. So schnell war ich noch nie 100 Meter geschwommen, mal davon abgesehen, dass ich überhaupt noch nie so weit geschwommen war. Ich schüttelte also nur den Kopf, während Drake mit den Schultern zuckte und dann die Tür zur Halle aufmachte.
Drinnen sah es auch nicht besser aus. Badminton und Tischtennis gespielt, sowie geturnt wurde hier. Ich seufzte demotiviert und war auch schon dabei,  umzudrehen, weil mir hiervon nichts zusagte, doch Drake hatte scheinbar eine Idee.
„Gehen wir mal in den hinteren Raum, für gewöhnlich trifft man da einige Tänzer an.“, meinte er und ging auch schon voraus. Ich folgte ihm und tatsächlich hörte ich auch schon Musik, kaum das er die Tür geöffnet hatte. Das war doch schon mal ein Anfang, mit Musik fühlte ich mich gleich wohler, was wohl auch der Grund war, weshalb ich Drummerin in einer Band war. Ich leises Lächeln schlich sich in mein Gesicht, als ich die Leute hier tanzen sah, auch wenn es nicht unbedingt die Musik war, die ich hörte.
Weiterhin zielstrebig ging mein Begleiter auf ein braunhaariges Mädchen zu, das gerade dabei war, mit den anderen Übungen nach dem Tanzen zu machen. Unschlüssig blieb ich erstmal an der Tür stehen, während Drake dem Mädchen umarmte und sie anlächelte. Als er mit ihr redete, schaute sie ziemlich ernst und ich fragte mich, was er ihr wohl gerade erzählte. Doch auf einmal fing ich sie an zu lachen, nickte kurz und kam dann auch schon auf mich zu, gefolgt von Drake.
„Du willst also tanzen, mh? Dann bist du hier natürlich genau richtig. Hast du schon Erfahrung damit?“, brach gleich darauf ein kleiner Redeschwall auf mich ein und ich stand einfach da, lächelte und schüttelte ein wenig den Kopf.
„In einer Gruppe getanzt habe ich noch nie, aber ich würde es wirklich gern mal ausprobieren.“, erwiderte ich also und hoffte, ich hatte mich nun mit meinen Null Vorkenntnissen nicht unbeliebt gemacht.
Doch wider Erwarten lächelte die Braunhaarige. „Gut! Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg. Ich schlage vor, du kommst einfach zur nächsten Stunde, Mittwochabend, 19 Uhr, genau hier. Es sei denn, du bestehst drauf, vorher noch Einzeltraining zu erhalten.“, meinte sie und wandte sich dann an Drake, ohne wirklich auf eine Antwort von mir zu warten. „Warum tanzt du eigentlich noch nicht? Ich bin sicher, du könntest das auch ohne Probleme.“
Abwehrend hob er die Hände. „Äh, ich fürchte, du überschätzt mich, mit dem, was ich an Sport treibe, bin ich voll und ganz zufrieden, sowie ausgelastet.“ Kurz schaute er mich an und grinste dann. „Wenn sie so gut tanzt, wie sie an ihren Drumms ist, dann habe ich keine Bedenken, sie in deine Hände zu geben.“
„Mensch, Drake, ein wenig auf dem Schlagzeug herum zuschlagen ist keine wirkliche Kunst.“, meinte ich einfach und hielt dann der Braunhaarigen meine Hand hin. „Ich bin übrigens Audrey.“, stellte ich mich einfach der Höflichkeit halber vor. Sie nahm meine Hand und schüttelte sie kurz.
„Ich bin Jessica, aber alle sagen nur Jess zu mir.  Ich bin mir sicher, wir werden uns gut verstehen und hoffe, dass Drakes Vermutung richtig ist.“ Kurz lachte ich, ehe ich ihre hand dann losließ und Jessica ein letztes Mal anlächelte.
„Mittwoch bin ich dann da. Danke, dass ich’s versuchen darf.“, meinte ich und schaute dann zu Drake. „Wir sollten dann aber auch los, Mitbewohner Nummer 3 langweilt sich sonst womöglich noch. Ich wünsch dir noch nen schönen Tag.“
„Dankeschön. Ich freu mich! Bis dann.“, verabschiedete sie sich von mir, umarmte Drake dann und winkte schließlich noch, als wir den Raum verließen.
Ich atmete tief aus und schaute ihn an. „Wen du alles kennst… Kaum zu glauben, dass es auch noch für mich als Frau Vorteile hat, das mein Mitbewohner so ein Frauenheld ist.“, meinte ich grinsend und schüttelte den Kopf.
„Tja, ich glaube… du bist mir was schuldig.“, meinte er leicht herausfordernd und nahm mich an die Hand. „Wenn mir war einfällt, was du für mich tun kannst, dann lass ich es dich wissen, Audrey.“
Ich nickte. „Oh, tu dir keinen Zwang an. Aber jetzt… gehen wir erstmal zurück, ich krieg so langsam Hunger.“, sagte ich dann, zog Drake den Weg, den wir hierher gegangen waren, wieder hinter mir zurück.
„Essen klingt gut.“, kam es noch von ihm und daraufhin folgte nur ein erneutes Kopfschütteln von mir. Typisch Männer, egal wann, sie konnten immer etwas zu essen vertragen…

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