1. Kapitel, Teil 5

Von Mayla

Wieder in der Wohnung angekommen, war es nun Connor, der auf dem Sofa saß, dabei aber keineswegs gelangweilt aussah, sondern einen Stapel Blätter in der Hand hielt und las – oder vielmehr lernte. Und das an einem Samstag. Wenigstens tat er was für sein Studium, was man von mir und Drake nicht gerade sagen konnte. Wir waren immerhin unterwegs gewesen, um mir noch eine weitere Freizeitbeschäftigung oder auch Beschäftigungstherapie zu suchen. Aber immerhin waren wir diesbezüglich auch fündig geworden.
„Na, mal wieder fleißig?“, fragte ich ihn, während ich schon wieder unterwegs in mein Zimmer war, um mich umzuziehen. Allzu sportlich wollte ich hier bestimmt nicht rumlaufen. Kurz schaute der Angesprochene von seinem Material hoch, warf mir einen unzudeutenden Blick zu und nickte.
„Irgendwer muss es ja tun.“, war seine trockene Erwiderung und ich verdrehte nur ein wenig genervt die Augen. Gab es für ihn je etwas anderes als lernen? Ich hätte ihn gern grade dabei gehabt, doch da war er ja auch anderweitig beschäftigt gewesen.
„Stimmt auch wieder.“ Ich war dabei, mich zu entscheiden, was ich anziehen sollte. Einfacher wäre es gewesen, einfach das Kleid anzuziehen, was ich eben getragen hatte, doch irgendwie war mir mehr danach, etwas anzuziehen, was nicht so luftig war und eigentlich auch gar nicht so mein Stil war. Kurzerhand zog ich also wieder meine Heimkluft an, stieg in die Hotpants und trug dazu ein viel zu langes T-Shirt, das ich an der Hüfte zusammen knotete. So fühlte ich mich gleich viel besser.
Da ich Connor unmöglich alleine auf dem Sofa vergammeln lassen konnte, entschloss ich mich kurzerhand dazu, ihm ein wenig Gesellschaft zu leisten. So ließ ich  mich neben ihm nieder, schaute über seine Schulter in die Unterlagen und stellte fest, dass er da irgendwelches Fachchinesisch lernte. „Hast du nicht vielmehr Lust, deine beste Freundin ein wenig zu beschäftigen?“
Connor lächelte mich an. „Selbstverständlich hätte ich das, wenn ich nicht noch einiges zu lernen hätte.“, gab er zurück und vertiefte sich wieder in die Arbeit. Wenn er erstmal angefangen hatte, dann war es kein leichtes, ihn wieder davon abzubringen. Ich zog eine Schnute und stand auf, ging in den Kochbereich und öffnete den Kühlschrank. Heraus holte ich Toast, etwas Käse, den Salatkopf und Majonäse, um mir ein Sandwich zu machen. Toast hingelegt, Majonäse darauf verteilt, dann den Käse drauf. Salat abgezupft, kurz abgewaschen und dann drauf gelegt. Die eine Hälfte des Toastes auf die andere gelegt und fertig war das kleine Essen für zwischendurch.
Schnell hatte ich alles wieder im Kühlschrank verstaut und setzte mich dann an den Küchentisch, um unseren Bücherwurm nicht vom Arbeiten abzulenken. Im Gegensatz zu mir hatte er ein Stipendium, für das er gute Noten haben musste, damit er auch weiterhin an der Schule bleiben konnte. Ich hingegen hatte Eltern, die mir den Aufenthalt finanzierten, gute Noten brauchte ich trotzdem und irgendwie schaffte ich es auch, ganz gut zu sein, auch wenn Con natürlich um Längen besser war als ich. Hin und wieder musste er mir auch mal was erklären, weil er einfach ziemlich klug war und fachlich ganz schön viel drauf hatte. Manchmal beneidete ich ihn darum, aber wenn ich  mir vor Augen führte, wie viel er dafür tun musste, war ich froh so, wie es war.
Nur irgendwie wollte ich, dass Connor nun seine Aufmerksamkeit mir zuwandte, da ich den guten Drake für den Moment genug strapaziert hatte. Wie ich das allerdings anstellen sollte, wusste ich  noch gar nicht so genau, aber Frauen hatten da immer so einige Dinge, die sie einsetzten konnten. Nur würde das in seinem Fall wohl auch nichts bringen, da er nicht auf mich stand. Zumindest nahm ich einfach mal an, dass es so war. Ich wollte fast schon aufgeben, da sagte ich mir, dass es besser wäre, wenn ich einfach spontan handeln würde. Also stand ich auf, fand meinen Platz neben Connor auf dem Sofa wieder und nahm ihm seinen Stapel Papier aus der Hand, was er nicht einmal verhindern konnte, da er so vertieft war, dass er erst realisierte, als ich bereits alles in der Hand hätte.
„Hey, was soll das Aud? Es tut mir ja Leid, aber ich habe zu tun.“, meinte er zu mir und ich grinste ihn ein wenig an.
„Es ist mir bekannt, dass du zu tun hast, aber es ist Samstag und du solltest vielleicht mal dein Wochenende genießen. Rausgehen, Leute treffen und Spaß haben. Ich glaube kaum, dass das Erlernen von medizinischen Fachbegriffen spaßig ist.“, erörterte ich und tippte ihm an die Schulter. „Also schlage ich einen Deal vor. Wenn du mir versprichst, dass du dich heute Abend mit mir und noch ein paar anderen vergnügst, dann kannst du deine Blätter wieder haben. Ganz einfach.“
Kopfschüttelnd sah er mich an. „Ich weiß nicht, was das bringen soll.“ Er wollte nach den Blättern greifen, doch hielt ich sie weiter von ihm weg. Manchmal musste man auch konsequent sein und genau das hatte ich nun vor.
„Ach komm, es wird dir nicht wehtun. Es sind unsere Freunde, die Familie, die wir haben, solange wir hier leben. Nimm dir doch Zeit für sie und uns.“ Bittend schaute ich ihn an und hoffte, dass ich endlich Erfolg haben würde.
Und tatsächlich gab er endlich auf. „In Ordnung. Aber bis dahin…“ Wieder wollte er nach den Blättern greifen und diesmal hielt ich sie ihm hin. „…kann ich ja noch ein wenig lernen, nicht wahr? Ist ja noch nicht Abend, sondern erst Nachmittag.“, meinte er lächelnd und ich erwiderte sein Lächeln sofort.
„Auf jeden Fall kannst du das. Ich sag dir dann später, wann und wo wir uns treffen.“ Mit diesen Worten war ich auch schon wieder aufgestanden und in mein Zimmer verschwunden, um erstmal ein paar SMS zu verschicken. Eigentlich war es normal für unsere Clique, dass wir uns einen Abend am Wochenende alle zusammen trafen, doch manchmal taten wir das auch nicht, weil mal nicht alle Zeit hatten. So schrieb ich erst Hailey, dann Sanaya und zum Schluss noch Roxi, dass wir uns heute Abend treffen wollten und ob eine von ihnen wusste, was wir tun konnten. Da ich nun etwas zu tun hatte, wuselte ich durch die Wohnung und suchte Drake, den ich dann zum Glück auch in seinem Zimmer fand. In der Tür blieb ich stehen und er schaute zu mir herauf, einen fragenden Blick in den Augen.
„Haste heute Abend schon was vor?“, fing ich also gleich an, um nicht lange um den heißen Brei herumreden zu müssen.
„Nein, bisher noch nichts. Aber ich nehme an, dass ich mit eben dieser Antwort ab sofort heute Abend etwas vorhabe, nicht wahr?“ Er legte das Buch zur Seite, welches er bis grade noch gelesen hatte und schaute mich weiterhin an.
„So sieht’s aus. Ich hol grad Vorschläge ein, was wir machen könnten. Irgendeine Idee?“ Wie ich ihn kannte, wollte er einfach raus und feiern. War eigentlich auch in meinem Sinne.
„Wir könnten Billard spielen gehen. Oder Dart. Vielleicht auch beides zusammen.“, sagte er und nahm sein Buch wieder in die Hand, um doch weiter zu lesen, da seine Tat vollbracht war.
„Gut, danke, ich werde das berücksichtigen.“ Ich schloss wieder die Tür zu seinem Zimmer und ging wieder in mein eigenes, wo ich bereits Antwort von Sanaya erhalten hatte. Wenn es nach ihr ging, konnten sie gern was zusammen machen, am besten würden sie sich so um 20 Uhr am Eingang der Wohngebäude treffen. Gerade, als ich antworten wollte, kam dann auch die Antwort von Roxi, die einwilligte, sofern sie Kevin mitbringen konnte. Ich nahm an, dass keiner etwas dagegen hatte und antwortete erst ihr und dann Sanaya, dass wir uns trafen und sie Jake Bescheid sagen sollte. Hailey brauchte wie immer ewig, um zu reagieren. So steckte ich das Handy einfach in die Tasche und verbrachte die Zeit, die ich noch hatte damit, im Bad vor dem Spiegel zu stehen und mich darüber zu ärgern, dass meine Haare nicht so saßen, wie sie eigentlich  sollten. Doch lange sollte ich mich nicht damit aufhalten, da mein Handy plötzlich laut gab und Hailey mich anrief.
„Ja bitte?“, ging ich an mein Mobiltelefon.
„Hey Aud! Wie sieht’s aus mit heute Abend? Schon Vorschläge?“
„Billard und Dart.“
„Mhm… hört sich doch annehmbar an. Wo treffen wir uns?“, harkte sie nach.
„Um 20 Uhr vor den Wohngebäuden. Roxi bringt Kevin mit.“, sagte ich so wie nebenbei bemerkt.
„Soso… da bin ich ja mal gespannt, was da mit dem läuft. Wir reden später, Jon und ich waren grad beschäftigt.“, meinte sie und kicherte ein wenig. „Bis dann.“
„Ja, Ciao.“ Ich legte auf und grinste. Das waren wohl die Vorteile, wenn man einen Freund hatte. Hin und wieder war man da eben anderweitig beschäftigt. Und auch ich konnte mich nun anderweitig beschäftigen, allerdings eher mit meinen Haaren. Eigentlich war ich nicht eitel, aber wenn ich wegging, dann sah ich nun einmal gerne gut aus. Welche Frau tat das nicht? Am einfachsten wäre es, wenn ich mir die Haare auf Wickler drehen würde, dann konnten sie doch so chaotisch aussehen, wie sie wollten, wenigstens sähe es dann so aus, als ob es absichtlich so sein sollte. Ja, keine schlechte Idee, Locken hatte ich schon lange nicht mehr gehabt.
Also machte ich mir meine Haare nass und fing dann an, alles aufzuwickeln. Nach einer guten Viertelstunde war ich dann auch schon fertig und am besten wäre es, wenn ich mich auf den Balkon in die Sonne setzen würde, da die Haare so am schnellsten trockneten. Gedacht, getan: Mit Einer Limo, einem Radio und einem Buch hatte ich mich auch schon draußen auf den Stuhl niedergelassen, die Musik angemacht und das Buch aufgeschlagen. Irgendwie musste man ja auch noch ein wenig sinnvoll die Zeit bis zum Abend rumkriegen. Später konnte ich noch etwas essen, mich dann schminken und zuletzt umziehen. Zwei oder drei Stündchen hatte ich bis dahin auf jeden Fall noch  Zeit – die ich jetzt zum entspannen benutzte.

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