Alltagslyrik

zum ersten Mal

09:47, 5.03.2013

Schnee, schon wieder Schnee.
Dieser Winter dauert erbarmungslos.  

Noch immer legt sich die Melancholie manchmal über meine Haut. Du verstehst es nicht. Bei jedem Versuch, es dir zu erklären, bin ich gescheitert. Vielleicht kann es dir das Meer erklären. Irgendwann.  

In anderen Jahren hätte ich dieses Frösteln kaum ertragen können. Heute wärmt mich meine Hand in deiner, als wir bei sanftem Kerzenschimmer nebeneinander lesend liegen. Ich fühle mich im Einklang mit mir, mit dir und der Welt. Zum ersten Mal. 

Und ich bin angekommen.
Mal wieder.
Doch diesmal ist es anders.

(Geschrieben in Kurzgeschichten)
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du weißt nicht

09:48, 1.07.2011

wie mein Versöhnen
durch deine Finger rinnt 

Noch kennst du sie nicht. Die Andere in mir. Die am Lieben Gescheiterte, deren Augen zuweilen taufeucht erschöpfen. Ahnst nichts vom Dunkel hinter dem Grün und siehst auch das Gespinst feiner Male nicht, die ich mir am Leben schlug. Noch gingst du nicht in meinen Andersträumen, neben den Nachtdämonen, die nur das Meer heilen kann. Doch eines Tages werde ich dich hinter das Lächeln führen und erst dann wirst du erkennen, welchen Weg wir nehmen könnten und  

dass mein Versöhnen
durch deine Finger rann

(Geschrieben in Kurzgeschichten)
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seiden.haft

09:44, 17.12.2010

Ich laufe auf verbrannten Träumen und Asche tränt meine Augen. Die Wut schreibe ich aus mir heraus. Wütend will ich nicht sein. Wut macht blind und hoffnungslos. Meinen Blick will ich nicht verlieren, den fürs Wesentliche. Der ist mir zu wichtig. Und Hoffnung. Hoffnung braucht jeder irgendwie und sei es nur darauf, dass es noch schlimmer nicht mehr kommen kann.

Liebe zu verlieren ist nur traurig. Meine habe ich in Seidenpapier gepackt.

(Geschrieben in Kurzgeschichten)
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bodenlos

09:45, 16.12.2010

Ohne dich fühle ich mich allein, mit dir einsam.

Ich habe dich losgelassen aber die Liebe, meine Liebe kann ich nicht einfach auslöschen. Sie füllt mich aus und ist doch ein Nichts. Ein Fass ohne Boden bin ich gerade. Mit nichts kann ich mich füllen, mit nichts die Lücke schließen, die du hinterlassen hast. Es ist schon komisch, dass so wenig überhaupt eine so große Lücke hinterlassen kann. Ich fühle mich leer aber nicht hoffnungslos. Eines Tages werde ich den Boden wieder finden.

Ein Abschied ohne Abschiedsworte. Egal. Das spielt keine Rolle mehr. Du spielst keine Rolle mehr; zumindest nicht in meinem Leben.

Liebe, was ist schon Liebe?

(Geschrieben in Kurzgeschichten)
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Leb wohl

09:50, 13.12.2010

ein Trauerlied streicht
flüsterleise
um meine Seele

Ich weiß nicht, wie viele Abschiedsbriefe ich inzwischen an dich geschrieben habe. Mal waren sie traurig oder wehmütig, dann wieder wütend. Abgeschickt habe ich keinen. Der Brief würde ankommen, meine Worte nicht. Du würdest sie vielleicht lesen aber verstehen willst du nicht. Heute habe ich den Stift weggelegt.
Wir haben das Ende herbeigeschwiegen. Wir beide.

das Trauerlied klingt
noch zart nach
vielleicht bis in die
Ewigkeit

(Geschrieben in Kurzgeschichten)
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im Vorbeigehen

09:51, 20.10.2010

schwarze Boxen spucken
rohe Klänge

in die stille
Unerträglichkeit
zwischen den Mauern


Heute sitze ich auf dem Boden mitten in meinem Zimmer. Um mich herum liegen all die Dinge, die mich an dich und an unsere gemeinsame Zeit erinnern. Sogar deine E-Mails habe ich ausgedruckt. (Wie schön war doch die Zeit als man sich noch Liebesbriefe auf Bütten mit Füller schrieb und den Stapel mit einer roten Schleife zusammenband.) Vor mir steht ein Karton. Behutsam lege ich Stück für Stück hinein. Die E-Mails falte ich blattweise zusammen und binde (der alten Zeiten wegen) eine rote Schleife darum.

es nebelt in mir
ein Schleier kraucht
mir wimperwärts


Morgen werde ich alle Dateien auf meinem Computer löschen. Nur deine Nachricht auf dem Anrufbeantworter werde ich behalten – für eine Weile. Vielleicht auch ein wenig länger.

(Geschrieben in Kurzgeschichten)
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herbstzeit.los

09:54, 30.09.2010

September tropft
aus meinem Haar
Herbstwind legt sich
um meine Schulter
Ich versuche mich an deinem Wort zu wärmen aber du wirst zum Flüstern. Ich kann dich nicht verstehen, möchte ich dir sagen. Komm näher, möchte ich dir zurufen. Doch bevor ich den Mund öffnen kann, schleicht der Stolz zwischen meine Lippen, saugt wie ein schwarzes Loch meine Stimme in sich auf. Und dann ziehe ich den Mantel enger um mich und laufe barfuß über klatschnasse Wiesen in den Nebel

und September fällt
von meinen Wimpern
und der Herbstwind atmet
in mein Herz.

(Geschrieben in Kurzgeschichten)
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Morgentau

17:46, 24.08.2010

Heute Morgen saß ich wie jeden Tag mit einer Tasse Kaffee und einer Zigarette auf meinem Balkon und genoss die Stille. Ich bin ein Morgenmuffel, das weißt du. Ich brauche morgens Ruhe, möchte wortlos in den Tag starten; langsam erwachen - nur von den sanften Schwingungen der Natur begleitet; dem Vogelgezwitscher oder den kleinen Melodien des Blattwerks, die der Wind kreiert. Ich möchte das Bild in mich aufsaugen, welches jeden Morgen gleich und doch so unterschiedlich ist und ich möchte die Wolken malen, die von der aufgehenden Sonne in den unterschiedlichsten Rottönen eingefärbt werden. In diesen Momenten wird mir bewusst, wie wenig ich brauche, um zufrieden und glücklich zu sein.

Ich blickte auf den leeren Stuhl. Du schweigend neben mir sitzend mit einem Kaffee und einer Zigarette machte das Bild perfekt. Und dann spürte ich einen Tropfen Morgentau auf meiner Wange.


(Geschrieben in Kurzgeschichten)
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beharrlich

09:56, 29.07.2010

Letzte Nacht hatte ich einen Traum. Es war einer dieser seltsamen Träume. Orte und Personen passten nicht zueinander und doch war alles was ich sah mit meinem Leben verwoben. Die verschlüsselten Bilder hinterließen verwirrende Klarheit.

[du hast die Sehnsucht

wie ein Seidentuch
um mich gehüllt]

Er saß im Garten meiner Oma und wartete. Während unstetes buntes Treiben mich umgab, die anderen Beteiligten das ihnen innewohnende Typische taten und mich damit ganz zu vereinnahmen versuchten, saß er im Garten meiner Oma und wartete. Ab und an begegneten sich unsere Blicke. Mit jedem Blick zog es mich mehr zu ihm hin. Und er saß im Garten meiner Oma und wartete mit der Gewissheit in den Augen, dass ich irgendwann aus dem Kreis der Hektik heraustreten werde und mich neben ihn setze.

[du hast die Hoffnung
an meine Haut
geschmiegt]

Dieser Traum war Ahnung dessen, was mich erwarten sollte und konnte mich gleichzeitig auf nichts vorbereiten. Ich stolperte blindlings durch mein Leben und hatte doch ein deutliches Bild vor Augen.

(Geschrieben in Kurzgeschichten)
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entfernt

09:58, 22.07.2010

[und dieser Abschied
zerriss mir das Herz]


Es flohen die Sekunden unaufhaltsam dem Vermissen entgegen. Noch ehe wir einander losgelassen hatten, fuhr ein kühler Hauch hinter meine Lieder, ließ das Meer aufbranden. Deine Arme hielten mich umfangen und ich klammerte mich an diesen letzten Augenblick, als ob es mir gelingen könnte, ihn bis zur Unendlichkeit zu weiten. Doch er ging wie auch du. Meine verfroren Blicke folgten dir und jeder deiner zögerlichen Schritte schnitt sich unter meine Haut.


[so wird uns jeder Abschied
Wunden hinterlassen
und jedes Wiedersehen
wird sie heilen]

(Geschrieben in Kurzgeschichten)
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Kurzbrief an Max Mustermann (Vorsicht bissig!)

13:57, 16.06.2010

Lieber M.

sicherlich hast du geglaubt, mit mir hättest du ein ganz leichtes Spiel. Eine scheinbar sexuell frustrierte und vernachlässigte Ehefrau ist in deinen Augen leicht rumzukriegen und unendlich dankbar für jedes bisschen Aufmerksamkeit, das man ihr zukommen lässt.

Ganz dumm gelaufen, würde ich mal sagen. Blöd, dass du ausgerechnet auf mich treffen musstest. An mir hast du dir deine Zähne ausgebissen und ich habe mich lächelnd zurückgelehnt und amüsiert zugesehen, welchen Zirkus du veranstaltet hast. Nur war nicht ich das dumme Schoßhündchen, das brav Männchen macht, wenn man ihr einen Wurstzipfel hinhält, wie du es geplant hattest.

So langsam begreifst du, dass dir deine Felle wegschwimmen und fängst mit dem L-Wort an. Meinst du wirklich, ich bin so dumm, das nicht zu durchschauen? Merkst du eigentlich nicht, wie lächerlich du dich damit machst? Armes Würstchen, NE armes Hündchen! Ich bin dann mal weg. Du langweilst mich. Tschau!

 
 
Anmerkung: Also ,auch wenn es der eine oder andere nicht glauben will, dies ist tatsächlich ein rein fiktiver Text, der höchstens auf Beobachtungen der Balzrituale beruht, nichts jedoch mit meinem Leben zu tun hat. Deswegen sind Ähnlichkeiten zu real existierenden Personen rein zufällig. Aber hey, … wem der Schuh passt ;-)  
(Geschrieben in Kurzgeschichten)
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und manchmal trügt der Schein (Minisaga)

15:58, 14.06.2010

Nach außen mag es so erschienen sein, dass mir dieser Schritt leicht gefallen ist. Doch die Maske, die ich in den letzten Jahren trug, habe ich noch nicht abzusetzen gewagt. Jetzt, in meinem neuen kleinen Reich, riskiere ich gelegentlich einen Blick dahinter. Noch kann ich nicht gänzlich auf sie verzichten.

(Geschrieben in Kurzgeschichten)
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An dich

17:02, 2.02.2010

Wie du manchmal so zögerlich und bedacht auf eine meiner Fragen antwortest. Fast so, als könnte diese eine Antwort das Bild zerstören, das ich gerade von dir zeichne. Doch die Konturen und Grundfarben sind bereits gemalt, es fehlen zwar noch viele kleine Details, aber ich kann jetzt schon sagen, dass mir sehr gefällt, was da entstanden ist. Klar könnte auch mal ein Farbtupfer gesetzt werden, der unharmonisch scheint. Doch selbst wenn, es machte das Bild spannender. Das perfekte Bild gibt es nicht und wer würde das auch wollen. Man selbst erschiene daneben noch weniger perfekt, als man es sowieso schon ist.

Jedes neue Detail, was ich dem Bild hinzufügen kann, macht es bunter. Und ich liebe bunt, das weißt du ja. Und ich mag auch fliegende Katzen.

(Geschrieben in Kurzgeschichten)
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Heute nicht (Minisaga)

12:14, 25.01.2010

Als hätte sie dieses
Leben wiedergekäut
und anschließend ausgespuckt,
so fühlt sie sich
an manchen Tagen;
wie heute.

In solchen Momenten
schreit alles in ihr
nach Flucht.
Doch sie hebt
einmal mehr trotzig
den Tränenblick
in den Spiegel;
verwischt die Spuren.
Und sie wird auch
diesmal nicht gehen.

Heute nicht.

(Geschrieben in Kurzgeschichten)
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tropfender Schnee (Drabble)

11:36, 13.01.2010

Mir ist immer noch nichts zum tropfenden Schnee eingefallen. Eigentlich wollte ich ihn in ein zartmelancholisches Gedicht einbauen. Aber immer wenn ich daran denke, habe ich unser Lachen im Ohr, als er es neulich sagte. Deutsch ist nicht seine Muttersprache, deshalb unterlaufen ihm gelegentlich Fehler. Entzückende Fehler. Er kann darüber lachen. Überhaupt kann er gut über sich selbst lachen und ich lache gern mit ihm. Gestern Abend bei unserem stundenlangen Telefonat zum Beispiel. In solchen Momenten spüre ich mich näher. Näher bei mir und näher bei ihm. Als wir aufgelegt hatten, fragte ich mich, ob es immer so sein würde.

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Spiegelungen

16:42, 25.11.2009

Zuweilen, wenn ich in den Spiegel schaue, sehe ich verschwommen im Hintergrund ein anderes Bild. Rissig ist es, wie ein altes Ölgemälde. Eine blasse Frau blickt mir entgegen, mit vor Müdigkeit glanzlosen Augen. Und sie erzählen die traurigen Geschichten, die keiner hören will, nicht einmal ich selbst. Sekundenlang starre ich dann tränentrüb in das mattgraue Gesicht, bevor ich es mit einer Schicht Make up verwische.

Und zuweilen stehst du in solch einem Moment hinter mir. Siehst, was ich sehe. Dann brauche ich kein Make up. Deine Augen lächeln verstehend mir Farbe während du meinen Narben sanften Schimmer küsst.

(Geschrieben in Kurzgeschichten)
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Sternschnuppen (Minisaga)

16:10, 29.04.2009


Bald gibt es wieder Sternschnuppen am Himmel zu bewundern. Das darf ich in diesem Jahr keinesfalls verpassen. Ich habe so viele Wünsche, die ich ihnen übergeben möchte. Und ich hoffe auf eine große, die deutlich zu sehen ist, für den größten meiner Wünsche. Wenigstens diesen einen muss ich loswerden. Leben.

(Geschrieben in Kurzgeschichten)
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Meer-Bilder (Minisaga)

11:11, 29.04.2009


Er wird mir Bilder schicken von „meinem“ Meer. Ich freue mich. Wenn ich schon selbst nicht hinfahren kann, habe ich wenigstens ein kleines Stück davon bei mir. Hoffentlich bemerkt er nicht, dass er mit einem blinden Passagier reist. Ich habe ihm ein Stück meiner Seele ins Gepäck geschmuggelt. Aber pssst!

Anmerkung: Minisage ist charakterisiert durch die Vorgabe, dass sie aus exakt 50 Wörtern bestehen muss (ausschließlich Überschrift)

(Geschrieben in Kurzgeschichten)
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