Meine Argentinienreise 2007/2008 | |
„Was treibt Dich denn nach Argentinien?“
03:37, 6 May 2007
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Viele, die mich kennen, wissen oder ahnen zumindest die Antwort. Alle anderen wiederum, die sich, aus den Weiten des Internet kommend, hierher verirrt haben, sollen folgendes erfahren: mein Name ist Thomas Kunze, ich bin zum gegenwärtigen Zeitpunkt 38 Jahre alt, wohnhaft in Dresden, habe Familie, Freunde, Hobbies und einen Beruf, den ich gerne ausübe und der mich auch anständig nährt, ich reise in meinen Urlauben durch die Weltgeschichte, leiste mir Kunst & Kultur, habe materielle Sicherheiten – kurzum: ich kann mich nicht über mein Leben beklagen! Und doch gibt es etwas, was einfach nicht in das oben genannte Raster passt: meine Sehnsucht nach fernen Ländern und der Wunsch, für eine Weile dort zu leben. Schon als Knirpse hatten wir in der Schule unsere „Lieblingsländer“, und wenn die anderen Amerika, Australien oder Kanada nannten, so wünschte ich mich immer nach Argentinien. Ich kann’s weder psychologisch erklären, noch habe ich wissentlich verwandtschaftliche Bande nach Südamerika. Wenn ich an Argentinien denke, laufen einfach mehrere Filme übereinander: weites Land, stolze Menschen, Fußball, Tango, Melancholie, Einwanderer, „fin del mundo“ - mein Utopia eben. Mitte der 1990er Jahre nahm ich das erste Mal Anlauf für einen längeren Aufenthalt in Argentinien. Damals war es noch ein Hochpreisland, und ich konnte es mir als Student einfach nicht leisten. Nach ein paar Jahren beruflicher Praxis überkam mich wieder diese Sehnsucht, also fragte ich meinen Chef, ob ich meinen Urlaub von 2003 und 2004 zusammen werfen könne, um für knapp 3 Monate nach Argentinien reisen zu können. Da ich einen verständnisvollen Chef habe, erhielt ich die Erlaubnis. Ich wollte einfach wissen, ob dieses Land so ist, wie ich es mir vorstellte, und so war es dann auch. Damit waren die Würfel gefallen und meine Idee bekam Gestalt. Üblicherweise probiert man sich mit Auslandsaufenthalten nach dem Gymnasium oder während des Studiums aus. Ich hingegen habe hierfür meinen Job gekündigt und verlasse eine Firma, der ich fast 8 Jahre lang auf äußerst angenehme Weise verbunden war. Das ist nicht in wenigen Worten zu erklären, aber bestimmt gibt es Leute, die verstehen können, dass nichts für die Ewigkeit ist und man sich in bestimmten zeitlichen Abständen neue Ziele setzen und neuen Herausforderungen stellen muss, um nicht im „Groundhog Day“ zu verfangen (Kennt ihr den Film? Da gerät ein Mann in eine Zeitschleife und erlebt immer und immer wieder ein und denselben Tag.). Viele wichtige Entscheidungen des Lebens habe ich nicht rational gefällt, sondern bin meiner inneren Stimme gefolgt. Manches erklärt sich erst aus der Retrospektive. Ich verstehe diese Reise als Chance, mich weiter zu entwickeln und neue Fertigkeiten zu erlangen. Hierzu gehören natürlich Sprachkenntnisse, der Umgang mit anderen Kulturen und Mentalitäten und andere Sichtweise auf das Leben im Allgemeinen. Ich bin der Letzte, der behauptet, dass das Leben überall anderswo besser ist als in Deutschland, gleichwohl weiß ich aus meinen Erfahrungen – vor allen Dingen von meinen vielen Osteuropa-Reisen – dass es auch noch andere Möglichkeiten als die „deutsche Herangehensweise“ für Lebensgestaltung und Problemlösungen gibt. In diesem Reisetagebuch will ich dokumentieren, wie die Menschen in Südamerika ihr Leben organisieren, was für sie Glück bedeutet und mit welchen Widrigkeiten sie zu kämpfen haben. Ich möchte gern für eine Weile an ihrem Leben teilnehmen, den ganz normalen Alltag und die tägliche Portion Wahnsinn erleben, interessante Lebensläufe von Menschen kennen lernen, die es freiwillig oder unfreiwillig nach Argentinien gespült hat, natürlich die Geschichte und aktuelle gesellschaftspolitische Entwicklungen dieses Landes beleuchten. Ich werde Geschichten sammeln über Fußball & Tango, Esskultur & Wein, Kunst & Kultur, Stadt & Land, Gebräuche & Klischees und vieles mehr. Ich habe den Kopf voller Ideen, und im Prinzip schreibe ich dies alles für mich selber auf, damit ich nichts vergesse. Ich habe bisher immer Reisetagebücher geschrieben, nur eben nicht online. Am 18. Juli geht mein Flieger Richtung Buenos Aires. Damit ich meine Füße auf den Boden bekomme, habe ich mich entschieden, zuerst einen 4-wöchigen Spanisch-Intensivkurs in Buenos Aires zu absolvieren. Ich habe diese Stadt während meiner ersten Reise so lieb gewonnen, dass ich meine Reise unbedingt hier beginnen möchte. Hier gibt es für mich noch so viel zu entdecken. Nach diesem Kurs habe ich zwei „freie“ Wochen, ehe ich nach Córdoba weiterziehe, um dort für knapp 3 Monate als Freiwilliger für eine Hilfsorganisation in sozialen Projekten zu arbeiten. Dies alles wird mir Zeit und Gelegenheit geben, das Leben kennen zu lernen, ehe ich als Rucksacktourist durchs Land ziehen werde. Auf jeden Fall will ich wieder nach Patagonien (ja, ich habe von den Calafate-Beeren gekostet…), dann gibt es noch die eine oder andere Reise-Idee in meinem Hinterkopf, zudem gibt es einige Leute aus meinem Freundeskreis, die mir ihren Besuch androhen, und während der Winterferien im Februar 2008 werde ich hoffentlich meinen Sohn (dann 11 Jahre) und meine Freundin in Argentinien begrüßen dürfen. Auch wenn ich manchmal die Hinterbacken zusammenkneifen muss - ich werde mit Sicherheit keine Langeweile haben. Diese Reise ist zwar eine Reise zu mir selbst, sie ist aber auch meiner Familie und meinen Freunden gewidmet, die mir Mut zusprachen und mich in jeder Hinsicht unterstützen. Ich muss zwar noch einiges bis zu meiner Abreise regeln und organisieren, aber in meinen Gedanken ist die Vorfreude auf dieses Abenteuer eingezogen. Ihr könnt gern an dieser Reise teilhaben, indem ihr mein Reisetagebuch lest und wir per E-Mail in Kontakt kommen bzw. bleiben. Die Welt ist zu klein, als dass wir verloren gehen können; und das eine Jahr ist schneller um als gedacht.
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