Meine Argentinienreise 2007/2008

Reisevorbereitungen II - ¿Hablas Español?

03:19, 22 June 2007 .. 0 Kommentare .. Link

Der Start meiner Reise rückt immer näher, so dass ich mir die Frage gefallen lassen muss, ob ich genügend Spanischkenntnisse habe. Beginnen wird meine Reise mit einem 4-wöchigen Intensiv-Spanischkurs in Buenos Aires (jeden Tag 4 Doppelstunden – uff!), aber ich nehme bereits seit November letzten Jahres Spanischstunden bei Cristina, einer Argentinierin aus Posadas, die gegenwärtig in Dresden lebt und arbeitet.

¡A mí me gusta español! Mir gefällt Spanisch sehr! Oder besser gesagt: das Castellano, wie man es in Südamerika spricht. Da gibt es eine Menge Besonderheiten gegenüber dem „spanischen Spanisch“, die sich aus den Einflüssen der anderen Einwanderersprachen sowie der Indiosprachen ergeben. Darüber kann und werde ich euch mehr erzählen, wenn ich meinen Spanischkurs in Buenos Aires absolviere.

Was ich jetzt eigentlich aufzeigen will, sind zwei weitere Möglichkeiten, mit fremdsprachigen Menschen Gespräche zu führen, ohne fundierte Sprachkenntnisse zu besitzen bzw. wie man aneinander vorbeireden kann und sich trotzdem auf wunderbare Weise versteht.

Situation 1 – nonverbales Fachgespräch

Geschehen in einem Restaurant in Buenos Aires im November 2003, beteiligt: 4 Personen – ein argentinisches Ehepaar, meine Freundin mitsamt ihren guten Spanischkenntnissen und ich mit allen möglichen, aber KEINEN Spanischkenntnissen. Der mir gegenübersitzende Mann spricht nur Spanisch, aber wir finden ein gemeinsames Thema, was uns beide interessiert (und – das kann ich euch sagen – was immer funktioniert!!): Fußball.Wir werfen Namen von berühmten Fußballspielern in die Luft, hauen uns in Esperanto irgendwelche Ergebnisse und Zahlen um die Ohren und kommen auf Spiele zu „sprechen“, deren Resultat mehr als verdächtig sind (ich sage nur: WM ´78, Argentinien-Peru 6:0). Ein Außenstehender mochte gedacht haben, hier kommunizieren zwei Taubstumme miteinander, unsere Frauen rollten mit den Augen, weil sie nur „Bahnhof“ verstanden, aber wir Männer hatten das Thema gefunden, worum sich nun mal alles dreht.

Situation 2 – Sprich sächsisch, und du wirst verstanden!

Manchmal kann man sich wunderbar missverstehen, aber trotzdem das gewünscht Ziel erreichen. Wie folgende Geschichte beweist, die eigentlich aus zwei kleinen Geschichten besteht, die nichts miteinander zu tun haben.

Eins: Einer meiner Freunde, der irgendwo aus dem Hessischen kommt (ein Wandergeselle) war mal in Dresden und lernte ein Mädchen kennen, welchem er nach recht kurzer Zeit körperlich sehr nahe kam (Betonung liegt auf „sehr“!). Kurz bevor beide das „hohe c“ sangen (oder sungen), rief sie im tiefsten Sächsisch aus: „Du bissd dor Diiiescher!“; auf hochdeutsch: „Du bist der (oder: ein) Tiger!“ Das hatte fatale Folgen, über die wir heute noch lachen und unseren Kameraden damit aufziehen.

Zwei: Meine Freundin und ich stehen in Salta (im Norden von Argentinien) an einem Imbiss und wollen eine Tortilla bestellen. Das „ll“ spricht man im Spanischen wie „j“ aus – dachten wir zumindest, und pronouncierten das Wort, so gut wir konnten. Leider verstand die Dame nicht. Daraufhin versuchten wir alles Mögliche, „tortilla“ so authentisch wie möglich auszusprechen, aber erst nach einer Weile hellte sich das bis dahin angestrengte Gesicht der Verkäuferin auf und sie sagte: „Ah, una torticha!“ Das „ll“ spricht man in Argentinien wie „ch“ (wie bei Kirche, Licht etc.) aus.

Und da fiel mir die Geschichte mit dem „Tiger“ bzw. „Diiischer“ wieder ein. In Zukunft bestellten wir immer auf sächsisch einen Tiger, lachten uns scheckig und bekamen anstandslos eine leckere Tortilla.

Soviel zum Thema „interkulturelle Missverständnisse“.


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