Meine Argentinienreise 2007/2008 | |
Mí primera semana - Meine erste Woche
18:46, 29 July 2007
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Im Grunde sind schon 10 Tage vorüber, aber wir wollen mal nicht kleinlich sein. Kurze Zusammenfassung: ich bin gut angekommen, hatte 3 Tage zum Akklimatisieren ehe der Ernst des Lebens hier begann (sprich: Spanischschule) und habe jetzt die erste vollständige Woche hinter mir. Ich kann nicht sagen, ob ich mich bereits eingelebt habe oder ob ich immer noch staunend durch die Gegend eiere. Alles ist überwältigend, das Leben pulsiert auf den Straßen, man mischt sich in den Strom der Menschen, der in oder aus der U-Bahn quillt, man muss wegen des wirklich wahnsinnigen Verkehrs aufpassen (niemals verträumt über die Straße laufen, auch nicht bei „Grün“!), staunt permanent über all die Geschäfte, Kioske, Cafés, Restaurants und den überbordenden Auslagen – es ist eine volle Überdosis, die das Hirn nicht wirklich verarbeiten kann. Oft streife ich mit der Kamera durch die Gegend, sehe dies und das und will dies auch im Bild festhalten, merke dann aber, dass dies nicht funktioniert, weil das Bild immer nur ein Ausschnitt aus einem Panorama ist und zudem noch andere Sinnesreize fehlen, nämlich Geräusche und Düfte. Am Montag hatte ich meine erste Spanischstunde an der Sprachschule. Diese ist im Stadtteil Retiro gelegen, mitten im Business-Viertel der Stadt, ein schmales Haus, in dessen 3. Etage sich das Estudio Buenos Aires befindet. Zuerst machte ich einen Einstufungstest, dann wurde ich einer Gruppe zugeteilt, die aus Ina, einem 19jährigen Mädel aus Hannover, Ralph, einem 77jährigen ehemaligen Schulinspektor aus Kalifornien und meiner Wenigkeit bestand. Drei Generationen in einer Klasse. Unterricht ist von 9:30 bis 13:30; vier Stunden hintereinander weg. Zwei Lehrerinnen wechseln sich ab (Lorena & Karina). Es geht recht flott im Unterricht vorwärts, so dass man sich immer konzentrieren muss. Lehrbücher gibt es keine, sondern nur hektographierte Unterlagen. Es wird viel gesprochen, und wir, die wir das klassische Spanisch gelernt haben, müssen uns nicht nur an das Rio de la Plata-Spanisch, sondern auch an den Dialekt aus Buenos Aires gewöhnen. Aber: ich komme voran. Die Schule ist nur Teil 1 der Übung; Teil 2 findet auf der Straße statt. Dort scheue ich mich nicht, mit den Leuten zu sprechen. In 2 oder 3 Wochen beginne ich sicherlich auf Spanisch zu denken und vielleicht sogar schon zu träumen. Man taucht da einfach ein. Nach den 4 Stunden Unterricht habe ich also noch genügend Zeit für andere Dinge. Also ziehe ich durch die Gegend und schaue mir dies und das an, worüber ich u.a. im Weblog berichte. Vergangenem Freitag unternahmen wir nach der Schule einen gemeinsamen Ausflug in das Mueso Nacional de Bellos Artes (Gemäldegalerie). Gleich danach hatte ich meine erste Tangostunde, wo ich mich erst einmal der Prüfung unterziehen wollte, welches Niveau ich denn überhaupt habe. Der Test fiel sehr positiv für mich aus, so dass ich in Zukunft unbesorgt durch verschiedene Tangoschulen tingeln kann. Was meine Onlineverbindung angeht, so gehe ich immer in ein Locutorio, so eine Art Kiosk mit angeschlossenen Telefonzellen und Internetplätzen. Das ist in Argentinien weit verbreitet; ich glaube sogar, dass die wenigsten Menschen hier einen direkten Internetzugang in ihrer Wohnung haben. Es gibt massenhaft Locutorios in der Stadt; allein in meiner unmittelbaren Umgebung ein halbes Dutzend. Eine Stunde kostet ca. 1,50 Peso, umgerechnet 40 Cent. Was die Lebenshaltungskosten angeht, so geht’s uns Touristen hier gold. Schon während meiner letzten Reise 2003/4 bekam man für einen Euro knapp 3 Peso. Jetzt ist der Kurs sogar auf 1:4,40 gerutscht. Die meisten Dinge sind hier einfach unglaublich billig. Manchmal geniert es mich beim Bezahlen. Allerdings haben die meisten Argentinier nichts von diesem tollen Umtauschkurs. Sie verdienen als Arbeiter vielleicht 800 Peso im Monat und müssen davon noch ihre Wohnung bezahlen und die Familie ernähren. Dass viele Argentinier deswegen hinten runtergefallen sind, sieht man u.a. auf den Straßen. Armut ist allgegenwärtig, und auch die Versuche, durch den Verkauf von irgendwas zu ein bisschen Geld zu kommen, sind allgegenwärtig. Diese Diskrepanz zwischen Touristen und Einheimischen sollte man immer im Auge behalten. Zum Wetter: ja, es ist kalt. Morgens gegen 5 Grad, mittags haben wir aber in der Regel schon recht warme 15 Grad. Für die Leute hier ist’s der Horror. Die laufen eingepackt durch die Straßen, so wie unsereins in den Skiurlaub nach Bayern fährt. Ich habe kein Problem mit der Kühle, denn es werden noch Zeiten kommen, wo ich mich danach zurücksehnen werde… Conclusio: ich bin gut angekommen und habe mich gleich ins hektische Treiben der Stadt gestürzt, befinde mich im Zustand des permanenten Staunens und sauge alle möglichen Impressionen auf. Mein Spanisch verbessert sich täglich und langsam, aber sicher, finde ich in den hiesigen Lebensrhythmus hinein. Buenos Aires ist grandissimo – wer’s nicht schon mal selber gesehen hat, wird es nicht glauben können. Egal, was noch passiert: ich habe keine Zweifel, dass dies eine der besten Erfahrungen meines Lebens wird! Kommentar hinterlassen { Vorherige Seite } { Seite 163 von 180 } { Nächste Seite } |
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