Meine Argentinienreise 2007/2008 | |
Buenos Aires-Impressionen (IV): La Boca
16:41, 31 July 2007
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Denkt man aus der Ferne an Buenos Aires, so denkt man meistens an den El Caminito in La Boca, die buntgestrichenen Häuser, an Tango in den Straßen und an das Wahrzeichen dieses Stadtteils, die alte Stahlbrücke im Hafen. Das alles findet man dort auch tatsächlich vor, aber es ist eine ziemlich künstliche Welt geworden. Der Trubel ist schon beeindruckend, und auch die leuchtenden Farben der Häuser faszinieren ungemein, aber das Flair ist arg touristisch, zumal man sich nur wenige Meter neben diesem Laufsteg in einer völlig anderen, abgewirtschafteten und leider auch gefährlichen Gegend befindet.
La Boca ist das alte Hafenviertel, in dem der Tango geborgen wurde, in dem viele Einwanderer – auf der Suche nach ihrem Glück in der Neuen Welt – strandeten. Hier waren immer Armut, Not, Elend und Verzweiflung zuhause, und wer mal die Muse hat, Texte alter Tangos aus dieser Zeit zu lesen, der wird ziemlich deprimiert sein ob der damaligen Lebensverhältnisse. Der alte Zille aus Berlin hätte hier seine Freude gehabt. Viele der Häuser in La Boca sind einfache Wellblechhäuser, die vor sich hinrosteten, bis einer auf die Idee kam, diese mittels der reichlich vorhandenen Schiffsfarbe anzupinseln. Und da die Schiffe in der Regel rot, grün, gelb oder blau angestrichen sind, waren es dann auch die Häuser. Und so wurde aus der Not eine Tugend, und heute ist es ein Original, mit dem die Leute dort ihren Lebensunterhalt verdienen. Eine Kneipe nach der anderen, zahllose Stände, wo man Kunsthandwerk kaufen kann, einige recht großflächige Antik- und Trödelhallen (in denen es viel Kitsch und nur wenig Antikes zu kaufen gibt), und auf der Straße bekommt man ständig Zettel in die Hand gedrückt, wo man am besten zum Essen einkehren oder sich eine Tango-Show anschauen soll. Und im Hafenbecken nebenan nur noch stinkender Schlick, rostige Kähne und alte Autoreifen. Die Leute aus Buenos Aires, die ich hier kenne, sagen, dass sie nie nach La Boca gehen würden. Das wäre, als ob man in Berlin immer auf die Mauer angesprochen und gefragt werden würde, ob es noch ein paar originale Mauersteine zu kaufen gäbe. Ich habs mir am Sonntag mitsamt dem Touristenstrom angeschaut und kann es nun abhaken.
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