Meine Argentinienreise 2007/2008 | |
Bei den Gauchos
16:09, 5 August 2007
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Eigentlich wollte ich am Sonntag zum Mercado Central draußen vor der Stadt, weil ich gehört hatte, dass dort an den Wochenenden riesig was los sein soll: Viehmarkt, gegrillte Fleischberge, Rodeospiele und Kunsthandwerkermarkt und viel bunter Trubel (siehe auch www.lateinamerikanachrichten.de/). Ich war auch dort (man schlingert mit dem Bus fast eine Stunde durch die weniger ansehnlichen Vorstädte, fand aber nicht das vor, was man mir beschrieben hatte, sondern einen recht rustikalen Markt, auf dem Obst, Gemüse und andere landwirtschaftlichen Produkte sowie Textilien aller Art gehandelt wurde. War interessant, aber ich hatte während der Fahrt mit dem Bus auf der anderen Seite der Autobahn eine Fiesta gesehen, die mir spannender erschien, und so war es dann auch: ein echtes Rodeo mit Gauchos. Der Wettbewerb bestand darin, ein wild galoppierendes Pferd über eine bestimmte Zeit zu reiten. Zuerst wird dieses Pferd mit einem Seil an eine Pfahl gebunden, dann die Augen bedeckt, damit es nicht scheut, danach wird eine Art Bürzel zum Festhalten für den Reiter umgeschnallt, dann setzt sich der Reiter drauf und auf Kommando wird die Augenbinde heruntergerissen, die Leine gekappt und mit der Peitsche ein ordentlicher Hieb auf den Pferdehintern gegeben. Dann geht der Gaul ab wie eine Rakete, nach wenigen Metern zu beiden Seiten flankiert von zwei Reitern, die dem Rodeoreiter – sollte er noch im Sattel sitzen – schlussendlich unterhaken und vom durchgehenden Pferd hieven. Und das alles live kommentiert von einem Mann, der mit seinem atemlosen Stakkato jedem Fußballreporter die Show stehlen würde. Die Gauchos, die ich dort sah, waren wahrlich beeindruckende Gesellen: wettergegerbte Gesichter, Hände, die zupacken können, Stolz in der Brust, aber wer sich ein bisschen auskennt, weiß, dass sich die Gauchowelt fernab aller Romantik befindet. Die meisten sind mies bezahlte „peones“ – also Knechte – auf den großen Estancias. Aber egal, hier bei diesem Fest ging es um den Stolz und die Ehre der Gauchos, und es war wirklich beeindruckend, wie sie geradezu mit ihren Pferden verwachsen zu scheinen, so leicht und elegant sieht das alles aus. Für mich war das ein herrlicher Sonntagnachmittag, der zwar trüb und kalt war, aber dafür gab es ja Fleisch vom Grill und Hochprozentiges – eben wie bei den Gauchos.
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