Meine Argentinienreise 2007/2008 | |
Tango - eine kleine Einfuehrung
21:51, 9 August 2007
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Buenos Aires = Tango. Ich kann ihn sehen. Tanzende Paare auf den Straßen und der Plaza. Ich kann ihn hören. Das Klagen des Bandoneons, den treibenden Rhythmus des Pianos oder die Stimme des Sängers. Und ich kann ihn spüren. Fest umschlungen mit einer Frau bewege ich mich im Strom der vielen anderen Paare über den Platz, mal festen, dann wieder lässigen Schrittes, hie und da kleine Spielereien mit den Füßen und Beinen einstreuend. Tango, der „vertikale Ausdruck eines horizontalen Bedürfnisses“… Also: ich wünschte, dass es so wäre. Leider ist das ein Klischee. Na klar, kann man überall Tango sehen, hören und auch spüren, aber es ist beileibe nicht so, dass alle Argentinier Tango tanzen. Es ist sogar so, dass die meisten es nicht tanzen können und gegenwärtig, nach einigen Jahrzehnten der Nichtbeachtung, viele junge Argentinier und Argentinierinnen wieder beginnen, sich für ihren Tanz zu interessieren. Hierfür gibt es unglaublich viele Möglichkeiten, natürlich an erster Stelle die Tangoschulen. Es gibt ein kostenloses monatlich erscheinendes Magazin namens „el tangauta“ (www.eltangauta.com), in dem auf knapp 50 Seiten die Tango-Szene in Buenos Aires vorgestellt wird. Für Leute wie mich viel zu viel und unübersichtlich, also habe ich mich von einer Freundin beraten lassen. Die sagte, dass man, wenn man schon mal in Buenos Aires ist, zu einem der „alten Professoren“ gehen soll, die sind zwar oft sehr streng, aber da lernt man was. So erschien ich also eines Abends dort und muss sagen: ich bin nach den 90 Minuten zwar völlig geplättet, aber absolut euphorisiert da wieder raus. Man belegt hier keine Kurse wie in Deutschland, sondern geht einfach und ohne Voranmeldung zum „practico“. Die Professoren (so werden hier die Tangolehrer genannt, wobei ich meinen Tangoprofessor – ein Kugelblitz mit Vollbart und wilden, langen Haaren, eine Mischung aus Maradona und Che Guevara – immer als „Maestro“ anspreche ;-), also die Professoren stehen an der Seite und dirigieren, stellen Paare zusammen, demonstrieren und korrigieren. Es gibt natürlich ein gemeinsames Thema für alle, geübt wird aber individuell und den Fähigkeiten bzw. den Notwendigkeiten entsprechend. Und alles mit sehr leichter Hand geführt. Ein paar Unterschiede zu dem Stil, den ich Dresden gelernt und auf den Milongas praktiziert habe, habe ich gleich feststellen dürfen: 1.) Man tanzt hier absolut eng. Mit der Handbreit Anstandsabstand in Dresden konnte man immer ganz bequem in die Figuren reintanzen, weil genug Platz für die Füße war, hier aber stehen die Füße so eng beieinander, dass man die Füße der Partnerin aus deren Körperhaltung heraus „erspüren“ muss. 2.) ¡¡¡EMOCIÓNES!!! Nicht denken, am besten das Gehirn zuhause lassen. 3) Es wird viel über den Tango, seine Möglichkeiten und die Querverbindungen zu anderen Musik- und Tanzarten philosophiert, um zu zeigen, dass Tango nicht für sich allein steht, dass er Wurzeln hat und vor allen Dingen: man kann Tango zu JEDER Musik tanzen, und man kann aus anderen Tanzstilen heraus, z.B. aus dem Salsa, durch die eine oder andere kleine Rhythmusverschiebung in den Tango hinüberwechseln. Kurz und knapp: ALLES ist möglich und erlaubt. Es ist noch viel mehr, und ich glaube, am meisten fasziniert die Atmosphäre in den alten Studios, wo das Parkett schon mächtig abgewetzt ist, wo an den Wänden alte Bilder, Plakate und viele Urkunden hängen. Wer es mal selber probieren will, hier die Adresse: BOHEMIA Rincón de Arte, Norma Gomez Tomasi & Ernesto Carmona, Moreno 1768, 1er piso (bohemia@fibertel.com.ar), Kurse von Mo – Sa 18:30-20:00 (Anfänger) und 20:00-21:30 Uhr (Mittelstufe und Fortgeschrittene). Kommentar hinterlassen { Vorherige Seite } { Seite 156 von 180 } { Nächste Seite } |
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