Meine Argentinienreise 2007/2008 | |
In Jujuy (22.-23.08.2007)
22:24, 3 September 2007
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![]() Von Salta aus sind es nur noch ca. 120 km nach Norden, und man erreicht San Salvador de Jujuy, die Hauptstadt der Provinz Jujuy. Jujuy ist nicht nur die nördlichste Provinz, sondern auch eine der abgeschiedensten und mystischsten Gegenden des Landes. Die Provinzhauptstadt ist nicht sehr attraktiv, aber ich hatte das Glück, mitten in die Feierlichkeiten des 195. Jahrestages des „Exodo Jujeño“ zu geraten.
Während der Unabhängigkeitskriege gegen die Spanier forderte General Manuel Belgrano (einer der argentinischen Nationalhelden), der mit seinen Truppen die Stadt durchquerte, alle Einwohner auf, geschlossen seinen Truppen zu folgen und die Stadt dem Feuer zu übergeben, um den Spaniern eine Versorgungsbasis zu entziehen. Und so zogen also alle Bewohner San Salvador de Jujuy mehr oder weniger freiwillig, zu Fuß oder zu Pferde, mit, während hinter ihnen die Stadt in Asche versank. Dieses historische Ereignis wurde mit dem Einritt der Gauchos am Abend des 22. August, einem wirklich sehr guten Folk-Konzert und mit einer Parade am darauf folgenden Tag gefeiert. Gerade diese Parade hat was Skurriles, denn es war fast wie zu alten DDR-Zeiten: auf der Tribüne standen die Honoratioren der Stadt und unten auf der breiten Avenida marschierten Schulklassen, Gendarmerie- und Militäreinheiten sowie ein Häufchen müder Falklandkriegs-Veteranen vorbei. Den Abschluss bildeten aber wieder die Gauchos, die stolz auf ihren Pferden durch die Straßen ritten und von den Menschen bejubelt wurden. Es müssen mehr aus tausend Berittene gewesen sein, der Zug hörte überhaupt nicht mehr auf und es war wirklich was fürs Auge (und die Kamera). Im Ordner „Exodo Jujeno“ habe ich euch ein paar Bilder von diesem wirklich eindrucksvollen Spektakel zusammengestellt. Mich fasziniert immer wieder, wie lässig und geschickt diese Leute mit ihren Pferden umgehen. Selbst kleine Knirpse, die wahrscheinlich noch gar nicht richtig laufen können, reiten auf ihren Pferdchen durch die Gegend, als ob sie zusammengewachsen wären. Und – ich will es nicht verschweigen – es sieht auch verdammt cool aus, wenn die Mädels und Frauen einher geritten kommen (Fotos im Ordner "Exodo Jujeno").
Am Abend des 23. August gab es noch ein großes Fußballspektakel in der Stadt: der ansässige Club Gimnasia Jujuy spielte gegen River Plate Buenos Aires, eine Konstellation etwa wie Energie Cottbus gegen Bayern München. Man ertrotzte ein 2:2, war eigentlich kurz davor, den übermächtigen Gegner zu besiegen, ehe dann kurz vor Schluss doch noch der Ausgleichstreffer für River Plate fiel, und da ich keine Eintrittskarte mehr ergattern konnte, schaute ich mir das Spiel im TV an, und zwar in einer alten Autowerkstatt, die als Kneipe umgebaut wurde. Leider fiel ich sofort als „Auswärtiger“ auf, trotz meiner Vagabundenkluft, aber auf Grund des freudigen Ereignisses wurde mir verziehen, dass Deutschland während der Fußball-WM im vergangenen Jahr Argentinien rausgekegelt hatte. Es wurden sogar Lobeshymnen auf mein Land angestimmt, so dass ich fast schon ein bisschen stolz darauf war, ein Bewohner dieses wunder-, manchmal aber auch sonderbaren Landes im Herzen Europas zu sein.
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