Meine Argentinienreise 2007/2008

Projekt Schülerwohnheim Humahuaca - AYNI (26.-29.08.2007)

22:46, 3 September 2007 .. 0 Kommentare .. Link


In Humahuaca angekommen, ging ich einen weiteren Tipp nach (wieder mal einer meiner Freunde aus Buenos Aires) und suchte ein Schülerwohnheim auf, das von einer deutschen Organisation kofinanziert wird und der Unterbringung von Kinder und Jugendlichen indigener Astammung dient, die in weit entfernten Dörfern leben und unter den gegebenen Umständen keine Schule besuchen könnten (ich hatte bereits darüber berichtet). Statt der einen Nacht blieb ich fast 4 Tage hier. Geleitet wird das Projekt von Aldo Juarez, einem Sozialarbeiter aus Buenos Aires, der die Stadt aber längst hinter sich gelassen hat und seinen Bestimmung darin gefunden hat, das Internat auszubauen, den Jugendlichen eine Perspektive und ihnen vor allen Dingen den Stolz wiederzugeben, ein Indio zu sein. Aldo ist ein sehr strikter Typ mit klaren Vorstellungen. Da ich auch nicht gerade jemand bin, der den Leuten beim ersten Mal um den Hals fällt, brauchten wir 2 Tage, ehe wir zueinander fanden. Ich bewundere den Elan Aldos, der mit vielen Schwierigkeiten zu kämpfen hat: der Staat gibt kaum oder kein Geld, die Lokalverwaltung blockiert das Projekt, wo nur möglich (Stromabschaltung, keine Müllabfuhr, Bauauflagen), es ist schwer, zuverlässige Arbeiter für den Ausbau des Internates zu finden.

Momentan leben aber nur 2 Schüler im Internat. Für die Unterbringung der anderen fehlt einfach das Geld. Man will versuchen, über den Tourismus ein Geld einzuspielen, aber das dürfte schwer fallen angesichts der großen Konkurrenz an Hotels und Unterkünften im Dorf. Bis ins Wohnheim muss man einen guten Kilometer laufen, und die Wegweiser sind für den Wegunkundigen nur schwer zu erkennen. Werbetechnisch gibt es da noch großen Verbesserungsbedarf. Das Ambiente der Herberge ist allerdings ausgesprochen gut, inklusive der sehr sauberen sanitären Anlagen und der äußerst kulanten Preise für eine Übernachtung (15 Pesos = ca. 3,50 EUR).

Das Projekt soll weitesgehend autark funktionieren. Gekauft wird nur wenig, und wenn, dann nur Grundnahrungsmittel. Alles andere wird angebaut, gezüchtet und selbst hergestellt. Gegenwärtig tüftelt man an einer Solaranlage für die Warmwasserversorgung der Duschen. Konzipiert hat dies ein junger Mann aus Belgien.

Das Internat muss man sich als ein Geviert mit Innenhof vorstellen. Zwei Seiten dieses Vierecks sind bereits fertiggestellt, die anderen beiden Seiten harren noch des Ausbaus. Zum Zeitpunkt meines Aufenthalts wurde gerade das Dach der dritten Seite gedeckt (mittels Schilfrohr). Ich konnte mich kräftig daran beteiligen, in dem ich den ganzen Tag lang mittels einer Machete Schilfrohr behauen durfte. Am 28.08.07 kamen dann auch endlich die gewünschten Arbeiter, die die Wände verputzen und einen Türsturz einbauen sollten. Ihnen zu Ehren gab es am Abend des Tages ein zünftiges Asado mit ordentlich Grillfleisch auf den Tellern.

Für mich war dies eine außerordentlich lehrreiche Erfahrung. Man spricht ja immer gerne von „Toleranz“, wenn es darum geht, das eigene Verhältnis zu anderen Kulturen und Mentalitäten zu beschreiben. Aldo sagte immer, dass man den Jungens ein Vorbild sein und sie trotzdem, so wie sind, akzeptieren müsse. Da erinnerte ich mich an einen Text, den ich vor einiger Zeit gelesen hatte, indem ein Schweizer Philosph die „Toleranz“ als die Duldung einer Minderheit durch eine Mehrheit beschrieb, eine Duldung, die nur zeitweise Bestand hat und eher widerwillig ausgeübt wird. Sobald sich die Verhältnisse ändern, ist es vorbei mit der Toleranz (Beispiel „Minderheitsregierung“). Wenn also in Deutschland zur Toleranz gegenüber Ausländern aufgerufen wird, so wird meines Erachtens mit dem falschen Begriff hantiert – „Akzeptanz“ wäre richtig. Akzeptieren, nicht tolerieren!

Aldo bot mir an, zu bleiben, um beim Ausbau zu helfen. Zudem könnte die nahe gelegene Schule einen Englischlehrer gebrauchen. Ich konnte leider nicht annehmen, weil ich mich ja bereits für die Projekte in Córdoba verpflichtet hatte, aber wer weiß, was in den nächsten Wochen und Monaten passieren wird – zurückkehren werde ich auf jeden Fall noch einmal.

Hier noch mal der Link zur Website mit weiteren Informationen zum Projekt: projekt-schuelerwohnheim-argentinien.blogspot.com/

Im Ordner „Ayni Humahuaca“ findet ihr einige Bilder vom Projekt und seinen Mitstreitern.


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