Meine Argentinienreise 2007/2008 | |
Koka
20:05, 3 September 2007
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Wer in den Norden Argentiniens oder gar nach Bolivien fährt, wird nicht daran vorbeikommen. Überall auf den Märkten werden Kokablätter verkauft, meistens in kleinen grünen Tüten verpackt. Auch sieht man viele Menschen, die mit kleinen Hamsterbäckchen herumlaufen - ein sicheres Indiz für Koka“pfriem“. Als Auswärtiger schaut man erst mal ungläubig, dann kauft man ein Tütchen (Koka kostet fast nichts), und dann probiert man auch mal das Verbotene. Im Hinterkopf zirkuliert natürlich immer der Gedanke, dass man den ersten Schritt direkt in die Abhängigkeit getan hat. Und da schnappt auch schon die Gedankenfalle zu: Koka ist nicht gleich Kokain! Kokablätter haben Kokain als Bestandteil, allerdings mit einem Gehalt weniger als 1%. Hingegen haben sie viele Proteine und Kalzium, also Aufbaustoffe, die Muskelkraft und Ausdauer fördern. Für die Indios war und ist Koka schon immer ein wichtiger und ritueller Bestandteil des Lebens. Man brauchte Koka, um den Hunger zu betäuben und die schwere Arbeit zu überstehen, aber man nutzt Koka auch für rituelle Zwecke und in Gesellschaft (das sind dann keine Kaffee-, sondern Kokarunden). Kokain ist eine Erfindung des weißen Mannes und wird über chemische Verfahren hergestellt. Die Abhängigkeit von Kokain ist ebenfalls ein Problem des weißen Mannes bzw. der westlich orientierten Welt. Koka ist der Ausgangsstoff, das ist unbestritten, aber das dieser so verteufelt wird, hat andere Gründe, die man hier nachlesen kann: http://de.wikipedia.org/wiki/Cocastrauch Ich hatte, ehrlich gesagt, keine allzu klare Meinung zu dem Gebrauch von Koka gehabt, bevor ich ins Land gekommen bin. Für mich war die Kausalkette klar: Koka, Kokapaste, Kokain, kolumbianisches Drogenkartell, Milliardenumsätze, Gewalt und Tote. Das ist die Logik aus europäischer Sicht. Die Indios akzeptieren aber nicht, dass man ihnen mit diesen Argumenten einen wichtigen Teil ihres Lebens und somit ihrer Identität nehmen will. Es gibt hierzu eine äußert interessante und aufschlussreiche Argumentation „pro Koka“ auf der Website des bolivianischen Präsidenten Evo Morales (auf Deutsch!): http://www.evomorales.net/paginasDeu/coca_Deu_intro.aspx Der Anbau und Verbrauch von Koka wurde den Indios in den nördlichen Provinzen Argentiniens (Salta, Jujuy) immer zugebilligt. Ich bin mir nicht sicher, ob es offiziell erlaubt war, aber verboten war es nicht. Heutzutage, wo die Landflucht groß ist und viele Indios den kargen Norden in Richtung der Großstädte verlassen, nehmen sie auch einen Teil ihrer Gewohnheiten mit, so auch das Koka, so dass man mittlerweile auch in anderen Teilen des Landes Koka kaufen kann. Die Leute, mit denen ich gesprochen hatte, sagten mir, dass sie ungefähr ein Kilogramm Kokablätter im Monat brauchen. Man steckt sich Blatt um Blatt in den Mund, speichelt diese ordentlich ein, bis ein Brei daraus geworden ist und trägt diesen kleinen Batzen dann stundenlang mit sich herum. Es schmeckt so ein bisschen wie starker grüner Tee, hält tatsächlich einigermaßen fit, ist aber ungesund für die Zähne. Die färben sich bei regelmäßigem Gebrauch in Richtung grün und braun. Sieht man leider häufig bei den meisten älteren Indios.
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