Meine Argentinienreise 2007/2008

Wie ist Córdoba?

15:05, 16 September 2007 .. 0 Kommentare .. Link

Das kann ich, ehrlich gesagt, noch gar nicht so genau sagen. Wie ich vor 4 Wochen das erste Mal hier ankam, schlug ich ausgerechnet während eines verlängerten Wochenendes auf, wo die Stadt wie ausgestorben war. Nach den turbulenten Tagen in Buenos Aires war dies wie ein Starreschock. Dann verabschiedete ich mich erst mal auf meine Reise in den Norden.

Wieder zurück, hat sich mein Bild von der Stadt kräftig gewandelt. Das Zentrum ist eine einzige Shopping-Mall. Es gibt einige Fußgängerzonen, in denen sich ein Geschäft an das andere reiht. Selbst ich, der sich sonst nichts aus Shopping macht, bin erst mal staunend durch all diese Geschäfte gezogen. Nach drei oder vier Tagen aber nimmt die Begeisterung rapide ab. Dann ist der ganze Rummel nur noch lästig.

Córdoba ist eine Stadt mit 1,3 Millionen Einwohnern (im Großraum 1,8 Mio.), aber man hat nicht das Gefühl, in einer Großstadt zu sein. Das Bild bestimmen nicht die glitzernden Fassaden der Hochhäuser oder Prachtstraßen wie in Buenos Aires, sondern ein sich gleichmäßig über die Fläche erstreckendes Meer relativ niedriger Häuser (hie und da ragt mal ein steiler Zahn heraus) sowie eine Vielzahl von Kirchen im Zentrum.1573 gegründet und somit eine der ältesten Städte des Landes, wird sie auch „La Docta – Die Gelehrte“ genannt. Hier befindet sich eine der größten Universitäten Argentiniens (mehr als 80.000 Studierende). Ein ganzes Viertel nennt sich „Ciudad Universitaria“, und die jungen Leute prägen auch ganz deutlich das Stadtbild.

Es gibt aber auch noch andere interessante Viertel, die ich nach und nach erkunden will. Zu meinen bisher liebsten Orten gehört ganz klar die Gegend um den „Mercado Norte“. Hier gibt es zwar auch tausenderlei Geschäfte, die sind aber lange nicht so schnieke wie die im Zentrum, hier gibt’s Alt und Neu, meistens durcheinander gemischt, hier findet man noch einfache Kneipen und urige Cafés und im Markt sogar ein Fischrestaurant (was ganz Seltenes in Argentinien). In dieser Woche habe ich seit langem wieder deutsche Küche genossen – einen Megadöner! Wird hier als deutsch-türkische Spezialität angeboten und war nicht übel.

Kulturell wird auf jeden Fall eine Menge angeboten. Im Augenblick läuft gerade die Buchmesse auf der zentralen Plaza, bald folgen das „Festival Internacional de Teatro Mercosur“ (28.09.-07.10.), es gibt viele Theater und Bühnen, das Goethe-Institut feiert seine 40jährige Anwesenheit in der Stadt, hinzu gesellen sich diverse Museen, Kinos u.a. mehr. Ich hab’s immer nur im Vorbeigehen registriert, werde es mir aber bald aus der Nähe anschauen.

Also: Córdoba ist eine Stadt, die man sich „erlaufen“ muss. Hier stürzen die Ereignisse nicht auf einen ein wie in Buenos Aires, sondern man muss die Augen offen halten und danach suchen. Ich werde sicherlich noch ein bisschen Zeit brauchen, um es mir zu erschließen.

PS: Im Großen und Ganzen teilen sich die Menschen in Argentinien in vier Gruppen ein: Buenos Aires, der indigene Norden, die Pampa und der Süden (Patagonien). Der städtische Patriotismus ist hier weit verbreitet. Die Menschen wachsen in einer bestimmten Stadt auf, gehen dort zur Schule und bleiben oft auch zum Arbeiten oder Studieren. Man zieht selten in eine andere Stadt. Dementsprechend lobt man die Heimatstadt bei allen Gelegenheiten in den höchsten Tönen, schwärmt aber auch von anderen Städten (außer Buenos Aires!!), auch wenn man diese nie mit eigenen Augen gesehen hat. Viele Argentinier haben keine Möglichkeiten zum Reisen, auch nicht im eigenen Land, fragt man sie aber nach bestimmten Orten oder Gegenden, so folgt meistens ein verträumtes oder begeistertes „Que lindo!“ oder „Que hermoso!“ (Wie schön!). Darauf braucht man sich nicht verlassen. Das sagt man hier eben so, und besonders, wenn man dies nur vom Hörensagen kennt. Was alle Argentinier außerhalb der Capital Federal eint, ist ihre Abneigung gegenüber Buenos Aires. „Das ist nicht Argentinien!“, heißt es dann. Die „porteños“ sind für sie nur eingebildete Möchtegern-Europäer. Wie diese hingegen die Lage außerhalb der Hauptstadt einschätzen, kann man sich ausrechnen. Verlässt jemand Buenos Aires, dann meistens ganz und gar und mit dem Ziel, nie wieder zurück zu kehren. So jedenfalls mein Eindruck von den Leuten, die ich bisher kennen gelernt hatte.


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