Meine Argentinienreise 2007/2008 | |
Argentinien: 8,1 Millionen Menschen leben in Armut
10:31, 2 October 2007
.. 0 Kommentare
.. Link
Laut offizieller Verlautbarung des staatlichen Statistikamtes INDEC leben 8,1 Millionen Argentinier in Armut. Bei 39 Millionen Einwohnern sind dies knapp 23 % der Gesamtbevölkerung. Was für uns Mitteleuropäer wie eine Schreckensmeldung klingt, wird durch die Regierung in Argentinien als Erfolgsmeldung verkauft. Néstor Kirchner, seit 25. Mai 2003 im Amt, sagte: "Seit ich regiere, ging die Armut von 60 auf 23,4 Prozent zurück". Allerdings werden diese Zahlen durch viele Leute bezweifelt. Gerade in den vergangenen Monaten, wo die Preise kräftig angezogen haben, dürfte es schwer fallen, Menschen aus der Armut zu führen. Wenn man mit den Leuten spricht (gerade mit denen in den „villas“, wo wir vorvergangene Woche die Häuser gebaut haben), so lautet die einhellige Meinung, dass das Leben von Tag zu Tag schwerer wird und man mit dem ohnehin schon wenigen Geld kaum noch über die Runden kommt. Es ist sicherlich kein Zufall, dass die Regierung wenige Wochen vor den Wahlen mit solchen Erfolgsmeldungen aufwartet. Neben diesen Meldungen greift man auch zu anderen Methoden, um die Leute für sich zu gewinnen. Politiker ziehen gerne mal die Spendierhosen an, gehen in die Viertel und verteilen Geschenke, lassen Bauarbeitertrupps anrücken, damit diese die löchrige Straße flicken oder eine marode Schule sanieren, oder es werden gar Häuser an Bedürftige übergeben – kostenlos, versteht sich. Das nennt man hier „asistencialismo“ und ist spätestens seit Peron’s Zeiten ein bewährtes Mittel, die Leute bei der Stange und vor allen Dingen ruhig zu halten. Letzten Endes führt dies dazu, dass die Leute, die in Armut leben, ihr Leben nicht in die eigene Hand nehmen (was zweifelsohne schon schwierig genug ist), sondern sich darauf verlassen, dass sie gelegentlich durch die Politik alimentiert werden – und sei es nur kurz vor den Wahlen. Den hiesigen Hilfsorganisationen fällt es schwer, gegen diese Einstellung anzukommen, denn Un Techo Para Mi Pais beispielsweise will die Leute aktiv einbinden, verlangt Engamenent und Eigenbeteiligung beim Hausbau, und da wundert es nicht, wenn die Leute in den „villas“ mitunter offenherzig sagen, dass sie lieber darauf warten, ein Haus von der Regierung geschenkt zu bekommen, als selber eines zu bauen. Auf jeden Fall ist die Armut ein offensichtliches Problem in Argentinien. Als Tourist wird man daran nicht vorbeikommen, und auch wenn man die Augen davor verschließen möchte, so kann man trotzdem von den Auswirkungen der Armut betroffen werden – nämlich der Kriminalität. Raub und Diebstahl sind alltäglich. Es gibt Gegenden, wo man sich als Tourist nicht blicken lassen sollte. Man sollte keine Gegenwehr leisten, falls man auf der Straße „abezogen“ wird, da die Räuber meistens bewaffnet sind und die Hemmschwelle gering ist. Man sollte seine Wertsachen sicher deponieren und nicht mit sich herumtragen. Man sollte immer auf eine solche Möglichkeit vorbereitet sein. Man sollte wissen, dass dann körperliche Unversehrtheit mit einem gewissen materiellen Verlust beglichen wird. Wer das im Hinterkopf behält, der wird sich sicher und ungestört durchs Land bewegen können. Mein Credo lautet: je mehr Leute ihr kennt, um so mehr sichere Häfen habt ihr für euch und euer Zeugs.
Hier noch ein Link zu einem aktuellen Artikel: camillalandboe.blogspot.com/2007/10/berflle-in-wohnoasen-sehr-angestiegen.html Kommentar hinterlassen { Vorherige Seite } { Seite 109 von 180 } { Nächste Seite } |
Über michProfil Archiv Freunde Fotoalbum LinksArgentina OnlineCouchSurfing Zackenbahn Jean Béliveau Un Techo Para Mi Pais Argentina VCDB Henryk Wolski Weltenbummler2003 Tango in Córdoba Projekt AYNI Argentinien - Politik & Gesellschaft Blog de Mujer RausVonZuHaus-Argentinien Silvia Lareo-Vázquez Karpatenwilli Rennkuckuck Dorit auf Reisen Meiner Brueder Tischlerei KategorienArgentinienReisen Letzte EinträgeThe end? This is not the end, my friend!¡Adios Argentina! Ein neues Zeitalter ist angebrochen! Chau Córdoba (zum Zweiten!) Wieder in Córdoba Construcción mit Un Techo Para Mi País – meine Dritte La ciudad de mis sueños... Jack Kerouac hat mir den Arsch gerettet... Wieder in Cochabamba Von Huancayo nach La Paz Un Techo Para Mi País - construcción vom 23.-25. Mai Von Lima nach Huancayo auf der hoechsten Gebirgsstrecke der Welt Von Quito nach Lima Mitad del Mundo Calvin & Hobbes en castellano Der Panamahut... El Tren de la Libertad Im ecuadorianisch-kolumbianischen Grenzgebiet Mitten durch Ecuador - von Sued nach Nord Peru - eine Abrechnung Freundesemiperfectusmequegua88 Dorit datha |