Meine Argentinienreise 2007/2008

Deutsche Einwanderer – die Geschichte der Bäckerei Rein

10:36, 11 October 2007 .. 2 Kommentare .. Link

Ich bin immer auf der Suche nach interessanten Lebensläufen – besonders nach denen von Deutschen, die in der Ferne ihr Glück suchten – und fand einen solchen in der Bäckerei Rein in Villa General Belgrano:

 

Adam Rein kam 1926 nach Argentinien. In Deutschland hatte er in einer Mühle gearbeitet; in Argentinien hingegen verdingte es sich auf dem Bau. Mit dem erspartem Geld konnte er bald seine Frau Julia Szabo Schneider und seinen Sohn Adam jr. nachholen. 1930 siedelten sie nach Villa General Belgrano über, wo sie einige Hektar Land kauften. Auf diesem befand sich eine Ranch, die als Geschäft für Obst und Gemüse umfunktioniert wurde. Im Jahre 1931 wurde seine Tochter Catalina geboren. Mit dem Bau seines Hauses begann er seine Geschäftstätigkeiten auszuweiten und versuchte sich ab 1936 als Bäcker. Das Brot buk er in einem kleinen Ofen, der im Freien stand, bald schon aber hatte er eine Backstube mit einem Brennholzofen eingerichtet.

 

1940 kamen einige Matrosen der Besatzung des 1939 vor Montevideo versenkten Panzerschiffs „Admiral Graf Spee“ in Villa General Belgrano an, unter ihnen auch der Bordbäcker Erich Köthe sowie ein gewisser Heinrich Nissen. Beide verdingten sich in der Bäckerei Rein. Köthe war es, der mit seiner Berufserfahrung das Sortiment erweiterte und z.B. das Schwarzbrot einführte, was auch heute noch eine Spezialität des Hauses ist. Bis 1941 wurde alles mit Hand geknetet, dann schaffte man sich eine Knetmaschine an, die auch heute noch funktioniert.

1954 übernahm Adam Rein jr. die Leitung die Bäckerei. Er war  mit Eva Salzig-Köhler verheiratet, die nach dem 2. Weltkrieg nach Argentinien auswanderte. Diese erweiteren das Angebot der Bäckerei. Man probierte viele neue Rezepturen aus, bot nun auch Marmeladen und den berühmten Dresdner Stollen an. Letzterer ist ein echter Verkaufsschlager und wird nicht nur in der Weihnachtszeit, sondern das ganze Jahr über angeboten.

1975 setzte sich Adam Rein sr. zur Ruhe. Sein Sohn führte die Bäckerei bis 1987 und übergab das Geschäft dann an seinen Sohn Peter, der auch heute noch die Tradition der Bäckerei Rein weiterführt.

 


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Deutsche in Villa Gen. Belgrano

20:44, 24 October 2007 .. Geschrieben von Anonymous
Besteht die Bevölkerung von Villa Gen. Belgrano nicht nur aus Ueberlebenden der „Graf Spee" und deren Nachkommen?
Also im „South American Handbook" liest sich das so:
This completely German town was founded by the surviving interned (aha, damals gabs auch schon Internet) seamen from the Graf Spee.


Antwort vom Autor

16:49, 27 October 2007 .. Geschrieben von Thomas Kunze
Nein, der Ort wurde bereits Anfang der 1930er Jahre von zwei Deutschen, Paul Friedrich Heintze und Georg (Jorge) Kappuhn, gegründet. Die kauften das Gelände, parzellierten es und boten es in Europa an. Die Einwanderer kamen u.a. aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, der Tschechoslowakei und aus Ungarn. Einige Matrosen der „Graf Spee“ kamen 1941 (andere Quellen sagen 1943) in Villa Gral. Belgrano an, und offensichtlich eben aus dem Grund, weil es eine deutsche Siedlung war. Heute leben dort knapp 6.000 Menschen, und mein Eindruck war, dass die übergroße Mehrzahl italienisch- oder spanischstämmig ist. Diese ganzen Fiestas wie „Oktoberfest“, „Fest der Wiener Torten“ oder „Fest der Alpenmilchschokolade“ begannen erst in den 1960er Jahren. Es dürfte kaum noch Leute geben, die in Europa geboren sind. Ich habe zwei alte Damen getroffen, die in einem deutschen Seniorenheim leben. Die waren beide fast 80 Jahre alt, eine Wolgadeutsche und eine Schwarzwälderin, aber beide bereits in Argentinien geboren.

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