Meine Argentinienreise 2007/2008 | |
Renitentes Argentinien
09:53, 19 October 2007
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![]() Die Argentinier sind ein renitentes Völkchen. Das mag in der Geschichte der Einwanderer liegen, denn hier treffen die durchaus artikulationsfreudigen Spanier und Italiener mit Revolutionären und Revoluzzern, Trotzkisten, Anarchisten, Freigeistern und sonstigen Querdenkern zusammen, die in ihren Ländern politisch unterdrückt oder verfolgt wurden und deswegen ans andere Ende der Welt flohen. Wer länger als ein paar Tage im Lande ist, wird mit Sicherheit in eine „piquete“ (Straßenblockade) oder irgendeine Demonstration geraten. Oft ist es sogar so, dass eine Demonstration postwendend eine Gegendemonstration hervorruft, und man sagte mir, dass es sogar schon Gegen-Gegendemonstrationen gegeben haben soll. Ein großes Thema zurzeit ist die galoppierende Inflation. Die Regierung weigert sich beharrlich, diese zuzugeben. So kurz vor den Wahlen aus taktischen Gründen verständlich, aber eben unehrlich und ignorant. Offiziell beträgt die monatliche Inflationsrate 0,8 % für das ganze Land. Die Regierung erwartet nicht mehr als 9 % total für das gesamte Jahr. Inoffiziell geht man aber davon aus, dass die Inflationsrate doppelt so hoch ist. Die Menschen spüren das beim Einkauf, denn die Preise zogen gewaltig an. Ein Brot kostete beispielsweise im Januar $ 2,50, jetzt sind es bereits $ 3,30. Vor allen Dingen Obst und Gemüse sind teuer geworden, und das haut angesichts der hiesigen Küche große Löcher ins Portemonnaie. Als die Preise für das Kilo Tomaten kürzlich auf sagenhafte $ 20 stieg (sonst sind es weniger als $ 5), riss den Leuten der Geduldsfaden. Kurzerhand wurden die Tomaten boykottiert, bis die Preise auf ein erträgliches Maß zurückgestuft werden. Die Regierung intervenierte, und über Nacht sanken die Preise um mehr als die Hälfte. Mehr dazu hier: camillalandboe.blogspot.com/2007/10/tomaten-boykott-trgt-frchte.html Natürlich ist dies keine Lösung für die ökonomischen Probleme, aber man muss anerkennen, dass die Leute sich zu wehren wissen. Mich wundert ohnehin, wieso diese Energie nicht ausreicht, all diese korrupten, populistischen und demagogischen Politiker hinwegzupusten und die zutiefst ungerechte soziale Situation im Land zu verändern. Ansätze hierfür erlebe ich ja gerade während meiner Arbeit für Un Techo Para Mi Pais. Irgendwo aber gibt es eine Stelle, wo alle revolutionäre Energie verpufft. Wo und wieso, das muss ich noch herausfinden. Einen Tipp für die Lösung des unsäglichen Waldschlösschenbrücken-Streits kann ich aber geben. Hier in Argentinien macht man das so:
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