Meine Argentinienreise 2007/2008 | |
Trolleybusfahren in Córdoba
09:53, 2 November 2007
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Ich habe mich schon lange nicht mehr zu verkehrspolitischen Themen geäußert – zum einen aus Rücksicht auf meine Freunde, die nicht meiner Berufsgruppe entstammen, andererseits gibt es nicht wirklich Atemberaubendes aus dem Lande zu berichten. Die Autos sind hier die vorherrschenden Spezies, und zu den Verkehrsregeln hatte ich mich ja schon geäußert. Will man sich innerstädtisch fortbewegen, kann man den „collectivo“ nehmen, also den Bus, man muss aber genau wissen, mit welcher Linie man wohin gelangen kann. Es gibt keinen Liniennetzplan und Fahrpläne, selbst die Haltestellen sind oft nicht als solche zu erkennen. Für mich völlig undurchsichtig, deswegen fahre ich selten Bus. Eine andere Variante ist das Taxi, von denen es Tausende in der Stadt gibt. Manchmal sausen ganze Flotillen gelber oder grüner Taxis an einem vorbei. Eine Taxifahrt ist nicht teuer. Für die 3 km bis ins Zentrum zahlt man weniger als 5 Peso, also knapp über einen Euro. Hier ist es durchaus üblich, dass mehrere Leute an der Haltestelle auf einen Bus warten, der ewig nicht kommt, um sich dann zu einer Taxifahrgemeinschaft zusammen zu schließen. Pro Kopf kommt man nicht wesentlich teurer als die 1,20 Peso für eine reguläre Busfahrt. In Córdoba gibt es aber doch ein Phänomen, nämlich den Trolleybus. Der ist an sich nichts Außergewöhnliches, aber hier in Córdoba werden diese Trolleys ausschließlich von Frauen gelenkt. Als das vor einigen Jahren begann, ging das natürlich gegen die Ehre der männlichen Busfahrer (ich kann mich nicht entsinnen, jemals eine weibliche Busfahrerin gesehen zu haben). Die drangsalierten oder blockierten mit ihren dieselgetriebenen Kisten die Trolleybusse, die auf Grund der Fahrleitung mehr oder weniger in der Spur bleiben mussten. Aber letztendlich setzten sich die Frauen durch und sichern heute den Betrieb auf 4 Linien kreuz und quer durch die Stadt. Ich fahre fast ausschließlich O-Bus, weil ich anhand der Oberleitungsstrippen immer die Fahrtroute identifizieren kann. Was den Fahrstil betrifft, so haben manche Damen durchaus einen Blei-, respektive Stromfuß. Wer sich nach erfolgtem Einstieg nicht sofort festhält, wird pronto einige Reihen nach hinten durchgereicht.
Die Fahrzeuge sind ebenfalls interessant, denn diese stammen aus Italien und – man höre und staune – aus der verblichenen Sowjetunion. Man erzählte mir, wie irritierend es war, als die Busse angeliefert wurden und kein Mensch die kyrillischen Schriftzeichen identifizieren konnte. Selbst die Handbücher und Bedienungsanleitungen waren in der Sprache unserer sowjetischen Klassenbrü… ääh, in Russisch abgefasst.
Wer glaubt, dass dies das einzige deja-vu ist, was einem hier so begegnet, der sollte sich folgendes Kunstwerk anschauen. Helft mir mal auf die Sprünge, aber das sieht doch verdammt nach einem Thema aus, über das wir als Junge Pioniere im Fach „Kunsterziehung“ referieren mussten. Um das noch zu toppen: dieses Fresko befindet sich an der Außenmauer einer Kirche. Manchmal kommt aber auch alles zusammen…
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