Meine Argentinienreise 2007/2008 | |
Das Eisenbahnwesen entwickelt sich…
19:16, 13 November 2007
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![]() ..was angesichts des aktuellen Zustand desselben in Córdoba kein Problem sein dürfte, denn so marode war ja nicht mal die Deutsche Reichsbahn in ihren schlimmsten Zeiten. Ich habe eine Weile gebraucht, um überhaupt zu verstehen, ob und was hier noch fährt.
Es gibt einen recht repräsentativen Bahnhof, die Estación Mitre, ein beeindruckender Bau voller Erinnerungen an die guten alten Zeiten, wo das Reisen mit der Bahn noch Luxus war: gusseiserne Schilder, Jalousien der Firma „Jay & Jalliffier“ aus Grenoble, Mosaikfußboden, Messinghandläufe, kunstvoll geschwungene und geniete Eisenkonstruktionen – aber alles verlassen und abgesperrt.
Zwei Mal die Woche fährt ein Zug nach Buenos Aires, ansonsten steht draußen auf den Gleisen nur Schrott herum. Die eisenbahntechnische Ausrüstung, wie z.B. die Gleise und Weichen, die Signale und andere Sicherungstechnik, wurde von den Engländern errichtet. So kann man hie und da auf den Mastspitzen der Signale noch ein Krönchen erkennen.
Das rollende Material ist hingegen typisch amerikanisch. In Argentinien fährt man auf Breitspur 1.676 mm Spurweite, breiter noch als die russische Spur, aber es gibt auch viele Schmalspurlinien, auf denen wie überall im Lande überwiegend Frachtverkehr, weniger Personenverkehr, betrieben wird. Einer der letzten Vertreter aus der Zeit des schwunghaften Personenverkehrs dürfte dieser Triebzug sein, der in den 1950er Jahren von der ungarischen Firma GANZ geliefert wurde, damals hochmodern, und nun in Córdoba vor sich hinrostet.
Trotz dieser deprimierenden Lage spricht man davon, die Strecke von Córdoba über Rosario nach Buenos Aires für Hochgeschwindigkeitszüge zu ertüchtigen. Man mag es gar nicht glauben, aber die Ausschreibung für den Bau einer weiteren Strecke, nämlich die von Buenos Aires nach Mar del Plata, ist eben gerade veröffentlich worden. Für die Strecke von Córdoba nach der Hauptstadt, die 710 km lang ist, würde es sich lohnen, denn die aktuelle Fahrtzeit der Züge beträgt mehr als 15 Stunden (per Bus sind es rund 10 Stunden). Per tren de alta velocidad soll die Distanz dann in nur 5 Stunden überwunden werden.
Wenn man die hiesige Mentalität kennt, mag man nicht glauben, dass diese Projekte in einer endlichen Zeit umgesetzt werden. Dafür gibt es zu viele politische Entscheidungsträger, die Sand ins Getriebe streuen, so sie denn ihre Interessen nicht ausreichend berücksichtigt sehen (siehe auch den aktuellen Hickhack um die Zellulosefabrik „Botnia“). Aus diesem Grund müsste jede Firma, die hier vor Ort an diesen Projekten mittut, auch einen langen Atem haben, um nach und nach den Boden für eine erfolgreiche Umsetzung der Projekte zu bereiten. Im Gespräch für die Lieferung der Hochgeschwindigkeitszüge für diese Strecken ist die Firma Alstom aus Frankreich, die den TGV herstellt, aber auch moderne Niederflurstraßenbahnen. Ausgerechnet von letzteren sind seit einigen Monaten zwei Einheiten auf Kosten der Firma auf einer Probestrecke in Buenos Aires im Einsatz. Die Franzosen sind in diesen Belangen ein bisschen beweglicher und einfallsreicher als die deutsche Konkurrenz, und man kann davon ausgehen, dass die Auschreibung für Ausrüstung und rollendes Material für diese Strecken auch an die Franzosen gehen wird. Eine aktuelle Studie beschreibt übrigens die Region Mittel- und Südamerika, als „eine der dynamischsten der Welt, die sich durch wachsende Nachfrage nach bahntechnischem Equipment auszeichent. Westeuropäische Unternehmen haben traditionell in diesem Segment aufgrund der hohen Qualität und Zuverlässigkeit ihrer Produkte ein gutes Standing. Die Region Mittel- und Südamerika gehört zu den weltweit am stärksten wachsenden Märkten für Bahntechnik… auch im Schienenpersonenverkehr (sind) in dieser Region zukünftig größere Beschaffungen zu erwarten. Allein aus umweltschutztechnischen Gründen sind Erweiterungen der Metro-und Stadtbahnsysteme in Zukunft zu erwarten. Die mittel-und südamerikanischen Staaten weisen demzufolge eine starke Nachfrage nach bahntechnischen Produkten auf, verfügen aber selbst nur über eine geringe eigene Industrie. Dies macht die Region als "Hidden Champion" nach den großen asiatischen Staaten und Russland sehr attraktiv.“ (Quelle: SCI Verkehr) ![]() Kommentar hinterlassen { Vorherige Seite } { Seite 85 von 180 } { Nächste Seite } |
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