Meine Argentinienreise 2007/2008 | |
Von einer Elendsiedlung, die ein Stadtviertel werden möchte
09:02, 22 November 2007
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Die Rede ist von unserem „villa“ Campo de la Ribero, in dem wir im September 30 Häuser errichtet hatten und dessen Entwicklung ich seither sehr interessiert verfolge. Nach dem Bau der Häuser gab es einige weitere Treffen zwischen den dortigen Bewohnern und den Freiwilligen von Un Techo Para Mi Pais. So trafen wir uns Mitte Oktober alle gemeinsam zu einer „choripaneade“, zu einer Grillwurstfete. Zudem pflegt jedes „cuadrilla“, also jedes Team, das für den Bau eines Hauses zuständig war, individuelle Beziehungen zu den jeweiligen Familien. Man trifft sich gelegentlich, um den Kontakt aufrecht zu erhalten und die weiteren Schritte der „intervención social“ zu planen. Vorvergangenen Samstag beispielsweise traf sich meine cuadrilla mit Sandra und ihrer Familie zum Mittagessen. Vergangenen Samstag sollten die Häuser eigentlich gegen die Hitze gedämmt werden, aber leider stand das Baumaterial nicht rechtzeitig zur Verfügung. So verbrachten wir den Tag damit, die Holzpaneele zu imprägnieren, Reparaturen durchzuführen und vor allen Dingen das neue Umweltbewusstsein der Leute zu bestaunen. In einer von den Bewohnern geplanten Aktion wurde die gesamte Freifläche inmitten des Viertels vom Unrat befreit.
An vielen Stellen des Viertels findet man jetzt Abfalltonnen, die regelmäßig geleert werden. Über diese bemerkenswerte Aktion berichtete sogar die auflagenstarke Zeitung „La Voz del Interior“. Es wird zwar noch eine Weile dauern, bis der in Jahren angesammelte Müll verschwunden sein wird, aber ein erster Schritt wurde getan, dieses Bewusstsein dauerhaft in den Köpfen der Menschen zu verankern.
Desweiteren hat man nun einige der mehr schlecht als rechten Wege im Viertel „getauft“ – hat ihnen einen Straßennamen gegeben. Die entsprechenden Schilder wurden am vergangenen Wochenende eingeschlagen und bemalt.
Meine Arbeit für Un Techo Para Mi País ist nun so gut wie geschafft. Ich werde am kommenden Wochenende, dem vorerst letzten, das ich in Córdoba verbringe, noch an der Aktion zur Wärmdedämmung der Häuser teilnehmen und kann jetzt schon sagen, dass ich an einigen Arbeiten beteiligt war, die meine Anwesenheit in Córdoba überdauern wird. Die Website von Un Techo Para Mi País Argentina ist nun auch auf Deutsch verfügbar, ich habe an dem Bau zweier solider Häuser mitgewirkt, konnte einige Quellen ausfindig machen, über die man finanzielle Unterstützung erlangt und konnte zudem, aufbauend auf meinen Erfahrungen von zwei „construcciónes“, einige bautechnische und technologische Verbesserungsvorschläge anbringen, die im neuen Handbuch für den Bau der Häuser berücksichtigt werden.
Für mich waren diese drei Monate für und mit Un Techo Para Mi País eine sehr interessante und lehrreiche Zeit, in der ich viele engagierte und enthusiastische junge Menschen kennen lernte, deren Elan und deren Visionen absolut überzeugend und ansteckend sind. Ich glaube fest, dass sie wirklich etwas bewegen und verändern werden. Dafür wird ein langer Atem nötig sein, aber ich traue ihnen das zu. Wer die Möglichkeiten und die Zeit hat, sollte sich diese Begegnung mit der Welt der Armut nicht entgehen lassen. Ich glaube zwar nicht, dass diese Erfahrungen unsereins aus den reichen Ländern grundlegend verändern, aber zumindest weiß man dann zu schätzen, was es heißt, über eine gute Ausbildung, eine Wohnung, eine Arbeit und all die zivilisatorischen Errungenschaften zu verfügen, die ein weitgehend freies und selbstbestimmtes Leben ermöglichen.
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