Meine Argentinienreise 2007/2008

Chau Córdoba

18:00, 9 December 2007 .. 0 Kommentare .. Link
Ich bin wieder in Buenos Aires – mi querido Buen Ayre! Diese Stadt hat mich gleich nach meiner Ankunft wieder fest ergriffen und mir gezeigt, was der Unterschied zwischen einer pulsierenden Metropole und einer Provinzhauptstadt ist. Buenos Aires und Córdoba können unterschiedlicher nicht sein. Fragt man die Leute in Córdoba, was ihnen an ihrer Stadt gefällt, so antworten sie meistens: es ist so schön ruhig. Und genau das ist es, was an dieser eigentlich großen Stadt – immerhin anderthalb Millionen Einwohner – langweilt: alles ist übersichtlich. Mein Reiseführer sagt, „das Stadtzentrum ist sehr kompakt, es gruppiert sich um die Plaza San Martin und reicht von dort eigentlich nicht viel weiter als 5 Blocks in jede Richtung“. Der Rest ist ein Meer aus Häusern, das sich nach allen Himmelrichtungen ausbreitet.

Ich bin mit der Stadt nicht so richtig warm geworden. Ich mag die Menschen in Córdoba; sie sind freundlich, aufgeschlossen und witzig. Ich habe in den drei Monaten dort viele Leute kennen gelernt, besonders über Un Techo Para Mi País. Manchmal grüßt mich jemand auf der Straße, und ich weiß mal wieder nicht, von woher ich ihn oder sie kenne. Von dieser Seite betrachtet, ist Córdoba eine großartige Stadt, wahrscheinlich besser als Buenos Aires, wo man im Strom der Menschen leicht untergehen kann. Aber die Stadt hat mich nicht richtig einnehmen können. Ich suche ja immer nach den besonderen Stellen, an denen ich mich verorten und vertauen kann: die Orte, an denen ich meinen täglichen Ritualen nachgehe (Café, Zeitungskiosk, Bäckerei, der kleine Laden um die Ecke, die Kneipe am Abend…), Orte, wo Menschen kommen und gehen (Bahnhöfe, Märkte), Gebäude, die Geschichte atmen, Flair und Ambiente, Gegensätzlichkeiten – all das muss man in Córdoba lange suchen, all das wird einem in Buenos Aires vor die Füße geworfen.

Córdobas historisches Kapital sind die Kirchen und die Estancias der Jesuiten im Kolonialstil, und es gibt einige sehr beeindruckende Gotteshäuser in der Stadt, wem aber nicht nach Weihrauch ist, der hat es schwer, andere architektonische Sehenswürdigkeiten zu finden. Es gibt durchaus reizende Gebäude im Kolonialstil, aber auch Art Deco oder Bauhaus, allerdings sind diese meistens „verbaut“, d.h. sie werden von anderen Gebäuden dominiert oder sind durch großflächige Werbung verdeckt.

Nach langer Suche (und nachdem ich schon einige Mal vorbeigelaufen war, ohne es zu bemerken), fand ich doch noch ein Kleinod: das „La Mundial“, eines der schmalsten Häuser der Welt, in den 1920er Jahren von einem französischen Architekten entworfen. Die Geschichte geht so, dass dieses Gebäude eigentlich von zwei Brüdern gebaut werden sollte, diese sich aber so zerstritten, dass der eine dem anderen seinen Anteil an Grund und Boden partout nicht zum Bau des bereits geplanten Gebäudes übereignen wollte, so dass der andere zum Trotz das Haus bauen ließ, allerdings in der Schmalversion, vielleicht mit der Option, es nachträglich zu verbreitern.

Ansonsten sehen die Häuser, die die Stadt prägen, so aus:

Meine letzten Tage in der Stadt nutzte ich noch einmal zum ausgiebigen Spazierengehen durch die Straßen, einem letzten Blick auf die Orte, die mir vertraut geworden waren und zur Verabschiedung von meinen Freunden.

Am Abend des 5. Dezembers bestieg ich den Zug nach Buenos Aires, der mich nach 15stündiger Fahrt am Mittag des darauf folgenden Tages mitsamt meiner schweren Tasche in die große Metropole entließ.

Ich habe eine Wohnung in San Telmo gemietet, mitten in dem Viertel, wo des nachts am meisten Leben auf den Straßen und in den Lokalen ist, und habe die kommenden Tage Zeit genug, wieder durch die Stadt zu streifen und abends zum Tango zu gehen. Gleich hier um die Ecke ist ein nettes Café, wo man am Morgen seinen cafe con leche trinken und endlos Zeitung lesen kann, es gibt noch einiges in der Wohnung zu tun, wo ich helfen kann, und ich habe noch ein paar kulturelle Aktivitäten auf meiner Liste stehen, die ich am Juli/August nicht „abarbeiten“ konnte. Vor langer Weile werde ich diese Woche garantiert nicht sterben…


Kommentar hinterlassen

{ Vorherige Seite } { Seite 76 von 180 } { Nächste Seite }

Über mich

Home
Profil
Archiv
Freunde
Fotoalbum

Links

Argentina Online
CouchSurfing
Zackenbahn
Jean Béliveau
Un Techo Para Mi Pais Argentina
VCDB
Henryk Wolski
Weltenbummler2003
Tango in Córdoba
Projekt AYNI
Argentinien - Politik & Gesellschaft
Blog de Mujer
RausVonZuHaus-Argentinien
Silvia Lareo-Vázquez
Karpatenwilli
Rennkuckuck
Dorit auf Reisen
Meiner Brueder Tischlerei

Kategorien

Argentinien
Reisen

Letzte Einträge

The end? This is not the end, my friend!
¡Adios Argentina!
Ein neues Zeitalter ist angebrochen!
Chau Córdoba (zum Zweiten!)
Wieder in Córdoba
Construcción mit Un Techo Para Mi País – meine Dritte
La ciudad de mis sueños...
Jack Kerouac hat mir den Arsch gerettet...
Wieder in Cochabamba
Von Huancayo nach La Paz
Un Techo Para Mi País - construcción vom 23.-25. Mai
Von Lima nach Huancayo auf der hoechsten Gebirgsstrecke der Welt
Von Quito nach Lima
Mitad del Mundo
Calvin & Hobbes en castellano
Der Panamahut...
El Tren de la Libertad
Im ecuadorianisch-kolumbianischen Grenzgebiet
Mitten durch Ecuador - von Sued nach Nord
Peru - eine Abrechnung

Freunde

semiperfectus
mequegua88
Dorit
datha