Meine Argentinienreise 2007/2008

Wasserstandsmeldungen

16:51, 8 January 2008 .. 0 Kommentare .. Link
Seit einigen Tagen hat eine Hitzewelle die Stadt und auch uns im Griff. Gegen Mittag haben wir hier knapp unter 40° C, die Luft ist stickig, kaum ein Lüftchen bewegt sich, und falls doch eine Brise um die Ecke kommt, hat man das Gefühl, ein Heißluftfön bläst uns direkt ins Gesicht. Wer am Mittag und Nachmittag auf die Straße geht, hat selber Schuld. Das ist der Hochsommer in Buenos Aires, vor dem uns alle gewarnt hatten. Januar/Februar ist es am schlimmsten, dann fällt öfters die Wasserversorgung zusammen oder der Strom aus. Uns hat es bisher noch nicht getroffen, aber in anderen Stadtteilen ist die täglich der Fall.

Wenn möglich, bleiben wir tagsüber in überdachten Räumlichkeiten mit Klimaanlage oder bewegen uns nur per U-Bahn durch die Stadt. Erst gegen Abend, so ab 18 oder 19 Uhr, kann man sich wieder auf die Straßen wagen. Und wenn man dann in den Online-Nachrichten von Blitzeis in Deutschland liest, wünscht man sich fast, dass dieses doch bitte mal für einen Tag über den Atlantik nach Argentinien käme. Ich wäre bestimmt nicht der Einzige, der sich herzlich bedanken würde.

Diese Hitzewelle wird uns jedoch glücklicherweise nicht mehr lange vergönnt sein. Am Donnerstagabend werde ich per Bus zu einer langen Reise in den Süden nach Patagonien aufbrechen. 36 Stunden Fahrt stehen mir bevor – von Buenos Aires nach Rio Gallegos kurz vor der Magellanstraße an der Südspitze Argentiniens. Von dort geht es dann weiter nach El Calafate, das der Ausgangspunkt für eine mehrtägige Trekkingtour in die faszinierende Berg- und Gletscherwelt des Nationalparks „Los Glaciares“ um den Mount Fitz Roy sein wird. Hier war ich schon mal vor 4 Jahren, und das war unbestritten der Höhepunkt unserer ersten Reise durch Argentinien. Damals hatten wir nur geschnuppert und jetzt will ich es richtig genießen.

Momentan herrschen moderate Temperaturen in Südpatagonien. Tagsüber wird es bis zu 20° C warm, was meiner Natur eher entgegen kommt als die heißen Tage im Norden. Nachts kühlt es bis auf 5° C ab. Was Wind und Regen beizutragen haben, werde ich sehen. Im Allgemeinen heißt es ja, dass man in Patagonien alle vier Jahreszeiten erleben kann – an einem einzigen Tag. Ich bin sehr gespannt auf die Landschaft, die ich noch nirgendwo so erhaben und majestätisch gesehen habe, auf das berühmte patagonische Licht und die nicht minder berühmten Wolkenspiele, die man besonders an den Abenden beobachten kann. Ich will versuchen, den einen oder anderen magischen Augenblick mit der Kamera einzufangen.

Was die Trekking-Route betrifft, so habe ich schon meine Vorstellungen. Eine Nacht will ich unbedingt am Fuße des Gletschers Perito Moreno verbringen. Ich will das Knirschen und Knacken des Eises hören, das schon am Tag Furcht einflößend genug ist. Die Trekkingtour selbst soll mich an den Fuß des Mount Fitz Roy führen, und zwar von verschiedenen Seiten: erst von Süden entlang des Gletschers Torre, dann von Osten, wo man nach einer anstrengenden Kletterei über Geröll und lose Steine die Laguna de Los 3 erreicht und dann von Norden, wo man über den Paso del Cuadrado den Fitz Roy und seine Berggesellen bestaunen kann. Das dauert etwa 4-5 Tage.

Ich habe jetzt noch keinen festen Plan für die Tage danach. Ich habe dann noch etwa 10 Tage Zeit, und es gibt noch ein paar Trekkingrouten, die mich interessieren. Ich werde dies aber von den Gegebenheiten abhängig machen. Wer weiß, was bis dahin noch alles passiert, wen man so trifft und was sich ergibt. Ich muss nur eines im Auge behalten: am 4. Februar kommt meine Familie zu Besuch. Da muss ich wieder in Buenos Aires sein.

So, jetzt ist es bald 17 Uhr und eine kleine, frische Brise kommt auf. Bald wird es wieder an der Tür zur Terrasse kratzen, denn wir haben hier ein paar kleine, bepelzte Freunde gewonnen, die uns regelmäßig besuchen kommen, weil es leckeres Futter und Streicheleinheiten gibt. Es sind Straßenkatzen, und wir haben auch nur zwei der bisweilen sechs oder sieben verschiedenen Miniatur-Tiger dazu bewegen können, uns an sie heranzulassen; alle anderen nehmen sofort Reißaus, wenn wir uns nähern, aber Stück für Stück gewinnen wir das Vertrauen der Katzen, denen wir schon Namen verpasst haben: „Jule“ und „Leila“, die beiden neugierigen Katzenmädchen, die durch unsere Zimmer spazieren, der strubbelige „Knickohr“, der mittlerweile nicht mehr sogleich abhaut, wenn wir aus der Tür treten (dafür hat er aber auch die Tür „markiert“), der „Gescheckte“, der „Rote“ und der „Graue“, die aber alle noch echte „Schisser“ sind und sofort das Hasenpanier ergreifen. Diese Pelzträger kommen jeden Tag auf unsere Terrasse und warten manchmal auf uns bzw. darauf, dass wir die Näpfe mit Futter und die Schälchen mit Milch und Wasser füllen. Schade, dass unsere Wege sich bald trennen werden.


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