Meine Argentinienreise 2007/2008 | |
Gletschertrekking auf dem Perito Moreno
14:03, 22 January 2008
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Davon habe ich lange getraeumt - wenigstens ein Mal auf einem Gletscher spazierengehen. Nachdem ich vor 4 Jahren den Glaciar Perito Moreno in seiner vollen Pracht gesehen hatte, wollte ich unbedingt die Nahe eines dieser gewaltigen Naturwunder erleben duerfen. Damals gab es im Nationalpark noch einen Campingplatz, und ich stellte mir vor, dort zu uebernachten, um das Knacken und Knirschen des Gletschereis hautnah spueren zu koennen. Leider gibt es aber diesen Campingplatz nicht mehr, so dass ich eine andere Variante waehlte, naemlich eine Trekkingtour ueber das Eis. Ich buchte die sogenannte "Big Ice"-Tour, die uns mehr als 4 Stunden ueber das Eis fuehren sollte und die durchaus anspruchsvoll zu werden versprach. Ich musste zuallererst einen medizinischen Fragebogen ausfuellen und meinen gesundheitlichen Ist-Zustand angeben. Fuer tauglich befunden, konnte die Expedition also am fruehen Morgen des 21. Januar beginnen. Ca. eine Stunde braucht man bis zum Nationalpark. Hier hatten wir zwar nur wenig Zeit, den Gletscher vom "Balkon", dem allgemein zugaenglichen Aussichtspunkt, zu betrachten, aber ich hatte dies ja bereits vor 4 Jahren ausfuehrlich getan und zudem sollten wir ihn ja gleich von ganz anderen Seiten kennen lernen duerfen.
Danach ging es mit dem Boot ueber den See ans andere Ufer. Vor uns breitete sich die gesamte Pracht des Gletschers aus. War es zu Beginn der Tour noch recht bewoelkt, so lockerte der Himmel nun auf und bescherte und mitsamt der Sonne eindrucksvolle Licht- und Schattenspiele ueber dem Eis. Im Grunde ist dies ja kein echtes Eis, also kein gefrorenes Wasser, sondern gefrorener und gepresster Schnee. Dieser Umwandlungsprozess dauert ungefaehr 10 Jahre; rasend schnell fuer Gletscherverhaeltnisse. Der Perito Moreno ist ein sehr dynamischer und junger Gletscher. Pro Tag waechst er bis zu 1,5 m und der Schnee, der weit oben in den Bergen zu Gletschereis verwandelt wird, taucht nach etwa 300 Jahren an der Abbruchkante auf. Auch das ist relativ wenig Zeit fuer Naturereignisse wie diese. Die Abbruchkante selbst ist knapp 60 m hoch, wobei weitere 120 m Eis unterhalb der Wasserlinie stehen. Wenn man davor steht, denkt man nur noch: Gigantisch!!!
Auch sind die Ausmasse des gesamten Eisfeldes gigantisch, aus denen sich die vielen patagonischen Gletscher speisen. Es ist dies das groesste zusammenhaengende Eisfeld ausserhalb Groenland und Antarktis. Es misst in der Fleache ca. 22.000 km2. Mehr Informationen hier: de.wikipedia.org/wiki/Perito-Moreno-Gletscher Zurueck zur Tour: nach etwa einer Stunde Fussmarsch entlang der Endmoraene erreichten wir den Punkt, an dem wir die Steigeisen anschnallten und unter sachkundiger Fuehrung unserer Expeditionsfuehrer aufs Eis gingen.
Wie soll ich das Erlebte bloss beschreiben? Das Licht, die Farben, den Wind, das Knacken und Knirschen des Eises, das Plaetschern des Schmelzwassers? Dieses Gletscher ist in staendiger Bewegung. Nicht so, dass es uns den Boden unter den Fuessen wegzieht, aber es gibt Berge und von kleinen Rinnsaelen durchzogene Taeler, manchmal sogar kleine, reissende Fluesse, die nicht so leicht zu ueberwinden sind, es gibt klaffende Spalten, Hoehlen und sogar Tunnel, von denen wir einen durchquerten. Innen war es wie in einem Eispalast.
Das Eis praesentiert sich in vielen Farben von schmutziggrau (wegen der eingeschlossenen Sedimente aus Stein und Geroell) ueber blendendweiss bis zum beruehmten "gletscherblau", wobei auch dieses stark variiert. Je dichter das Eis gepresst und je weniger Sauerstoff gebunden ist, desto stahl- oder dunkelblauer erscheint das Eis. Das sind wahrlich faszinierende Farbenspiele, die nicht mit Worten wieder gegeben werden koennen.
Nach diesen wahrhaft intensiven und wunderbaren Stunden auf dem Eis erreichten wir wieder "festen" Boden unter den Fuessen, schnallten unsere Gehhilfen ab und wanderten, staendig bewundernde und vertraeumte Blicke auf den Gletscher werfend, wieder zurueck zum Ausgangspunkt unserer Exkursion. Hier machte ich noch ein paar Fotos von der suedlichen Abbruchkante, die den normalen Besuchern des Nationalparks nicht zugaenglich ist (So wie ich ueberhaupt an diesem Tag exzessiv auf den Ausloeser der Kamera drueckte, denn das Eis blendete mich derartig, dass ich mir die Ergebnisse meiner Aufnahmen nicht im Display anschauen konnte. Jetzt weiss ich, dass viele sehr schoene Motive dabei sind, die ich euch demnaechst in der Bildergalerie vorstellen will).
Zum Abschluss der Tour wurde "Whiskey on the rocks" gereicht, und zwar mit Gletschereis. Ein toller Abschluss eines fantastischen Tages.
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