Meine Argentinienreise 2007/2008

An der patagonischen Kueste

09:04, 26 January 2008 .. 0 Kommentare .. Link

Nach all den atemberaubenden Erlebnissen in der Welt der Gletscher und schneebedeckten Berge befinde ich mich nun wieder in flacheren Gefilden; an der patagonischen Atlantikkueste. Einen Tag musste ich in Rio Gallegos verbringen, da mein Bus nach Norden erst am fruehen Morgen des darauffolgenden Tages fuhr. Also stellte ich wieder mein Zelt auf und machte mich auf den Weg in die Stadt, die so haesslich ist, dass sie mich mitunter an Rumaenien erinnerte. Hier findet man Wohnblocks, die wie ineinander gestapelte Schuhkartons aussehen, auf der Strasse stehen verbeulte und vom Rost angenagte Renault 12, die in Rumaenien als Dacia ihr Unwesen treiben, ich habe sogar Zigeuner getroffen, deren Herkunft mir schleierhaft ist - es war ein einziges Dejavu. Trotzdem fand ich es spannend, denn nach den Naturschoenheiten der vergangenen Tage brauchte ich ein Kontrastprogramm.

Tags darauf fuhr ich mit dem Bus nach Puerto San Julián, etwa 400 km noerdlich. Meine Idee war, nicht die gesamte Strecke bis Buenos Aires in einem Rutsch zu bewaeltigen, sondern dies etappenweise zu tun und somit einige Ortschaften unterwegs kennen zu lernen. Puerto San Julián ist eine verschlafene Kleinstadt, die nur deswegen auf der Landkarte verzeichnet ist, weil Magellan um 1520 hier anlegte und die erste katholische Messe auf argentinischem Boden abhalten liess. Anderntags gab es eine Meuterei auf seinem Schiff, in deren Ergebnis der Anfuehrer einen Kopf kuerzer gemacht und einige der Delinquenten an der Kueste ausgesetzt wurden.

Auf dem Campingplatz traf ich Dexter, einen Mittfuenfziger aus Alaska, der schon viel von der Welt gesehen hatte. Er arbeitet von Maerz bis September Doppelschicht in einer Fischfabrik und reist in der freien Zeit ausserhalb der Saison durch die Welt. Er kennt Afrika, Lateinamerika, auch Osteuropa und Asien, und wir nutzten den Tag zum Kloenen waehrend eines ausgiebigen Spaziergangs entlang der Kueste. Wir fanden zudem ein kleines Restaurant, wo ich das erste Mal seit einem halben Jahr wieder frischen Fisch essen konnte.

Gestern kam ich in Puerto Deseado an, ca. 8 Busstunden nordwaerts. Dieser Ort ist mir sehr empfohlen worden, aber was ich hier vorfand, ist eine staubige Kleinstadt, deren Campingplatz direkt neben einer stinkenden Fischfabrik steht, in der der Wind bestaendig Staubwolken vom Land ins Meer fegt und ich Sorge hatte, dass mein Zelt ihm folgen wird, wo alle meine Klamotten von einer feinen Staubschicht durchdrungen sind und ich am selben Tag noch eine Rueckfahrkarte kaufte. Soviel Tristesse auf einen Haufen vertrage auch ich dann doch nicht.

Dabei hat der Ort das Potential fuer den Tourismus: man kann Expeditionen zu den Inseln machen, auf denen Robben, Pinguine und seltene Voegel leben. Im Wasser kann man kleine Delfine beobachten, man kann schwimmen und tauchen - aber der Ort, der ist zum Davonlaufen. Ich habe mir gestern Abend zumindest noch eine Prise Kultur angedeihen lassen und sah mir eine Theaterauffuehrung an. Heute um 13 Uhr geht mein Bus nach Comodore Rivadavia, eine Stadt, die ich auch am liebsten mit dem Ruecken anschaue und von wo aus ich eine Passage in Richtung Puerto Madryn zu ergattern hoffe. Von dort aus soll es dann auf die Halbinsel Valdez gehen, einem Nationalpark und Naturparadies sondergleichen.

Ueberhaupt lebe ich seit meiner Abfahrt aus Buenos Aires ueberwiegend im Zelt, und es macht mir Spass. Bisher war es immer ein Leichtes, einen Zeltplatz zu finden, sie sind billig, so dass ich ein bisschen Geld sparen kann, man lernt Leute kennen, ist oft nah an der Natur - was will ich mehr.

Am Freitag der kommenden Woche will ich wieder in Buenos Aires sein. Da habe ich noch ein Wochenende, um meinen Kram zu sortieren, das Weblog mit Bildern zu fuellen und mich auf die Ankunft meiner Familie am Montag, den 4. Februar vorzubereiten. Ich freue mich schon auf unser Wiedersehen und glaube, dass wir eine grossartige gemeinsame Reise durch das Land haben werden.


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