Meine Argentinienreise 2007/2008 | |
Wieder in Humahuaca
09:10, 16 February 2008
.. 0 Kommentare
.. Link
Nach der grossen Enttaeuschung darueber, dass meine Familie nicht nach Argentinien kommen konnte, verliess ich umgehend Buenos Aires in Richtung Norden und landete am 7. Februar in Humahuaca, wo ich mich nun auf die letzte grosse Etappe meiner Reise in Richtung Bolivien und Peru vorbereiten wollte. Wie ich hier ankam, hatte ich das Glueck, noch die letzten drei Tage des Karnevals mitzuerleben.
Der Karneval im Norden des Landes ist eines der bedeutendsten Festivitaeten, der, anders als in Deutschland, hier als Erntedankfest zelebriert wird, an dem "Pachamama" - Mutter Erde - gehuldigt wird. Dies dauert 8 Tage und 9 Naechte, an denen das ganze Dorf auf den Beinen ist. Umzuege durch die Strassen, Kostuemierte turnen durch die Reihen, Musik an allen Ecken und Enden, und das alles besonders des Nachts. Wenn man hier mitzieht, ist man vor nichts sicher, insbesondere nicht vor den Talgum- und Konfettiattacken. Wildfremde Menschen reiben einem auf der Strasse das weisse Puder ins Gesicht und in die Haare und bestreuen dies alles noch mit den bunten Papierschnitzeln. Dies wird als Reinigung des Koerpers und der Seele verstanden.
Die Feierlichkeiten bestehen aus gegenseitigen Einladungen, so dass man staendig auf Achse ist, sei es, um die eigenen Raeumlichkeiten fuer den Empfang einer Gruppe vorzubereiten, oder aber dass man selber durchs Dorf zieht und bei anderen vorbeischaut. Dem Alkohol wird kraeftig zugesprochen, und es gibt Leute, die diese Tage nur im kompletten Dauerrausch erleben. Aber abgesehen von den Saufereien erlebt man auch sehr herzliche und freundliche Menschen, die uns "Gringos" einen kleinen Einblick in das Leben der indigenen Bevoelkerung geben.
Am letzten Tag des Karnevals nahmen wir an einer "Pachamama"-Zeremonie an einem heiligen Ort teil. Dort wurden der Mutter Erde Kleinigkeiten wie Obst und Gemuese, Kokablaetter, Zigaretten, Wein u.a. uebergeben, und das alles in einer beeindruckenden, sehr ernsthaften Zeremonie.
Nach diesen drei Tagen war erst mal "Schicht im Schacht" - sowohl im Dorf, als auch bei uns in der Residencia Estudiantil, ueber die ich ja bereits mehrmals berichtet hatte. Zur Zeit sind wir etwa 15 Leute, die dort fuer eine kuerzere oder laengere Weile bleiben. Es ist eine richtige "comunidad", in der fuer die Gemeinschaft eingekauft und gekocht wird und in der wir uns die taeglichen Arbeiten teilen. Wenn die Chemie stimmt, also die Leute ihren Anteil leisten, kann das richtig gut funktionieren und Spass machen. Da ich nicht gerade ein Meisterkoch bin, kuemmere ich mich um Abwasch und die technischen Dinge, also z.B. richtete ich die sechs auf Plattfuessen herumstehenden Mountainbikes wieder fahrfertig her. An den vergangenen beiden Tagen unternahmen wir zusammen eine sehr interessante Exkursion zu einem weit abgelegenem Dorf, Santa Ana, etwa 100 km von Humahuaca entfernt und nur ueber eine abenteuerliche Schotter- und Staubpiste erreichbar, die sich in Serpentinen bis auf 4.600 Hoehe durch die Berge windet. Aldo, der Leiter der Residencia, kennt dort Leute, so dass wir die Gelegenheit nutzen konnten, abseits der touristischen Pfade das Leben in einem Indiodorf kennen zu lernen. Die Landschaft war einfach atemberaubend, sicherlich auch aus dem Grunde, weil unser Jeep manchmal haarscharf an hunderte Meter tiefen Abgruenden entlangfuhr.
Unterwegs besuchten wir noch eine alte Kupfermine, die zwar seit einiger Zeit aufgelassen ist, aber es existieren hier noch viele Minen, in denen privat oder genossenschaftlich Kupfer, Zink und sogar Gold gefoerdert werden. In diese hier kann man gut 50 Meter hineinlaufen, ehe der Gang verschuettet ist.
Rund um unsere Mine konnte man interessantes Gestein finden - hier ein kupferhaltiger Brocken - schade nur, dass man diese farbenfreudigen Steine nicht so einfach transportieren kann. Damit ist schon wieder eine Woche in Humahuaca vergangen. Die Zeit rinnt langsam, fast schon beruhigend dahin. Wir gehen unserem Leben nach, wozu auch gehoert, dass man an den Abenden und Naechten lange zusammen sitzt und sich unterhaelt, und es gibt auch viel zu erzaehlen, wenn Leute aus verschiedenen Laendern (Schweiz, Italien, Frankreich, Argentinien und Deutschland/Ost) mit ihren Reise- und Lebenserfahrungen beieinander hocken. Vor 3 Uhr morgens geht keiner zu Bett, vor dem Mittag schaelt sich kaum einer aus dem Nest. Así es la vida aquí! Heute ist Samstag, der 16.02., und es stehen schon wieder Festivitaeten an: der "Carnaval de los Flores" - der Karneval der Blumen. Kommentar hinterlassen { Vorherige Seite } { Seite 61 von 180 } { Nächste Seite } |
Über michProfil Archiv Freunde Fotoalbum LinksArgentina OnlineCouchSurfing Zackenbahn Jean Béliveau Un Techo Para Mi Pais Argentina VCDB Henryk Wolski Weltenbummler2003 Tango in Córdoba Projekt AYNI Argentinien - Politik & Gesellschaft Blog de Mujer RausVonZuHaus-Argentinien Silvia Lareo-Vázquez Karpatenwilli Rennkuckuck Dorit auf Reisen Meiner Brueder Tischlerei KategorienArgentinienReisen Letzte EinträgeThe end? This is not the end, my friend!¡Adios Argentina! Ein neues Zeitalter ist angebrochen! Chau Córdoba (zum Zweiten!) Wieder in Córdoba Construcción mit Un Techo Para Mi País – meine Dritte La ciudad de mis sueños... Jack Kerouac hat mir den Arsch gerettet... Wieder in Cochabamba Von Huancayo nach La Paz Un Techo Para Mi País - construcción vom 23.-25. Mai Von Lima nach Huancayo auf der hoechsten Gebirgsstrecke der Welt Von Quito nach Lima Mitad del Mundo Calvin & Hobbes en castellano Der Panamahut... El Tren de la Libertad Im ecuadorianisch-kolumbianischen Grenzgebiet Mitten durch Ecuador - von Sued nach Nord Peru - eine Abrechnung Freundesemiperfectusmequegua88 Dorit datha |