Meine Argentinienreise 2007/2008 | |
Kurze Geschichte von Bolivien
17:58, 21 March 2008
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Bolivien gehoerte wie das heutige Argentinien, Peru, Paraguay und Chile zum sogenannten Vizekoenigreich Peru, war also spanische Kolonie. Im Zuge der Befreiungskriege zu Beginn des 19. Jh. zerfiel dieses indie genannten Staaten, wobei Bolivien 1825 seine Unabhaengigkeit erreichte. Zu Ehren des Anfuehrers der Befreiungsarmee - Simon Bolivar - nannte sich das Land "Republica de Bolivia". In den folgenden Jahren erweist sich die politische Klasse des Landes immer wieder als unfaehig, das Land zu entwickeln und zu regieren. Bolivien ist notorischer Verlierer in den Konflikten mit den Nachbarlaendern und verliert bedeutende Teile seines Territoriums an Peru, Brasilien, Paraguay, Argentinien und vor allen Dingen die Atacama-Region, den Zugang zum Pazifik, an Chile. Somit ist Bolivien neben Paraguay das einzige Binnenland Suedamerikas. Bis in die spaeten 1940er Jahre loesen sich buergerliche und Militaerregierungen immer wieder ab; Korruption und Klientelwirtschaft gehoeren zur Tagesordnung. 1952 kommt nach einer Revolte von Studenten, Gewerkschaften und progressiven Teilen der Armee die "Movimiento Nacionalista Revolucionario" (MNR) an die Macht, die umfassende Reformen in Angriff nimmt: Landreform, Aufhebung der Leibeigenschaft, Verstaatlichtung, Buergerrechte und Wahlrecht fuer die indigene Bevoelkerung. Auf Druck der Oligarchie und der USA werden ab den 1960er Jahren all diese Errungenschaften stueckweise abgeschafft oder ausgehoehlt. Ende der 60er Jahre bildete sich zudem eine linke Guerillabewegung im Lande, die massive Unterstuetzung aus Kuba erhielten und zu denen Che Guevara mit einigen seiner Getreuen stiess, um eine Revolution nach kubanischen Muster zu organisieren und surchzufuehren. Dieses Vorhaben scheiterte, und die Truppe um Che wurde im Oktober 1967 aufgerieben, Che am 9.10.1967 erschossen. In den folgenden putschte sich das Militaer immer wieder an die Macht, zeitweise putschte sogar "linkes" gegen "rechtes" Militaer. Im August 1971 erfolgte ein blutiger Staatsstreich durch Oberst Hugo Banzer, der das Land schliesslich mit harter Hand bis 1978 fuehrt, ehe er - wiederum durch einen Militaerputsch - abgeloest wurde. Die Ironie der Geschichte will es, dass Hugo Banzer noch einmal die Praesidentschaft von 1997 bis 2001 innehaben wird; diesmal aber als demokratisch gewaehlter Praesident. Ihm folgen zwei Praesidenten (Carlos Mesa und Gonzales Sanchez de Losada), die zwischen Reformen und Liberalisierung schwankten und in deren Zeit es zu schweren sozialen Unruhen mit vielen Toten kam. Lozado wurde gestuerzt, Mesa reichte seinen Ruecktritt ein, und so kam es im Dezember 2005 zu der Praesidentschaftswahl, in deren ersten Durchgang sich Evo Morales mit rund 54 % der Stimmen durchsetzen konnte, womit der Weg frei war fuer den ersten bolivianischen Praesidenten indigener Abstammung. Bolivien ist eines der aermsten Laender der Welt, was umso erstaunlicher ist, da Bolivien ueber bedeutende Ressourcen verfuegt: Erdgas, Zinn, Zink u.a. Dieser Reichtum wird heute, so wie frueher das Silber, von multinationalen Konzernen ausgebeutet und geht als Rohstoff ausser Landes. Bolivien muss diese dann in veredelter Form zu hohen Preisen importieren. Mann kann schon den Eindruck gewinnen, dass Bolivien von allen Seiten ausgebeutet und ausgenutzt wird. So bezieht zum Beispiel Argentinien recht billig Erdgas aus Bolivien und verkaufte dieses zu bedeutend hoeheren Preisen nach Chile weiter. Evo Morales hatte nach seinem Amtsantritt die Erdgasindustrie verstaatlichen lassen, was natuerlich Folgen fuer die Bezieher (Brasilien, Argentinien) hat, naemlich in Form hoeherer und marktgerechter Preise. Trotz aller Vorschusslorbeeren hat Evo Morales bis jetzt noch keine sichtbaren Erfolge im Kampf gegen die Armut erzielen koennen. Er hat zudem mit schwierigen innenpolitischen Problemen zu kaempfen (Autonomiebestrebungen der reicheren Provinzen), die in in seiner Handlungsfaehigkeit beschraenken. Auf absehbare Zeit wird Bolivien wohl ein reiches Land mit vielen bitterarmen Menschen bleiben.
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