Meine Argentinienreise 2007/2008 | |
Ostern in Cusco
21:57, 23 March 2008
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Ich bin nun seit drei Tagen in Cusco in Peru und muss sagen, dass dies die bisher schoenste Stadt meiner Reise durch Suedamerika ist. Und dabei warnte mein US-amerikanischer Reisefuehrer (Stand 2001) vor Cusco als die nach Lima gefaehrlichste Stadt bezueglich Raubueberfaelle. Cusco ist immerhin eine Halbmillionenstadt, und als wir nach langer, langer Busfahrt von Copacabana des Nachts durch die schier endlosen Vorstaedte von Cusco hineinfuhren, hatte ich erst mal kein gutes Gefuehl, aber das aenderte sich schlagartig, als wir mit dem Taxi auf der zentralen Plaza hielten und die in warmes gelbes Licht getauchten Kirchen und die ringsum befindlichen Gebaeude mit ihren wunderschoenen Balkonen zu Gesicht bekamen.
Cusco ist das Nadeloehr nach Machu Picchu, und so ist auch diese Stadt fast ausschliesslich touristisch ausgerichtet. Es gibt hier alles, was das Touristenherz begehrt, und ich muss zugeben, dass mir dieser Luxus momentan sehr gefaellt. Man kann hier stundenlang durch die Gassen und ueber die Plaetze bummeln und dem Treiben zuschauen. Mich stoert es nicht, dass man staendig angesprochen wird, ob man denn was kaufen oder eine Tour buchen will. Das perlt an mir ab, weil ich von der Stadt so fasziniert bin.
Hinzu kommt, das "Semana Santa" ist, die Heilige Osterwoche, wo die Menschen zu Tausenden in die Kirchen pilgern und Prozessionen durch die Strassen ziehen. Heute zum Ostersonntag bin ich ins ca. 30 km entfernte Pisac gefahren, weil dort an den Sonntagen immer ein grosser Markt stattfindet. Den wollte ich mir nicht entgehen lassen, und dort angelangt, konnte ich mich kaum sattsehen an dem dortigen Treiben, der Farbenpracht und den vielen interessanten Sachen, die angeboten werden (ich hab meine Geldboerse ein bisschen ueberstrapaziert...), und vor allen Dingen konnte ich endlich mal wieder schoene Bilder machen, die ich demnaechst in die Bildergalerie stellen werde. In Pisac soll es auch eine alte Inkafestung geben, und da ich nun schon mal da war, dachte ich mir, schauste dir mal das Ruinchen an. Recht schnell wurde mir klar, auf was ich mich da eingelassen hatte, denn die Festung war ein riesiger Komplex aus Terassen, Haeusern, Tempeln und Verteidigungsanlagen, die sich ueber eine enorme Flaeche erstreckten und ueber viele, viele Treppen erstiegen werden mussten. Jedes Mal, wenn ich dachte, jetzt erreiche ich den Gipfel, tat sich vor mir ein weiterer Anstieg zu einem noch hoeherem Plateau auf. Es muessen mehrere hundert Hoehenmeter sein, ehe man den obersten Bereich der Anlage erreicht, und trotzdem ragten zu allen Seiten immer noch Berge meilenweit in den Himmel.
Das Staedtchen Pisac wirkte wie eine Modellbahnlandschaft am Fusse des Berges, der maechtige Komplex beeindruckte durch seine schiere Unbezwingbarkeit, denn nach allen Seiten faellt der Berg enorm steil ab. Die Spanier sollen diese Festung bereits verlassen vorgefunden haben, die wahrscheinlich sowohl als Zeremonienplatz (es gibt auch hier einen Sonnentempel), aber auch als Wohnstatt fuer sicherlich mehrere Tausend Menschen diente. Die Terassen wurden ganz klar zur landwirtschaftlichen Nutzung angelegt. Ich traf einen Typen, der mir erzaehlte, dass ihn diese Inkafestung mehr als Machu Picchu beeindruckte. Mir steht diese Vergleich erst noch bevor, aber ich war ebenfalls hin und weg und verbrachte mehrere Stunden auf dem Berg. Ich habe fotografiert wie ein Japaner - immer wieder hatte ich das Gefuehl, wieder etwas Einzigartiges entdeckt zu haben, sei es die Architektur und die sagenhafte Steinmetzkunst der Inka, Mauern zu bauen, in denen man kein Stoeckchen in die Fugen stecken kann, seien es die fantastischen Farben- und Lichtspiele oder die immer wieder ueberwaeltigende Landschaft ringsum.
Mein Ostersonntag war einfach herrlich, besonders weil alles so unerwartet kam. Zudem habe ich in einem hiesigen Buchladen deutschsprachige Buecher fuer meine weitere Reise kaufen koennen (Raymond Chandler - Marlowe), habe angenehme Leute getroffen, so u.a. Gilles, einen 65-jaehrigen Franco-Kanadier, der schon durch die ganze Welt gereist ist und nun in seiner Heimat eine kleine Brauerei eroeffnet hat (www.pitcaribou.com/), oder Adam aus New York, der, wie es der Zufall will, in Sucre fuer das Ñanta-Projekt als Koch arbeitet (ich hatte darueber berichtet) und nun genau wie in nach Cusco gefahren ist, um Machu Picchu zu besuchen. Wir beiden hatten uns die Osterprozessionen angesehen, hatten dann aber irgendwann genug und ausserdem Hunger und gingen lieber was essen, wobei er - er ist Jude - mir unentwegt juedische Witze erzaehlte, wobei einer so herrlich war, dass ich fast unterm Tisch lag und ich ihn hier sinngemaess wiedergeben will. Es ging natuerlich um Ostern und diese vielzitierte Geschichte mit dem Verrat des Judas an Jesus und der damit verbundenen Tortur der Kreuzigung. Weil dies ja in der Vergangenheit einer der wesentlichen Gruende fuer den Antisemitismus war, hat eine juedische Kommission diesen Fall und die Fakten lange und ausgiebig untersucht und ist zu dem Schluss gekommen, dass es tatsaechlich stimmt, dass es Judas war, der Christus verraten hat. Im Abschlussbericht gibt die Kommission aber zu bedenken, dass das Christentum den Juden doch bitteschoen zugute halten soll, dass dies bereits vor 2.000 Jahren geschehen war und nicht erst in der Neuzeit, denn man stelle sich vor, dass der Herr Jesus auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet worden waere, dann wuerden an den Halsketten der frommen Christen heute keine Kreuze, sondern lauter kleine elektrische Stuehle baumeln! Um das Kraut - oder den Braten - fett zu machen: in der hiesigen Kirche gibt es ein Gemaelde des Abendmahls Christus' und seiner Juenger, und auf dem Teller liegt ein gebratenes Meerschweinchen!! Frohe Ostern allerseits, und willkommen in Peru!
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