Meine Argentinienreise 2007/2008 | |
Auf dem Salkantay-Trek nach Machu Picchu
20:26, 30 March 2008
.. 0 Kommentare
.. Link
Jetzt habe ich es endlich hinter mich gebracht: ich habe Machu Picchu gesehen! Ich habe es ein bisschen gefuerchtet, weil es eines dieser "das-muss-man-gesehen-haben"-Orte ist, aber andererseits haette ich es gereut, wenn ich einfach daran vorbei gefahren waere. Ich fuehle mich erleichtert und will euch nun von meiner 5-taegigen Tour nach Machu Picchu berichten, die nicht auf dem ausgetretenen klassischen Inka-Trail, sondern auf dem alternativen Salkantay-Trail stattfand. Da ich alle meine Eindruecke beim besten Willen nicht in voller epischer Breite wiedergeben kann, will ichs kurz & knapp halten. 1. Tag (24.03.): In aller Herrgottsfruehe (4 Uhr) aus den Federn, schnelle Dusche und Sachen zusammengerafft. Mein Fuehrer (oh Gott, welche Assoziationen...) holt mich halb fuenf am Hostal ab. Dann ab zum Bus, der mich und die anderen Teilnehmer der Tour nach knapp 3-stuendiger Fahrt ins etwa 80 km entfernte Mollepata bringt. Dort gibts erst mal Fruehstueck, waehrenddessen unser Gepaeck, Zelte, Proviant und alles, was man auf der Tour braucht, auf Maulesel und Pferde verladen wird. Erste Gelegenheit, unsere Gruppe kennen zu lernen: 12 Teilnehmer aus 10 Laendern - der Traum eines jeden Sportwettbewerbveranstalters. Nach einer Weile setzt sich der Tross in Bewegung. Das Wetter ist gut, blauer Himmel, Sonnenschein. Wir sind vom auf 3.400 m Hoehe liegendem Cusco auf 2.800 m Seehoehe hinabgefahren, und da an diesem Tag noch 21 km Wegesstrecke ins auf 3.800 m Hoehe gelegenem Soray Pampa vor uns liegen, wissen wir, dass es zumindest maechtig bergan gehen wird. Nach kurzer Zeit haben wir bereits zwei Ausfaelle wegen Magenverstimmung, unsere Truppe schmilzt auf 10 Leute. Zudem geht einem englischen Maedel auf, dass sie zwar den (wesentlich teureren) Inka-Trail gebucht, aber versehentlich unserem Trail zugeordnet wurde. Sie ist nicht sehr gluecklich darueber.
Wir kommen gut voran, haben herrliche Sicht auf den 5.428 m hohen Cerro Soray und auch den 6.264 m hohen Salkantay. Am Abend erreichen wir das Hochplateau, wo wir uebernachten werden. Der "Horseman" und der Koch fuehrten die Packtiere voran und haben bereits die Zelte aufgebaut und das Abendessen vorbereitet. Wir werden an diesem Abend nicht alt und kriechen bald in unsere Schlafsaecke. Eine sternenklare, aber bitterkalte Nacht steht uns bevor. 2. Tag /25.03.): Am Morgen beginnt es zu regnen. Dicker Nebel liegt ueber der Hochebene, wir werden zwar mit heissem Coca-Tee geweckt, aber Kaelte laesst sich aber trotzdem nicht aus den Knochen vertreiben. Nach dem Fruehstueck beginnt der Tag, der uns als der haerteste der Tour annonciert wurde. 27 Kilometer Weg liegen vor uns, von 3.800 m auf einen 4.600 m hohen Pass und von dort wieder hinab auf 2.800 m in den Regenwald nach Challay, unserem naechsten Camp. Der Regen ist zwar nicht stark, aber konstant und weicht erst unsere Klamotten, dann unsere Schuhe ein. Nach einigen Stunden erreichen wir den Pass. Dort kollektive Erleichterung und Gruppenfoto.
Dann geht es weiter durch neblige, moosbedeckte und von grossen Felsbrocken uebersaete Landschaften. So koennte es auch in Norwegen aussehen. Die Berge sind leider nur zu erahnen, denn die schneebedeckten Gipfel sind bedeckt. Erst als wir nach weiteren Stunden die Hochebene verlassen und das Wetter aufklart, koennen wir sie hinter unserem Ruecken erkennen.
Es geht nun meistens bergab. Die Vegetation wird immer ueppiger, aber dafuer auch die Wege immer schlammiger. Wir muessen oft ueber kipplige Steine oder Baumstuempfe balancieren und versinken doch immer wieder im Schlamm. Haben wir mal keinen Schlamm, so besteht der Weg aus lauter spitzen Steinen, die sich durch die Schuhsohlen bohren und bald die Fuesse schmerzen lassen, oder das Wasser bahnt sich seinen Weg ausgerechnet laengs unserer Strecke.
Mittlerweile konnten wir uns unserer dicken Klamotten und der Regenjacke entledigen. Es ist wunderbar warm und wir sind umgeben von topischer Vegetation: Bananen- und Mangobaeume, Kaffeestraeucher, Schmetterlinge taumeln ueber den Weg und das Sonnenlicht wird durch das gruene Dach auf wunderbare Weise gebrochen und reflektiert - einfach herrlich.
Die letzten beiden Stunden vor Ankunft im Camp sind die schwersten. Mir tut alles weh und ich trotte gleichmuetig, fast stumpfsinnig durch die Gegend. Immer wieder muessen wir Wasserlaeufe durchqueren und hangeln uns an schmalen Graten steiler Haenge entlang. Ich bin heilfroh, als wir endlich in Challey ankommen und alles von uns werfen koennen. Es gibt wieder leckeres Abendessen und zum Glueck auch eine Art Kiosk, wo man Bier kaufen kann. Die Dunkelheit kommt schnell und laesst uns in den Zelten verschwinden.
3. Tag (26.03.): Heute werden wir nicht gar so viel zu laufen haben, nur 14 km entlang des schaeumenden Rio Santa Teresa, aber der Weg hat es in sich. Wieder viel Schlamm und Geroell, was das Gehen erschwert. Jetzt begegnen wir ab und zu wieder kleinen Siedlungen, passieren Kartoffelfelder und Kokaanpflanzungen. In Playa wartet ein Kleinbus auf uns und bringt uns nach Santa Teresa, wo wir uebernachten werden und am spaeten Nachmittag eintrafen. Ganz in der Naehe gibt es ein Thermalbad, in das wir uns alle stuerzen. Wir bleiben, bis die Nacht anbricht. Dann zurueck ins Camp, wo es wieder wunderbares Abendessen gibt. Heute bleiben wir laenger auf und quatschen bis in die spaete Nacht. Wir sind eine richtig tolle Truppe: Riccardo aus Italien, DJ, Linksaktivist, Hausbesetzer und Tattoo-Freak; Michael aus Australien, der seit November 2006 unterwegs ist, mit seinem Vollbart wie ein Taliban aussieht, wie ein Scheunendrescher fressen, aber erstaunlicherweise auf eine Karriere als Fotomodel verweisen kann; Jen aus England, die Grand Dame der Truppe; Brianna aus den Staaten und ihr Freund Gabor "Bocsi", ein Ungar, der seit 7 Jahren in den Staaten lebt; Lisa Nordlund, die genau so aussieht wie sie heisst: schwedisch, gross, blond, polyglott; Philippe, ein liebenswerter Tunichtgut aus Frankreich, immer ein Laecheln im Gesicht, auch wenn er die Kreditkarte an den Automaten verliert, weil er sich nicht mehr an seine PIN erinnern kann, und zu guter Letzt mein Freund Rio Hauser, Schweizer, Mittfuenfziger, Fotograf, Traeumer, Lebens- und begnadeter Unterhaltungskuenstler. Mit einer solchen Truppe marschiere ich auch bis zum Nordpol!
4. Tag (27.03.): Heute geht es nach Aguas Caliente, dem kleinen Ort zu Fuessen des Machu Picchu, der jeden Tag von bis zu 4.000 Touristen durchstroemt wird. Wir fahren zuerst mit dem Bus nach Hidroelectrico, dem Endpunkt der Eisenbahn, die von Cusco ueber Aguas Caliente bis hierher fuehrt. Nach dem Mittagessen laufen wir die 8 km auf, neben und entlang der Schienen bis Aguas Caliente, immer entlang des schmalen Tales, umgeben von steil aufragenden Bergen, und wenn man seine Augen scharf stellte, konnte man auf der suedlich gelegenen Bergspitze einige der Ruinen von Machu Picchu erkennen. Am Abend erreichen wir Aguas Caliente, werden auf die Hotels verteilt, treffen uns zum Abschluss-Abendessen und stimmen uns auf den folgenden Tag ein, der der Hoehepunkt unseres Treks werden sollte. 5. Tag (28.03.): Wieder frueh aus dem Federn, 4:15 Uhr Fruehstueck, dann ziehen wir los in die noch herrschende Dunkelheit, um den Anstieg zum Machu Picchu, was soviel heisst wie "Alter Berg", zu bewaeltigen. Um 6 Uhr oeffnen die Tore, man braucht zirka anderthalb Stunden fuer den Aufstieg (400 Hoehenmeter muessen ueberwunden werden); wir wollten puenktlich sein, um den Sonnenaufgang dort oben erleben zu koennen. Und dann betraten wir den heiligen Boden. Noch lag eine dichte Nebeldecke ueber dem Areal, aber dann begann diese sich zu lichten, aufzusteigen und gab einen ersten Blick auf die Ruinen dieser sagenumwobenen Stadt frei. Vereinzelt ertoenten "Ah" und "Oh" aus der andaechtig versammelten Menge, und es war tatsaechlich ein erhebender Moment, so, als wuerde jemand einen Vorhang beiseite ziehen.
Nun begann unsere etwa 2-stuendige gefuehrte Tour, auf der wir ueber die Geschichte und Raetsel dieses Ortes aufgeklaert wurden. Der Guide (es ist ein anderer als der, der unseren Trek anfuehrte) ist ein Profi. Seine nach jeden Themenkomplex abschliessende Floskel lautet: "Any questions? I don't think so." Mittlerweile kam die Sonne durch, die Nebelwaende und Wolken, die die Stadt in ein mystisches Licht tauchten, loesten sich auf, so dass wir nun eine freien Blick ueber den gesamten Ruinenkomplex hatten.
Nach Abschluss der Tour begeben wir uns unverzueglich zum Waynapicchu (dem "Jungen Berg"), der das Plateau auf der suedlichen Seite um weitere 200 Hoehenmeter ueberragt und einen fantastischen Ausblick ueber das gesamte Areal bietet. Nur 400 Touristen pro Tag duerfen den wahrhaftig schwierigen und kraftraubenden Anstieg bewaeltigen. Oben auf dem Gipfel verweilten wir erst mal fuer eine lange, lange Weile: der Anblick war einfach ueberwaeltigend. Unter uns die Ruinen der Stadt, und viel weiter unten das Tal mit dem Fluss, den Haeusern und der Eisenbahnlinie, die aussahen wie ein klitzekleines Modell. Der Waynapichu ist der ideale Ort zum Staunen, Meditieren und auch zum Picknicken, denn mittlerweile verlangte mein Magen seinen Lohn.
Bis zum Spaetnachmittag hatten wir Zeit zum Umherstreifen, Bestaunen und Fotografieren, dann musste ich wieder nach Aguas Calientes absteigen, denn mein Zug sollte um 5 Uhr nach Cusco abgehen. Die anderen sollte mit dem 6-Uhr-Zug folgen, aber wie wir am Bahnhof angelangten, um unsere Tickets abzuholen, lagen nicht fuer alle aus unserer Gruppe Tickets bereit. Unser Guide hatte sich mittlerweile verabschiedet, so dass wir vor dem Riesenproblem standen, wie wir nun alle zurueck nach Cusco kommen sollten. Wir haben's geschafft, aber dieses Durcheinander (und auch noch andere Dinge) haben ein Nachspiel fuer die Agentur. Das will ich aber in einem anderen Kapitel berichten - wie man sich als Reisender auf dem Weg nach Machu Picchu vor Touristenfallen schuetzen kann. Alles in allem ein Riesenabenteuer, was zu gleichen Teilen an der faszinierenden Gegend, aber auch an unserer Mannschaft lag. Ich bin absolut happy!
Kommentar hinterlassen { Vorherige Seite } { Seite 35 von 180 } { Nächste Seite } |
Über michProfil Archiv Freunde Fotoalbum LinksArgentina OnlineCouchSurfing Zackenbahn Jean Béliveau Un Techo Para Mi Pais Argentina VCDB Henryk Wolski Weltenbummler2003 Tango in Córdoba Projekt AYNI Argentinien - Politik & Gesellschaft Blog de Mujer RausVonZuHaus-Argentinien Silvia Lareo-Vázquez Karpatenwilli Rennkuckuck Dorit auf Reisen Meiner Brueder Tischlerei KategorienArgentinienReisen Letzte EinträgeThe end? This is not the end, my friend!¡Adios Argentina! Ein neues Zeitalter ist angebrochen! Chau Córdoba (zum Zweiten!) Wieder in Córdoba Construcción mit Un Techo Para Mi País – meine Dritte La ciudad de mis sueños... Jack Kerouac hat mir den Arsch gerettet... Wieder in Cochabamba Von Huancayo nach La Paz Un Techo Para Mi País - construcción vom 23.-25. Mai Von Lima nach Huancayo auf der hoechsten Gebirgsstrecke der Welt Von Quito nach Lima Mitad del Mundo Calvin & Hobbes en castellano Der Panamahut... El Tren de la Libertad Im ecuadorianisch-kolumbianischen Grenzgebiet Mitten durch Ecuador - von Sued nach Nord Peru - eine Abrechnung Freundesemiperfectusmequegua88 Dorit datha |