Meine Argentinienreise 2007/2008

In Pucallpa

13:47, 6 April 2008 .. 0 Kommentare .. Link

Jetzt bin ich endlich in Pucallpa angekommen, nach 4 Tagen per Bus, davon 3 Naechte in ebendiesen verbringend. Vorgestern, in Huancayo, hatte ich einen Direktbus gebucht, der 14 Uhr abfahren sollte. Wie ich aber am Terminal ankam, sagte man mir, dass der Bus ausfaellt, weil ein Erdrutsch die Strasse nach Pucallpa unpassierbar gemacht hatte. Ich koennte aber mit dem Abendbus zumindest bis Tingo Maria fahren, was etwa zwei Drittel der Strecke entspraeche, und sollte dort weitersehen.

So hatte ich also noch 5 Stunden Zeit bis zur Abfahrt und bummelte eben noch ein bisschen durch Huancayo, das den Charme einer mittelrumaenischen Kreisstadt besitzt. Ich sah einem Strassenmaler zu, der Passanten portraetierte, und da er mir ein Bild meiner selbst fuer 10 Soles (so etwa 2,50 EUR) anbot und ich sowieso Zeit zu vetroedeln hatte, sass ich halt Modell.

Ich bitte die Kunstunkundigen von Kommentaren abzusehen, kann euch aber hier den Maler vorstellen, der in Aussehen und seiner Art, sich zu bewegen und zu zeichnen, absolut dem Klischee des verschrobenen Kuenstlers entspricht. Sein Name ist Wenzeslaos, und da mir dieser Name sehr boehmisch erschien, fragte ich ihn ein bisschen nach seiner familiaeren Herkunft aus und erfuhr, dass seine Grossmutter aus Ungarn stammt, wahrscheinlich noch aus k.u.k.-Zeiten.

Nach dieser Episode stand wieder eine Nacht im Bus bevor (meine dritte seit 4 Tagen). Anderentags gegen 7 Uhr stand ich also in Tingo Maria und sah zu, dass ich einen Anschluss ins noch etwa 300 km entfernte Pucallpa bekomme. Und tatsaechlich startete 2 Stunde spaeter ein klappriger Bus, der uns bis an die Stelle bringen sollte, wo ein Erdrutsch die einzige Verbindungsstrasse nach Pucallpa mitgerissen hat. Dort angekommen, marschierten wir Fahrgaeste zu Fuss an einer unendlich langen Schlange von LKW vorbei und balancierten durch Schlamm und ueber wacklige Steine auf die andere Seite der unterbrochenen Strasse. Es muessen hunderte von LKW sein, die auf beiden Seiten entladen wurden und deren schwere Ware von Traegern auf die jeweils andere Seite geschleppt wurden.

Erdrutsche sind in Peru nicht selten. besonders zur Regenzeit, die mittlerweile eingesetzt hat. Erst im Januar hatte ein heftiger Erdrutsch genau diese Strasse fuer einige Tage lahm gelegt, und auch die jetzige Reparatur wird 3-4 Tage dauern, wie man mir versicherte. Die Leute sind es aber gewoehnt, so dass sie dies als gegeben hinnehmen.

Wir also setzten uns auf der anderen Seite in einen neuen Bus, und ab ging die Reise nach Pucallpa am Rande des Amazonasbeckens. Die Natur hat sich mittlerweile rapide geaendert: ueppige gruene Vegetation zieht sich zu beiden Seiten der Strasse hin, in denen man kleine Holzhaeuser erkennen kann, die meistens auf Pfaehlen stehen. Auch die Menschen sehen anders aus als die in den Gegenden, in denen ich mich bisher herumgetrieben habe. Ihr Gesicht ist viel indianischer, so, als ob sie einem Erich-Wustmann-Buch entsprungen waren. Klar, ich bin ja nun so nahe am Amazonas, dass ich bald mehr von diesen Eingeborenen begegnen werde.

Pucallpa selbst ist die groesste Dschungelstadt Perus, die auf dem Landwege erreichbar ist (so denn die Strasse nicht gerade verschuettet oder weggespuelt wurde). Tausende von Moto-Rikschas sausen hier in Schwaermen durch die Strassen, ueberall brummt und brodelt es, und es geht die ganze Nacht durch. Eine unglaubluch ruhelose Stadt. Ich will ja eigentlich nicht lange hier bleiben, sondern auf einem Schiff die 1.000 km nach Norden in Richtung Iquitos fahren, aber heute ist Sonntag; da geht kein Schiff ab. Gut fuer mich, denn so habe ich Zeit, mich wieder zu organisieren, meine Waesche zu waschen und ein wenig durch die Stadt zu bummeln. Insbesonders der Hafen am Fluss hat es mir angetan. Hier werden Fisch, tropische Fruechte und anderes mehr angelandet, ueberall kleine Staende, wo frisch gepresster Saft, Gegrilltes und Gekochtes feilgeboten werden. Es ist schwuelwarm, sehr schlammig, aber mir gefaellts. Morgen nachmittag werde ich schon auf dem Schiff nach Iquitos sein, aus dem ich mich in einigen Tagen wieder melden werde. Ich bin sehr gespannt auf meine Reise durch den Regenwald, habe zwei dicke Buecher zum Lesen dabei und werde es mir einfach mal ein paar Tage auf dem Dach des Schiffes oder der Reeling gut gehen lassen. Wie sagt mein alter und lebensweiser Freund Kilian Doerr aus Hermannstadt immer: "Es kann ja nicht allen schlecht gehen!"


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