Meine Argentinienreise 2007/2008 | |
Riverboat von Pucallpa nach Iquitos
15:19, 12 April 2008
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Fuenf Tage auf dem Wasser durch den Regenwald Amazoniens liegen hinter mir. Heute morgen kurz vor Sonnenaufgang legte das Schiff in Iquitos an, der groessten Dschungelstadt Perus, die allerdings nur per Luft und Wasser erreichbar ist - keine Strasse fuehrt hierhin. Am Montag streifte ich mit meinem Rucksack durch den Hafen in Pucallpa, um Ausschau nach einem geeignetem Schiff zu halten. Scliesslich enterte ich die "Henry 6", ein 4-stoeckiger Kahn, der Platz fuer 200 Passagiere und unendlich Ladung hat. Die Abfahrt war fuer 17:30 Uhr angezeigt, aber wie auf vieles hier in Peru kann man sich auch auf solche Informationen nicht verlassen; selbst wenn von dick "sin falta" ("auf jeden Fall") dahintersteht. Diese Schiffe fahren erst dann ab, wenn auch der letzte Quadratmeter mit Ladung vollgestopft ist, und die Beladung erfolgte der "Henry 6" erfolgte bis zum Dienstagnachmittag. Erst dann hiess es: Leinen los!
Ich moechte noch hinzufuegen, dass die gesamte Beladung des Schiffes per Hand erfolgt. Es ist unglaublich, wie die Schar der Traeger rackert, welch grosse Buendel oder Saecke sie schleppen (selten unter zwei Zentner), und das in dieser Hitze, barfuss, ueber schmale Planken balancierend und alles im Laufschritt, die Sehnen und Muskeln fast bis zum Zerreissen gespannt. Einen haerteren Knochenjob kann ich mir kaum vorstellen. Ich hingegen hatte eine Kabine gebucht, waehrenddessen der Grossteil der Passagiere ihre Haengematten auf den drei Decks aufspannte, was mich allerdings nicht daran hinderte, ebenfalls meine Haengematte zu verknoten, um waehrend der Fahrt an der frischen Luft entspannen und lesen zu koennen.
Denn daraus bestand der Ablauf der kommenden Tage: lesen, doesen, was essen (im Kabinenpreis inbegriffen sind drei Mahlzeiten pro Tag, die ausschliesslich aus Reis/Bohnen/Huhn, Reis/Nudel/Huhn oder Reis/Huhn bestanden, wobei der Bestandteil "Huhn" zum Ende der Fahrt massemaessig rapide abnahm), mal eine rauchen, wieder lesen, doesen oder schlafen und vor allen Dingen "schauen". Der Rio Ucayali, der meistens 300-500 m breit ist, schlaengelt sich durch den westlichen Auslaeufer des Amazon-Beckens und war zu beiden Seiten mit ueppiger Vegetation gesaeumt. Ab und zu sahen wir kleine schilfbedeckte Huetten, auch kamen und immer wieder Menschen in Kanus mit Aussenbordmotor oder Einbaeumen entgegen. Am zweiten Tag liefen wir Contamana an, die groesste Stadt (mehr als 10.000 Ew.) auf dem Wege nach Iquitos. Hier konnten wir mal fuer ein Stuendchen an Land und uns die Beine vertreten.
Ansonsten sassen wir auf dem Deck und genossen die vorbeiziehende Landschaft. Ich hatte mich mit zwei dicken Henning Mankell-Buechern versorgt und las "Mittsommermord" (spannend bis zur letzten Seite und absolut empfehlenswert) sowie "Die Rueckkehr des Tanzlehrers" (etwas arg konstruierte Geschichte ueber ein Neonazi-Netzwerk in Schweden, ausserdem ging mir der kraenkelnde Kommissar auf die Nerven). Ich habe seit mehr als 20 Jahren keine Krimis mehr gelesen und muss zur Zeit damit vorlieb nehmen, was die hiesigen Bibliotheken in den Hostals hergeben, aber nachdem ich nun Raymond Chandler und seinen Phillip Marlowe, George Simonet und dessen Kommissar Maigret und vor allen Dingen Henning Mankell's Kurt Wallander kennen gelernt habe, sollte ich doch mal wieder in die Krimi-Ecke greifen.
Und so verging die Zeit auf dem Kahn. Tagsueber war es heiss, manchmal unertraeglich heiss, aber dafuer bescherte uns jeder Abend mit einem fantastischen Sonnenuntergang. Da wir recht nahe am Aequator sind, wird es gegen 6 Uhr morgens hell, aber auch kurz nach 6 am Abend dunkel. In der stockdunklen Nacht navigierte das Schiff nicht auf dem Fluss, denn es wird auf Sicht gefahren, und das Schiff verfuegt natuerlich nicht ueber Radar oder Sonar. Hier wird noch von Hand geleuchtet. Heute morgen, am 6. Tag, legte die "Henry 6" in Iquitos an. Diese Stadt, am Amazonas gelegen und immerhin fast eine Halbmillionenstadt, ist nur per Luft oder zu Wasser erreichbar. Keine Strasse fuehrt hierhin. Hier werde ich mich kurz umschauen, aber wohl schon am Montag nach Lima fliegen, um meine Reise nach Norden fortzusetzen. Ich will noch nach Ecuador, ehe ich mich auf meine Rueckreise nach Argentinien begebe.
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