Meine Argentinienreise 2007/2008 | |
Peru - eine Abrechnung
20:15, 20 April 2008
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Nachdem ich mehr als einen Monat durch Peru gereist bin, erlaube ich mir an dieser Stelle ein Urteil ueber das dort Erlebte. Vornweg: Peru muss man gesehen haben! Es ist auf jeden Fall eine Reise wert und ueberrascht positiv auf vielfaeltige Weise, besonders da, wo man es nicht erwartet. Aber es gibt etwas, was einem nach einiger Zeit maechtig auf den Senkel geht, und das sind die kleinen Bescheissereien und Luegen, die einem immer wieder unterkommen. "Tienes mi palabra - Du hast mein Wort!" gilt in Peru nichts. Darauf kann man sich ein Ei backen. Gerade in den Touristenhochburgen wie Cusco/Machu Picchu muss man sehr aufpassen, dass man fuer sein Geld auch die Leistungen bekommt, die versprochen wurden. Hier muss man sich alles schriftlich geben lassen, sonst hat man keine Chance zu reklamieren. Was mir passiert ist, habe ich ja bereits im Blog beschrieben. Da wird einem eine spektkulaere Eisenbahnfahrt versprochen, die schlussendlich darin besteht, dass wir entlang der Schienen latschen statt fahren. Und anderes mehr, aber ich hatte ein schriftliches Angebot und konnte mir einen Teil des Geldes zurueckholen. Oder die Schifffahrt von Pucallpa nach Iquitos: es fahren ja mehrere Gesellschaften, und jede annonciert ihre Abfahrtszeit. Auf meinem Schiff stand: Abfahrt 17:30 Uhr, mit dem Zusatz "sin falta", was soviel bedeutet wie "auf jeden Fall". Dieser Fall trat dann am darauffolgenden Tag gegen 15 Uhr ein, also mit knapp 22 Stunden Verspaetung. Aber auch im taeglichen Leben lauert immer der kleine Beschiss. Man muss immer vornweg nach dem Preis fragen, auch wenn man glaubt, ihn zu kennen. Da kann man hundert Mal einen Orangensaft an einem Stand auf der Strasse fuer 50 Centavos gekauft haben, beim naechsten Mal, wo man nicht fragt, kostet es garantiert das Doppelte. Hinterher braucht man sich nicht zu beschweren; man haette ja fragen koennen. Abgezockter sind die Taxifahrer. Kommt man gerade frisch in einer neuen Stadt an und der Busterminal liegt etwas ausserhalb des Zentrums, so sitzt man immer den Preisen der Taxifahrer auf, weil man die realen Tarife und Entfernungen nicht kennt. Tage spaeter bekommt man mit, dass man mal wieder das Doppelte oder Dreifache bezahlt hat. Ein weiterer Trick der Kutscher ist, einem auf die Frage, wie weit es bis da oder dorthin ist, eine viel groessere Entfernung vorzugaukeln und letztendlich doch nur um den Block zu fahren. Eine weitere Plage sind die Strassenverkaeufer, die ziemlich aggressiv ihre Waren anbieten. Ich ignoriere die meistens, aber einmal hatte ich mich doch erweichen lassen von einem Schuhputzer, der mir die Sohlen meiner Textilschuhe reinigen wollte - zu einem Freundschaftspreis. Das sollten dann 30 Dollar sein; ein uebler Scherz, denn normalerweise kostet das Putzen 1 Sol (ca. 0,25 EUR). Da braucht man gar nicht erst in Verhandlungen treten, so einem Spinner drueckt man 2 Sol in die Hand und geht einfach weiter. In meinem Fall war das leider nicht so ganz einfach, denn der Kerl drohte mir die Kehle durchzuschneiden, wenn ich nicht das Geld bezahle. Ich sah seine milchig-trueben Augen und wusste, dass er unter Drogen stand, aber hinter mir sassen zwei weitere Kerle, deren Beziehung zum Schuhputzer ich nicht einschaetzen konnte. Ich bin dann einfach aufgestanden und langsam, aber bestimmt davongegangen, mit dem Wunsch, Augen im Hinterkopf zu haben. Zum Glueck nichts passiert. Auf jeden Fall abzuraten ist der Umgang mit Drogenhaendlern (narcotráficos). Auf der Strasse bekommt man immer wieder zugefluestert, ob man nicht "Stoff" haben wolle: Marihuana, Haschisch, Kokain u.a. Selbst wenn die Versuchung zu probieren gross ist, kommt in vielen Faellen spatestens 2 Minuten nach dem Kauf das boese Erwachen. Wie der Zufall es will, laeuft man in eine Polizeikontrolle, und die filzt und findet manchmal mehr als das, was man gerade eben erworben hat. Peru und angrenzende Laender sind weltweit fuehrende Drogenproduzenten, und da will die Polizei Erfolge vorweisen, die sie dann zusammen mit "ihren" Drogendealern organisiert. Ich nehme an, dass diese narcotráficos unter Polizeibeobachtung stehen und den Uniformierten gegenueber was gutzumachen haben. So viel ich weiss, sind die Gefaengnisse in Peru nicht sehr komfortabel. Also, als Reisender besteht das Problem darin, immer auf seine Wertsachen zu achten, sie nie aus den Augen zu lassen, sich immer zu vergegenwaertigen, wo man steht und geht, um nicht in Stadtviertel oder in die Gesellschaft von Leuten zu geraten, die einem das Fell ueber die Ohren ziehen, und man muss, bevor man Geld auszugeben gedenkt, immer darauf gefasst sein, dass der Gegenueber versucht, seinen Schnitt zu machen. Dieses permanente Aufmerksamkeit macht mich nach einer Weile muede, und ich muss gestehen, dass ich ganz froh war, als ich die Grenze ueberschritt und Peru hinter mir lassen konnte. Kommentar hinterlassen { Vorherige Seite } { Seite 20 von 180 } { Nächste Seite } |
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