Meine Argentinienreise 2007/2008

Im ecuadorianisch-kolumbianischen Grenzgebiet

13:56, 27 April 2008 .. 0 Kommentare .. Link

So war ich also in Kolumbien, aber es ware reichlich uebertrieben zu behaupten, dieses Land nun auf die Liste der von mir bereisten Laender zu setzen. Mein Reisefuehrer beschrieb sueffisant, dass es nur drei Gruende gibt, in die ecuadorianische Grenzstadt Tulcán zu reisen: man kommt von Kolumbien, man reist nach Kolumbien, oder man kennt jemanden, der in Tulcán lebt. Das Gleiche gilt ebenso fuer den kolumbianischen Widerpart Ipiales auf der anderen Seite der Grenze. Hier hat man eigentlich nichts verloren, bestenfalls eine Durchgangsstation auf der Weiterreise ins Landesinnere. Auch hatte ich mir einen wesentlich praechtigeren Stempel in meinen Reisepass erhofft, aber das kolumbianische Touristenvisa wird maschinell in den Pass genadelt. Jede Supermarktquittung hat mehr Charme...


Kolumbien ist ein Land, das ich sehr gerne kennen lernen moechte. Ich habe waehrend meiner Reise viele Leute getroffen, die von diesem Land und seinen Menschen schwaermten. Dies steht in einem solchen krassen Gegensatz zu der eigentlich schlechten politischen Reputation, die das Land hat. Momentan knistert es gerade maechtig zwischen Kolumbien und Ecuador, weil die kolumbianische Armee am 1. Maerz des Jahres ein Lager der Guerillaorganisation FARC bombardierte, das sich auf ecuadorianischem Gebiet befand. 26 Menschen starben, darunter die Nr. 2 der FARC, Raúl Reyes. Man fand dabei auch einen Laptop des FARC-Fuehrers mit einer Menge Daten ueber die vielfaeltigen Beziehungen der FARC zu Insitutionen, Organisationen und auch Regierungen anderer lateinamerikanischer Staaten, was gegenwaertig heftige Debatten hervorruft.

www.taz.de/1/politik/amerika/artikel/1/guerilla-sprecher-erschossen/

www.taz.de/1/politik/amerika/artikel/1/ecuador-bestreitet-farc-kontakte/


Die FARC spielt noch immer eine grosse Rolle in dieser Region, und das kann man sehen, sobald man nach Kolumbien einreist. Wie weiland die Mitglieder der RAF in der Bundesrepublik, so werden hier die Koepfe der FARC mittels Fahndungsplakaten gesucht, die ueberall aushaengen. ich weiss nicht, inwieweit das Schicksal der kolumbianischen Politikerin Ingrid Betancourt in Deutschland bekannt ist, die vor mehr als 6 Jahren von der FARC entfuehrt wurde und deren Befreiung seit Monaten von verschiedenen Seiten, u.a. Venezuela und Frankreich, angestrengt wird. Das Venezuela des Hugo Chavez gilt hierbei als Sympathisant und indirekter Unterstuetzer der FARC. Die kolumbianische Militaeraktion wird nicht gerade dazu beigetragen haben, diese unendlich lange Geiselhaft zu beenden.

Also, Kolumbien ist ein Kapitel fuer sich, das ich mir auf einer anderen Reise vornehmen muss. Nach einem Tag in dem eher langweiligen Ipiales kehrte ich nach Ecuador zurueck und nahm den Bus nach Otavalo, einem Ort etwa 3 Stunden suedlich der Grenze. Otavalo gilt als ein Vorzeigeort indigener Emanzipation und als Hort handwerklichen Geschickes. Vor allen die Webarbeiten sind weltberuehmt, aber auch die Tatsache, dass viele indigene Otavaleños ueber eine gute Bildung verfuegen, als Rechtsanwaelte, Aerzte und Gewerbetreibende arbeiten, und das sieht man diesem Ort auch an: die Menschen sind sehr stolz, sie berufen sich sehr offensichtlich auf ihre indianischen Wurzeln, tragen traditionelle, aber auch flippìge Kleidung und nutzen moderne Technik. Ich finde gerade die Maenner interessant, von denen viele, auch die Aelteren, geflochtene Zoepfe tragen. Die passen wirklich gut zu ihren scharf geschnitten Gesichtern.


Tags darauf ging es wieder nach Ibarra, wo ich am Samstag eine Fahrt mit dem "Tren de la Libertad" zu machen hoffte. Ging aber nicht, weil sich nicht genuegend Leute angemeldet hatten und eine Mindestteilnehmerzahl erforderlich ist, um den Schienenbus aus der Remise zu holen. Aber fuer den Sonntag wurde mir eine Fahrt versichert.


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