Meine Argentinienreise 2007/2008

Von Quito nach Lima

16:00, 2 May 2008 .. 0 Kommentare .. Link

Am Abend des 28.04. stieg ich in den alten, muffigen Bus, der mich in 12 Stunden von Quito bis nach Huaquilla an die Grenze zu Peru bringen sollte. Irgendwie ueberstand ich diese grauenhafte Fahrt durch staendigen Regen, der sich durch die Gummidichtungen der Fenster drueckte. In Huaquilla hatte man den genialen Einfall, die "Migración", also den Ort, wo man sich den Ausreisestempel holt, 3 km vor den Ort zu verlegen, so dass ich mir ein Taxi bis dahin nehmen musste, um dann dieselbe Strecke wieder zurueckzuduesen. Dasselbe Spiel auf der peruanischen Seite, auch hier verlegte man die "Migración" ausserhalb des Ortes. Nachdem diese Prozedur erledigt war, stand ich vor der Aufgabe, wie ich die 30 km von der peruanischen Grenzstation bis nach Tumbes zuruecklege, denn es gibt praktisch keine Busverbindung nach dorthin; nur sogenannte Sammeltaxis, wo man warten muss, bis auch der Kofferraum mit Fahrgaesten gefuellt ist. Darauf hatte ich keine Lust, also nahm ich mir ein Taxi, handelte die verlangten 30 Soles auf 20 runter und war eine halbe Stunde spaeter in Tumbes, einen Ort, den man getrost von der Landkarte streichen kann. Hier gibt es aber Anschluss nach Lima, und da ich schon eine Nacht Busfahrt in den Knochen stecken hatte, leistete ich mir diesmal den Luxus auf einen Bus mit Schlafsesseln und Bordverpflegung. Die Firma "Cruz del Sur" kann ich guten Gewissens empfehlen.

In Lima am Vormittag des 30.04. angekommen, wollte ich nur noch ins Hotel und unter eine Dusche, um dann endlich den restlichen Schlaf nachzuholen. Der Mittwoch machte es mir nicht schwer, auf meinem Bett liegen zu bleiben und in die Roehre zu glotzen: am Nachmittag lief Champion's League (ManU - Barcelona und Chelsea - Liverpool), danach die Copa Libertadores, also das suedamerikanische Pendant zur Champion's League, und am Abend gab es das peruanische Derby Alianca Lima vs. Universitario Lima obendrauf. Da sass ich aber schon wieder in einer Kneipe, um mir dieses Duell dieser beiden total verfeindeten Mannschaften anzusehen.

Zuvor war ich herrlich essen: es gibt in Lima ein Restaurant namens "L'Eau Vive", das von Nonnen des Karmeliter-Ordens betrieben wird und in dem ein dreigaengiges Menue franzoesischer Kueche fuer 10 Soles zu haben ist (knapp 2 EUR) - der absolute Geheimtipp in Lima (Ucayali 370, wenige Blocks von der Plaza Armada entfernt). Die 40 Tische sind zur Mittagszeit sowohl von Geschaeftsleuten und Bueroangestellten, aber auch von den einfachen Leuten der Strasse restlos besetzt. Eine Nonne erzaehlte mir, dass das hier erwirtschaftete Geld in soziale Projekte investiert wird. Das habe ich wirklich noch nicht erlebt: man tafelt wie in einem 4-Sterne-Restaurant, bezahlt wenig und unterstuetzt zudem noch humanitaere Projekte.

Da mein Hotel sehr zentral lag, schaute ich mich natuerlich auch ein wenig auf der Plaza de Armas und den umliegenden Strassen um, wo sich die sehenswerten Kathedralen und Kirchen befinden, aber auch diverse Regierungsgebaeude, und da irgendein Gipfeltreffen ansteht, patroullierte entsprechend viel Militaer und Polizei durch die Strassen bzw. Schuetzenpanzerwagen standen bedrohlich an den Kreuzungen herum. Allzu viel Zeit blieb mir aber nicht fuer Lima, dieser Gigantomegametropole mit knapp 8 Millionen Einwohnern, der ehemaligen Hauptstadt des Vizekoenigreiches Perú, heute von Abgasen verpestet, in dessen Strassen die Autos staendig im Stau stehen, der Ort in der Welt, an dem man zufolge meines Reisefuehrers am wahrscheinlichsten beklaut wird, dessen Altstadt zu den besterhaltenen architektonischen Vierteln Lateinamerikas gehoert und die ganz bestimmt - so man denn die Zeit dafuer hat - eine Menge zu bieten hat fuer Auge, Ohr und die anderen Sinne. Ich habe leider keine Zeit dafuer, denn anderntags Punkt 7 Uhr startet mein Zug nach Huancayo, eine Reise auf einer der spektakulaersten Gebirgsstrecken der Welt. Und dafuer muss ich ausgeschlafen sein...

PS: Ich hatte doch versprochen, mal zu erkunden, warum unsere Freunde vom linken Spektrum in Deutschland den Sozialismus nach ecuadorianischem Vorbild einfuehren wollen. Hier ein eventueller Ansatz fuer eine Erklaerung: 1.) Es gibt Bananen im Ueberfluss, also wuerde es niemals solch bloeden Witze geben, dass die Banane krumm ist, weil sie einen Bogen um die DDR (oder Ecuador) macht. 2.) Offensichtlich scheinen die Herren Lenin und Stalin mal sehr populaer in Ecuador gewesen zu sein, denn nur so kann ich mir erklaeren, dass manche Leute deren Namen tragen. Der aktuelle Vize-Praesident heisst Lenin Moreno, und in der Zeitung las ich mal von einem Typen (allerdings einem Kriminellen, der gesucht und verhaftet wurde), dessen Vorname Stalin lautet.


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