Meine Argentinienreise 2007/2008 | |
Von Lima nach Huancayo auf der hoechsten Gebirgsstrecke der Welt
15:18, 2 May 2008
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Gleich vorneweg: das war eine spektakulaere Fahrt, die Peru-Reisende nicht verpassen sollten! Sie ist jeden der 85 US-Dollar Fahrpreis wert! Ich hatte diese Fahrt ja bereits Anfang April gebucht, als ich das erste Mal in Huancayo war, auf der Durchreise von Cusco nach Pucallpa. In meinem alten Reisefuehrer von 2001 war diese Strecke als stillgelegt beschrieben worden, zumindest fuer den Personenverkehr, aber dass es private Initiativen gibt, diese aelteste der Gebirgsstrecken der Welt wieder fuer Touristenfahrten herzurichten. Und so geschah es dann auch, dank des ruehrigen Lucho Hurtado, einer echten Type, die man unbedingt kennen lernen sollte: ein Indio von Kopf bis Fuss, mit Adlernase, langen Haaren und entsprechendem Halsschmuck - eine Zierde fuer jeden Winnetou-Film - aber darueber hinaus ein Eisenbahnenthusiast, dessen Tourismus-Agentur "Incas del Peru" (www.incasdelperu.org/) es tatsaechlich geschafft hat, einen Touristikzug auf die Raeder zu stellen, der 4x im Monat diese Strecke faehrt. Und dieser Zug hat alles, was das Herz begehrt: gezogen von einer starken sechsachsigen GE-Diesellokomotive, schlaengelt sich ueber die Strecke ein Zug aus Personenwagen mit komfortablen, verstellbaren Sitzen, grossen Panoramafenstern, Klimaanlage, Bordverpflegung (Fruehstueck und Mittagessen in exzellenter Qualitaet, ausserdem ein Pisco Sour gratis), einem Packwagen fuer alle Rucksaecke und sonstigem Sperrgut und als absolutes Highlight - einem Barwagen mit Aussichtsplattform am Ende des Zuges!
Lok 1003 auf der Drehscheibe
Die Panoramawagen der "Touristik-Klasse", uebrigens hergestellt in Arad/Rumaenien (Baujahr 1982, mittlerweile aber grundlegend modernisiert)
Innenansicht eines Panoramawagens
Der wunderbare Barwagen mit Aussichtsplattform Kurz zur Geschichte dieser Strecke: sie fuehrt von Lima, das auf Meeresniveau liegt, ueber knapp 350 km nach Huancayo und erreicht nach 172 km den hoechsten Punkt der Strecke, das auf 4.818 m Hoehe gelegene La Cima. Bis nach Huancayo verliert die Strecke wieder an Hoehe; es sind dann "nur" noch 3.254 m ueber dem Meeresspiegel. Initiiert wurde der Bau dieser Linie von einem US-amerikanischen Industriellen namens Henry Meiggs, der gesagt haben soll, dass er ueberall dort, wo ein Lama laufen kann, auch eine Eisenbahnstrecke bauen kann. Projektiert wurde die Strecke von dem polnischen Ingenieur Ernest Malinowski (1818-1899); der Bau begann im Jahre 1870, und es dauerte fast 40 Jahre, bis der Eroeffnungszug im Jahre 1909 die Strecke befahren konnte. Mehr als 10.000 Arbeiter, davon 5.000 Chinesen sowie 4.000 Peruaner und 1.000 Chilenen, schufteten staendig auf dieser Baustelle, um Erde ab- und aufzutragen sowie Felsen zu sprengen fuer eine Trasse, die 68 Bruecken ueber- sowie 71 Tunnels durchquert und auf der die Lokomotiven ueber 9 sogenannte "Zigzags" (Spitzkehren) ihren Wagenzug mal ziehen und dann wieder schieben muessen. Diese Strecke war bis vor kurzem die hoechste Gebirgsstrecke der Welt, was nun die von den Chinesen im Oktober 2005 eroeffnete Pan-Himalaya-Linie nach Lhasa in Tibet fuer sich in Anspruch nehmen kann (5.072 m ueber Meeresniveau), aber ich glaube behaupten zu koennen, dass es diese mit moderner Technologie erbaute Strecke nicht mit dem altmodischen Charme und der Rustikalitaet der Lima-Huancayo-Linie aufnehmen kann. Die Fahrt dauert knapp 13 Stunden, und die Aussichten sind einzigartig und spektakulaer, vor allen Dingen, weil man es in diesem Zuge so kommod hat. Der beliebteste Wagen war natuerlich der Aussichtswagen am Ende des Zuges. Hier kann man mit einem Cocktail in der Hand an der frischen Luft ungehindert die Landschaft zu beiden Seiten des Gleises beobachten und bewundern. Und wenn durch die Musikanlage Samba- und Cumbiarhythmen hinaus schallten, wurde auch getanzt. Ich habe mich keine einzige Sekunde auf dieser langen Fahrt gelangweilt, war schlimmstenfalls ein bisschen muede gegen Ende der Reise.
Ein Problem koennte es aber geben fuer einige der Fahrgaeste - die Hoehenkrankheit. Innerhalb weniger Stunden steigen man von 0 auf knapp 5.000 Hoehenmetern, deswegen gibt es mehrere Aerztinnen und Krankenschwestern an Bord, die hier mit Sauerstoffmasken oder Tabletten helfen. Ich war zum Glueck noch leidlich akklimatisiert, aber merkte durchaus, dass mein Kopf brummte. Unterwegshalte gibt es auch, und wenn man Glueck hat, kann man die eine oder andere technische Raritaet am Rande der Gleisanlagen stehen sehen. Man spricht davon, eine der noch vorhandenen Dampflokomotiven wieder in Betrieb nehmen zu wollen.
PS. Hier noch der Hinweis, dass es auch in der Heimat sehenswerte und historisch bedeutende Gebirgsstrecken gibt, so u.a. die "Zackenbahn" von Hirschberg (heute Jelena Gora) hinauf ins Riesengebirge. Da gibt es eine Truppe ausserordentlich sympathischer Leute (u.a.aus Dresden und Umgebung), die dieser Strecke ein Denkmal setzen wollen und danach streben, dass auf dieser landschaftlich wunderschoenen Strecke bald wieder ein durchgehender Fahrgastbetrieb von Hirschberg auf der schlesischen bis nach Tanvald auf der boehmischen Seite moeglich ist: Kommentar hinterlassen { Vorherige Seite } { Seite 12 von 180 } { Nächste Seite } |
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