Meine Argentinienreise 2007/2008 | |
Von Huancayo nach La Paz
15:30, 6 May 2008
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Nach dieser so spektakulaeren Zugfahrt von Lima nach Huancayo bestand mein weiterer Plan darin, moeglichst schnell nach Bolivien zurueck zu kehren, was gar nicht so einfach ist angesichts der Lage von Huancayo und deren Anbindung ans Verkehrsnetz: entweder per Bus zurueck nach Lima (nicht schon wieder!), ueber die altbekannte Schotterpiste in Richtung Cusco (keine Lust auf diese Kamikaze-Tour), oder man nimmt den Zug von Huancayo nach Huancavelica und reist von dort aus mit dem Bus in Richtung Kueste, um auf der gut ausgebauten Panamericana weiter Richtung Sueden zu brausen. Die Entscheidung fuer die Zugfahrt wurde mir von Lucho, dem Organisator der Fahrten auf der Strecke Lima-Huancayo leicht gemacht; der hatte mir naemlich eine Besichtigung des Depots der Eisenbahngesellschaft Ferrocarril Huancayo-Huancavelica organisiert und von mir von seinen Plaenen erzaehlt, auch diese Strecke fuer den Touristenbetrieb fit zu machen. Auf dieser 128 km langen Strecke, die anders als die Verbindung nach Lima schmalspurig ist, verkehren eigentlich nur Triebwagen, die von den Einheimischen genutzt werden, weniger von Touristen. Landschaftlich gesehen, ist diese Strecke nicht minder attraktiv als die Gebirgsstrecke: sie fuehrt die meiste Zeit entlang einer wildromantischen Schluchtenlandschaft, ueberquert reissende Fluesse und passiert ein Dutzend Tunnel. Die meisten Orte unterwegs sind nur von der Bahn erreichbar; die Hauptstrasse von Huancayo nach Huancavelica fuehrt in weitem Bogen vorbei, so dass die Fahrtzeit Bus-Triebwagen in etwa gleich ist - ca. 4 1/2 Stunden. Aber zurueck zum Depot: hier stand und lag mal wieder alles herum, was den Eisenbahninteressierten fasziniert.
Eindeutig das Schmuckstueck des Depots ist diese Dampflok "made in England", die wieder betriebsfaehig hergerichtet werden soll. Dazu gibt es noch schoene Salonwagen in Holzausfuehrung und viele Dinge, die im Detail gefallen, wie z.B. diese gusseisernen Kilometrierungsschilder oder einfach der Stil der Anschriften an den Waggons.
Aber jetzt genug mit diesem Eisenbahnzeugs - das interessiert sowieso nur eine Minderheit. Ich fuer meinen Teil nahm also den "autovagon", den Triebwagen, der mich gegen halb sechs am Abend in Huancavelica auf dem Bahnhof wieder ausspuckte.
Jetzt musste ich nur noch die Busgesellschaft finden, die eine Verbindung nach Pisco oder Ica anbietet. Diese fand ich auch, aber man sagte mir, dass der Bus total ausgebucht waere. Wie der Zufall es will, treffe ich dort einen Mann, der ein Ticket nach einem Ort hat, der etwa in der Mitte der Strecke nach Ica liegt. Er will mir sein Ticket abtreten und meint, dass wir einfach zusammen zum Busterminal rausfahren und die Angelegenheit mit dem Busfahrer regeln. Der hat nichts einzuwenden, ich kaufe dem Mann das Ticket ab und zahle die Differenz bis nach Ica an den Busfahrer, und so sitze ich eine halbe Stunde nach Ankunft schon wieder im Bus, auf einer 12-stuendigen Reise durch die Nacht, zu Beginn wieder mal ueber Schotterpisten, auf dem letzten Viertel der Strecke endlich wieder auf Asphalt. In Ica am naechsten Morgen (wir schreiben Sonntag, den 4. Mai) gegen 5:30 Uhr angekommen, schaute ich nach der naechsten Verbindung nach Arequipa und enttaeuscht feststellen, dass die Busse nach dorthin erst am spaeten Nachmittag starten. Heisst also, einen ganzen Tag in einem gottverlassenem Kaff verbringen - nur gut, dass ich ein Buch dabei hatte und es Internetcafes gab, wo ich mal eine Stunde abhaengen konnte. Die folgende Nacht wieder im Bus, Ankunft in aller Herrgottsfruehe in Arequipa (5:30 Uhr), erst mal einen Kaffee und ueberlegen, ob ich einen Tag bleibe und mir die Stadt anschaue oder doch lieber den naechsten Bus in Richtung bolivianische Grenze nehme, dann fuer das Letztere entschieden und mit dem Bus hinauf ins Altiplano (das duerre Hochland mit den schneebedeckten Gipfeln am Horizont) in Richtung Puno und dort gleich in den naechsten Bus gesprungen, der mich nach Desaguadero an die peruanisch-bolivianische Grenze am suedlichen Ende des Titicaca-Sees brachte. Dort stand ich dann am gestrigen Dienstagspaetnachmittag, verjubelte noch schnell mein verbliebenes peruanisches Hartgeld, ehe ich wieder mal nach Bolivien einmarschierte, in der Hoffnung, dass mein bisschen Cash, was ich noch hatte (eine 10-Sol-Note sowie 5 US-Dollar) fuer eine Fahrt nach La Paz reichen wuerde. Offensichtlich gab es mehr Mitfahrinteressierte als Busse, denn als nach einigem Warten auf der Hauptstrasse endlich ein kleiner Bus um die Ecke fuhr, rannten aus allen Richtungen Leute auf diesen Bus zu, um sich einen Sitz- oder wenigstens einen Stehplatz zu ergattern. Ich natuerlich mittenmang, denn in solchen Situationen ist mir das Hemd naeher als der Rucksack. Als der Bus rappelvoll war, verkuendete der Chauffeur, dass die Fahrt nach La Paz 15 Bolivianos koste, was zu einer hitzigen Diskussion mit den Fahrgaesten fuehrte, die meinten, dass diese Strecke sonst nur 10 Bs. koste und sie bestenfalls bereit waeren, 12 Bs. zu bezahlen. Somit verzoegerte sich die Abfahrt um einige Zeit bzw. bis sich die Gemueter beruhigt hatten, was in diesem Fall bedeutete, dass letztendlich doch alle die verlangten 15 Bs. abdrueckten - es gab halt keine Alternativen. So kam ich gestern Abend noch in La Paz an, bezog ein Zimmer in dem mir bekannten Hostal und schlief erst mal eine Nacht durch - die erste seit drei Tagen. Das letzte Stueck meiner Reise soll nach Cochabamba fuehren, was ich glaubte, auf einer Backe absitzen zu koennen, aber als ich heute frueh auf dem Terminal ein Ticket kaufen wollte, sagte man mir, dass die Route von La Paz nach Cochabamba von Protestierenden blockiert sei und dementsprechend keine Busse fuehren. Andere Busgesellschaften hingegen meinten, dass die Nachtbusse duchkaemen, so dass ich es heute Abend einfach mal probiere. Wenn ich haengen bleibe, muss ich eben sehen, wie ich weiterkomme. Hier in Bolivien ist derzeit - politisch gesehen - dicke Luft. Am vergangenem Sonntag gab es ein Referendum in der Provinz Santa Cruz, in dem es um mehr Autonomie geht, was von einigen auch mit "Unabhaengigkeit" interpretiert wird. Da gab es eine Menge Aufruhr in den Strassen mit einigen Verletzten. Demonstrationen sind in Bolivien in der Regel mit Gewalt verbunden, die den Forderungen Nachdruck verschaffen sollen. Ich muss mir jetzt erst mal selber den Ueberblick verschaffen ueber die gegenwaertige politische Situation; hier findet man zumindest eine kurze Notiz: www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,551380,00.html
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