Meine Argentinienreise 2007/2008

Wieder in Córdoba

12:01, 27 May 2008 .. 0 Kommentare .. Link

Nach Abschluss der Konstruktion mit Un Techo Para Mi País am 25. Mai hatte ich es eilig. Ich hatte bereits eine Fahrkarte für einen Bus nach Córdoba und musste zusehen, dass ich möglichst schnell nach Buenos Aires downtown kam, um meine Klamotten zu wechseln, zu duschen und dann zum Busterminal zu gelangen, um den allerletzten Bus nach Córdoba zu erreichen. Das klappte glücklicherweise, und so bin ich jetzt wieder in der Stadt, in der ich zwischen September und November 2007 für drei Monate lebte und arbeitete. Ich will hier noch mal „hallo & tschüss“ sagen, noch eine Abschiedsrunde drehen, Freunde besuchen usw. usf. Dies sind die letzten Tage meiner langen Reise, und ab jetzt will ich nur noch genießen.

Mittlerweile ist es Herbst geworden, was ich in Bolivien und Peru gar nicht so bemerkt hatte, denn dort ist das Wetter mehr oder weniger zu allen Jahreszeiten gleich. Schon bei Ankunft in Buenos Aires fiel mir auf, dass die Bäume ein goldgelbes Blätterkleid besitzen oder gar ihr Laub verloren haben, es ist noch wunderbar warm draußen, aber des Morgens weht einem eine kleine Dampffahne aus dem Gesicht. Ich finde es herrlich, denn nach all der langen Zeit der Reise durch trockene und heiße Gegenden wieder mitteleuropäisches Klima genießen zu können.

Bis Freitag bin ich noch hier in der Stadt, und ich habe schon jetzt einen fast vollen „Terminkalender“ für diese Tage. Wiedersehen nach so langer Zeit macht wirklich Freude!



Construcción mit Un Techo Para Mi País – meine Dritte

11:56, 27 May 2008 .. 0 Kommentare .. Link

 

25. Mai, Nationalfeiertag, langes Wochenende – es gibt kaum einen idealeren Zeitpunkt für Un Techo Para Mi País, um Freiwillige für den Bau von Häusern in den Elendsvierteln zu mobilisieren. Dies ist die erste Aktion des Jahres in Buenos Aires, 50 Häuser sollen errichtet werden, und dafür wurden 500 Freiwillige gesucht. Anmelden konnte man sich über das Internet, und es gab einen regelrechten Ansturm. Innerhalb eines einzigen Tages meldeten sich mehr als 500 junge Leute, womit das Kontingent voll war. Ich hatte zum Beispiel keine Chance, mich auf offiziellem Wege anzumelden, sondern musste meine guten Beziehungen zu Córdoba nutzen, die eine Truppe zur Unterstützung schickten, um unter deren Flagge an der Aktion teilnehmen zu können. Dieser Ansturm hat mich total überrascht, denn bei allen Konstruktionen zuvor kamen zwar auch genügend Freiwillige, aber nie so viele mit einem Male.

 

So traf ich mich also mit meinen Freunden aus Córdoba am Morgen des 23. Mai auf dem Busterminal in Retiro, und es gab ein riesiges Hallo. Fast alle waren gekommen, mit denen ich drei Monate in Córdoba zusammenarbeite. Ein halbes Jahr haben wir uns nicht gesehen, und entsprechend viel gab es zu erzählen. Am Spätnachmittag traf ich dann noch viele Bekannte aus Buenos Aires wieder, die an der Oktober-Konstruktion teilgenommen haben. Von den Meisten hatte ich schon die Namen vergessen, aber deren Gesichter waren mit noch präsent. Da waren wir also alle wieder zusammen!

 

Dieses Mal sollte die Konstruktion in einem Viertel stattfinden, dessen Name „Nicole“ lautet, was von deren Bewohner sarkastisch mit „Ni colectivo, ni colegio“ übersetzt wird: „Weder Bus noch Schule“. 750 Familien leben dort, der Boden ist durch Müll kontaminiert (hier „lagern“ unter der Erde ca. 64.000 Tonnen Abfälle), Krankheiten weit verbreitet (Leukämie, genetische Deformationen, Wachstumsverzögerungen und sogar ein Fall des Wolf-Syndroms) und die Arbeitsmöglichkeiten schlecht bis nicht vorhanden. Die meisten arbeiten als „cartoneros“, also als Altpapier- und Kartonsammler.

 

Die Konstruktion sollte dieses Mal nur 2 Tage dauern, also einen Tag weniger als meine beiden anderen Konstruktionen im Vorjahr. Ich hielt das für verdammt wenig Zeit, aber man sagte mir, dass bis auf die eben genannten Aktionen die Häuser schon seit jeher an zwei Tagen aufgebaut wurden. Da müssen wir uns also ranhalten. Verteilt wurden die 500 Freiwilligen auf verschiedene Schulen in der näheren Umgebung von Nicole. Von dort aus erfolgte auch die gesamte logistische Unterstützung der Konstruktion (Werkzeugausgabe, Materialanlieferung etc.). Ich war in der Escuela Rosa untergebracht.

 

Die Hausordnung zu befolgen fiel uns nicht schwer, denn zu ersterem fehlte uns an den Abenden die Kraft, für das dritte die Gelegenheit und das zweite verbot sich von selbst.

 

 

Also zogen wir los am Morgen des 24. Mai 2008, um „Geschichte zu schreiben“, wie es Un Techo  - für uns Mitteleuropäer immer ein wenig pathetisch – formuliert. Aber es ist so, denn in Argentinien leiden 20% der Kinder an Unterernährung (es gab sogar 8 Todesfälle), sind die Hälfte der Kinder und Jugendlichen bis 14 Jahre arm und 7% der 5- bis 13-jährigen im Lande müssen arbeiten, um ihre Familien zu unterstützen.

 

Unsere Familie ist eine kleine Familie und besteht aus Roberto Carrizo (35 Jahre, Anstreicher), seiner Frau Natalia (21 J.) und den beiden Töchtern Erika (3) und Morena (7 Monate). Sie kommen dank der Arbeit Robertos so einigermaßen über die Runden, aber ihre bescheiden Behausung verrät, dass sie mehr von der Hand in den Mund leben und die Zukunft unsicher ist.

 

 

Los gingen die Arbeiten also mit dem Versenken der Fundamentpfähle in den Boden. Dies ging erstaunlich zügig vonstatten. Hatten wir während der anderen Konstruktionen anderthalb Tage benötigt, um die Erde auszuheben, die Pfähle einzusetzen und zu nivellieren, so brauchten wir jetzt gerade mal einen halben Tag. Vielleicht war es ja die Erfahrung, denn die meisten unserer Truppe haben schon an mindestens einer Konstruktion teilgenommen.

 

 

Dann wurden die Bodenplatten angeliefert, aufgesetzt und vernagelt. Hier zeigt sich immer, ob das Fundament ordentlich nivelliert wurde, wobei aber alle Nivellierei auf +/- 0 wenig Sinn hat, wenn die Bodenplatten verzogen sind. Hier ist es besser, zuerst grob zu nivellieren und dann mittels „trial & error“ die Bodenplatten so zu drehen und miteinander zu kombinieren, dass sie möglichst wenig kippeln, ehe sie vernagelt werden. So spart man Zeit und Nerven.

 

 

Hernach setzten wir die Seitenwandpanelen auf, deren Befestigung miteinander mittels 5-Zoll-Nägeln erfolgt – das ist jedes Mal eine üble Klopperei mit dem Hammer. Kein Wunder, dass wir an zwei Tagen insgesamt 4 (!) Hämmer verschlissen haben, d.h. deren Köpfe brachen ab. Vermutlich hat das aber eher mit der Qualität der Hämmer zu tun, die alle „made in China“ waren.

 

 

Am zweiten Tag begannen wir bereits mit der Montage der Dachbalken, über die wir dann Isomatten spannten und letztendlich das Wellblech für das Dach aufnagelten. Auch das ist eine üble Schinderei, weil man zuerst mittels eines spitzen Nagels ein Loch in das Blech treiben muss (meistens sind es zwei Bleche übereinander), ehe man den Dachnagel eintreibt, der einen Überzug aus Blei hat, um elektrochemische Korrosion zu verhindern.

 

 

Parallel dazu erfolgte der Einbau der der Tür und der beiden Fenster. Leider war die Qualität der angelieferten Teile nicht immer gut genug, so dass wir viel nacharbeiten mussten. Glücklicherweise hatten wir einen Tischler als Nachbarn, so dass wir dessen Kreissäge und Werkzeuge nutzen konnten und außerdem Holzabfälle beziehen konnten, um die Konstruktion zu verbessern.

 

 

Am Abend es 25. Mai war das Haus fertig und konnte eingeweiht werden. Das war wieder ein bewegender Moment für alle: für die Familie, weil sie nun endlich eine menschenwürdige Behausung hat, und für uns, weil wir es mit vereinten Kräften geschafft haben. Und für mich war es ein herrlicher und feierlicher Abschluss meiner Arbeit als „voluntario“ für UN Techo Para Mi País.

 

 

Mit der Einweihung des Hauses ist die Arbeit von Un Techo Para Mi País nicht beendet – nein: sie beginnt es gerade. Mit der Übergabe dieses Hauses sind Verpflichtungen verbunden, es zu verbessern und weiter auszubauen. Und weit wichtiger: zusammen mit Sozialarbeitern und Freiwilligen von Un Techo geht es darum, den Menschen in diesen marginalisierten Vierteln Perspektiven aufzuzeigen, um eine Arbeit zu bekommen, sich weiter zu bilden, Verantwortung für die Erziehung und Bildung seiner Kinder zu entwickeln, Gewalt, Alkohol und Drogen einzudämmen und über gegenseitige Hilfe echte Nachbarschaften zu entwickeln, die in der Lage sind, gegenüber der Stadtverwaltung Forderungen aufzustellen und für ihre Rechte als Staatsbürger zu kämpfen. Das ist die wesentlich anstrengendere und zeitaufwändigere Arbeit!!

 

 

Ich für meine Teil kehre mit den allerbesten Erinnerungen an Un Techo Para Mi País wieder nach Deutschland zurück, und wenn mich nicht alles täuscht, dann werde ich mit meinen Freunden aus Córdoba und Buenos Aires noch lange in Verbindung bleiben. Wir haben noch so Manches vor…

 



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