En una villa miseria

09:00, 9.08.2009. Von miyake

Am Samstag sahen wir die andere Realität Argentiniens, die weitverbreitete Armut, die uns Touristen auf unseren Pfaden gar nicht so sehr ins Auge sticht. Klar, man kann die bettelnden Kinder, die "cartoneros", also die Papier- und Müllsammler und auch diejenigen, die auf alten Matratzen oder Pappen in Hauseingängen oder auf der Straße schlafen, schwerlich übersehen. Aber man kann die Augen schließen und es ausblenden.

Wir trafen uns frühmorgens mit einem Dutzend Freiwilligen von Un Techo Para Mi País, um gemeinsam in eines der Elendsviertel (auf spanisch: villa miseria) am Rande der riesigen Metropole zu fahren. Es war zufälligerweise genau das Viertel, wo ich im Mai 2008 an einer Hausbauaktion teilgenommen hatte. Nicole heißt das Viertel, die Bewohner übersetzen dies mit "ni colégio, ni colectivo", was bedeutet: keine Schule, kein Bus. 1200 Familien leben hier, und wenn man ins Viertel hinein gelangen möchte, muss man eines der Taxis nehmen, erbarmungswürdige Rostlauben, die jeden Augenblick auseinander zu fallen scheinen.

Hier besuchten wir verschiedene Familien, die in das Programm von Un Techo aufgenommen werden sollen. Während der sogenannten "detecciónes" werden deren sozialen Lebensumstände aufgenommen, z.B. Zustand ihres Hauses, Anzahl der Bewohner, deren Alter, Beruf oder Tätigkeit, Einkommen, Krankheiten etc., um zu bewerten, wie bedürftig sie sind und welche Dringlichkeit herrscht, ihren sozialen Status zu verbessern, natürlich unter der Prämisse, dass sie dazu bereit sind und sich aktiv beteiligen. Es wird Hilfe zur Selbsthilfe angeboten, keinesfalls Alimentierung.

So hatte ich also die Gelegenheit, noch mal das Haus zu sehen, an dem ich vor einem Jahr mitgebaut hatte, und gleichzeitig konnte ich Leon zeigen, dass es neben dem Leben mit all seinen Möglichkeiten, die wir von zuhause kennen, auch andere Realitäten gibt, die ungleich schwerer sind.

Disfrutamos nuestra vida y utilizamos sus oportunidades!

Kommentare Hinterlassen.

Kommentare