Auf den Strassen von Buenos Aires
02:06, 22.07.2009. Von miyakeUnser erster Tag in Buenos Aires klang mit dem traditionellen Besuch im Botanischen Garten, unter uns auch als "Katzenpark" bekannt, aus. Dies ist ein Park, in dem eine gute Hundertschaft an ausgesetzten oder durchgebrannten Katzen lebt, auf der Straße zwar, aber von der Parkverwaltung geduldet und von vielen Besuchern gefüttert und mit ein wenig Zuneigung bedacht. Leon und ich kauften eine große Portion Katzenfutter und verteilten dieses großzügig unter unsere bepelzten Freunden.


Mancher Kater holte sich das Futter direkt aus dem RucksackAuf dem Weg dahin übrigens begegnete ich auf offener Straße einem Freund von Un Techo Para Mi País, den ich während einer Hausbauaktion in einem der Elendsviertel in Buenos Aires im Oktober 2007 kennen lernte und der bei allen nur "el chileno" hieß, der Chilene, weil er erstens aus Chile stammt, dem Ursprungsland der mittlerweile größten lateinamerikanischen Freiwilligenorganisation im Kampf gegen die Armut, und weil die Chilenen bei den Argentiniern als die "Preußen Lateinamerikas"gelten, weil sie tatsächlich ein bisschen wie Deutsche denken und organisieren.
Jedenfalls erkennt er mich (nicht ich ihn, Schande über mich), und die Wiedersehensfreude ist riesengroß! Und das mitten in Buenos Aires! Das kann doch kein Zufall sein. Wir wärmen noch mal die alten Kamellen auf, wie wir uns über unsere argentinischen Freunde lustig machten ("Cuidado! Argentinos trabajando!"), und er erzählte, dass meine damaligen Vorschläge zur Verbesserung der Stabilität der Häuser und zur Vereinfachung der Montage immer noch Bestandteil der offiziellen Bauanweisung sind, und mir wurde richtig warm ums Herz, als ich das hörte. Wir hatten seit fast zwei Jahren keinen Kontakt miteinander, aber uns war, als ob wir erst gestern auseinander gegangen wären.
Und wenn alles klappt, dann können wir an dem Wochenende vor unserem Heimflug hier in Buenos Aires unsere Freunde von Un Techo in eines der sogenannte "villas miserias" begleiten, so dass ich Leon zeigen kann, wo ich gearbeitet hatte und wie das Leben im unteren Bereich der sozialen Skala ausschaut.
Am zweiten Tag war Buenos Aires von tief hängenden dicken schwarzen Regenwolken bedeckt, so dass wir kaum aus dem Haus kamen, ohne uns nasse Füße zu holen. So verbrachten wir die meiste Zeit im Café oder im Hotel, bei Spanischlektionen, Schach spielend oder im Bett lesend, kauften uns die Bustickets für unsere morgige Fahrt nach Iguazu - so kann man auch den Tag rumbringen.

Zum Glueck klarte das Wetter gegen Abend auf, so dass wir doch noch eine Runde drehen konnten. Leon wundert sich immer wieder ueber die schrottigen Autos, die hier herumstehen und -fahren...

...wobei dieser alte und von leichtem Flugrost bestaeubte Dodge einer meiner Favoriten ist, schlussendlich enterten wir ein kleines Restaurant, wo wir den Tag mit einer ordentlichen Portion Fleisch...



...und einem abschliessenden "flan con dulce de leche" beschlossen.
