Lost in Paraguay
19:55, 26.07.2009. Von miyakeNach dem fantastischen Naturschauspiel der Wasserfälle von Iguazu begaben wir uns tags darauf in die Hölle der menschlichen Zivilisation, in Gestalt der paraguayischen Grenzstadt Ciudad del Este, vormals Puerto Stroessner. Wir wollten eigentlich "nur mal kurz rüber" nach Brasilien und Paraguay, das kann man ganz einfach im kleinen Grenzverkehr direkt mit dem Bus, allerdings ist das keine Gegend fürs sightseeing, ganz im Gegenteil, hier sollte man nicht so genau hinschauen, denn die ganze Stadt lebt nur vom Schmuggel (contrabande).

Alles kann man hier kaufen, und auch wenn die Produkte wie original aussehen, so sind sie doch gefälscht. Bei Klamotten mag man das ja noch nachvollziehen, aber bei Laptops, Mobiltelefonen, iPods oder gar Parfums und Whiskey kann man es nicht glauben. Wir waren durchaus in Versuchung, aber was nützt uns eine schöne Hülle mit wertlosen Inhalt, auch wenn es nur halb so teuer wie das Original ist.
Wir schauten uns das Spektakel an und liefen zurück nach Brasilien, wo wir erst mal ein bisschen Probleme bekamen ob der Tatsache, dass Leons und mein Familiennamen unterschiedlich sind. Die vorgezeigte amtlich bestätigte internationale Geburtsurkunde half erst mal auch nicht weiter, aber nach einigen Minuten Diskutieren kamen wir dann doch gemeinsam durch. Momentan sind die Grenzkontrollen ein bisschen strenger (wegen der Grippe), und hier auf Grund der contrabande ohnehin. Die Polizei zeigt ihre Großkalibrigen ziemlich offensiv.
Wenn man Brasilien oder auch Argentinien hört, dann denkt man oft an Rio der Janeiro, Samba, Buenos Aires, Tango und Fußball, in Wirklichkeit sind nur wenige Gegenden beschaulich oder einladend. Für die meisten Menschen hier bedeutet Leben = Überleben. Sie hausen in Hütten, die fast zusammenbrechen, auf den Straßen liegt Müll, Hunde streunen umher und aus manchem Tor folgen uns Blicke, die zu fragen scheinen: Was wollen diese Gringos hier? Natürlich gibt es die faszinierenden Orte, auf die jeder Reiseführer hinweist, aber das wahre Leben ist anderswo.

Bem-vindo en Brasil
Am späten Nachmittag waren wir wieder auf der argentinischen Seite, mit einigen Stempeln mehr im Reisepass. Dort spazierten wir noch ein bisschen durch den abends doch sehr geschäftigen Ort, zogen uns noch ein gutes Stück Fleisch rein, und als die Nacht vergangen war, am Samstagvormittag gegen 11 Uhr, saßen wir auch schon wieder im Bus zu unserer längsten Reise - knapp 2000 km von Iguazu im äußersten Nordosten nach Salta im Nordwesten, in 23 Stunden Reisezeit.