| Bekehrungsgeschichten |
Der Traum einer MutterDer Bericht von Lehis Traum im Buch Mormon hat Pedro und Nancy Cantos und ihren Kindern ihre zwei größten Segnungen geschenkt: das Evangelium und die Gesundheit ihres Babys.
Pedrito, das fünfte Kind der Cantos', wurde in einem Krankenhaus in Quevedo hoch in den Anden in der Nähe des Aquators geboren. Zuerst schien der Junge ganz gesund zu sein, aber zwei Tage nach seiner Geburt hatte er den pränatalen Darminhalt noch nicht ausgeschieden und schrie vor Schmerzen. Seine Eltern waren sehr beunruhigt und wollten nicht bis zum Morgen warten, um den Rat eines Spezialisten einzuholen, denn zwei ihrer Kinder waren bereits unvermutet gestorben. Nancy Julema, ihr drittes Kind, war an einer unbekannten Krankheit gestorben. Zwei Jahre später war ihr viertes Kind, der einjährige Juan-Carlos, auf dem Weg ins Krankenhaus in Guayaquil in Ecuador in den Armen seiner Mutter an bronchitischer Lungenentzündung gestorben. Die verzweifelte Mutter stieg in der nächsten Stadt aus dem Bus, aber kein Bus- oder Taxifahrer wollte sie mit dem toten Kind nach Hause bringen. Schließlich tat sie in ihrer Verzweiflung so, als ob das Kind schliefe, und fuhr per Anhalter zurück nach Quevedo, erst in einem Lastwagen und dann in einem Privatwagen. Pedro Cantos fürchtete also das Schlimmste, wickelte seinen neugeborenen Sohn in eine Decke, gab seiner Frau einen Abschiedskuß und fuhr mit dem Taxi nach Guayaquil, das 280 km entfernt war. Aber während die räumliche Entfernung zwischen den Eltern zunahm, waren sie im Gebet für das Leben ihres Kindes vereint. Als Vater und Sohn schließlich im Krankenhaus ankamen, diagnostizierte der Arzt rasch einen Darmverschluß, den er in einer Sofortoperation beseitigte, indem er nämlich den Dickdarm öffnete, damit der Darminhalt abfließen konnte. Nach drei Tagen befand sich Pedrito nicht mehr in unmittelbarer Gefahr. Sein Vater kehrte nach Quevedo zurück und borgte Geld, um die Behandlung in Guayaquil bezahlen zu können. Er schickte seine Frau ins Krankenhaus, damit sie beim kranken Baby blieb. Nancy Cantos und ihr Baby blieben einen traurigen Monat lang in Guayaquil. Die Arzte machten ihnen nur wenig Hoffnung, daß Pedrito gesund werden würde, und sie wußten nicht, wie oder wo sie noch mehr Geld auftreiben sollten, um die Behandlung zu bezahlen. Obwohl es Pedrito schließlich so gut ging, daß er nach Hause durfte, blieb er krank und fieberte schnell. Er schrie vor Schmerzen und konnte weder schlafen noch Nahrung zu sich nehmen. Er blieb nur am Leben, weil er zwangsernährt wurde. Als Pedrito drei Monate alt war, erlitt er einen schweren Herzanfall. Die Cantos erfuhren nun, daß ihr Baby auch einen schweren Herzfehler hatte. Nach einer Operation am offenen Herzen würde sich ihr Sohn vielleicht erholen; ohne Operation würde er höchstens zehn Jahre alt werden. Und er wäre die ganze Zeit krank. Eine Operation am offenen Herzen! Das würde Tausende kosten, und die Summe konnten sie unmöglich aufbringen. Die Eltern fuhren tieftraurig mit dem Baby nach Hause zurück. Sie kämpften ständig darum, Pedrito überhaupt am Leben zu erhalten. Einen Tag schien es ihm ein bißchen besser zu gehen; am nächsten Tag ging es ihm wieder schlechter. Die Eltern mußten ihn alle drei bis vier Wochen nach Guayaquil bringen, damit er Medikamente bekam und behandelt wurde, und das verlangte ihnen bei ihrem bescheidenen Einkommen große Opfer ab. Die ganze Zeit hörten sie nicht auf zu beten. Und in einem Traum erhielten sie dann eine Antwort. Eines Nachts - Pedrito war fast zehn Monate alt - träumte Nancy Cantos, sie sähe aus dem Küchenfenster nach draußen, aber statt des gewohnten Bildes - dichtgedrängte Häuser - sah sie einen weiten, schönen Rasen, der sich so weit erstreckte, wie ihr Auge reichte. Weit draußen grub ein Mann in der Erde. Sie ging zu ihm und fragte: „Was tun Sie da?” Er antwortete: „Ich pflanze Kräuter, um die Krankheiten der Menschen zu heilen." Dann sah Nancy Cantos in der Nähe einen ganz ungewöhnlichen Baum. „Was soll denn dieser Baum?” fragte sie. „Dieser Baum hat die Medizin, um Pedritos Krankheit zu heilen”, entgegnete der Fremde. Eifrig bat sie: „Sagen Sie doch, wie ich die Medizin dieses Baumes meinem Kind geben kann.” Bevor der Fremde antworten konnte, sah Nancy Cantos in der Ferne einen Mann am Fenster eines Hauses stehen, der sie ansah. Auf der Stelle verließen er und ein weiterer Mann - beide ganz in Weiß gekleidet - das Haus und kamen auf sie zu. Nancy Cantos bekam Angst, lief zitternd in ihr Haus zurück und verriegelte die Tür. Die Männer kamen an das verbarrikadierte Fenster und fragten: „Warum hast du Angst?” „Weil - ich bin allein hier mit meinem kranken Kind.” „Aber weißt du denn nicht, daß eine verriegelte Tür und verbarrikadierte Fenster uns nicht daran hindern hineinzukommen?” fragten sie freundlich. „Gott hat uns geschickt, damit wir dir helfen, denn du hast Glauben gehabt und eifrig in der Bibel studiert und nach Gottes Wort getrachtet.” Von einer Sekunde auf die andere waren sie im Haus, und Nancy Cantos wachte auf. Dieser Traum blieb in ihr lebendig, obwohl sie niemand davon erzählte. Eine Woche später klopften zwei Missionare an die Tür der Cantos'. An jenem Abend nahmen sie mit Nancy und Pedro Cantos sowie Cesar und Fernando, den beiden älteren Söhnen, die erste Lektion durch. Bevor die Missionare gingen, gaben sie der Familie ein Buch Mormon, in dem sie die Stellen markiert hatten, die davon erzählen, daß Christus Amerika besucht hat. Außerdem waren sie inspiriert worden, auch die Stellen zu unterstreichen, die von Lehis Traum vom Baum des Lebens berichteten. Das hatten sie noch nie getan. Als Nancy Cantos später den Bericht von Lehis Traum las, packte sie eine tiefe Erregung. Er war ihrem eigenen so ähnlich! Sie wußte im Innersten, daß dies die Antwort auf ihre Gebete war. Eifrig las sie ihrem Mann die Stellen vor und erzählte ihm von ihrem Traum. Auch er glaubte, daß dies die Antwort war. „Wenn wir Gottes Gebote befolgen und uns an der eisernen Stange festhalten, wird unser Baby gesund”, sagte er seiner Frau. Die Cantos' konnten die nächste Lektion kaum erwarten. Eines Abend, als die Missionare wieder zu den Cantos' kamen, hatte sich Pedritos Zustand äußerst verschlimmert. Die Missionare hatten den Eindruck, sie sollten über die Verordnungen des Priestertums sprechen. Die Familie wünschte sich sehr, daß Pedrito einen Segen bekam. Er war so dünn, daß man die Knochen unter der Haut hervorstechen sah. Er hatte bisher außer Milch nichts zu sich nehmen können. Er konnte weder laufen noch sprechen, und er schlief selten mehr als eine Stunde oder zwei auf einmal. Die Missionare gaben dem Kind einen Segen. Als sie gingen, hatten sie das starke Gefühl, der Junge werde gesund werden. Von der Zeit an ging es Pedrito besser. Die Cantos' ließen sich taufen, und die Gesundheitsmissionarinnen halfen Schwester Cantos dabei, Pedrito auf feste Nahrung umzustellen. Er nahm zu, und zum ersten Mal in seinem Leben schlief er die Nacht durch. Außerdem lernte er laufen und sprechen. Die häufigen kostspieligen Fahrten nach Guayaquil waren nicht mehr notwendig. Dann wurde Pedrito plötzlich wieder krank. Er hatte gefährlich hohes Fieber, und seine Eltern brachten ihn wieder nach Guayaquil. Die Ärzte sagten ihnen, daß Pedrito mindesten fünf Tage im Krankenhaus bleiben und sofort am offenen Herzen operiert werden müsse, wenn er am Leben bleiben sollte. Aber zu jedermanns Erstaunen ging es Pedrito am nächsten Tag so gut, daß er das Krankenhaus verlassen konnte. Wieder in Quevedo halfen die Gesundheitsmissionarinnen der Familie Cantos dabei, einen Antrag auf Beihilfe zu den Operationskosten zu stellen. Die Ärzte sagten den Eltern, daß sie für die Operation entweder in die Vereinigten Staaten oder nach Brasilien fahren müßten. Aber ein Mitglied der Kirche, in dessen Familie jemand erst kürzlich wegen einer ähnlichen Krankheit operiert worden war, erzählte ihnen von Dr. Oswald Bonilla, einem Herzspezialisten im nahegelegenen Quito. Obwohl Dr. Bonilla auf Monate hinaus ausgebucht war, erklärte er sich bereit, Pedrito in zwei Wochen anzuschauen. Aber es kam etwas dazwischen; Dr. Bonilla konnte Pedrito nicht sofort sehen. Schwester Cantos hatte einen Nähkurs gemacht, damit sie Geld verdienen konnte, um die Krankenhausrechnungen zu bezahlen, und ihre Abschlußprüfung sollte an dem Tag stattfinden, an dem Dr. Bonilla Pedrito untersuchen wollte. Dr. Bonilla verschob die Untersuchung freundlicherweise um zwei Wochen. An dem Tag aber streikten die Busfahrer, und die Cantos' konnten wieder nicht kommen. Nach sechs Wochen standen sie schließlich Dr. Bonilla gegenüber. Elektrokardiogramme, Röntgenuntersuchungen und viele weitere Tests zeigten, daß Pedrito für eine Operation zu schwach war. „Es dauert mindenstens acht bis zehn Monate, bis er kräftig genug ist”, sagte Dr. Bonilla den angstvollen Eltern. Er ordnete weitere Untersuchungen an. Drei Tage später - Pedrito sollte gerade neuen Tests unterzogen werden - sagten zwei junge Männer in weißem Hemd und dunklem Anzug Dr. Bonilla: „Wir möchten dem Kind gerne einen Segen geben.” Der Arzt entgegnete: „Ich geben Ihnen fünf Minuten Zeit”, und verließ den Raum. Später am Nachmittag stieß er vor Erstaunen einen Pfiff aus. Die Tests zeigten eine derartige Verbesserung in Pedritos Gesundheitszustand, daß Dr. Bonilla die Operation sofort durchführen wollte. „Es war schlimmer, als wir geglaubt hatten”, sagte Dr. Bonilla den Eltern sowie den Missionaren und Schwestern, die mit ihnen während der fünf angstvollen Stunden gewartet hatten, die die Operation gedauert hatte. „Aber wenn Sie weiterbeten, bleibt Pedrito am Leben.” Und Pedrito blieb am Leben. Er erholte sich schnell. Bald rannte er wie jeder andere kleine Junge umher und spielte. Pedritos Kampf ums Überleben hat andere Wunder bewirkt. Dr. Bonilla und Dr. Lopez, sein Assistent, waren von dem Glauben und dem Wunder, das sie mit ansahen, als die Missionare Pedrito einen Krankensegen gaben, so gerührt, daß sie für die Operation nichts berechneten. Aus Schwester Cantos' Familie haben viele das Evangelium angenommen; viele Angehörige von Bruder Cantos warten sehnsüchtig darauf, daß die Missionare die Gegend erschließen, in der sie leben, so daß auch sie im Evangelium unterwiesen werden können. Vira H. Judge, Juni 1986 20:22 - 2.11.2008 - Kommentieren
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