Bekehrungsgeschichten

HUNG WO LOI -- Wahrheitssuche an der chinesischen Grenze

Geschrieben in Unbenannt
In der Blechhütte drängten sich dunkeläugige Menschen und hörten Hung Wo Loi's machtvollem Zeugnis von Jesus Christus gespannt zu. Durch das offene Fenster sah man die Lichter entlang der chinesischen Grenze flimmern.
Bruder Hung, der fließend Mandarin und Indonesisch sprach, half den amerikanischen Missionaren in Macau oft als Dolmetscher, weil sie nur Kanton-Chinesisch sprachen. Macau ist eine winzige portugiesische Kolonie im Südosten Chinas, etwa sechzig Kilometer westlich von Hong Kong. Hunderttausende Menschen leben dort auf nur 15 Quadratkilometern.
Noch ein Jahr zuvor hatte Bruder Hung vom Buch Mormon noch gar nichts und von Christus erst sehr wenig gewußt. Er und seine Frau So Kam Wah hatten nach der Wahrheit über das Leben und über Religion gesucht und Missionare aller Glaubensrichtungen zu sich eingeladen, ohne jedoch die Antworten zu finden, die sie suchten.
Für Wo Loi hatte die Suche in Indonesien begonnen, wo seine Mutter es verstanden hatte, jedem ihrer zehn Kinder Glauben ins Herz zu pflanzen. „Wir haben auch gelernt, fleißig zu arbeiten und ehrlich zu sein”, berichtet Bruder Hung. „Dreimal fand mein Vater beim Viehhüten eine Armbanduhr, und jedesmal gab er sie bei den öffentlichen Stellen ab.”
Als Wo Loi zwölf Jahre alt war, übersiedelte seine Familie nach China. Jeden Tag ging er nach der Schule in die Kantoner Berge in der Nähe des Hauses, um Gras für die Schweine zu holen, die die Familie züchtete. In der Schulzeit lernte er die hübsche sommersprossige So Kam Wah kennen.
„Ihr Optimismus und ihre fröhliche Art gefielen mir. Sie war immer gleich bereit, mir bei Schulprojekten zu helfen.“
Schüler durften nicht mit Mädchen ausgehen, und so wurden wir einfach gute Freunde.” Kam Wahs Familie zog dann in eine 160 Kilometer entfernte Ortschaft. Acht Jahre hindurch blieben die beiden brieflich in Verbindung.
Als Bruder und Schwester Hung geheiratet hatten, mußten sie hart arbeiten — er als Projektleiter, dem 2000 Arbeiter unterstanden. Seine Aufgabe war es, Methoden zu finden, um Kautschukplantagen vor verheerenden Wirbelstürmen zu schützen. Sie mußte jeden Tag morgens um vier aufstehen und Bäume anbohren, um Kautschuk zu gewinnen.
1979 wanderten die Hungs nach Macau aus, um ein neues Leben zu beginnen. Sie hatten damals zwei Töchter und haben inzwischen auch einen Sohn. Sie eröffneten in der eigenen kleinen Wohnung eine kleine Textilweberei.
Drei Jahre danach hörte Wo Loi durch das Klappern der Webmaschinen ein Klopfen an der Tür. Draußen standen zwei HLT-Missionare. Er bat sie hinein, ließ seine Arbeiter die Arbeit unterbrechen, so daß alle diesen Gesandten einer unbekannten Religion zuhören konnten.
Bald waren die Hungs davon überzeugt, daß das die Religion war, nach der sie gesucht hatten. Nur gab es ein Hindernis für Wo Lois Taufe: Er hatte seit seinem neunten Lebensjahr geraucht, nicht nur Zigaretten, sondern auch den Bambusbong, eine riesige chinesische Pfeife, die auf dem Boden ruht. Als die Missionare ihn aufforderten, sich das Rauchen abzugewöhnen, fing er an, ihnen aus dem Weg zu gehen. Wenn sie kamen, verließ er zuvor das Haus. Aber sie gaben nicht auf und warteten manchmal stundenlang, bis er zurückkam. Wo Loi war von ihrer Fürsorglichkeit bewegt und entschloß sich, das Rauchen abzugewöhnen. Immer, wenn er den Drang verspürte zu rauchen, steckte er ein Stück heiße Ingwerwurzel in den Mund. In vier Tagen hatte er das Rauchen überwunden.
Am 25. April 1982, etwas über einen Monat nach der ersten Begegnung mit den Missionaren, wurden Bruder und Schwester Hung getauft.
Bald darauf wurde Bruder Hung Hausmeister des Zweiges Macau. Während im darauffolgenden Jahr das Versammlungshaus renoviert wurde, fiel in das aus Holz grob gezimmerte Taufbecken oft Schutt und Ruß.
Eimer um Eimer leerte er die abflußlose Holzwanne und trug das Wasser die Treppe hinauf, um es draußen in einen Abfluß zu schütten. Wenn das Becken dann gereinigt war, füllte er es wieder mit einem Schlauch.
„Bruder Hung reinigte jede Woche stundenlang das Taufbecken”, erinnert sich Elder Gary Swenson, der damalige Zweigpräsident von Macau. „Er tat das unabhängig davon, ob es eine Taufe gab. Er hoffte einfach immer, es würde eine geben.”
Bruder Hung war entschlossen, alle Gebote zu halten und auch den Zehnten zu zahlen, obwohl er finanzielle Schwierigkeiten hatte. „Die schwierigste Glaubensprüfung nach meiner Taufe kam zu Schulbeginn. Wir hatten einfach nicht genügend Geld, um unsere beiden Töchter zur Schule zu schicken”, erzählt er.
„Dann sah ich eines Nachts im Traum Jesus Christus mit ausgestreckten Armen. Er sagte zu mir: ,Gräme dich nicht, sorge dich nicht. Wenn du meine Gebote hältst, segne ich dich.'”
Ein paar Tage später rief ein Freund aus Hong Kong an und bot ihm an, die Ausbildung seiner Kinder zu finanzieren.
Achtzehn Monate nachdem sich Bruder Hung der Kirche angeschlossen hatte, wurde er als Zweigpräsident berufen, und zwar als erster örtlicher Bruder. Bis dahin hatten nur Missionare über den Zweig präsidiert. „Die Mitglieder in Macau sind tief bewegt von Bruder Hungs Demut und seiner tiefen, wahrhaft christlichen Liebe”, weiß Elder Leland Chand, ein Missionar im Zweig Macau, zu berichten.
Klettert man als Besucher die leiterartige Treppe zu der aus einem Raum bestehenden Wohnung der Hungs hinauf, so begrüßt einen das offene, breite Lächeln von Bruder Hung und das eher stille seiner Frau. Dieses Gefühl der Wärme und auch seine Mehrsprachigkeit zieht Flüchtlinge und andere Neuankömmlinge in Macau an, und so dolmetschen die Hungs häufig für Leute, die sich für die Kirche interessieren. Mehr als einmal hat Bruder Hung gemeinsam mit den Missionaren in dichtbesetzten Blechhütten gelehrt, während sich weitere Menschen um die Tür drängten, um zuzuhören. Sein Vorbild und sein ergreifendes Zeugnis haben bereits etliche Familien veranlaßt, sich der Kirche anzuschließen.
„Durch ständiges Schriftstudium habe ich die große Güte Gottes gekostet und die Führung des Heiligen Geistes erlangt”, sagt Bruder Hung. „Ich habe eine unerschöpfliche Wahrheitsquelle gefunden. Es sind die Worte und Lieder in mir, die am schönsten ausdrücken, was ich empfinde: ,Gott liebt mich, und ich liebe Gott. Er führt mich, und ich folge. Ewig derselbe, weist er mir den Weg.'”
Nanette Larsen, Oktober 1986

21:26 - 2.11.2008 - Kommentieren


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