Bekehrungsgeschichten

Meine Stärke ist der Herr

Geschrieben in Unbenannt
Ich wohne in Brasilien. Schon als kleines Mädchen habe ich davon geträumt, einmal etwas Großes zu vollbringen. Aber ich war sehr schüchtern und unsicher und hielt mich für außerstande, etwas Wichtiges zu leisten. Weil ich so schüchtern war, verstanden mich meine Mitmenschen häufig falsch, und deshalb mißlang mir fast alles.
Im Laufe der Jahre spürte ich den immer drängenderen Wunsch, das Schneckenhaus zu verlassen, in das ich mich geflüchtet hatte. Ich wußte, daß Gott etwas von mir erwartete, aber ich wußte nicht, was das war. Und obwohl ich spürte, daß es einen Weg nach draußen gab, wußte ich doch nicht, wie ich ihn finden sollte.
Dann heiratete ich und bekam zwei Söhne. Aber jetzt dachte ich nur noch ängstlicher darüber nach, wie ich den Weg nach draußen finden sollte, denn nun mußte ich ja auch an meine Kinder denken. Was sollte aus ihnen werden, wenn sie einmal groß waren? Was konnte ich ihnen mitgeben? Ich hatte doch nichts anderes zu bieten als die Erfahrungen eines schüchternen Menschen, dem vieles mißlungen war.
Dann klopften eines Tages zwei Missionare der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage an unsere Tür. Sie unterwiesen uns im Evangelium, und mir war, als ob ich den Weg in eine schönere Zukunft vor mir sah. Aber ich mußte erst herausfinden, ob dieser Weg auch wirklich richtig war.
Und das war eine schwierige Entscheidung, denn anfangs wollte sich mein Mann nicht der Kirche anschließen. Als die Missionare alle Lektionen mit uns durchgenommen hatten, entschlossen wir uns, mit der Taufe noch zu warten. Trotzdem besuchten wir weiterhin die Aktivitäten der Kirche.
Zwei Jahre später hatte mein Sohn einen Unfall, und mir wurde bewußt, wie vergänglich das Leben ist und wie wichtig es daher ist, daß man sich auf die Ewigkeit vorbereitet. Deshalb nahm ich mir vor, mich jetzt der Kirche anzuschließen. Als mein Mann merkte, daß mein Entschluß feststand, entschloß auch er sich zur Taufe. Deshalb ließen wir vier uns am 26. Juni 1976 taufen.
Ich hatte den Weg gefunden, nach dem ich gesucht hatte. Ich wußte, daß es den himmlischen Vater gab, der mir Talente geschenkt hatte und von mir erwartete, daß ich diese Talente auch entwickelte. Ich merkte, wie die Menschen mir Liebe entgegenbrachten, mich so akzeptierten, wie ich war, und mir zeigten, wie ich als Frau, als Mutter und als Ehefrau Fortschritt machen konnte. Ich wußte jetzt, daß ich einen Vater hatte, der etwas von mir erwartete, und daß ich mich nicht mehr hinter meiner Schüchternheit verstecken konnte.
Ich begann zu lernen und Fortschritt zu machen. Ich erfüllte mehrere. Berufungen in der Kirche. In der FHV habe ich vieles gelernt, was mir geholfen hat, materiell und geistig Fortschritt zu machen. Ich habe bei Tanzveranstaltungen, Theateraufführungen und Chordarbietungen mitgewirkt. Ich habe selbst Programme organisiert. Ich habe Handarbeiten gelernt und beschäftige mich jetzt mit Musik.
Mein Mann und meine beiden Söhne haben auch weiterhin Fortschritt im Evangelium gemacht. Mein jüngerer Sohn hat eine Vollzeitmission in der Mission Rio de Janeiro in Brasilien erfüllt. Wir alle sind weiterhin in unserer Gemeinde Mogi-Mitte in Säo Paulo aktiv.
Heute bin ich fast 60 Jahre alt und diene derzeit als Bildungsratgeberin in der Pfahl-FHV-Leitung. Mein Mann und ich dienen außerdem beide im Säo-Paulo-Tempel. Ich bin zwar immer noch schüchtern, aber wenn ich Gottes Werk tue, verstecke ich mich dabei nicht. Die Kirche hat mir gezeigt, daß es vor Gott keine unfähigen Menschen gibt.
Ich habe mir das Ziel gesetzt, mich für die Ewigkeit bereitzumachen, indem ich an Weisheit zunehme und meine geistige Gesinnung vertiefe, meine Talente entwickle und demütig bin. Eines Tages möchte ich nämlich zum himmlischen Vater zurückkehren und sagen können, daß ich zwar nicht alles erreicht, aber doch nie aufgegeben habe.
Aber was immer ich auch tue – ich werde nie vergessen, daß die Herrlichkeit dem himmlischen Vater gebührt. Alles, was ich geworden hin, verdanke ich ihm und der Mitgliedschaft in seiner Kirche.

Ana Lugoboni Luz, Mai 1995

20:39 - 2.11.2008 - Kommentieren


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