| Bekehrungsgeschichten |
Erinnerungen aus TagebüchernEs war schwer, anders zu sein
HELENA HANNONEN, Finnland, August 1975 Im Frühsommer 1960 fuhren zwei junge Männer mit Fahrrädern durch die Straßen von Lappeenranta. Sie klopften an die Türen und sprachen die Menschen an, und wir sahen, daß es Ausländer waren. Das war für uns Kinder sehr aufregend, und wir paßten immer gut auf, wenn die Erwachsenen etwas über die Mormonen sagten. Eines Abends sagte meine Mutter, die Witwe war, zu meinem Bruder und mir, daß sie nicht glauben könne, was über diese Missionare Schlechtes gesagt würde, und daß sie fände, sie würden nicht gut behandelt. Sie sagte, sie wolle sie zu uns einladen, damit sie uns ihre Botschaft bringen könnten. Wie dankbar bin ich, daß sie diese christliche Einstellung hatte! Der Missionar, der uns belehrte, konnte nur wenig Finnisch. Oft fragte er uns Kinder, ob wir ihn verständen, und wir verstanden ihn. Er erklärte das Evangelium in einfachen und schönen Worten, und im August des Jahres wurden wir alle getauft. Viele Jahre war ich die einzige Heilige der Letzten Tage in der Schule. Obwohl es schwierig war, anders zu sein und die unfreundlichen Bemerkungen und das Verhalten meiner Klassenkameradinnen zu ertragen, sagte ich mir oft: „Wage es, anders zu sein!” Allmählich überwand ich die Furcht vor der Unfreundlichkeit der anderen. Ich sonderte mich nicht ab, sondern respektierte das Recht der anderen, anders zu sein als ich. Als ich 12 Jahre alt war, hatte ich die erste Debatte mit meiner Religionslehrerin. Ich gab eine Antwort, die durch das, was in unserer Kirche gelehrt wurde, beeinflußt war, und die Lehrerin sagte, das sei falsch. Als ich da stand und ihr zuhörte, spürte ich den Geist des Herrn und war imstande, ihr Bibelstellen zu zitieren, die meine Antwort bewiesen. Schließlich konnte sie nichts mehr dagegen sagen. Von diesem Tage an war ich überzeugt, daß der Herr unsere ehrlichen und demütigen Bitten erhört. Meine Mutter hatte einen schwachen Körper, aber einen starken Geist. Sie führte mich mit sanfter, aber fester Hand auf dem Weg, den ich gewählt hatte. Anstatt meine Abende in den dunklen, rauchigen Cafes zu verbringen, wo die anderen Jugendlichen waren, beschäftigte ich mich auf ihre Anregungen hin mit Musik, Kunst, Literatur und Sport. Bald achteten mich, meine Klassenkameradinnen, ich war eine ihrer Führerinnen. Jedesmal wenn meine Klasse in der Schule den Morgengottesdienst leiten mußte, forderten sie mich auf, allen Schülern etwas über meinen Glauben zu sagen. Meine Klasse unterstützte mich auch dadurch, daß wir, anstatt Lieder ihrer Kirche zu singen, eine Platte des Tabernakelchores spielten. Sieben Jahre vergingen, da bat mich meine Lehrerin, in der Klasse 15 Minuten lang über die Kirche zu sprechen. In den nächsten beiden Stunden mußte ich lauter Fragen beantworten. Dann kam die Lehrerin zu mir und sagte, sie wüßte, daß ich recht habe und sie wolle jetzt das Buch Mormon lesen. Ich bin mit reicher Erfahrung gesegnet worden. Der Erlöser ist meine ganze Jugend hindurch mein Hirte, mein Licht und mein besonderer Freund gewesen. Der Mut meines Großvaters ASMUS H. HERNES Trondheim, Norwegen, August 1975 Meinem Großvater mütterlicherseits habe ich es zu verdanken, daß ich in Narvik in der Kirche aufgewachsen bin. Weil Narvik einen eisfreien Hafen hat, wurden von hier aus die wertvollen Erze verschifft, die mit der Bahn aus Lappland kamen. Weil es hier gut zu verdienen gab, strömten viele Menschen herbei. Auch heute besteht noch ein lebhafter Verkehr mit dem Ausland. Mein Großvater kam Ende des vorigen Jahrhunderts als Lehrer und Kirchensänger dorthin. Meine Mutter, das jüngste von 12 Kindern, begleitete von klein auf oft ihren Vater. Als sie 16 Jahre alt war, forderte er sie eines Abends auf, mit ihm eine Versammlung in der Stadt zu besuchen. Er tat sehr geheimnisvoll und ging in Richtung auf den größten und vornehmsten Saal, wo ein bekannter Politiker sprechen sollte. Er ging aber nicht hinein, sondern führte sie über einen Hinterhof in einen viel unansehnlicheren Saal. Zwei lächelnde Amerikaner begrüßten sie dort. Er hatte sie mitgenommen, damit sie gemeinsam das Evangelium hörten, und zu ihrem großen Erstaunen glaubte sie, was sie hörte. Zuerst fiel es ihr schwer, das gebrochene Norwegisch zu verstehen, aber als die Missionare erklärten, daß auf kleinen Kindern keine Sünde ruhte und sie deswegen nicht getauft zu werden brauchten, erwachte ihr Interesse. Die Missionare lehrten sie das Evangelium, und eines Tages sagte sie zu ihrem Vater, daß sie sich taufen lassen wolle. Er war nicht sicher, ob sie so jung schon diesen Schritt unternehmen sollte. Am nächsten Mittag kam er jedoch fünf Kilometer weit von der Arbeit nach Hause, weil er über diese Sache beunruhigt war. Meine Mutter erschrak sehr, weil sie dachte, er sei krank — wenn man vor dem Abend seine Arbeit verließ, war das genauso, als ob man kündigte. Aber er war gekommen, um seiner Tochter zu sagen, daß er ihr erlauben würde, sich der Kirche anzuschließen und dadurch ihre Freunde zu verlieren, wenn sie selbst den Mut dazu habe. Nachdem er das gesagt hatte, war ihm, als sei eine schwere Last von seinen Schultern gefallen, und er ging wieder zu seiner Arbeit zurück. Die Taufe fand an einem einsamen Strand statt, weit vom nächsten Haus entfernt, wo eine freundliche alte Dame ihnen erlaubte, sich umzuziehen. Sie hatte nicht ganz begriffen, was sie vorhatten, und war entsetzt, als sie in ihren nassen Kleidungsstücken zurückkamen, die schon anfingen zu gefrieren. Es war Oktober und sehr kalt, aber im Wasser war es dank des Golfstromes, der den weiten Weg von Amerika herkam, wärmer. Meine Mutter war glücklich. Obwohl alte Freunde und Verwandte sich zuerst von ihr abwandten, kamen sie doch allmählich zurück. Schließlich achteten und bewunderten sie alle. Später erlebte sie auch die Taufe ihrer Eltern. Ich lernte das Evangelium an ihren Knien, und obwohl die Hilfsorganisationen damals noch nicht voll organisiert waren und Narvik die nördlichste Gemeinde der Kirche war, kamen doch ein paar treue Mitglieder regelmäßig zusammen, die voller Eifer allen, die sie trafen, erzählten, daß der Herr wieder gesprochen habe. 20:08 - 2.11.2008 - Kommentieren
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