| Bekehrungsgeschichten |
Bernard Lefrandt -- ein holländisch-indonesischser OffizierZuerst wollte Bernard Lefrandt den beiden amerikanischen Missionaren nicht zuhören, die 1950 an die Tür seines Hauses in Den Haag klopften. Dabei war er in Indonesien, wo er geboren worden war, als äußerst gastfreundlicher Mensch bekannt gewesen. Aber Bernard Lefrandt - oder Bert, wie seine Freunde in mehreren Ländern ihn nannten - war der Ansicht, er habe bereits einen Gott, der ihm unzählige Male das Leben gerettet hatte. Als er im Inselwald auf der Jagd war, war er vor den wilden Tieren beschützt worden, im Zweiten Weltkrieg, als er mit dem Fallschirm hinter den feindlichen Linien absprang, war ihm nichts geschehen, und erst vor kurzem, als er in Indonesien auf der schwarzen Liste gestanden hatte, hatten ihm die Kugeln eines Attentäters nichts anhaben können. Bert Lefrandts Gott hatte sogar seine Frau und seine Kinder im Flüchtlingslager beschützt. Wie also konnte er sich da einem neuen Gott zuwenden?
Ende 1950 besuchten die Missionare zum ersten Mal die Familie Lefrandt, die 1948 nach Holland gekommen war. Nora Lefrandt, seine Frau, war in hohem Maße geistig gesinnt, und die Botschaft von Gottes Güte und dem wiederhergestellten Evangelium beeindruckte sie tief. Gottes Barmherzigkeit hatte Nora Lefrandt und ihrer Familie über fast unüberwindliche Schwierigkeiten hinweggeholfen. Sie nahm das Buch Mormon an, ebenso die Aufforderung, es zu lesen. Als aber Bert Lefrandt vorn Besuch der Missionare erfuhr, wollte er weder mit ihnen noch mit dem Buch, in dem seine Frau so eifrig las, etwas zu tun haben. Wenn es bei der Begegnung mit den Mornionenmissionaren nur auf Mut angekommen wäre, dann hätte sich ihnen niemand besser entgegenstellen können als Bernard Willem Lefrandt, Nachfahre von Holländern, Indonesiern und Franzosen. Er war allen Problemen, die in Indonesien auf traten, mutig entgegengetreten. Seine ungeheure Körperkraft hatte ihm bei den Dorfbewohnern den Ruf verschafft, übernatürliche Kräfte zu besitzen. Er war der unangefochtene Meister im Kampf mit Wildschweinen, die er mit bloßen Händen niederzwang. Bernard Lefrandts Zögern war aber auch nicht auf Unwissenheit zurückzuführen. Seine Intelligenz, seine Bildung und seine angeborene Großzügigkeit hatten ihm einen offenen Sinn und eine liebevolle Einstellung zu allen Menschen geschenkt. Er arbeitete in Indonesien als Zollbeamter für die niederländische Regierung. Dort lernte er Nora kennen, die Tochter seines Vorgesetzten, und heiratete sie. Sie war holländisch-indonesicher Herkunft und unterrichtete an einer Schule. Schließlich wurde Bert Lefrandt Offizier in der niederländischen Marine. Bert und Nora Lefrandt waren beide sehr sprachbegabt; sie sprachen Fran zösisch, Deutsch, Holländisch und Englisch und außerdem noch mehrere indonesische Dialekte. Gemeinsam erzogen sie ihre Kinder im Glauben an Gottes Güte und an den Wert christlicher Prinzipien. Das größte Hindernis für Bert Lefrandt aber bildeten die konkreten Vorstellungen, die er in bezug auf richtige und falsche Religion hatte. Der Aberglaube und der Spiritismus in Indonesien hatten ihm nicht gefallen. Er hatte nach höheren Wahrheiten gesucht und einmal sogar erwogen, buddhistischer Priester zu werden. Diesen Gedanken hatte er dann aber wieder verworfen, weil er dafür seine Frau und seine Kinder hätte verlassen müssen. Seine Frau glaubte fest an Jesus Christus, und diesen Glauben übernahm er schließlich auch, las viel in der Bibel und lernte sie dadurch recht gut kennen. Nora Lefrandt las das Buch Mormon zu Ende. Am Ende einer weiteren Lektion, an der nur sie teilgenommen hatte, spürte sie den Geist so stark, daß sie sich taufen lassen wollte. Aber sie wollte auch auf ihren Mann warten, der – wie sie gesehen hatte – heimlich im Buch Mormon las, wenn er meinte, sie schlafe. Mitten in der Nacht schaltete er das Licht ein und las bis zwei, drei Uhr morgens. Am nächsten Tag tat er dann so, als ob er die ganze Nacht geschlafen hätte. Nora Lefrandt wartete geduldig auf ihn. Warten hatte sie schon im Zweiten Weltkrieg gelernt, wo sie ihren Mann für tot gehalten hatte. Der gleiche Mut, der Bert Lefrandt Tapferkeitsmedaillen der Alliierten und der niederländischen Regierung für seinen Mut vor dem Feind einbrachte, führte auch dazu, daß er sich mit den Engländern hinter die japanischen Linien bringen ließ und dort mit dem Fallschirm absprang. Er arbeitete jetzt nämlich für die Engländer, und seine Frau wußte überhaupt nicht. wo er sich befand. Allein mit ihren zwei kleinen Kindern lebte sie nach dem Krieg in einem Flüchtlingslager in Bombay' und nahm an, sie werde ihren Mann nie wiedersehen, nachdem sie vier Jahre nichts von ihm gehört hatte. Aber eines Tages im Jahr 1946, als sie gerade mehrere Kinder unterrichtete, betrat ein Mann den Raum und blieb hinten stehen. Es war ihr Mann. Im Zuge seines Dienstes für die Briten war er in Singapur stationiert worden, wo er die Flüchtlingslisten des Landes durchgesehen hatte. Nach dem freudigen Wiedersehen mit seiner Familie ging Bert Lefrandt nach Ceylon, wo er einen weiteren Auftrag zu er füllen hatte. Diesmal nahm er seine Familie mit. Anschließend kehrten alle nach Indonesien zurück. Bert Lefrandt las weiter heimlich im Buch Mormon und horchte sogar an der Tür, wenn die Missionare seine Frau belehrten. Als er sich schließlich bereitfand, selbst mit den Missionaren zu sprechen, entpuppte er sich als sehr schwieriger Untersucher, weil er nämlich für jede Lehre einen Beweis aus der Bibel verlangte, wodurch sich die Lektionen auf ein ganzes Jahr ausdehnten. Inzwischen hatten sich Nora Lefrandt und ihre Tochter Bertie taufen lassen. Weil Nora Lefrandt ihre besten Freunde an ihrer Freude teilhaben lassen wollte, schrieb sie nach Neu-Guinea und erzählte von ihrer neuen Kirche. Nur ein paar Tage später bekam sie einen Brief von ihren Freunden – die beiden Briefe hatten sich gekreuzt. Ihre Freunde schrieben von einem Fischer in Neu-Guinea, der ein eigenartiges Buch aus dem Wasser gefischt hatte, das Buch Mormon. Wußten die Lefrandts irgend etwas über dieses Buch oder über Joseph Smith? Das Buch sei bestimmt von Gott, schrieben ihre Freunde. Und sie baten ihre Freunde in Holland, etwas über die Mormonen heraus zufinden. Diese Bitte wirkte sich positiv auf Bert Lefrandt aus, der ja gelernt hatte, auf Freunde zu hören. Als er 1946 aus Singapur nach Indonesien zurückgekehrt war, hatte sich das Land in einer schweren politischen Krise befunden. Die Nationalisten kämpften für die Unabhängigkeit von den Niederlanden, was Bert Lefrandt gut verstand und womit er durchaus einverstanden war. Aber er war ja holländi scher Offizier und hatte sogar die Order bekommen, Nationalisten aufzuspüren und umzubringen, die aus dem Hinterhalt schossen. Er spürte sie auf, rettete ihnen dann aber das Leben, indem er sie in seinem Garten arbeiten ließ. Als die Nationalisten später an die Macht kamen, wurde einer von seinen „Gärtnern” in ein Regierungsamt berufen und ließ den Lefrandts die Nachricht zukommen, daß Bert Lefrandts Name auf einer Liste mit Leuten stehe, die für ihre Verbindung zu den Niederländern er schossen werden sollten. Zehn Tage später waren die Lefrandts und ihre drei Kinder auf einem Schiff nach Holland unterwegs. Dort gab Bert Lefrandt schließlich seinen Widerstand gegen die Evangeliumswahrheiten auf. Eines Tages legte er während der Lektion die Bibel auf den Tisch und seine Hand darauf. Er sagte: „Ich weiß nicht, was ich Sie noch fragen soll.” Nur ein Jahr nach seiner Taufe im März 1952 wurde er als Präsident des Zweiges Den Haag berufen. Die Beharrlichkeit und Entschlossenheit, die Bernard Lefrandt durch den Dschungel und durch Feindesland geführt hatte, fand nun ein neues Ziel im wiederhergestellten Evangelium Jesu Christi. Bert und Nora Lefrandt wurden treue Gottesknechte und Pioniere, und zwar nicht nur in Holland, sondern auch in Neu-Guinea. wohin die Regierung Bruder Lefrandt von 1954 bis 1956 versetzte. Dort hielten die Lefrandts für sich und zwei weitere Mitglieder, die in Neu-Guinea stationiert waren, bei sich zu Hause die Sonntagsschule und die Abendmahlsversammlung ab. Bert Lefrandt machte andere Marineoffiziere mit dem Evangelium bekannt und traf sich einmal im Monat mit örtlichen Priestern und Geistlichen, um mit ihnen über die Wiederherstellung des Evangeliums und das Buch Mormon zu sprechen. Bert und Nora Lefrandt vergaßen nie, wie gütig Gott zu ihrer Familie gewesen war, und wurden selbst zum Beispiel für seine Liebe und Großzügigkeit. Überall, wo sie hinkamen, waren sie bald als gerecht, großzügig und aufgeschlossen bekannt. Wann immer sich die Möglichkeit ergab, sprach Bert Lefrandt begeistert über das Evangelium, und als er Neu-Guinea wieder verließ, hatte er viele Bücher und Broschüren der Kirche verschenkt, um beim Aufbau des Gottesreiches zu helfen. 1956 kehrten die Lefrandts nach Holland zurück. Dieses Mal zogen sie nach Amsterdam, wo Bert Lefrandt bald wie der als Zweigpräsident berufen wurde. 1960 gingen sie zurück nach Den Haag, und Bert Lefrandt wurde als Ratgeber des Präsidenten des ersten Pfahls in Europa berufen, nämlich des Pfahls Den Haag. Er brachte eine Begeisterung in diese Berufung mit ein, die seine Kinder Frank Cornelius, Bertie Louise, Eric Gerard und Robert immer deutlich spürten. „Meine Eltern waren wirkliche Gründer, wirkliche Pioniere”, sagt Bertie, die mit Jack P. Van Oudheusden verheiratet ist. „Beide haben immer gearbeitet; man konnte ihre Liebe zum Evangelium deutlich spüren.” Als Nora Lefrandt im August 1971 starb, kamen die Menschen scharenweise zur Beerdigung. Die Trauerfeier für Bert Lefrandt fand im Januar 1985 statt. Damals wütete gerade ein so gewaltiger Schneesturm, daß das Begräbnis nicht am selben Tag stattfinden konnte. Trotz der Eiseskälte waren viele Menschen gekommen, um ihrem Freund die letzte Ehre zu erweisen. In Holland und auch in den anderen Ländern, wo Bernard Willem Lefrandt gewohnt hat und die er bereist hat, hat der Samen, den er gepflanzt hat, Frucht getragen, und viele Menschen sehen in ihm einen internationalen Pionier und Knecht des Herrn. Alice Brewer Saily, November 1990 Alice Brewer Saily gehört zur Gemeinde Grandview 2 im Pfahl Grandview in Provo. 1952 war sie Sekretärin des amerikanischen Militärattachés in den Niederlanden, wo sie Bernard und Nora Lefrandt kennenlernte, die sich kurz vorher zur Kirche bekehrt hatten. 20:23 - 2.11.2008 - Kommentieren
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